Ihre Notizen, Gedichte und Bilder für die gedruckte ZEIT
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Ein Gedicht!

Der Bachelor ist vergangen

Von 22. Mai 2012 um 20:00 Uhr

(Nach dem Volkslied »Der Winter ist vergangen«)

Der Bachelor ist vergangen,
Ich seh schon meinen Schein.
Ich seh den Abschluss prangen,
Des ist mein Herz erfreut.
Und auf der Abschiedsfeier,
Da ist gar lustig sein.
Da lädt uns der Dekane
zu manchem Biere ein.

Ich geh, euch alle grüßend,
Durch meine Uni lang.
Schenk Kommilitonen Treue,
Weil sie die liebsten war’n.
Und bitt, sie mögen kommen,
Mit mir auf meinem Weg.
Empfang’n wir unsern Abschluss,
Selbst wenn nicht wohl getan.

Ade, mein Allerliebstes,
Ade, mein Studium fern,
Ade Vorlesungszeiten,
Es muss geschieden sein.
Dass ich mal wiederkomme,
Das steht in fernem Stern.
Doch Sturm und Drang in meinem Leibe
Gehört ja allzeit dein.

Anna Vetter, TU Berlin

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Was auch gesagt werden muss

Von 13. April 2012 um 18:00 Uhr

(Nach Günther Grass »Was gesagt werden muss«)

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Gedanken anderer
schon längst gedacht wurde,
an deren Ende die folgenden Zeilen stehen.

Es ist das behauptete, von Medien kreierte Politikum,
dessen Autor ein Nobelpreisträger ist,
der seine Meinung zu einem politischen Konflikt
äußert zwischen Israel und Iran.

Warum soll diese Meinung uns wichtig sein?
Ist dieser Mann ein Experte des Nahen Ostens?
Ein Politiker, der eine wichtige Entscheidung treffen
oder beeinflussen wird? Was ist an einer Meinung
Skandalöses, die nichts Neues als alte Kamellen
hervorbringt?

Doch warum untersage ich mir,
jenen Autor beim Namen zu nennen,
der seit Jahren – wenn auch abseits von der
großen Öffentlichkeit – einen wachsenden
Literaturberg erschafft, welcher nicht
für außenpolitische Fachexzellenz bekannt ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Feigheit,
die zwar keine Strafe in Aussicht stellt;
das Verdikt »niveauloser Parodist« ist geläufig.

Jetzt aber zum Wesentlichen:
Warum nennt man einen Text ein »Gedicht«,
der sich nicht reimt, der der Poetizität entbehrt,
der nicht einmal äußerlich einer Form unterworfen ist,
sondern lediglich Zeilenumbrüche aufweist?
Warum sprechen die Medien über
die Empörung, kaum über den Inhalt?
Wäre eine Analyse nicht hilfreicher
als boshafte Unterstellungen?

Warum sind wir als Überlebende bloß Fußnoten?
Eine gelungene Metapher ist es nicht,
weil sie nichts Konkretes veranschaulicht.
Seit wann will Israel das iranische
Volk auslöschen? Ein Genozid durch Israel? Dies
erscheint mehr als absurd.

Warum der Autor sich etwas untersagt,
was in Deutschland viele andere schon tun,
nämlich Israel zu kritisieren, ist unverständlich. Die
antisemitische Moralkeule hält man als Bildungsbürger
aus. Auch keine Enthüllung ist, dass Deutschland
als Alliierter Israels dorthin Waffen liefert. Warum also
die plötzliche Aufregung?
Das Deutschsein als Schweigegrund
zu nehmen über 60 Jahre nach dem Krieg, ist unbegründet.
Die Tatsache, dass man durch Waffenlieferungen an andere
Länder Mitschuld trägt an den von diesen Waffen begangenen
Verbrechen, ist auch nicht neu.

Schweigen zu diesem Konflikt tut jetzt
kaum jemand. Die Diplomatie bemüht sich seit je um eine
friedliche Lösung,
insbesondere die mächtige amerikanische.

Was also bringt dieses Gedicht
Neues?
Ekelhaftes?
Verräterisches?
Nichts.

Stattdessen: Ein Einreiseverbot für diesen Literaturnobelpreis­träger.
Was für eine Fehlreaktion.

Wladislaw Jachtchenko, München

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Winterdiät

Von 27. November 2011 um 18:00 Uhr

Her mit der Gans!
Fett auf den Tisch!

Vergesst die Salate
und auch den Fisch!

Das Essen sei schwer
und süß das Dessert!

Verschwindet das Licht
mag ich Mageres nicht!

Tee mit Rum bringt
den Winter um!

Und wenn es mir auch die Adern zerfetzt:
Ich lebe jetzt!

Rolf Mahling, Korbach, “Hessisch Sibirien”

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Zug um Zug

Von 23. November 2011 um 14:00 Uhr

Dem bewundernswerten Mitherausgeber der ZEIT, Schachfreund und Kanzler aller Kanzler

ZUG UM ZUG, jawohl, ich wette,
meint nicht etwa Schack, échec,
einzig nur die Zigarette
ist gemeint, das ist der Gag

deshalb ziehen auch nicht beide
gleichzeitig eine Figur,
wahrlich, welche Augenweide,
Peer reicht wohl ein Streichholz nur

Steine steh‘n zum Steinerweichen,
neunzig Grad verdreht das Brett,
doch die ZEIT macht ohnegleichen
Zug um Zug dies wieder wett

elder chessman lächelt weise
klemmt, was glimmt zwischen die Finger,
schickt sein Rössel auf die Reise,
Rösselsprung statt Hammelspringer

Frank Müller-Thoma, Langenargen

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Verbunden

Von 3. Juni 2011 um 12:00 Uhr

(nach Johann Wolfgang von Goethe, »Gefunden«)

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Zwischen Ästen tönte
Ein Sprechen hervor –
Auf der Bank saß ein Wand’rer,
Sein Handy am Ohr.

Die Tannen rauschten,
Er hörte es kaum –
Weshalb eigentlich saß er
Am Waldessaum?

Er hört nicht die Vöglein,
Er sieht nicht Natur –
Für ihn zählen Stimmen
Aus der Menschenwelt nur.

Er könnte ins Weite
Seinen Blick lassen zieh’n –
Doch die Dinge des Alltags
Haben mehr Reiz für ihn.

Wolfgang Tribukait, Villingen

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Ein Gedicht!

Von 17. Mai 2011 um 18:00 Uhr

Die SPD an einen hartnäckigen Genossen

– Ambivalenter Minnesang –

Dû bist mîn, ich bin dîn:

Des solt dû gewis sîn.

Wol allenthalben unter schmerzen

Bist dû beslozzen in mînem herzen;

Verlorn ist daz slüzzelîn:

Holder Thilo Sarrazin,

Sô’s auch lang nit sicher schien:

Sol mich doch die Basis fliehn -

Dû muost immer drinne sîn!

Kathrin Leithner, Detmold

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Ein Gedicht!

Von 9. April 2011 um 18:30 Uhr

Die Autorin besucht die 12. Klasse des Gymnasium Kenzingen. Im Unterricht sollten die Schüler mit Wortschnipseln aus Zeitungen ein dadaistisches Gedicht entwerfen. Dafür schnitten die Schüler Wörter aus, die ihnen zusagten, zogen verdeckt einzelne Wörter heraus und klebten sie auf ein Blatt. Zum Schluss konnten sie den Text noch ergänzen. Da Annika Zöllner am Donnerstag immer die ZEIT mit in die Schule nimmt, konnte sie diese nun einmal im Unterricht gebrauchen.
Dabei entstand dieses Gedicht:

einer zwischen das Licht

GAU, der Hafen, das Image unter dirigierten gewann
das eigene Kleinerwerden der großen Nacht
Zweifeln in Stille durch Glauben
sehr verstörend Zero-Kunst, Liebe
die Natur, die Flucht, bessere tapfere Herzen
Welt-Egoismus in einer Begegnung
& der Allein übersetzt

Annika Zöllner, Endingen am Kaiserstuhl

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Ein Gedicht!

Von 6. April 2011 um 18:30 Uhr

Asche zu Asche

Wir sehen Reklame mit tausend Lampen
Und sitzen vorm Fernsehn, ohne Gedanken
- Aber alles ist Asche!

Die Computer laufen den ganzen Tag
Jeder lässt das Licht brennen, solange er mag
- Aber alles ist Asche!

Die Politik schaltet ab oder lässt laufen
Die Antwort der Lobby ist, Strom kaufen
- Aber alles ist Asche!

Wir sitzen in warmen Häusern
Vor hellen Fenstern

Und auch sie tun, was ihnen gefällt
Zählen ihr brennendes Geld

- Und alle strahlen!

Ingo Schlösser, Hemer

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Kuchenlied

Von 28. Februar 2011 um 06:24 Uhr

nach Matthias Claudius “Abendlied”

Der Teig ist aufgegangen,
Es glühen meine Wangen
So hat mich das erfreut;
Ich musst es einfach wagen,
Und hab ihn fest geschlagen,
Drum ist er rund nun und so schön!

So legt nun, Schwestern, Brüder,
In Gottes Namen wieder
Den Teig jetzt auf das Brett!
Dort kann er endlich ruhen.
Und ich schlüpf aus den Schuhen
Und geh zufrieden in mein Bett.

Dorothea Pouw, Karlsruhe

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Der Zollstock

Von 27. Februar 2011 um 05:46 Uhr

Nach Lessing: “Klopstock”

Wer wird nicht einen Zollstock loben ?
Doch als zerbroch’nes Wesen ? – Nein.
Zum Messen will er ganz erhoben
Und vorsichtig entfaltet sein.

Hermann Möllering, Hildesheim

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