Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Schanzkachel: Mein Wort-Schatz

Von 16. Oktober 2014 um 12:00 Uhr

Meine Tochter Diana präsentierte ihren Großeltern ihr erfreuliches Zeugnis. Mein Vater nickte anerkennend und meinte: »Früher hätte man gesagt, du bist eine Schanzkachel.« Wir lachten spontan los ob dieses uns bis dahin unbekannten Ausdrucks. Doch der Duden bestätigte die Auskunft meines Vaters, wonach der Begriff »schanzen« früher als Synonym für »lernen« verwendet wurde. Wie mein Vater weiter erklärte, beschrieb der (schwäbische) Ausdruck »Kachel« eine Person, die eher fülliger Statur war, und »Schanzkachel« entsprechend Streber beiderlei Geschlechts. Denn die hätten durch das ausgedehnte Lernen weniger Zeit für Bewegung gehabt und seien deshalb etwas dicker gewesen – so die Beobachtung meines Vaters. Letzteres trifft auf meine Tochter allerdings nicht zu!

Edith Wiedenmann, Roggenburg-Biberach, Bayern

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Zölibatsbankerl: Mein Wort-Schatz

Von 14. Oktober 2014 um 20:00 Uhr

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In Graz stehen im Stadtpark und auf dem Schlossberg Bänke, auf denen nur eine Person Platz hat (siehe Foto). Meine Großmutter nannte die immer Zölibatsbankerl.

Hans Schnitzer, Graz, Österreich

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Prahlhans: Mein Wort-Schatz

Von um 12:00 Uhr

In der Schule nannten wir solche Leute Angeber; meine Mutter pflegte diesen Typ Mensch als Aufschneider zu bezeichnen. Meine Großmutter dagegen sagte eher Prahlhans und benutzte das Wort auch manchmal für Mobiliar. Das fiel mir ein, als ich neulich – voller Freude – den Begriff mal wieder hörte, und zwar angewandt auf eine in der Neuzeit nachgebaute Biedermeier-Hängevitrine (voller Sammeltassen mit Hamburg-Motiven) …

Peter Dittler, Perleberg, Brandenburg

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Mein Wort-Schatz

Von 8. Oktober 2014 um 15:00 Uhr

Wir haben einen Zwerghasen und ein Meerschweinchen in unserem Garten. Unsere achtjährige Tochter Samira kümmert sich um die beiden. Und eines Tages stellte sie fest, dass wir den Käfig für die Tiere dringend mal wieder an einen anderen Platz stellen müssen, da an der Stelle, an der er damals schon eine Weile stand, alles verhoppelt sei. Seitdem ist »verhoppelt« ein Wortschatz in unserem Leben, den wir auch gerne selbst verwenden.

Kordula und Richard Riedlberger, Steindorf, Bayern

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Bewandert: Mein Wort-Schatz

Von 5. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

Bereichert und erfrischt von einer sehr angenehmen Wanderung im Gebirge (dort oben war es ja viel kühler als im heißen Talgrund), kam mir das Wort bewandert in den Sinn. Ursprünglich bedeutete es, laut Herkunftswörter- buch des Dudens, eigentlich »viel gereist«. Heute muss man nicht die Füße bewegen, um »bewandert« zu sein. Aber ich frage mich, bringt ein bisschen Herumschmökern in Wikipedia tatsächlich so viel Erkenntnisgewinn wie das sinnliche Erleben?

Ingeborg Schrettle, Lieboch, Österreich

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Klappstulle: Mein Wort-Schatz

Von um 15:00 Uhr

Ich bin im Mecklenburg der Nachkriegszeit aufgewachsen. Und da wurde uns auf den dreikilometrigen Schulweg immer eine Klappstulle mitgegeben. Dieser Name hat für mich deshalb noch heute einen fast magischen Klang. Dagegen klingt das Wort »Pausenbrot« doch sehr funktionsbezogen.
Eigentlich hat man die Klappstulle nie selbst gegessen, denn auf dem Schulhof hieß es immer: »Lass mal beißen!« So wurde dann Biss gegen Biss getauscht. Das war spannend, und niemand guckte dann bärbeißig.

Karl-Heinz Becker, Jettingen, Baden-Württemberg

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Rübensüßchen: Mein Wort-Schatz

Von 3. Oktober 2014 um 12:00 Uhr

»Du bist ein Rübensüßchen«, habe ich kürzlich zu meiner kleinen Enkelin gesagt, als sie charmant und keck, aber auch etwas frech und penetrant das abendliche Zubettgehen in die Länge ziehen wollte. Diesen liebevollen Ausdruck habe ich in meiner Kindheit in Ostwestfalen-Lippe häufig gehört. Gibt es ihn sonst noch irgendwo?

Renate Storch, Heidelberg

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Im Salz liegen: Mein Wort-Schatz

Von 1. Oktober 2014 um 15:00 Uhr

Neulich sagte eine frühere Schulkollegin zu mir: »Du hast bei mir noch etwas im Salz liegen.« Im Rheinland wurde dieser Ausdruck früher oft verwendet, wenn unausgesprochene Dinge zu klären waren oder wenn jemand noch eine alte Rechnung zu begleichen hatte. Ich hatte den Satz nun aber schon ewig nicht mehr gehört, weshalb er mich sofort an meine Jugendzeit erinnerte.

Irene Wiel, Wesseling

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Einmal um den Pudding: Mein Wort-Schatz

Von 29. September 2014 um 15:00 Uhr

Als Kinder liebten meine drei Geschwister und ich (Jahrgang 1948) es, wenn unsere Eltern am Abend ihren olbligatorischen Spaziergang »Einmal um den Pudding« machten. Eine Stunde, in der wir tun und lassen konnten, was wir wollten. Ich weiß nicht, ob man diesen Ausdruck in Bremen immer noch benutzt. Ich, mittlerweile in Frankfurt lebend, gehe oft und gerne »mal eben um den Pudding«.

Brigitte Doden, Frankfurt am Main

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Saftladen: Mein Wort-Schatz

Von 27. September 2014 um 12:00 Uhr

Mit »So ein Saftladen!« drückte ich kürzlich ganz spontan meinen Unmut über eine Einrichtung aus, die mir Ärger bereitete. Da Säfte aller Art auf meinen Geschmacksknospen eher positiv ankommen – eigentlich liebe ich Säfte –, fragte ich mich dann, wie der Saftladen zu seinem schlechten Ruf kam. Ich fand heraus, dass man in und um Berlin im 19. Jahrhundert Apotheken mit ihrer bitteren Medizin in Fläschchen als Saftladen bezeichnete. Anfang des 20. Jahrhunderts waren es dann die zwielichtigen Spelunken mit ihren Schnapsflaschen, die nicht selten Unglück über die Familien brachten.

Ursula Bechtle, Besigheim, Baden-Württemberg 

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