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Mein Wort-Schatz

Schwippschwager: Mein Wort-Schatz

Von 22. Februar 2015 um 15:00 Uhr

Ein besonders witziges Wort ist für mich Schwippschwager. Es wird ziemlich selten gebraucht, die meisten Leute verwenden nur das Wort »Schwager«. Mit der Vorsilbe »Schwipp-« aber wird das Verwandtschaftsverhältnis genauer beschrieben. Mein Schwager ist der Mann meiner Schwester, für meinen Mann aber ist er der Schwippschwager. Das finde ich ziemlich witzig, aber auch ein bisschen bürokratisch, denn ein Schwippschwager ist eben »nur« ein Angeheirateter, sozusagen ein Zufallsverwandter. Doch egal, ob mit oder ohne Schwipp: Hauptsache, die Schwäger und Schwägerinnen verstehen sich! Und das vielleicht notwendige Schwipp macht es nur noch lustiger.

Sabine Wilms, Kassel

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Kanapee: Mein Wort-Schatz

Von 19. Februar 2015 um 16:00 Uhr

In der frühen Kindheit war mein absoluter Lieblingsplatz das Kanapee in der Wohnküche meines Elternhauses. Während meine Mutter nach dem Essen den Abwasch (von Hand) erledigte, hielt ich bei den vertrauten Geräuschen meinen Mittagsschlaf auf dem gemütlichen, mit grünem Rips bezogenen Möbelstück. Wir Geschwister machten uns die begehrten Plätze auf dem Kanapee streitig. Dass Küchen heute meist zu klein sind für Kanapees, finde ich schade. Aber ich gebe gern zu: Moderne, lautlos arbeitende Geschirrspülautomaten und Babyphones, mit denen man den Schlaf der Kleinen überwachen kann, sind sehr bequem.

Renate Steinhorst, Bamberg

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Schlorre: Mein Wort-Schatz

Von 18. Februar 2015 um 16:00 Uhr

Wenn in meiner Kindheit mal eine Schlorre hinter mir herflog, dann hatte ich meine Mutter wohl etwas geärgert. Es handelte sich dabei um einen Hausschuh, und diesen Begriff hatte sie aus ihrer Danziger Heimat mitgebracht.

Werner Müller, Berlin

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Triumphgemüse: Mein Wort-Schatz

Von 17. Februar 2015 um 15:00 Uhr

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich am Ende eines Konzerts oft Blumengeschenke entgegennehmen darf. Dass auch ich als Mann so ein Triumphgemüse erhalte, ist heutzutage fast schon die Regel. Falls traditionsbewusste Veranstalter dennoch einen feinen Unterschied machen wollen, erhalten wir Sänger im Gegensatz zu unseren Kolleginnen eben »flüssige Blumen«. Wobei ich einen edlen Wachauer Smaragd-Riesling niemals als »Triumphgemüsesaft« bezeichnen würde!

Daniel Johannsen, Wien

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Stille Werden: Mein Wort-Schatz

Von 16. Februar 2015 um 15:00 Uhr

Viel schöner als ein »Denk-Moratorium«, von dem heute gerne die Rede ist, empfinde ich die alte Formulierung aus meiner norddeutschen Heimat, perfekt natürlich nur mit dem Hannoverschen spitzen »St«: »Darüber muss ich noch mal stille werden«.

Annelen Ottermann, Mainz

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Unanbequem: Mein Wort-Schatz

Von 14. Februar 2015 um 18:00 Uhr

Mit etwa vier Jahren kreierte meine Tochter ein besonders schönes Wort, als sie morgens beim Anziehen meinte: »Mama, das ist mir unanbequem!« Es war nicht nur unbequem und unangenehm, es war ein viel stärkeres Gefühl, das sie mit diesem Wort ausdrücken konnte. Besonders beliebt für kratzende Wäscheschildchen, die dringend herausgeschnitten werden mussten.

Daniela Bergsch, Aachen

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Bubabberles-Gschäft: Mein Wort-Schatz

Von 13. Februar 2015 um 16:00 Uhr

»Des isch e richtigs Bubabberles-Gschäft­«, sagt mein Freund, als es ihm partout nicht gelingen will, irgendetwas kleinteilig Mechanisches zusammenzufügen. Im Hochdeutschen ist der Ausdruck, ungeachtet seiner lautmalerischen Qualität, nicht unbedingt verständlich. Wohl aber unter Berlinern mit schwäbischem Migrationshintergrund, zu denen auch ich mich zähle.

Ulrich Merkel, Berlin

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Ausapern: Mein Wort-Schatz

Von 11. Februar 2015 um 16:00 Uhr

Kürzlich fuhr ich von Freiburg aus wieder einmal auf den Schauinsland, um zu sehen, wie es in diesem ausgesprochen spärlichen Winter mit den Möglichkeiten aussähe, Ski zu laufen. Bei Hofsgrund, an den Südhängen, fielen mir dann die von der Sonne stark ausgeaperten Skipisten auf, und ich war ganz erstaunt über dieses mir so spontan eingefallene Wort. Ich hatte es schon lange nicht mehr benutzt.

Rainer Jonas, Alsfeld, Oberhessen

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Bettfertig: Mein Wort-Schatz

Von 10. Februar 2015 um 18:00 Uhr

Wenn wir früher abends noch bei Freunden oder den weit entfernt lebenden Großeltern waren, haben wir die Kinder kurz vor der Rückfahrt immer bettfertig gemacht und in den Schlafanzügen ins Auto gesetzt. So konnten wir sie, zu Hause angekommen, schlafend ins Bett tragen. Heute mache ich mich selber bettfertig, lege mich mit meinem Laptop ins Bett und schau mir einen Film in der Mediathek an. Und bin ich zu müde, lege ich den Laptop zur Seite und bin froh, nicht mehr aufstehen zu müssen!

Barbara Klopfer, Illmensee, Baden-Württemberg

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Zu Bett: Mein Wort-Schatz

Von 9. Februar 2015 um 15:00 Uhr

Auf meine 92-jährige Brieffreundin Anneliese und ihre frühzeitigen Weihnachtsgrüße war stets Verlass gewesen. 2014 wartete ich vergebens. Ich machte mir Gedanken. Nach Weihnachten dann Post in bekannt sorgsamer Handschrift: »Entschuldige die Verspätung. Ich war krank und lag zu Bett. Bald werde ich wieder lange Briefe schreiben.« Dass sie »zu Bett« lag und nicht »im Bett«, vermittelte mir die Würde, mit der Anneliese ihre Krankheit durchgestanden hat. Ich freue mich auf die Briefe 2015, mit denen sie mich an ihrem Seniorenheim-Alltag teilhaben lässt.

Siegfried Schröder, Herscheid, Westfalen

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