Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
Kategorie:

Mein Wort-Schatz

Anverwahrt: Mein Wort-Schatz

Von 24. Juli 2014 um 12:00 Uhr

Im Nachlass der Künstlerin Henriette Florian habe ich ein an sie gerichtetes Schreiben des österreichischen Geschäftsträgers in Israel vom Dezember 1969 ent- deckt. Dort heißt es: »Wie versprochen, erlaube ich mir, Ihnen anverwahrt noch die Übersetzung von zwei Ihrer Interviews zu übermitteln.« Seither ersetzt dieses wundervolle Wort des vollendeten Diplomaten in meinen E-Mails schnöde Wendungen wie »anbei« oder »beiliegend«.

Andreas Schindl, Wien

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Schwermut: Mein Wort-Schatz

Von 19. Juli 2014 um 15:00 Uhr

Lasst mich meine Schwermut behalten! Diesen durch Melancholie, Schmerz, Trauer oder Nachdenklichkeit geprägten Zustand, in den ich – ohne äußeren Anlass und nicht ungern – ab und zu falle. Depression? Nein, nur ein bisschen schwermütig. Manchmal.

Sophie Reich, Bochum

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Kokolores: Mein Wort-Schatz

Von 17. Juli 2014 um 18:15 Uhr

Im IC von Stuttgart nach Nürnberg komme ich nicht umhin, dem Gespräch meiner Sitznachbarn aus der schwäbischen Provinz zu lauschen. Beim obligatorischen Schimpfen über die Politik fällt der Satz: »Das ist doch alles Kokolores!« Ich glaube, das letzte Mal habe ich »Kokolores« im Kindergarten gehört. Lange ist’s her!

Alexander Messmer, Steinenbronn, Baden-Württemberg

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Wehmut: Mein Wort-Schatz

Von 15. Juli 2014 um 12:00 Uhr

Aus dem Weh, das ich erleide, wächst der Mut, doch das Wort Wehmut scheint vergessen. Oft schon las ich in der Literatur und zuletzt auch in einem Kommentar zum Tatort: »nur ein Wermutstropfen trübte …« Sind wir denn Wermutbrüder und -schwestern, oder tropft da vielleicht auch ein wenig Wehmut?

Ulrike Hornung, Hayingen, Baden Württemberg

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Wohlweh: Mein Wort-Schatz

Von 14. Juli 2014 um 12:00 Uhr

Nach einem Unfall mit Schulterverletzung musste ich mich in physiotherapeutische Behandlung begeben. Die schmerzhaften Dehnungen des Armes durch Physiotherapeutin wurden durch die erläuternde Erklärung »das ist Wohlweh« kommentiert. Wie recht sie hatte, half es doch über den Schmerz hinweg.

Hartmut W. Rese, Stockelsdorf, Schleswig-Holstein

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Vergackeiern: Mein Wort-Schatz

Von 7. Juli 2014 um 18:00 Uhr

Beim Wortschatz »verkackeiern« in der ZEIT Nr. 26/14 liegt meiner Meinung nach ein Fehler vor. Das Wort heißt Vergackeiern und entstand, als die Hühner – noch frei laufend –, legten sie ein Ei, dieses mit lautem Gackern anzeigten. Es war aber nicht immer so, dass dann tatsächlich ein Ei zu finden war. Man fühlte sich getäuscht – vergackeiert.

Karl Günther Schultze, Düsseldorf

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Groschen: Mein Wort-Schatz

Von 6. Juli 2014 um 15:00 Uhr

Wird der gute, alte Groschen eigentlich ganz aus unserer Umgangssprache verschwinden oder nur noch als Groschenroman übrig bleiben? Ich fänd’s schade. Jedenfalls freue ich mich, gelegentlich ein Zehncentstück als Groschen bezeichnet zu hören. Eine Münze ohne Zahlenwert.

Christoph Müller-Luckwald, Bingen

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Lohntüte: Mein Wort-Schatz

Von 5. Juli 2014 um 12:00 Uhr

Mein Wortschatz lautet Lohntüte. Das Gefühl, wenn der Vorarbeiter auf der Flender-Werft am Sonnabend in unsere Frühstückspause kam und die Löhne verteilte, werde ich nie vergessen. Voller Spannung rissen wir die in schäbigem Braungelb gehaltenen Tüten auf, fischten den Lohnstreifen raus, auf dem die Stunden eingetragen waren (mit Bleistift, oft mit Korrekturen). Der erste Blick galt dem Endbetrag. Und dann: Stimmen die Stunden? Mussten wir am Dienstag wegen des Stapellaufs nicht Überstunden machen? Danach schüttete man die Tüte aus: den Lohn in Scheinen und Münzen. Was ist dagegen schon ein Bankbeleg!

Bernd Januschke, Ratzeburg

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Verkackeiern: Mein Wort-Schatz

Von 29. Juni 2014 um 12:00 Uhr

Unsere beiden Kinder (zwei und fünf Jahre) sind krank und – bedingt durch das hohe Fieber – ungewöhnlich ruhig. Ich bewege mich zwischen Wadenwickel, Hustensaft, Inhalieren, Trösten, Kümmern, Wohnungschaos…

Erschöpft sage ich in einer entsprechenden Situation streng zu meiner Tochter: »Du willst mich wohl verkackeiern?« Da leuchten die trüben Augen, und die Stimmung hellt sich bei allen sofort auf. »Verkackeiern« höre ich an diesem und den folgenden Tagen noch sehr oft von den Kindern, und ich freue mich, dass das dieses Wort sie so belustigt.

Linda Mack, Wismar

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Verkasematuckeln: Mein Wort-Schatz

Von 26. Juni 2014 um 18:00 Uhr

Das hat unseren Arabisch-Lehrer doch sehr überrascht. Als er einen von seinen Schülern aufforderte, selbst einen Satz entsprechend der eben gewonnenen Erkenntnis zu formulieren, meinte der, »Das muss ich mir jetzt erst mal verkasematuckeln.« Nun wollte unser Lehrer dieses ungewöhnliche Wort erst mal »erklärt« bekommen, um umgekehrt seinen deutschen Wortschatz zu erweitern.

Helga Schneider-Ludorff, Oberursel, Hessen

Kategorien: Mein Wort-Schatz