Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Im Salz liegen: Mein Wort-Schatz

Von 1. Oktober 2014 um 15:00 Uhr

Neulich sagte eine frühere Schulkollegin zu mir: »Du hast bei mir noch etwas im Salz liegen.« Im Rheinland wurde dieser Ausdruck früher oft verwendet, wenn unausgesprochene Dinge zu klären waren oder wenn jemand noch eine alte Rechnung zu begleichen hatte. Ich hatte den Satz nun aber schon ewig nicht mehr gehört, weshalb er mich sofort an meine Jugendzeit erinnerte.

Irene Wiel, Wesseling

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Einmal um den Pudding: Mein Wort-Schatz

Von 29. September 2014 um 15:00 Uhr

Als Kinder liebten meine drei Geschwister und ich (Jahrgang 1948) es, wenn unsere Eltern am Abend ihren olbligatorischen Spaziergang »Einmal um den Pudding« machten. Eine Stunde, in der wir tun und lassen konnten, was wir wollten. Ich weiß nicht, ob man diesen Ausdruck in Bremen immer noch benutzt. Ich, mittlerweile in Frankfurt lebend, gehe oft und gerne »mal eben um den Pudding«.

Brigitte Doden, Frankfurt am Main

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Saftladen: Mein Wort-Schatz

Von 27. September 2014 um 12:00 Uhr

Mit »So ein Saftladen!« drückte ich kürzlich ganz spontan meinen Unmut über eine Einrichtung aus, die mir Ärger bereitete. Da Säfte aller Art auf meinen Geschmacksknospen eher positiv ankommen – eigentlich liebe ich Säfte –, fragte ich mich dann, wie der Saftladen zu seinem schlechten Ruf kam. Ich fand heraus, dass man in und um Berlin im 19. Jahrhundert Apotheken mit ihrer bitteren Medizin in Fläschchen als Saftladen bezeichnete. Anfang des 20. Jahrhunderts waren es dann die zwielichtigen Spelunken mit ihren Schnapsflaschen, die nicht selten Unglück über die Familien brachten.

Ursula Bechtle, Besigheim, Baden-Württemberg 

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Bärbeißig: Mein Wort-Schatz

Von 23. September 2014 um 15:00 Uhr

Vor einigen Tagen erklärte mir mein Mann, weshalb er von Geselligkeit in Biergärten und auch sonst nicht allzu viel hält: »Ich bin eben bärbeißig.« Ich musste mehrere Minuten lang laut lachen – das Wort hatte ich seit ewigen Zeiten nicht mehr gehört. Ich assoziiere es mit bärtigen, ungepflegten, grantigen Männern, vielleicht noch mit Kapitän Haddock von Tim und Struppi. Sicherlich nicht trifft es auf meinen Mann zu, den sensiblen, liebevollen, der mir jeden Morgen den Kaffee ans Bett bringt.

Gloria Malune, München

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Reuzech: Mein Wort-Schatz

Von 22. September 2014 um 18:00 Uhr

Kürzlich wurde ich hier im Allgäu nach einer Beerdigung zum anschließenden Mahl eingeladen. Die Gäste versammelten sich bei Kaffee und Kuchen, um nach der Trauerfeier beim Imbiss den Blick wieder in die Zukunft zu wenden. Bei dieser Gelegenheit kam mir das aus meiner Jugend im Rheinland bekannte Wort Reuzech wieder in den Sinn. Auch dabei folgte man einer gebräuchlichen Tradition. In diesem Ausdruck steckt »Zeche«, also Essen und Trinken, gleichzeitig aber auch das Wort »Reue«; vielleicht die Reue über etwas, was man dem Verstorbenen angetan hatte?

Karl-Josef Mewaldt, Buxheim, Bayern

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Nachtjackenviertel: Mein Wort-Schatz

Von 21. September 2014 um 15:00 Uhr

Einen Stadt- oder Ortsteil, in dem viele ungewöhnliche oder gar zwielichtige Gestalten wohnten, bezeichnete man in meiner Jugend als Nachtjackenviertel.

Werner Müller, Berlin

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Zickendraht: Mein Wort-Schatz

Von 20. September 2014 um 12:00 Uhr

Wenn mein Vater zum Tanzen ging, und die Musik war nicht zu seiner Zufriedenheit, dann pflegte er zu sagen: »Die Kapelle hat wieder wie ein Zickendraht gespielt.« Der Ausdruck muss aus den dreißiger oder vierziger Jahren stammen. Ich weiß nicht, wie er zustande kam, aber vielleicht fällt ja einem der Leser mehr dazu ein?

Gunter Knauer, Meerbusch

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Badeanstalt: Mein Wort-Schatz

Von 16. September 2014 um 18:00 Uhr

Eine Erinnerung an meine Kindheit Mitte der sechziger, Anfang der siebziger Jahre: Wenn meine Mutter uns erlaubte, an einem heißen Sommertag in die Badeanstalt zu fahren, bedeutete das Glück. Wenngleich das Wort für sich genommen nach Strenge, Langeweile und Moral klingt, ich verband damit pures Vergnügen, Planschen und Pommes. Heute heißt die Badeanstalt meiner Kindheit »Aqua Fun«.

Marlies Leibitzki, Bielefeld

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Poesiealbum: Mein Wort-Schatz

Von 15. September 2014 um 12:00 Uhr

»In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken.« Wer diesen Satz liest, denkt sofort an sein POESIEALBUM. Und für alle Leser unter dreißig: Ein Poesiealbum ist ein Buch mit leeren Seiten, das an Freunde, Verwandte, Lehrer und Mitschüler verliehen wird, damit diese dort je eine Doppelseite gestalten. Geschrieben, nicht getippt, gemalt, nicht runtergeladen, alles analog und im Namen der Poesie. Ich stelle mir vor: Ich komme morgens zur Arbeit, und eine Kollegin (oder ein Kollege) reicht mir ein Buch mit den Worten: »Willst du in mein Poesiealbum schreiben?« Ich wäre begeistert! Ich würde sofort alle verstaubten Lyrikbände aus dem Regal zerren. Spät in der Nacht dann ein Gedicht aussuchen oder einen prägnanten Satz aus dem unermesslichen Schatz der Poesie… Ich werde mir wieder ein Poesiealbum anschaffen!

Verena Martin, Reutlingen

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Majorenn: Mein Wort-Schatz

Von 13. September 2014 um 18:00 Uhr

1970 kam ich zum Studium nach Kiel und suchte ein Zimmer. Die Vermieterin, eine alte Witwe, begutachtete mich von oben bis unten und fragte mit den Worten »Sie sind noch nicht Majorenn!« nach meinen Eltern. Ich erhielt das Zimmer, packte meine Bücher aus und schaute erst einmal in den Fremdwörter-Duden: »Majorenn« war ein (damals schon) veralteter Begriff für »volljährig, mündig«. Tatsächlich war ich trotz meiner 20 im Sinne des Gesetzes noch nicht erwachsen: Erst 1975 wurde die Grenze zur Volljährigkeit auf 18 abgesenkt.

Rainer Maché, Ludwigshafen am Rhein

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