Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Kleinspitzen: Mein Wort-Schatz

Von 7. Mai 2015 um 10:05 Uhr

Welch regionale Vielfalt, welchen Ideenreichtum zeigen die Beiträge der vergangenen Wochen bezüglich des Vokabulars für ein einfaches Gemüsemesser! Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Zufällig bin ich beim Lesen des Romans Kruso von Lutz Seiler auf eine weitere Variante gestoßen. Auf Seite 56 wird vom Zwiebelschälen erzählt, wobei die Hauptperson des Romans, Edgar, versucht, die Handgriffe seiner Mutter zu imitieren, »ihr blitzschnelles Hantieren mit dem Kleinspitzen, wie sie das »rasierklingenscharfe Messer mit dem ausgeblichenen Holzgriff und der bis auf wenige Millimeter heruntergeschliffenen Klinge nannte«.

Gundel Jahn, Aschersleben, Sachsen-Anhalt

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Hürmeken, Schällmess: Mein Wort-Schatz

Von um 10:04 Uhr

Als geborener Sauerländer kenne ich das Hürmeken, was wohl dem hier im Wortschatz bereits angesprochenen Hümmelchen entspricht. Es gibt unendlich viele Schreib- und Sprechweisen. Schon im Nachbardorf wird man als Buiterling (Fremder) erkannt, wenn man das »R« mitspricht, da es dort Hümmeken heißt. Man sagt auch Schällemess oder Schällmessken und braucht es ebenfalls für Kartoffeln oder Äpfel. Und Dönches oder Döntjes? Das sind Anekdoten, die im Sauerland Dönekes heißen. Es gibt übrigens das Döneken, eine Frau habe ihren Mann, einen Buiterling (hier: Zugezogenen), mit einem Hürmeken umbringen wollen...

Otmar Korte, Norderstedt

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Pittermesser: Mein Wort-Schatz

Von um 10:03 Uhr

Das kleine Küchenmesser – Holzgriff speckig, Klinge immer geschärft, unentbehrlich bei vielerlei Verrichtungen, vom Apfelschälen bis zum Bleistiftspitzen? Da sagt man bei uns im Rheinland Pittermesser – vermutlich ein Relikt aus der Franzosenzeit und Verballhornung des Wortes petit im Gegensatz zum großen Brotmesser.

Hartmut Großhans, Köln

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Pitterchen: Mein Wort-Schatz

Von um 10:02 Uhr

Bei uns zu Hause in Oberhausen nannten meine Eltern dieses Küchenutensil Pitterchen. Und so heißt es auch heute in meinem Haushalt!

Rüdiger Weiße, Düren

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Schnitzer: Mein Wort-Schatz

Von um 10:01 Uhr

Solch ein kleines Küchenmesser hatte meine Großmutter, die in Osthessen an der Werra lebte, stets in der Schürzentasche (Osthessisch: Kippe). Das Messer hieß Schnitzer oder Schnitzerchen und wurde im Garten wie auch im Stall und in der Küche für alle möglichen Arbeiten verwendet – nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge, aber sicher, ohne zwischendurch gesäubert zu werden! Ich kenne meine Großmutter nur so »bewaffnet«, und auch für mich ist das Schnitzerchen unentbehrlich (wenn auch stets frisch gespült).

Christa Schütze, Baunatal, Hessen

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Flügschen: Mein Wort-Schatz

Von um 10:00 Uhr

Als ich hier in ZEIT der Leser (Nr. 8/15, 12/15 und 14/15) all die – mir unbekannten – regionalen Ausdrücke für ein kleines Küchenmesser las, fiel mir plötzlich die Bezeichnung Flügschen ein (gesprochen: Flügs-chen). Dieser Begriff, der mir in meiner Jugend im Bergischen Land sehr geläufig war, galt ebenfalls dem kleinen Messer; mit ihm schälte Mutter Kartoffeln oder putzte Gemüse. Als Junge allerdings wusste man damit manch andere Dinge schnell, geschwind, rasch – eben flugs – zu erledigen.

Karl-Josef Mewaldt, Buxheim, Bayern

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Zustupf: Mein Wort-Schatz

Von 5. Mai 2015 um 12:00 Uhr

In Österreich versteht man sich auch in ver­baler Hinsicht stets auf einen wuchtigen Auftritt: Selbst der kleinste Beitrag der öf­fentlichen Hand wird zur »Subvention«. Viel sympathischer finde ich da den Schweizer Ausdruck Zustupf. Das klingt, als würde man ganz beiläufig jeman­den anstupsen und ihm ohne ein großes Gewese ein kleines Geldgeschenk zuste­cken. »Oh!«, sagt der Beschenkte. Mehr Zustüpfe für die Unbezustupften!

Ricci Bock, Innsbruck

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Kiepe: Mein Wort-Schatz

Von 3. Mai 2015 um 15:00 Uhr

Neulich wollte ich unsere rund hundert Jahre alte Standuhr zur Reparatur bringen, weil sie immer wieder stehen blieb. Vorher aber besprach ich die Anlieferung mit dem Uhrmacher, denn ich wollte ja nicht das fast zwei Meter hohe Gehäuse transportie­ren, sondern nur das Innenleben. Ich solle alles in eine Kiepe packen, meinte der Uhrmacher, und Gewichte sowie Pendel extra umwickeln und auch mitbringen. Dieses Wort hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gehört. Es war mir aber vertraut sowohl als Wäschekiepe als auch als Kar­toffelkiepe: Als Schulkinder mussten wir auf dem Acker der Bauern die Kartoffeln nachlesen. Sie kamen in einen Korb, der dann wiederum in besagte Kiepe entleert wurde. Die Teile meiner Standuhr transportierte ich dann in einem Wäschekorb.

Volker Meitz, Rostock

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Jott-Wede: Mein Wort-Schatz

Von 30. April 2015 um 18:00 Uhr

Als Kind in Berlin aufgewachsen, hörte ich von meiner Mutter und Großmutter häu­fig die Äußerung: »Die wohnt ja JOTT-WEDE!« oder »Der is nach Jottwede jezo­gen.« Dann wusste man, dass weitere Be­suche nicht mehr infrage kamen, denn wer wollte schon lange, beschwerliche An­fahrten in Kauf nehmen, um Verwandte oder Bekannte irgendwo im Umland zu besuchen? Das Wort klang für mich aber auch etwas feierlich und exotisch: vorn »Jott« – berlinisch für »Gott« – und am Ende das »e« betont, also mit einem Hauch von feinem Französisch. Viel später habe ich erfahren, dass »jwd« die Abkürzung des Berliner Ausdrucks »janz weit draußen« ist.

Christiane Andersen, Göteborg, Schweden

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Fisimatenten: Mein Wort-Schatz

Von 26. April 2015 um 18:00 Uhr

In der ZEIT vom 26. März 2015 gab es einen Wort-Schatz-Beitrag zum Thema Fisimatenten, in dem auch eine Vermutung über den Ursprung des Wortes geäußert wurde. Dazu folgender Text aus dem Buch Alles außer Hochdeutsch des Germanistikprofessors Karl-Heinz Göttert: »Ins Reich der Legende gehört allerdings die Ableitung von Fisematenten aus dem angeblichen Anbaggerwortschatz französischer Soldaten (visite ma tente, »besuche mein Zelt«), wo in Wirklichkeit die lateinsprachlichen visae patentes im Sinne von schriftlich ausgefertigten Patenten zugrunde liegen. Der Fachbegriff ist also zum Spottnamen für bürokratische Schwierigkeiten geworden: Maach nit lang Fisematentcher un ess (»und iss«), sagt die Frau des Hauses zu ihrem Mann, der skeptisch auf den Teller schaut.«

Reinhard Lekar, Windach, Bayern

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