Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Eigen: Mein Wort-Schatz

Von 29. Oktober 2014 um 16:00 Uhr

Direkt nach meinem Abitur 1942 musste ich als »Pflichtjahrmädchen« in einem Haushalt arbeiten. In der Küche meiner Arbeitgeberin gab es ein Regal für Besen, Teppichklopfer und Schrubber. Als Vorhang vor diesen Utensilien hing ein liebevoll besticktes Tuch. Darauf konnte man lesen: »Willst du eigen sein, halt deine Besen rein!« Ich wollte damals alles andere als »eigen« sein! Aber das Wort ist mir als Kuriosum in Erinnerung geblieben.

Britta Czulius, Erlangen

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Selbander: Mein Wort-Schatz

Von 28. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

»Wir gingen Selbander«, dieser heute nicht mehr gebräuchliche Ausdruck kam mir bei einem Spaziergang an der Ostsee in den Sinn. Er vermittelt eine vertraute Zweisamkeit, auch Zuversicht, die »wir gingen miteinander« nicht haben kann. Miteinander kann man zu vielen sein, miteinander kann man streiten. Die Geborgenheit, die in selbander mitschwingt, ist nur noch im festen Begriff der »Anna selbdritt« zu spüren. Die Darstellungen der fülligen Großmutter mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind im Schoß flößen mit der Würde der reifen Frau das Vertrauen ein, dass diesem Kindchen nie etwas Böses widerfahren könnte – auch wenn man weiß, dass es ganz anders kam.

Ellen Börner, Heilbronn

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Verplempern: Mein Wort-Schatz

Von 27. Oktober 2014 um 14:00 Uhr

In Zeiten der Rezession gilt es als unverzeihlich, seine Zeit zu verplempern. Immer wieder wird man daran erinnert, wie wichtig es wäre, optimal Nützliches zu tun. Dabei vergisst man, dass vergeudete Zeit, in der man jemandem geduldig zuhört und ihn ermuntert oder, auf einer Wiese liegend, den Himmel betrachtet, sehr viel ertragreicher ist, als an einer verbogenen Schraube zu drehen.

Eva Schwarz, Berlin

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Dreschflegel & Scheunendrescher: Mein Wort-Schatz

Von 26. Oktober 2014 um 14:00 Uhr

Dreschflegelund Scheunendrescher! Bei Ersterem handelt es sich nicht um einen ungezogenen, gewalttätigen Menschen, sondern um ein Arbeitsgerät, mit dem früher das Getreide gedroschen wurde. Das Dreschen mit dem Dreschflegel war eine körperlich harte Arbeit, bei der in der Scheune die Körner aus den Getreide- ähren herausgedroschen wurden. Diese Arbeit übernimmt heute auf den Getreidefeldern der Mähdrescher. Die Männer – Scheunendrescher genannt –, die damals diese schwere Arbeit ausübten, waren gestandene Mannsbilder, mit einem ungeheuren Durst und großem Appetit. Noch heute sagt man auf dem Land über einen, der viel essen und trinken kann, er esse und trinke wie ein Scheunendrescher.

Wolfgang Kamp, Wöllstein, Rheinland-Pfalz

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Luftikus: Mein Wort-Schatz

Von 24. Oktober 2014 um 12:00 Uhr

Wer nur so in den Tag hineinlebte, zwar meistens fröhlich, aber auch etwas unzuverlässig war, den nannten wir früher einen Luftikus. Eine weibliche Form ist mir dagegen nicht bekannt!

Werner Müller, Berlin-Spandau

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Duckdalben: Mein Wort-Schatz

Von 23. Oktober 2014 um 12:00 Uhr

Beim Spaziergang im Hamburger Hafen fragte ich, 51, meinen Vater, 81, ob diese langen schwarzen Holzpfähle im Hafenwasser eigentlich einen Namen hätten. Das seien doch Duckdalben, erklärte mir mein Vater, an denen die Schiffe festmachen, wenn am Kai kein Platz mehr ist! Er schien etwas erstaunt zu sein ob meiner Unwissenheit. So ein witziges Wort für eine so wichtige Sache, das finde ich immer wieder schön. Und besonders schön, weil es mir mein Vater erklärt hat!

Veronika Bergmann, Duchroth, Rheinland-Pfalz

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Schanzkachel: Mein Wort-Schatz

Von 16. Oktober 2014 um 12:00 Uhr

Meine Tochter Diana präsentierte ihren Großeltern ihr erfreuliches Zeugnis. Mein Vater nickte anerkennend und meinte: »Früher hätte man gesagt, du bist eine Schanzkachel.« Wir lachten spontan los ob dieses uns bis dahin unbekannten Ausdrucks. Doch der Duden bestätigte die Auskunft meines Vaters, wonach der Begriff »schanzen« früher als Synonym für »lernen« verwendet wurde. Wie mein Vater weiter erklärte, beschrieb der (schwäbische) Ausdruck »Kachel« eine Person, die eher fülliger Statur war, und »Schanzkachel« entsprechend Streber beiderlei Geschlechts. Denn die hätten durch das ausgedehnte Lernen weniger Zeit für Bewegung gehabt und seien deshalb etwas dicker gewesen – so die Beobachtung meines Vaters. Letzteres trifft auf meine Tochter allerdings nicht zu!

Edith Wiedenmann, Roggenburg-Biberach, Bayern

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Zölibatsbankerl: Mein Wort-Schatz

Von 14. Oktober 2014 um 20:00 Uhr

s100-wortschatz

In Graz stehen im Stadtpark und auf dem Schlossberg Bänke, auf denen nur eine Person Platz hat (siehe Foto). Meine Großmutter nannte die immer Zölibatsbankerl.

Hans Schnitzer, Graz, Österreich

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Prahlhans: Mein Wort-Schatz

Von um 12:00 Uhr

In der Schule nannten wir solche Leute Angeber; meine Mutter pflegte diesen Typ Mensch als Aufschneider zu bezeichnen. Meine Großmutter dagegen sagte eher Prahlhans und benutzte das Wort auch manchmal für Mobiliar. Das fiel mir ein, als ich neulich – voller Freude – den Begriff mal wieder hörte, und zwar angewandt auf eine in der Neuzeit nachgebaute Biedermeier-Hängevitrine (voller Sammeltassen mit Hamburg-Motiven) …

Peter Dittler, Perleberg, Brandenburg

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Mein Wort-Schatz

Von 8. Oktober 2014 um 15:00 Uhr

Wir haben einen Zwerghasen und ein Meerschweinchen in unserem Garten. Unsere achtjährige Tochter Samira kümmert sich um die beiden. Und eines Tages stellte sie fest, dass wir den Käfig für die Tiere dringend mal wieder an einen anderen Platz stellen müssen, da an der Stelle, an der er damals schon eine Weile stand, alles verhoppelt sei. Seitdem ist »verhoppelt« ein Wortschatz in unserem Leben, den wir auch gerne selbst verwenden.

Kordula und Richard Riedlberger, Steindorf, Bayern

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