Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Kinderfeind: Mein Wort-Schatz

Von 28. August 2014 um 15:00 Uhr

Erst mit Anfang zwanzig, in meiner ersten WG-Küche, wurde mir klar, dass das Wort Kinderfeind nicht die offizielle Bezeichnung für einen Gummischaber ist. Und das kam so: Wie alle Kinder hat sich mein älterer Bruder immer auf die Teigreste in der Backschüssel gefreut. Als aber meine Mutter einmal sehr gründlich mit besagtem Gummischaber zu Werke ging, rief er aus: »Das ist ja ein richtiger Kinderfeind!« Von da an gab es in unserer Familie nur noch dieses Wort. Vom »Gummischaber« sprach keiner mehr. Mittlerweile habe ich eine eigene Familie – und natürlich einen »Kinderfeind« in der Schublade.

Monika Zeiler, Nürtingen

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Lauschiger Abend: Mein Wort-Schatz

Von 26. August 2014 um 18:00 Uhr

Gestern Abend lese ich auf dem Balkon. Ein Freund aus Tübingen ruft an und erzählt mir, dass er gerade auf seiner Terrasse sitzt und den lauschigen Abend genießt. Schon lange habe ich diese Be- schreibung für herrliche Sommerabende nicht mehr gehört.

Helga Kühnel, Landshut

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Schnellzugzuschlagschein: Mein Wort-Schatz

Von 24. August 2014 um 15:00 Uhr

Das Wort »Skischuhschnalle«, das die slowakische Leserin Frau Grenová ins Herz geschlossen hat, erinnert mich an mein Lieblingswort aus der Zeit, als ich, ein Engländer, in der Schule Deutsch lernte. Das Wort hieß: Schnellzugzuschlagschein. Es war für mich ein Moment der reinen Freude, als ich einige Jahre später an einem österreichischen Bahnhof ein solches Papier tatsächlich in der Hand hielt. Das Wort vereinte in sich die jugendliche Sehnsucht nach fernen Ländern, das Versprechen der großen Bahnlinien und die Akkuratesse des höflichen, korrekt gekleideten Bahnbeamten, der mir den Schein ausstellte. Vielleicht finde ich eines Tages das gute Stück unter meinen alten Papieren im Keller wieder. Wäre schön, denn heutzutage gibt es leider weder Schnellzugzuschlagscheine noch Bahnbeamte!

Anthony Mellor-Stapelberg, Hemmingen bei Hannover

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Spornstreich: Mein Wort-Schatz

Von 22. August 2014 um 18:00 Uhr

In einem Brief unserer 16-jährigen Tochter erstaunte uns die mehrfache Verwendung des Wortes Spornstreichs – zurückzuführen wohl auf ihre intensive Lektüre der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann. Schade, dass dieses anschauliche Wort so ganz aus dem Gebrauch gekommen ist!

Marie-Luise Mettlach, Burscheid, Nordrhein-Westfalen

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Beruhigerle: Mein Wort-Schatz

Von 21. August 2014 um 18:00 Uhr

Wunderschöne Wanderung auf der Baiersbronner Himmelsleiter. Wir passieren eine Wegkreuzung, und ein paar Meter danach sagt die nette Wanderführerin: »Hier fehlt ein Beruhigerle!« Auf meine Nachfrage erklärt sie, dass hier nicht eindeutig gewesen sei, welcher Weg der richtige war. Daher sei es bei der Wegmarkierung üblich, zur Beruhigung der Wanderer nach einigen Metern ein »Beruhigerle« anzubringen.

Waltraud Günther, Glatten, Baden-Württemberg

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Nicht Wort haben wollen: Mein Wort-Schatz

Von 17. August 2014 um 18:00 Uhr

Meine Schwiegermutter gebrauchte häufig die Redewendung »etwas Nicht Wort haben wollen« im Sinne von »etwas nicht für wahr halten, es sich nicht eingestehen«. Diese mir gar nicht geläufige Redewendung fand ich nun bei Goethe in Wilhelm Meisters Lehrjahren gleich zweimal wieder, und wie mir das Grimm’sche Wörterbuch bestätigte, gebrauchte auch Marie von Ebner-Eschenbach diese Redewendung. Es war für mich wieder mal ein Zeichen dafür, dass der mitteldeutsche Sprachschatz, der auch meine Frau geprägt hat, nicht immer mit meinem – norddeutschen – Sprachschatz harmoniert.

Ernst von Ledebur, Darmstadt

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Blümerant: Mein Wort-Schatz

Von 16. August 2014 um 15:00 Uhr

Ein Ausdruck, den ich ganz neu in meinen Wortschatz aufgenommen habe: Blümerant. Auch wenn das Wort allgemein bekannt ist, findet es leider zu wenig Anwendung. Stattdessen hört man »Mir ist schwindlig« oder »flau« oder, ganz modern: »Ich hab Kreislauf.« Gestrichen! Ab jetzt für all das: »Mir ist (ganz) blümerant.« Es kann auch sehr vielseitig eingesetzt werden: nach dem Sport, nach zu viel Feiern, im Verliebtheitstaumel.

Andrea Kühberger, Neckargemünd

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Schuhpandapanz: Mein Wort-Schatz

Von 15. August 2014 um 15:00 Uhr

Ob sie als Kleinkind das Wort »Schuhlöffel« nicht mochte oder schlicht nicht kannte, weiß heute niemand mehr. Jedenfalls taufte meine Schwester ihn spontan Schuhpandapanz. Knapp 20 Jahre später verwenden wir das Wort noch immer gerne, denn es klingt lustig und weckt schöne Erinnerungen.

Felix Müller, Bobingen, Bayern

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Lohntütenball: Mein Wort-Schatz

Von 14. August 2014 um 12:00 Uhr

Zur »Lohntüte« in ZEIT Nr. 28/14: In meiner alten Firma Henkel wurden die Lohntüten immer am Freitag ausgegeben. Die Lohnempfänger marschierten, wenn sie aus dem Fabriktor kamen, gleich in die umliegenden Kneipen, um zuerst ihre Anschreib-Schulden zu begleichen – oder auch die gesamte Lohntüte zu versaufen. Dann ging es in der Kneipe hoch her: Es war Lohntütenball. Oft kamen die Arbeiter ohne Geld nach Hause.

Gerhard Freitag, Düsseldorf

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Kokolores: Mein Wort-Schatz

Von 12. August 2014 um 15:00 Uhr

Im IC von Stuttgart nach Nürnberg komme ich nicht umhin, dem Gespräch meiner Sitznachbarn aus der schwäbischen Provinz zu lauschen. Beim obligatorischen Schimpfen über die Politik fällt der Satz: »Das ist doch alles Kokolores!« Ich glaube, das letzte Mal habe ich »Kokolores« im Kindergarten gehört. Lange ist’s her!

Alexander Messmer, Steinenbronn, Baden-Württemberg 

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