Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Mein Wort-Schatz

Hüttenbrummer: Mein Wort-Schatz

Von 9. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

Ein Wort aus meiner Kindheit im Bergischen Land der fünfziger Jahre: Wenn es am Wochenende, zu Beginn der dunklen Jahreszeit, regnete oder stürmte, sagten die Eltern zu uns Töchtern: Heute machen wir einen Hüttenbrummer! Das bedeutete: in eine warme Decke auf dem Sofa einkuscheln, lesen, Waffeln backen und Kaffee kochen und ab und zu einen Blick nach draußen werfen auf das unwirtliche Wetter (noch ein Begriff aus dieser Zeit). Der Abschied vom Sommer fiel uns dabei nicht ganz so schwer!

Rita Schelden, Warendorf

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Bauwerksertüchtigung: Mein Wort-Schatz

Von 7. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

Auf einer Autobahnfahrt nach Salzburg kamen wir an einer der vielen Brückenbau­ stellen vorbei. Zur Erläuterung für die Vor­beifahrenden stand auf einem Schild: Bauwerksertüchtigung. Was für ein schönes Wort! Die kleine Brücke steht da, und dann kommen die Arbeiter und sagen zu ihr: »Streck dich und reck dich, damit du einmal eine große Brücke wirst!« Leibesertüchtigung (vulgo Turnstunde) kannte ich. Aber dass es das auch für Bau­werke gibt: schön!

Hermann Stuis, Lochham bei München

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Pusemuckel: Mein Wort-Schatz

Von 6. Dezember 2014 um 12:00 Uhr

Am Telefon erzählte mir meine Mutter neulich von einer Musikveranstaltung, auf der sie gewesen war. Wie das nun mal so ist in kleinen Ortschaften, kennt man bei größeren Ereignissen meistens die Hälfte der Leute. Diese Tatsache kommentierte sie mit: »Ach, da waren viele, von hier und da und Pusemuckel.« Ich hatte dieses Wort beinahe vergessen. Es handelt sich wohl um den deutschen Namen zweier tatsächlich existierender polnischer Ort­schaften, nämlich Posemuckel. Der Begriff wird als Synonym für provinzielle, kleine Ortschaften benutzt.

Ronja Zoth, Freiburg im Breisgau

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Drauwedrigger: Mein Wort-Schatz

Von 4. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

Im Kurpfälzer Dialekt meines Heimat­ortes an der Bergstraße hieß der vor dem Herbsten oft aufsteigende Frühnebel Drauwedrigger – Traubendrü­ cker. Wenn ich vor meinen leider hoch­deutsch erzogenen Enkeln solche Wörter benutze, schauen sie mich verständnislos und leicht geniert an. Dabei ist ein Aus­druck wie dieser für mich ein wahrer Schatz.

Heiner Markmann, Heidelberg

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Alsbald: Mein Wort-Schatz

Von 30. November 2014 um 18:00 Uhr

In der heutigen Welt, in der es alle eilig haben, liest und schreibt man als Steuerberater sehr häufig das Wort »schnellstmöglich«. Viel lieber verwende ich das deutlich weniger stressig klingende alsbald, das mir vor vielen Jahren in einem Brief aus der Schweiz begegnet ist, einem Land, das nicht gerade für die Kultivierung von Zeitdruck bekannt ist. Es ist eben sehr viel gemütlicher und angenehmer, etwas nur so bald als (= wie) möglich machen zu sollen, als dies schnell, schneller und sogar schnellstens tun zu müssen.

Thomas Wörsching, Lindau (Bodensee)

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Schlupfen: Mein Wort-Schatz

Von 29. November 2014 um 18:00 Uhr

»Mama, ich will schlupfen!« sagt Jakob, dreieinhalb Jahre alt, und krabbelt mit seiner kleinen Hand flink in den Ärmel meines Pullovers. Mit dem Schlupfen wirft er zuverlässig seinen Anker in sicherem Hafen, wenn er traurig ist, sich wehgetan hat und besonders als letzten Akt vor dem Gute-Nacht-Sagen. Schlupfen hilft immer.

Ursula Garbe, Murnau am Staffelsee, Oberbayern

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Naffazzen: Mein Wort-Schatz

Von 27. November 2014 um 15:00 Uhr

Kürzlich blätterte ich wieder einmal in der gewichtigen Dissertation meines Freundes Jörg Riecke Die schwachen jan-Verben des Althochdeutschen, die er mir 1996 geschenkt hatte als »Erinnerung an jene Jahre, da die Bibliothek noch uns gehörte«. (Wir waren immer die Letzten gewesen im Lesesaal der UB in Regensburg.) Mein Blick fiel auf Seite 230: Naffazzen, ein Wort, das ich als Kind noch von der Oma in Niederbayern gehört hatte: »Sei still, der Opa naffazzt.« In den sechziger Jahren bedeutete es immer noch wie im 9. Jahrhundert »schläfrig werden, einschlafen«. Keineswegs »Nur ahd.«, lieber Jörg!

Christian Bauer, Moos, Niederbayern

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Kochkiste: Mein Wort-Schatz

Von 21. November 2014 um 15:00 Uhr

Vor Kurzem bin ich beim Lesen auf das Wort Kochkiste gestoßen. Das erinnerte mich an meine Kindheit in der DDR und an die Zeit, in der Brennmaterial knapp war. Unsere Kochkiste war allerdings ein Bett, in das unser Essen zum Warmhalten oder Nachgaren gestellt wurde. Meine Mutter wickelte den Topf in eine Wolldecke und deckte ihn dann mit dem Oberbett zu. So blieb das Essen warm, bis wir aus der Schule kamen.

Katja Neuendorf, Habichtswald, Hessen

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Das ist nicht meine Strecke: Mein Wort-Schatz

Von 20. November 2014 um 12:00 Uhr

Einem Gast aus den neuen Bundesländern boten wir eine bei uns beliebte Speise an. Ihm schmeckte sie jedoch nicht. »Das ist nicht meine Strecke«, sagte er. Dieselbe Redewendung hatte ich schon wiederholt von Bekannten gehört, die die DDR-Zeiten durchlebt haben. Wie mag sie entstanden sein? Der Duden kennt sie nicht. Stammt sie von einem Hundertmeterläufer, der diese Strecke, aber nicht 3000 Meter trainiert hat? Oder ist es die Jagdbeute, die ein Nimrod zur Strecke gebracht hat? Die Bezeichnung »Strecke« gibt es aber auch im Bergbau.

Wilfried Hammer, Braunschweig

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Vorbeigeschlundert: Mein Wort-Schatz

Von 19. November 2014 um 12:00 Uhr

Berlin, Nikolaiviertel: In einem der Läden dort bestellte ich eine Spitzengardine. Ich musste ein bisschen warten, bis die Stickerinnen im Sächsischen damit fertig waren. Dann kam der Anruf aus dem Laden: »Ihre Gardine ist da. Kommen Sie doch demnächst mal vorbeigeschlundert!« Seitdem schlundere ich gern auf Einkaufswegen – statt herumzuschlendern.

Ursula Franke, Berlin

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