ZEIT der Leser

Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT

Mein Wort-Schatz

Von 13. April 2014 um 12:00 Uhr

Letzte Woche holte ich meine Tochter vom Posaunenunterricht ab und schaute beiläufig auf ein Plakat: »Männerflohmarkt« stand da, »für alles, was Männer mögen, also keine Dekoartikel und Stehrümchen.« Was für ein treffender, bildlicher Ausdruck für all das, was ich bisher »Staubfänger«, »Nippes« oder »Dinge, die die Welt nicht braucht« genannt habe. Da konnte ich über das antiquierte Geschlechterklischee des Aushangs hinwegsehen.

Michael Conrad, Detmold

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Gesucht

Von 12. April 2014 um 15:00 Uhr

(nach Johann Wolfgang von Goethe, »Gefunden«)

Ich ging durch die Straßen
So für mich hin,
Die Stadt lag verlassen,
Und trüb war mein Sinn.

Da sah ich im Schatten
Ein Denkmal stehn,
Ein Mägdelein war es,
So wunderschön.

Ich wollte es bringen
Zu meinem Heim,
Dies tat mir gelingen,
So will es der Reim.

Ich hob sie vom Sockel,
Grub für sie ein Loch.
Sie stand wie ein Gockel
Und steht immer noch.

Ich habe gefunden,
Was stets ich gesucht:
Ein Mädchen aus Marmor,
Sie ist eine Wucht.

Gabriele Lins, Dormagen

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Wenn mir mein Lesefreund Peter nach der Winterpause ein Hölderlin-Gedicht aus seinem Literaturkalender mitbringt!

Edith Schulze, Berlin

Was mein Leben reicher macht

Von 11. April 2014 um 18:00 Uhr

Die Osterferien werden wir dieses Jahr in Bayern verbringen. Das Ferienhaus ist gebucht; ich habe den Auftrag, für Ostersonntag im Restaurant »Zum wilden Männle« zu reservieren. Ich wähle die Telefonnummer, warte, dann bellt eine Männerstimme: »Ja?« Ich, verdattert: »Bin ich jetzt beim wilden Männle?« Antwort, immer noch bellend: »Was?« Ich wiederhole: »Bin ich jetzt beim wilden Männle?« Da höre ich am anderen Ende ein Lachen: »Nein, nein, hier ist nur ein alter kleiner Mann!« Ich hatte die Vorwahl-Null vergessen.

Melanie Vogt, Lindlar, Nordrhein-Westfalen

Lang ist’s her!

Von um 15:00 Uhr

s84-wiedergefunden

Neulich beim Aufräumen fiel mir aus einem alten Buch meiner Eltern (Titel: Entdecker, Forscher, Weltenbummler) diese Kurstabelle DM – britisches Pfund von 1965 in die Hände. Von der Dresdner Bank. »Ein Gütezeichen für den fachgerechten Umgang mit Geld«, wie es auf der Rückseite heißt…

Andrea Rüther, Detmold

Kategorien: Wiedergefunden

Mein Wort-Schatz

Von um 12:00 Uhr

Als Kinder schlugen wir ständig und überall Purzelbäume: ein Baum, der purzelt und wieder aufsteht. Purzeln und aufbäumen, purzeln und aufbäumen. Dagegen ist doch das Synonym »Rolle vorwärts« ein jede Freude tötender Begriff. Oder?

Ursula Bechtle, Besigheim, Baden-Württemberg

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Was mein Leben reicher macht

Von 10. April 2014 um 18:00 Uhr

Unsere Vermieter! Ein älteres persisches Ehepaar, das meinen Mann, 55, oder mich, 51, von Zeit zu Zeit anruft und fragt, ob wir schon gegessen hätten. Und dann werden wir mit köstlichem persischem Essen verwöhnt. Heute Mittag zu Beispiel: Ich komme nach Hause, knurrender Magen, ein Blick in den Kühlschrank, nichts Passendes drin. Da klingelte das Telefon.

Anja Dreyer, Hamburg

Mein Wort-Schatz

Von um 15:00 Uhr

Leichstinn – welch ein Funkeln, welche Verlockung! Hat Leichtsinn mit »leicht sein« zu tun oder damit, dass Leichtigkeit Sinn macht? Auf der Suche nach den Wurzeln entdecke ich, dass es zu weniger kopflastigen Zeiten die »Leichtsinnigkeit« gab, womit man eine leichte und unbekümmerte Lebensweise bezeichnete. Erst mit der Aufklärung kam der moralische Zeigefinger und warnte vor einem Leichtsinn als Unüberlegtheit. Vielleicht brauchen wir den Leichtsinn in allen Bedeutungen: ein geringeres Gewicht in scheinbar wichtigen Dingen, Experimentierfreudigkeit, Neugier und Spontaneität!

Beate Dietz, Hardheim im Odenwald

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

An einem Sonntagmorgen am Rande der Großstadt von einer riesigen Herde vorbeiziehender blökender Schafe geweckt werden.

Marietta Müller, Nürnberg

Zeitsprung: Der Eisenbahner

Von 9. April 2014 um 15:00 Uhr

Auf beiden Bildern sieht man meinen Vater bei der Ausübung seines schönsten Hobbys. Er selbst hatte die Idee, das Foto, das ihn als achtjährigen Buben zeigt, 70 Jahre später so genau wie möglich nachzustellen. Der alte Mann ging also freiwillig zu Boden und ließ sich von mir geduldig in die richtige Position dirigieren. Noch heute nutzt er jede längere Abwesenheit meiner Mutter, um im heimischen Wohnzimmer ein gut durchdachtes Gewirr aus Gleisen und Oberleitungen aufzubauen.

Martin Köhler, Mannheim

Kategorien: Zeitsprung