ZEIT der Leser

Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT

Was mein Leben reicher macht

Von 1. August 2015 um 18:00 Uhr

Ich fahre wie so oft von Hanau nach Berlin, um übers Wochenende meine beiden Enkelkinder zu betreuen. Doch diesmal sollte die Zugreise eine ganz besondere werden, und ich nehme vorweg, dass ich als glücklichster Mensch in Berlin aussteigen werde. Ungefähr auf halber Strecke werde ich Zeugin, wie Bahnpolizei und Zugbegleiter einen jungen Mann umzingeln. Offenbar hat er keinen Fahrschein. Er kann sich zwar ausweisen, aber er schaut verschämt und hilflos auf den Boden. Der Ton der Beamten wird immer schärfer, und dann meint ein Zugbegleiter, dass der Mann an der nächsten Station von der Polizei abgeführt werden solle. Ich zögere einen Moment, denke an die vielen Flüchtlinge, die abgeschoben werden, und gehe wie von einer unsichtbaren Hand geführt zu der Gruppe. Ich sage, dass ich das Ticket bezahlen möchte. Alle schauen mich ungläubig an. Zugbegleiter und Polizei besprechen die neue Situation – und akzeptieren. Da ein Zugbegleiter meint, den jungen Mann bereits ab Würzburg gesehen zu haben, und da er nach Berlin möchte, »darf« ich 131,50 Euro bezahlen. Der junge Mann bedankt sich bei mir und setzt seine Fahrt fort, er findet einen Platz auf dem Boden im Türbereich. Bald kommt eine junge Frau auf mich zu und lobt mein Handeln. Schon kommt eine zweite Frau und preist meine Tat als Zivilcourage. Mit Tränen in den Augen geben mir beide je einen 10-Euro-Schein. Eine dritte Frau spricht mich an und betont, dass sie aus meiner Tat gelernt habe, nicht schweigend zuzusehen, wie man mit Fremden umgeht. Ich sei gar ein Engel, behauptet ein Mann, der hinter mir sitzt und den ich vorher gar nicht bemerkt habe, er reicht mir einen 20-Euro-Schein. Eine sehr junge Frau fragt verschämt, ob ich fünf Euro annehmen würde, mehr könne sie nicht aufbringen. Am Ende habe ich die Hälfte des Ticketpreises beisammen. Als ich in Berlin aussteige, habe ich das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen.

Rina Nentwig, Erlensee, Hessen

…verschwunden

Von um 15:00 Uhr

s68-blume

Wie immer begann ich vorige Woche mit dem Lesen der ZEIT auf der letzten Seite und fand dort das bemerkenswerte Gedicht der Leserin Marijke Bonim-Hauger Der Mohn ist aufgegangen mit dem schönen Mohnfoto dazu. Dazu würde ich gerne ein Mohnfoto beitragen, das ich vor fünf Jahren in unserem Garten aufgenommen habe; vielleicht haben einige Leser Freude daran. Leider war diese schöne Pflanze aus unserem Garten verschwunden, als wir letztes Jahr aus dem Urlaub kamen.

Gregor van de Sand, Bocholt

Kategorien: Aus meinem Garten

Oberrüben: Mein Wort-Schatz

Von um 12:00 Uhr

Wie jedes Jahr um diese Zeit freue ich mich beim Gang über den Wochenmarkt über das frische, in heimischen Gefilden gewachsene Gemüse. Allerdings suche ich nach Oberrüben, etwas später im Jahr nach Welschkraut und Rotkraut und im Herbst nach Kohlrüben – leider vergeblich. Ich finde stets nur die Bezeichnungen »Kohlrabi«, »Wirsing«, »Rotkohl« und »Steckrüben« auf den Preisschildern. Meine schon vor langer Zeit verstorbene Mutter, eine Riesengebirglerin, wäre sicherlich enttäuscht, wenn ihr die altvertrauten Begriffe nicht mehr begegneten. Und entrüstet würde sie rufen (wie immer, wenn sie etwas »allerhand« oder »unerhört« fand): »Da hört doch der Gurkenhandel auf!«

Karl-Ludwig Zeitz, Celle

Kategorien: Allgemein

Was mein Leben reicher macht

Von 31. Juli 2015 um 18:00 Uhr

Dass unsere 16 Monate alte Tochter nach dem Nordseeurlaub ihren Wortschatz um »Möwe« und »Muschel« erweitert hat. Und um das Wort »mäh«. Wir waren nämlich auf einem Schäferhof.

René Lindenberg, Erfurt

Was mein Leben reicher macht

Von um 16:00 Uhr

Mit meiner Moto Guzzi durchs Fränkische zu düsen und das beruhigende, tiefe Blubbern unter meinem Hintern zu spüren.

Astrid Nötzold, Schnaittach, Mittelfranken

Rüschterli: Mein Wort-Schatz

Von 29. Juli 2015 um 20:15 Uhr

Mein Beitrag zu Ihrer Messersammlung ist das alemannische Rüschterli. Der Ausdruck stammt aus der Schweiz und ist auch bei uns in der Grenzregion bekannt. Er leitet sich von dem Verb rüsten ab, das bei unseren Nachbarn (selbst in Kochbüchern!) alle Arten der Vorbereitung umfasst, die man seinem Gemüse vor dem Garen angedeihen lassen kann.

Heike Röckel, Lörrach

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Groschenmesserchen: Mein Wort-Schatz

Von um 20:00 Uhr

Kann es sein, dass die in meiner Heimat, der Gegend um Wetzlar, verwendete Bezeichnung fürs kleine Küchenmesser noch nicht in der Wortschatz-Spalte auftauchte? Ich denke dabei an das Groschenmesserchen, das seinen Namen der Tatsache verdankt, dass es einmal – lange ist’s her – einen Groschen kostete.

Robert Abbel, Dreieich

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Mest: Mein Wort-Schatz

Von um 19:45 Uhr

In meinem Heimatort Egestorf am Deister im Calenberger Land heißt das Messerchen auf Platt: Mest.

Lüder Benne, Seelze, Niedersachsen

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Schillertest: Mein Wort-Schatz

Von um 19:30 Uhr

Bei uns zu Hause, in Diele im Rheiderland (Ostfriesland) heißt das kleine Messer von alters her Schillertest.

Christine Arens, Achim, Niedersachsen

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Schillermesser: Mein Wort-Schatz

Von um 19:15 Uhr

Bei uns in Goldenstedt im Landkreis Vechta nennen wir solche Messer Schillermesser. Wobei sich dieser Begriff vermutlich nicht vom gleichnamigen Dichterfürsten herleitet, sondern wohl eher vom plattdeutschen Wort schillen für schälen (Kartoffeln, Äpfel...). Meine Lebensgefährtin kommt aus dem ammerländischen/ostfriesischen Raum (Augustfehn). Dort heißt dieses Messer fast ähnlich Schillermess, wobei im Gegensatz zum Vechtaer Raum das SCH nicht wie SCH ausgesprochen wird, sondern wie SK (also Skillermess). Das dürfte mit der Nähe zu den Niederlanden zu tun haben, wo das SCH auch wie SK ausgesprochen wird.

Wolfgang Meyer, Goldenstedt, Niedersachsen

Kategorien: Mein Wort-Schatz