Zeitsprung: Familienfahrt

Mit zehn Jahren habe ich im Gymnasium meine beste Freundin Isabell kennengelernt. Das ist nun über 23 Jahre her. Seit einigen Jahren fahren wir einmal im Jahr mit unseren Familien zusammen ein Wochenende weg. Meist geht es in eine Jugendherberge. Im September 2014 und auch 2015 ging es nach Haltern am See. In der nahe gelegenen Westruper Heide entstanden diese Bilder. Auf beiden Bildern ist Isabell rechts zu sehen, während ich links stehe. Einer fehlt auf dem Foto von diesem Jahr: Paul ist jetzt fünfzehn Jahre alt und findet es uncool, mit den Familien wegzufahren. Aber auch an Marlenes nicht mehr vorhandener Zahnlücke zeigt sich, wie die Zeit vergangen ist.

Ulrike Boldt, Meerbusch

 

Zeitsprung: Käferkleid

Auf den Fotos sehen Sie drei Generationen kleiner Mädchen in demselben Kleid: mich im Jahr 1957, meine Tochter Laura 1993 und diesen Sommer, 2015, meine Enkeltochter Ivy. Dieses »Käferkleid« hat meine Mutter vor bald 60 Jahren genäht. (Es gab – immer benannt nach dem Motiv auf dem Stoff – auch ein Tulpenkleid, ein Laternenkleid, ein Drachenkleid und andere mehr.) Ob ich es wohl erleben werde, dass eines fernen Tages noch eine vierte Generation das Käferkleid trägt und der Nähkünstlerin Ururoma Käte Reverenz erweist?

Hanna Eckhardt, Frankfurt am Main

 

Zeitsprung: Land unter

Bei einer Trekkingtour in Lappland konnte ich im vergangenen Sommer diese beiden Fotos im Abstand von knapp drei Tagen aufnehmen. In diesen Tagen Ende Juli hat es in Nordschweden nahezu ununterbrochen geregnet. Nach der Zwangswanderpause, die ich überwiegend im Zelt verbrachte, war die Freude umso größer: Durch die Überflutung hatte sich der zuvor leuchtend grüne Talboden des Rapadalen in ein braunes Hochwassergebiet verwandelt. Die Grundstrukturen – von filigran bis robust – sind gleich geblieben, dazwischen mutierten die Grüngebiete zu einer Ansammlung von Seen. Die ohnehin bezaubernde Landschaft hat durch diese Veränderung eine zusätzliche Qualität erhalten. Diese Wanderung bleibt für mich ein unvergessliches Erlebnis.

Bernhard Hollunder, Waldkirch, Baden-Württemberg

 

Zeitsprung: Die Geschwister

Zwischen diesen beiden Fotos liegen rund 70 Jahre. Das alte Bild zeigt meine Mutter (ganz rechts) mit ihren Geschwistern im Garten ihres Elternhauses in Geislingen-Eybach auf der Schwäbischen Alb. Neben ihr sitzt die älteste Schwester Anne, dann folgen die Brüder Hans und Georg. Das muss man mal nachstellen, dachte ich mir, als mir das Bild vor einiger Zeit in die Hände fiel. Und dann hat es in diesem Sommer endlich geklappt. Es war auch ein schöner Anlass, wieder einmal meine Tante und meine Onkel zu treffen. Die beiden Brüder übrigens nennen Anne noch heute »Olle«, was im Schwäbischen ein liebevoller Ausdruck für »die Ältere« ist. Wenn sie sich treffen, haben sie sich immer viel zu erzählen, am meisten dann, wenn einer anfängt, sich zu verabschieden. »Dann beginnt bei den Schmids erst die Unterhaltung«, hatte mein verstorbener Vater immer gewitzelt.

Gabriele Kiunke, Stuttgart

 

Zeitsprung: Wandmaler

Diese Wandmalerei in Venedig (Fondamenta di San Girolamo in Cannaregio) zeigt einen die Wand bemalenden Wandmaler. Ein kleines Meisterwerk, das ich noch in keinem Kunstführer erwähnt gefunden habe. Seit ich es 1993 entdeckt habe, gehe ich es bei jeder Venedig-Reise besuchen. Das Bild wirkt inoffiziell, wurde aber offenbar über die Jahrzehnte von den Venezianern geduldet. Das Gleiche gilt leider auch für seine inzwischen weit fortgeschrittene Zerstörung durch Wind und Wetter.

Reinhard Kaufmann, Steyr, Oberösterreich

 

Zeitsprung: Wieder in Istanbul

Anlässlich unseres zehnten Hochzeitstages zog es uns zurück an den Ort unserer ersten gemeinsamen Reise als Liebespaar, ein Jahr vor unserer Hochzeit: Istanbul. Die Bäume im Hintergrund sind gut gewachsen, unsere Liebe und deren Früchte auch. Unsere drei Kinder sind zu Hause auf die Familie aufgeteilt, während wir auf Erinnerungspfaden wandern und uns noch einmal vor der Sultan-Ahmed-Moschee fotografieren lassen. Das sechste Minarett des Bauwerks, das auch als »Blaue Moschee« bekannt ist, fehlt übrigens nur temporär: Es wird renoviert. Wer genau hinschaut, kann rechts vorne das Gerüst erkennen.

Jonas Schiller, Fürth

 

Zeitsprung: Die Jesidin

Im März dieses Jahres war ich zum ersten Mal mit einem Hilfstransport im Nordirak, um jesidische Flüchtlinge mit Kleidung, Kinderspielzeug und Geld zu unterstützen. Besonders betroffen machte mich das Gesicht einer jungen Frau, die gerade aus IS-Gefangenschaft entronnen war. Sie lebte mit 45 anderen Flüchtlingen in einem Rohbau – und schien stärker noch als die anderen Flüchtlinge traumatisiert zu sein: ihr Gesichtsausdruck völlig versteinert. Drei Monate später, im Juni, waren wir wieder dort, und zu den schönsten Eindrücken dieser Reise gehörte es für mich, dass die junge Frau wieder ein ganz klein wenig lächeln und sich über die geschenkte Kleidung freuen konnte.

Eckhard Weißenberger, Bahlingen, Baden-Württemberg

 

Zeitsprung: Hühner

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Zwischen diesen beiden Bildern liegen genau 60 Jahre, gut 600 Kilometer, mehrere Umzüge, zwei Hochzeiten, eine Scheidung sowie die Geburten von zwei Töchtern und zwei Enkelsöhnen. Konstant über all die Jahre war die Liebe meiner Mutter, Rita Weintz, zur Natur und zum Tier. Diese Liebe zeigte sich schon in der Kindheit, die sie im nordrhein-westfälischen Viersen (linkes Foto) verlebte. Doch erst nach ihrer Pensionierung als Kriminalbeamtin konnte meine Mutter sich den lang gehegten Wunsch erfüllen, auf einem Bauernhof inmitten der Natur zu leben. Der Hof (rechtes Foto) liegt im bayerischen Windach. Und natürlich beherbergt sie dort auch die Begleiter ihrer Kindheit: Hühner!

Jana Abolins, Göttingen

 

Zeisprung: Glückskinder

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Das linke Bild zeigt mich mit meinem Sohn Jan-David und meiner älteren Tochter Hannah kurz nach der Geburt unseres Nesthäkchens Lilith. Sie war am Freitag, den 13. März 2009 zur Welt gekommen. Genau sechs Jahre später ist meine Vaterrolle um das Mandat als Großvater erweitert worden: Das rechte Bild zeigt mich mit meinen Kindern und Jan-Davids kleiner Tochter Mara, die ebenfalls an einem Freitag, den 13. geboren wurde. Ich habe beide Bilder mit dem Hinweis auf meinen neuen Status im Kollegenkreis unserer Pädagogischen Hochschule verbreitet, worauf manche den Unterschied von »Papa« und »Opa« überlesen und mir zur abermaligen Vaterschaft gratuliert haben. Das war zwar sachlich falsch – aber ich muss zugeben, dass es mir ein wenig geschmeichelt hat.

Carsten Quesel, Langendorf, Schweiz

 

Zeitsprung: Sehnsucht nach dem Norden

Ich träume manchmal von weißen, südlichen Stränden und türkisblauem Meer. Aber dann kommt etwas dazwischen, etwas, das den Wunsch verblassen lässt. Die Sehnsucht nach einem nicht ganz so weißen Strand, an dem es manchmal regnet, und nach einem Meer, das wild und eigentlich ziemlich dreckig ist. Die Sehnsucht nach dem Geruch von Heide und Hotdogs. Nach einem Wind, der einem die Haare um die Ohren weht. Meine Dänemarksehnsucht. Sie wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt: Das Baby auf dem ersten Bild bin ich, zusammen mit meiner Mama. Im Sommer 1994 waren wir auf einem dänischen Bauernhof, und auch danach verbrachten wir viele Urlaube in Dänemark, immer in unterschiedlichen Ferienhäusern. Vergangenes Jahr war es dann, zufällig, wieder ein Bauernhof, genau wie 20 Jahre zuvor. Ein Sehnsuchtsort ist sicher eines der schönsten Dinge, die man als Kind bekommen kann und nie wieder verliert.

Nina Lenz, Rottenburg am Neckar