Ein Blick in die Redaktion von ZEIT ONLINE

Attac kopiert ZEIT ONLINE und DIE ZEIT

Von 21. März 2009 um 15:43 Uhr

Die globalisierungskritische Organisation Attac hat eine täuschend ähnliche Kopie von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT erstellt, um auf sich aufmerksam zu machen. An diesem Wochenende will Attac 150.000 Exemplare der gefälschten Wochenzeitung in deutschen Städten verteilen. Am Montag wird das Plagiat auch der Zeitung “taz” beiliegen. Die vermeintliche Kopie unserer Website finden Sie hier:

http://www.die-zeit.net (Der Server scheint gelegentlich überlastet zu sein und ist evt. nicht erreichbar)

Die beiden Chefredaktionen und Geschäftsführungen von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT wussten nichts von dieser Aktion, wir sind aber beeindruckt von der Qualität der Kopien. Mein Kollege Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Printausgabe, sagte: “Fälschungen der ZEIT können wir natürlich nicht gutheißen, zumal nicht in dieser hohen Qualität. Am meisten staune ich aber über den großen Aufwand, den man sich hier geleistet hat.  Schön, dass es wenigstens Attac in der Krise noch gut geht.”

Ähnliche Aktionen gab es bereits in den USA. Im November letzten Jahres erstellte die Gruppe THE YES MEN eine Kopie des dortigen Leitmediums, der New York Times. Auf der gefälschten Website kritisierte die Gruppe unter anderem die regierungsfreundliche Berichterstattung der Times über den Irak-Krieg. Schon im Sommer 2006 hatte die Organisation Greenpeace die Website des Computerherstellers Apple detailgetreu nachgebaut und dann mit eigenen Inhalten gefüllt. Auf dieser Website kritisierte Greenpeace die vielen umweltschädlichen Materialien, die für die Herstellung der Apple-Produkte verwendet werden.

Die Themen, die Attac in den gefälschten Kopien von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT anspricht, sind Themen, mit denen auch wir uns intensiv beschäftigen. Bereits im April 2004 berichtete DIE ZEIT über das gefährliche Geschäftsgebaren der beiden amerikanischen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac und warnte fortan regelmäßig vor einem Kollaps des amerikanischen Immobilienbooms.

Den Leserinnen und Lesern der Attac-Aktion empfehlen wir auch unsere Schwerpunktseiten zur Finanzkrise und zur Zukunft der
Auto-Branche, die Sie hier finden können:

Schwerpunktseite FINANZKRISE

Schwerpunktseite AUTOKRISE

Wir hoffen, dass die globale Finanzkrise zum Entstehen einer nachhaltig orientierten, umweltfreundlicheren Marktwirtschaft führen kann und haben diesem Thema eine fortlaufende Artikelserie mit dem Titel “The New Green Deal” gewidmet. Falls Sie uns dafür weitere Autoren oder Themenaspekte empfehlen möchten, freuen wir uns wie immer über Ihre Anregungen und Ideen.

Herzlich,

Wolfgang Blau

Kategorien: Tagesgeschäft
Leser-Kommentare
  1. 137.

    Kompliment an DIE ZEIT, sollte es dabei bleiben, dass keine rechtlichen Schritte gegen ATTAC eingeleitet werden. Dem dürfte wohl eine rationale und pragmatische Erörterung vorausgegangen sein …
    Was mich belustigt ist, wie wenig offenbar einige Kommentatoren überhaupt über ATTAC wissen (welche Aktionen und Ziele ATTAC verfolgT und welche teilweise prominenten Mitglieder ATTAC hat, z.B. den Ex-Vorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion Dr. Heiner Geißler).
    Immerhin, u.a. die Kommentare #83 F.K., #97 schlotzke und #113 weltenbummler bringen etwas Licht ins “neoliberal-unwissende” Kommentatoren-Getümmel. Danke dafür!
    Knüppel

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    • 23. März 2009 um 15:14 Uhr
    • Knüppel
  2. 138.

    Unterhaltsam, wie hier so mancher (Schein-?)-Konservative Schaum vor den Mund bekommt und mit den Pflastersteinen der ‘antikommunistischen’ Demagogie der 70er Jahre um sich wirft. Wenn man doch nur sicher sein könnte, dass es sich dabei um ein Fake handelt, das die alten Feindbilder der Linken (?) karikieren soll (der Name TyRell deutet darauf hin (-> Blade Runner)). Aber ich fürchte fast, zumindest ein Teil dieser Kommentare ist ernst gemeint.

    Insgesamt lässt sich aus dieser Attac-ke auf die deutsche Zeitungslandschaft ein wunderbares Schulbeispiel über die Funktionsweise von Medien herleiten. Man hätte es besser kaum konstruieren können. Respekt vor allen Beteiligten! Ich bin schon gespannt auf die nächste ZEIT am Donnerstag. Ob die Hamburger jetzt die Webseite von attac kopieren … ;-)

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    • 23. März 2009 um 15:46 Uhr
    • bitbull
  3. 139.

    [...] Bei ZEIT-Editor-in-Chief Wolfgang Blau hab ich auf Twitter (@wblau) einen Hinweis darauf gelesen, was er auf ZEITonline dazu geschrieben hat: «Attac kopiert ZEIT ONLINE und DIE ZEIT». [...]

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  4. 140.

    die ZEIT 2030jahr zeitung

    Antworten

  5. 141.

    online casino…

    Antworten

  6. 142.

    Meine Mutter liest seit Jahren die ZEIT für mich als “kulturelle Nabelschnur”, da ich in London lebe. Dort war ich dabei, als sich ATTAC UK gründen wollte, was aber nie passiert ist.

    Während ich auf die “umweltfreundliche Marktwirtschaft” warte, schreibe ich jetzt ein Buch über nationale Schulden. Vielleicht gibt es ja noch den esprit européen im Land der Dichter und Denker, und DIE ZEIT wird ATTAC-gemäss erleuchtet!?…

    Sabine Kurjo
    Organisatorin des Forum für Stabile Währungen am House of Lords und Commons
    http://forumforstablecurrencies.org.uk

    Antworten

  7. 143.

    Herrlich!

    Mit wie viel Humor Sie das Plagiat besprechen und ohne es gut zu heißen :-) auf Ihrer Seite verlinken… Noch mehr als Ihre gute journalistische Arbeit macht diese Haltung für mich “Die Echte Zeit” aus.

    Liebe Grüße

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    • 29. Dezember 2009 um 07:57 Uhr
    • Geißler Philipp
  8. Kommentar zum Thema

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