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Weibliche Führungskräfte bei ZEIT ONLINE

Von 2. März 2012 um 11:34 Uhr

Rund 350 Journalistinnen haben gemeinsam einen bemerkenswerten Appell an Deutschlands Chefredakteure, Intendanten, Verleger und Herausgeber geschrieben: Sie fordern, dass bis zum Jahr 2017 mindestens 30 Prozent der redaktionellen Führungspositionen mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Als Chefredakteur von ZEIT ONLINE befürworte ich diese Initiative. Dennoch möchte ich nicht der Versuchung erliegen, auf die kritische Anfrage von 350 einflussreichen Journalistinnen nur mit einer Geste der Umarmung zu antworten.

Der Appell hinterließ in unserer Redaktion zwei offene Fragen: Was genau ist nach Ansicht der Unterzeichnerinnen eine Führungsposition? Und welche Art von Quote wird hier gefordert? Eine rechtlich verbindliche oder eine nur moralisch verpflichtende, jedoch nicht einklagbare Quote?

Der Anteil weiblicher Führungskräfte bei ZEIT ONLINE liegt schon heute bei 30 Prozent. Wenn auch noch Führungskräfte mitgezählt werden, die zwar erheblichen Einfluss auf die redaktionelle Arbeit von ZEIT ONLINE ausüben, jedoch keine eigenen Teams oder Ressorts führen, wie etwa unsere Textchefin oder unsere Chefin vom Dienst, liegt er noch leicht darüber.

Weibliche Führungskräfte mit Personalverantwortung sind unsere stellvertretende Chefredakteurin Domenika Ahlrichs, die Leiterin unserer Ressortgruppe Wissen-Studium-Digital, Dagny Lüdemann, und die Leiterin unserer Ressortgruppe Kultur-Reisen-Lebensart, Jessica Braun.

Uns ist dieser Frauenanteil zu niedrig. Er liegt auch deutlich unter dem Anteil unserer weiblichen Leserschaft von etwa 40 Prozent.

ZEIT ONLINE hat das Glück, regelmäßig neue und attraktiv dotierte Stellen schaffen zu können. Bei der Besetzung dieser neuen Stellen beobachten wir stets, wie schwierig es immer noch ist, Redakteure mit umfangreicher Online-Erfahrung zu rekrutieren, egal ob weiblich oder männlich. Es kam auch schon vor, dass wir eine wichtige Führungsposition viele Monate vakant gelassen haben, weil ich darauf bestand, sie mit einer Frau zu besetzen. Für eine rechtlich verbindliche, einklagbare Quote ist unsere Redaktion heute aber noch nicht groß genug.

Ich sage den Unterzeichnerinnen des Appells zu, unsere Bemühungen noch zu verstärken, damit wir unseren derzeitigen Anteil weiblicher Führungskräfte von 30 Prozent nicht nur halten, sondern weiter steigern. Dazu gehört, dass wir uns weiterhin nicht damit begnügen werden, nur auf Bewerberinnen zu warten, sondern dass wir selbst auf potenzielle Führungskräfte zugehen und noch mehr als bisher schon in die Entwicklung talentierter Redakteurinnen als zukünftige Führungskräfte investieren.

Mindestens bis zum Jahr 2017 werden wir einmal jährlich offen legen, wie sich der Frauenanteil bei ZEIT ONLINE verändert hat.

Und wenn ich zum Schluss auch eine kleine Bitte an die Aktion „pro-quote“ äußern dürfte: Der erste Satz auf Ihrer Homepage lautet: „Wer bestimmt, was in der Zeitung steht? Was im Radio und im Fernsehen läuft?“

Wäre es möglich, in dieser Liste von Mediengattungen auch schon vor dem Jahr 2017 nicht nur Print, Radio und Fernsehen, sondern auch Online-Medien zu erwähnen? Online-Medien sind am besten geeignet, junge Frauen und Männer zu erreichen. Ich wäre Ihnen dankbar.

Ihr Wolfgang Blau

Die Stellungnahme des Chefredakteurs der Wochenzeitung DIE ZEIT, Giovanni di Lorenzo, finden Sie hier.

Kategorien: Frauenquote
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Eine Menge Interna veröffentlicht dieser sowie der Print-Leitartikel des Print-Chefredakteurs. Für Nur-Leserinnen stellenweise etwas langweilig zu lesen, aber wir sind wohl nicht die Haupt-Adressatinnen. In der Sache scheint es gleichwohl anerkenneswert, was schon passiert und noch geplant ist bei der ZEIT.
    Ist der letzte Absatz hier wirklich so ironiefrei, wie er es stilistisch vorgibt? egal, recht hat Herr Blau.

    • 2. März 2012 um 14:30 Uhr
    • ascola
  2. 2.

    Über das Thema “Frauenquote” kann man sehr schön streiten. Das möchte ich hier garnicht anfangen. Doch eine Frage stellt sich mir doch, wenn ich lese, dass “wir eine wichtige Führungsposition viele Monate vakant gelassen haben, weil ich darauf bestand, sie mit einer Frau zu besetzen”. Diese Aussage impliziert, dass es geeignete Bewerber gab, die lediglich einen Makel hatten: sie waren männlich. Herr Blau, ist das nicht Diskriminierung aufgrund des Geschlechts?

    • 2. März 2012 um 16:06 Uhr
    • ruhiger
  3. 3.

    “Es kam auch schon vor, dass wir eine wichtige Führungsposition viele Monate vakant gelassen haben, weil ich darauf bestand, sie mit einer Frau zu besetzen.”
    Soll das im Umkehrschluss bedeuten, dass sich auf die Stelle anfangs nur Männer beworben haben und sie ihnen keine Chance gegeben haben?

    Es ist gut und richtig, mehr Frauen in Führungspositionen einzustellen, allerdings sollte dabei nicht nur die Frauenquote stimmen, sondern auch die Zahl der besetzten Positionen im Verhältnis zu der Anzahl der Bewerber. Konkret: Wenn es weniger weibliche Bewerberinnen gibt, dann dürfen auch nur weniger Stellen an Frauen vergeben werden. Alles andere wäre dann wieder Diskriminierung gegenüber den Männern. Vorausgesetzt, dass die Bewerber-und Bewerberinnen qualitativ gleichwertig sind.
    Jedoch möchte ich nicht zu unrecht urteilen, deswegen würde mich Folgendes interessieren:
    Wie viele männliche und wie viele weibliche Bewerber(-innen) gab es, bzw. im welchen Verhältnis stehen die männlichen zu den weiblichen Bewerberinnen?

    • 2. März 2012 um 16:35 Uhr
    • Philipp
  4. 4.

    Die journalistische Qualität von ZO ist ohnehin schwach.
    Letztlich ist es ein Portal für Genderismus und Kulturrelativismus und ein Tummelplatz für “Schreiberlinge”.
    Quote hin oder her spielt da keine Rolle.

    Dass Herr Blau sich für die Quote ausspricht, war so klar wie Kloßbrühe und ist nicht weiter erwähnenswert.

    Interessanter wäre eine profilierte Stellungnahme, welche Genderquoten ablehnt, aber für ein Bewerbungsverfahren eintritt, bei dem in der Vorauswahl das Geschlecht und Alter nicht zu erkennen ist. Auswahl nach Qualität eben.

    Aber er war schon immer einfacher mit dem Wind der PC zu segeln.

  5. 5.

    Frau Schwarzer, die mit Foto an erster Stelle auf der verlinkten pro-quote.de Seite erscheint, und die übrigen Unterzeichnerinnen haben einen merkwürdig dogmatischen Ansatz, wenn sie versuchen, Führungspositionen in Zeitungen strategisch mit Frauen zu besetzen, um “bestimmen” zu können, was in der Zeitung steht.

    Ich möchte gerne weiterhin viele unterschiedliche (im Idealfall: alle) Meinungen und Ansichten in der Zeitung finden können.

  6. 6.

    Sehr geehrter Herr Blau:
    Die Frage, die ich mir stelle ist, kann man gegen eine Quote sein, ohne in irgendeine Schublade gesteckt zu werden? Bei einer Frauenquote heißt die Antwort wahrscheinlich nein. Aber warum schafft es niemand, eine allgemeine Geschlechterquote zu fordern und warum ist die Quote immer nur auf Führungspositionen beschränkt. In Zeiten, in denen jeder Hausmeister ein Facility Manager ist, sicherlich keine große Herausforderung entsprechende Stellen zu schaffen, aber geht es denn nicht um Leistung oder Eignung für bestimmte Aufgaben? Dieses zu fordern wäre geschlechterunabhängig – aber derzeit wohl nicht mehr en vogue. Wieso wird die Quote nicht als Diskriminierung einer anderen Gruppe gewertet? Es fällt wahrlich schwer dies zu verstehen.
    Liebe Grüße

    • 2. März 2012 um 16:47 Uhr
    • Lars-Henrik
  7. 7.

    Und…haben Sie sich bereits darüber Gedanken gemacht wer, sollte die Quote schnell umgesetzt werden, rausgeschmissen oder deklassiert werden sollte, damit ihr entsprochen werden kann?

    -Schließlich ist es ja möglich, dass kurzfristig nicht ausreichend “Führungskräfte” in Rente gehen. Wenn Sie jetzt feststellen, dass in Ihren Entscheiderpositionen “zu wenig” Frauen sind: gehen Sie doch ruhig mal in sich und überlegen Sie, ob Sie tatsächlich über Jahrzehnte hinweg “diskriminiert haben”, ob die Anwärterinnen, auch im Hinblick auf Marion Gräfin Dönhoff an den “Machtstrukturen” gescheitert sind,…oder ob die meisten Chefredakteure heute noch aus Jahrgängen stammen, in denen Frauen grundsätzlich seltener studierten.

    Ansonsten: ist denn Arbeit tatsächlich dazu da, Menschen zu “repräsentieren” und geht es nicht stattdessen einfach darum, sie gut auszuführen, unabhängig vom Geschlecht? Ich kenne Autorinnen bei der ZEIT, die hervorragende Arbeit leisten, beispielsweise Sabine Rückert und in den meisten Fällen Parvin Sadigh. Aber hat dies etwas mit Statistik in “Führungspositionen” zu tun?

  8. 8.

    Werte/r paugroha,

    so einfach ist es leider nicht: glauben Sie nicht, dass es Stellen geben kann, bei der Alter und Geschlecht sehr wohl eine Rolle spielen? Die Besetzung einer Stelle in einem Magazin für Frauen oder Männer oder ältere oder jüngere Menschen ist nur ein Extrembeispiel.

    Wir leben nun einmal in einer Welt, in der es sehr wohl Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Es ist schlichtweg nicht diskriminierend, einen Bewerber nicht zu nehmen, der das Anforderungsprofil der Stelle nicht erfüllt — sei das aufgrund seiner Laufbahn, seiner Qualifikationen, charakterlicher Eigenschaften oder eben physischer Merkmale.

    Beste Grüße!

    • 2. März 2012 um 16:53 Uhr
    • the contented
  9. Kommentar zum Thema

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