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Neue Serie: Zukunft des Journalismus

Von 9. März 2012 um 17:08 Uhr

Der Journalismus hat seine beste Zeit noch vor sich und er wird sich primär im Netz weiterentwickeln. Um diese These mit Ihnen zu diskutieren, werden wir Ihnen hier im ZEITansage-Blog ab sofort und in loser Folge richtungsweisende Entwicklungen und Debatten-Beiträge zur Zukunft des Journalismus vorstellen.

Den Auftakt bilden ein Bericht der Medienjournalistin Ulrike Langer über Datenjournalismus in den USA und eine Video-Serie, die wir in Kooperation mit Vocer.de produziert haben, einem neuen Debattenforum für Medienkritik.

In der ersten Video-Folge beschreibt der New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen, was Journalistinnen und Journalisten von der Occupy-Bewegung lernen können:

Auch alle weiteren Folgen finden Sie hier im Blog, sowie auf unserer Facebook-Seite und via Twitter @zeitonline.

Ich freue mich auf konstruktive Debatten mit Ihnen.

Ihr Wolfgang Blau

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Der Journalismus hat seine beste Zeit lange hinter sich. War er einst ein investigativ, eine Bedrohung für die Mächtigen der Welt, eine vierte Gewalt in jedem Staat, ist er heute ein Bediener der Interessen seiner Anzeigenkunden, williger Helfer staatlicher Propaganda, verlängerter Arm der Entertainment- Industrie.

    Man sieht das am Falle Wikileaks, es werden Geheimnisse eben nicht mehr an die Medien herangetragen, sondern an unabhängige Plattformen, die nicht Interessengruppen dienen. Selbst so zubereitete Informationen sind für die auf Infotainment gerichtete Presse zu viel, man pickt sich die zur allgemeinen Belustigung nützlichen Meldungen(Westerwelle in Augen der Amerikaner ein Idiot) raus und ignoriert völlig die wichtigen Dokumente(China bereit Nordkorea fallen zu lassen).

    Auch zu sehen bei den Palestine Papers, Israels Politik wird in den hörigen Medien in Deutschland bestenfalls am Rande kritisiert, was damals aber ans Tageslicht kam, hätte bei korrekter Berichterstattung sämtlicher Unterstützung Israels in Deutschland auf Jahre den Boden entzogen, was sich auch in den jetzigen Kriegsvorbereitungen gegen den Iran niedergeschlagen hätte. Stattdessen Schlagzeilen aus Agenturtickern, die ganz offensichtlich eine proamerikanische Agenda verfolgen.
    Die Masse der veröffentlichten Artikel ist eh nur Tickerabschreibe, sowas soll man eine Zukunft wünschen?

    Diese wird so aussehen, das unabhängige Medien verschwinden und rein dem verbreiten von Konsensmeinung dienen, um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen. Sehr typisch. Wie Fernsehen für Quote, irgendwann ist man sich für nichts mehr zu peinlich.

  2. 2.

    Eine Kernaufgabe des Qualitätsjournalismus ist es immer gewesen, die Leser so neutral und wahrheitsgetreu wie möglich über alle wichtigen Ereignisse zu informieren, an denen diese selbst nicht teilhaben können. Das hat lange die Journalismusforschung bestimmt: Wie kann durch bestimmte turn-taking-Regeln das Ideal der Neutralität gewährleistet werden? Nach welchen Prinzipien sollten Nachrichten ausgewählt werden, um ein angemessen proportioniertes Bild der Welt zu zeigen? Welche Rechercheprozesse muss ein Artikel durchlaufen? etc.

    All diese Fragen scheinen in der modernen Debatte keine Rolle mehr zu spielen. Höre ich mir Jay Rosen an, scheint es nur noch um Kommunikation der Kommunikation wegen zu gehen (aber natürlich differenziert in “vertikale” und “horizontale” K., begleitet von empirisch nicht weiter belegten Aussagen über Redundanzverminderung). … Viele Artikel in der ZO scheinen mittlerweile ein Beleg für diese Geisteshaltung zu sein: Journalisten, die zu einem Thema keinerlei Fachwissen besitzen (z.B. zum Klimawandel), schreiben auf Grundlage anderer Artikel ihren eigenen, höchst parteiischen Beitrag, der die ebenfalls unwissende Leserschaft sogleich zu einem Sturm an Lehnstuhl-Kommentaren veranlasst. Der Erkenntnisgewinn ist gleich Null – aber immerhin hat man horizontal und vertikal kommuniziert. Und da Online-Zeitungen von Klicks leben, übernimmt der Kommentar jetzt die Rolle der Sachberichterstattung, und das Pamphlet die Rolle des Kommentars.

  3. 3.

    Geehrter Herr Blau,

    auch wenn ich 1. aus eigenem beruflichen Erleben Ihr Vorhaben als für den Nachwuchs interessant einschätze und 2. Ihre mir eher PRigen netten Worte natürlich ans Herz gehen lasse:

    Zum Henker, glauben Sie, die Leute, die wissen wollen, was denn jetzt schon schon wieder los ist, was geschoben umd gelogen ist und wie morgen die Müllabfuhr kommt, die gucken kluge Sachen über Datenjournalismus und trotteln Ihnen auf Facebook hinterher um Videos zu finden?!

    Das werden Sie vielleicht vergessen müssen.

    Frdl. Federkiel

  4. 4.

    Das nenne ich mal [...], wenn der Author des Artikels wirklich glaubt, der ausgezehrte Kadaver des heutigen Presss-Zombies hätte noch eine Zukunft vor sich.
    Viel eher wird es doch so sein, das die lernunwilligen Dinosaurier des Print-Journalismus weiter an Auflage verlieren werden und letztendlich vom Boden der Meinungsgestaltung verschwinden werden.
    Und das ist gut so!
    Gekürzt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare und verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/sh

    • 11. März 2012 um 23:37 Uhr
    • Eric Bonacci
  5. 5.

    Die Zukunft des Journalismus startet jedenfalls schon mal ohne jene, die sich kein Video angucken können oder möchten. Wie wäre es die Hauptaussagen auch zu verschriftlichen. Dann käm die Message bei mehr Leuten an…

    • 12. März 2012 um 10:45 Uhr
    • Sterin McCollis
  6. 6.

    Lieber User “Kommentar.Zeit”,
    wenn ich Ihren Kommentar richtig verstehe, sind Sie von allen Medien enttäuscht und unterstellen uns eine pro-amerikanische Agenda und dass wir nur Agenturmeldungen umschreiben, jedoch nicht selbst recherchieren. Es ist sicher müßig, nun darzustellen, welch großen Aufwand ZEIT ONLINE ständig betreibt, um im In- und Ausland zu recherchieren. Die Frage, die für mich nach der Lektüre Ihres Textes noch nachhallt, ist nur die: Warum lesen Sie uns trotzdem?
    Und gerade wenn man Ihre pessimistische Sicht der Dinge teilen würde, müsste man sich doch für alle neuen, alternativen Formen des Journalismus – jenseit der von Ihnen so heftig abgelehnten Medienunternehmen – interessieren, oder nicht?
    Viele Grüße, Wolfgang Blau

  7. 7.

    Lieber User “Steerpike75″,
    ich glaube, dass Sie Jay Rosen da Unrecht tun. Er wurde in dem Interview nicht gebeten, über die Zukunft der möglichst objektiven Recherche oder der Nachrichtengewichtung zu sprechen.
    Wir haben ihn gefragt,
    -was traditionell geprägte Journalisten von der im Netz organisierten Occupy-Bewegung lernen könnten,
    -was ihn zu der These bringt, dass traditionelle Medien sich von Grund auf neu organisieren müssen,
    -wo er das größte Entwicklungspotenzial für den Journalismus sieht und
    -was er aus gemeinsamen Experimenten mit Leserinnen und Lesern gelernt hat.
    Ihm dann vorzuwerfen, dass er sich nicht zu den Ihrer Ansicht nach wichtigsten Themen geäußert hat, ist nicht unbedingt fair.
    Ihre Aussage, unsere Redakteurinnen und Redakteure hätten keinerlei Fachwissen, etwa zum Klimawandel, möchte ich nur mit einem Link beantworten. Vielleicht möchten Sie dieser Seite
    hier noch einmal eine Stunde widmen und Ihr eigenes harsches Urteil zumindest kritisch hinterfragen: http://www.zeit.de/schlagworte/themen/klimawandel/index
    Viele Grüße, Wolfgang Blau

  8. 8.

    Neutrale Sichtweisen sind immer schwer im absoluten Sinne um zusetzen. Die Medien ändern sich schneller als der Mensch, und der Mensch lernt damit umzugehen. Das eigentliche Problem sehe ich eher in der “Vergütung der Meinungsfreiheit” beim Medium Internet. Internetjournalismus alleine rechnet sich nicht! Eine übermäßige Spezialisierung, die meist aufgrund ihrer Fachsprache die Mehrheit der Leser ausschließt, gehört für mich persönlich eher in die Sparte Fachliteratur.

    Vielleicht tröstet Sie der Gedanke “Journalismus ist ein Beobachter der Gegenwart” – und bleibt dies auch! Danke übrigens für die immer spannende Lektüre der Zeit!

    • 23. März 2012 um 19:15 Uhr
    • Mi Wolf
  9. Kommentar zum Thema

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