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ZEIT ONLINE gründet ein Investigativ-Ressort. Damit verbunden ist ein Wechsel in der Chefredaktion.

 

Das neue Investigativ-Team (c) Andreas Labes

Viele journalistische Projekte sind heute so umfassend, dass sie von einzelnen Redakteuren oder Ressorts kaum zu bewältigen sind. Bei den “Drohnen-Dokumenten“, die ZEIT ONLINE kürzlich in einer Serie aufbereitete, galt es beispielsweise, 800 Geheimakten aus dem Untersuchungsausschuss des Bundestages in kurzer Zeit zu analysieren und zu bewerten. Auch unsere Recherche zu den Aktivitäten der Bundestagsabgeordneten in der letzten Legislaturperiode beruht auf einem großen Datenberg, den es weiter auszuwerten gilt.

Unser neues Team Investigativ/Daten wird sich permanent um solche Recherchen kümmern. Es wird eine Schnittstelle zu anderen Rechercheteams im In- und Ausland sein – und nach innen eine Art Dienstleistungsressort, das ZEIT-ONLINE-Kollegen bei ihrer Arbeit unterstützt.

Alle Teammitglieder sind erfahrene Onliner und kennen die kooperative Arbeitsweise digitaler Journalisten. Sie werden also nicht, wie es dem investigativen Klischee entspräche, für ein halbes Jahr abtauchen, um dann mit einem Scoop wieder aufzutauchen – sondern sich täglich mit unserer Redaktion austauschen. Vor allem werden sie den Schwerpunkt, den ZEIT ONLINE im Datenjournalismus gesetzt hat, weiter ausbauen. Aber auch eine klassische Recherche, die einen etwas längeren Atem erfordert, kann im Investigativ-Team angesiedelt sein. Auch große Crowdsourcing-Projekte, mit denen ZEIT ONLINE bereits sehr erfolgreich ist, werden in Zukunft vom Team organisiert: An unserer Erhebung zu Dispozinsen etwa haben sich mehr als 10.000 Leser beteiligt.

Leiten wird das Team Investigativ/Daten Karsten Polke-Majewski, bisher stellvertretender Chefredakteur. Markus Horeld, bisher Leiter der Ressorts Politik und Gesellschaft, wird stellvertretender Chefredakteur. Die stellvertretende Chefredakteurin Domenika Ahlrichs und der Geschäftsführende Redakteur Christoph Dowe bleiben wie bisher Mitglieder der Chefredaktion.

In das neue Team Investigativ/Daten wechseln Kai Biermann, Philip Faigle und Sascha Venohr. Kai Biermann ist seit 2007 bei ZEIT ONLINE und war zuletzt für die Themen Internet, Datenschutz und Netzpolitik zuständig. Philip Faigle kam Ende 2007 als Redakteur ins Wirtschaftsressort von ZEIT ONLINE. Mit Sascha Venohr, Head of Data Journalism, bündelt ZEIT ONLINE alle datenjournalistischen Projekte im neuen Team.

 

36 Kommentare


  1. ok, so sieht also das neue SEAL-team 6 der zeit für investigative spezialoperationen aus. hoffen wir, dass der eine oder andere blinde flecken in der bisherigen berichterstattung damit “sichtbar” gemacht wird.


  2. Glückwunsch an die Zeit Online Redaktion. Diese Umstellung wird das Niveau der Berichterstattung sicherlich noch einmal beträchtlich steigern.

  3.   simulator

    Investigativ ist keine Frage einer Ressortgründung und der Bewältigung von Datenmengen via “neue” Medien sondern bedingt zunächst einmal den Willen, auch heiße Themen anzufassen und diese tiefgründig, umfassend und objektiv zu berichten und auch nachhaltig dran zu bleiben.
    Ich wünsche artig “Viel Erfolg”, habe aber nach dem bisherigen Eindruck von Zeit & Zeit online durchaus Zweifel ob das die Richtung ist, in die die Reise unter dem schönen Titel nun wirklich gehen wird.


  4. Klingt nach einem guten Team, schätze die genannten Autoren schon lange aufgrund ihrer relfektierten Berichterstattung.


  5. Gutes Gelingen, wünsche ich.
    Ach, in der Navigation oben rechts neben SPORT würde noch ein Link “Leaks” passen.


  6. Wow! Hört sich nach “Revolution” an. Bahnsteigkarten schon gekauft?

  7.   Hanebuch

    Das hilft bei sinkendem Umsatz auch nicht mehr. Erst recht nicht bei anhaltend unterdurchschnittlicher Qualität.


  8. Danke für Ihre Kritik an unserer Berichterstattung. Wir nehmen sie uns zu Herzen. (Der Umsatz allerdings steigt seit Jahren.)


  9. Das ist eine gute Idee. Der Titanic gelang an einem einzigen Tag der Nachweis, dass neben Alice Schwarzer auch Jörg Kachelmann und Roger Federer Konten in der Schweiz besitzen. Da wird sich das ZON-Investigativ-Ressort anstrengen müssen.