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Proust-Fragebogen für Blogger (12)

Von 20. April 2011 um 08:00 Uhr

(c) Karen L. Dunn

Was im 19. Jahrhundert Salons waren, sind heute Blogs. In diesem Sinne lassen wir die Tradition des legendären Fragebogens von Marcel Proust für unsere Lieblingsblogger wieder aufleben. Die Wahl-New Yorkerin, Bloggerin und Photographin Katya Moorman, 34, zeigt in ihrem Blog Styledefined eine Mischung aus  Streetstyle, Nachtleben und Trendbeobachtungen von den Straßen New Yorks. Inzwischen hat sowohl die Bloggerin als auch ihr Blog dort quasi Kultstatus, der von der Französischen Vogue sogar zu einem der besten Style-Blogs gekürt wurde.

Was ist für Sie das vollkommene Blog? Eins das nicht langweilt, denn nur weil JEDER bloggen kann, heißt das nicht, dass es jeder sollte. Wenn du schon die Welt mit deiner Meinung und „Kunst“ belästigst, dann sollte diese zumindest was wert sein. Zeige mir was Neues und poste niemals Mode-Kampagnen mit banalen Kommentaren…damit prostituierst du dich nur und zwar umsonst.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten? Mit mir selbst.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung? Fragen von ausländischen Publikationen beantworten und anderer Leute Tagebücher lesen, während ich Gin Tonic trinke.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung? Fragen von ausländischen Publikationen beantworten und anderer Leute Tagebücher lesen, während ich Gin Tonic trinke.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit? Siehe obige Antwort.

Ihr Lieblingsheld im Netz? Kann ich nicht sagen, deshalb formuliere ich die Frage einfach um: Wer ist mein Lieblingsheld, den ich nicht persönlich kenne: Tom Ford. Ich fand ihn als Designer schon toll, aber sein Film „A Single Man“ hat mich umgehauen. Es ist der schönste Film, den ich je gesehen habe. Ich bewundere seine Arbeitsmoral, Kreativität, Mut und seine smarte PR-Strategie.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit? Meine wirklichen Helden sind die Transen, mit denen ich Sonntagnachts im Vandam feiere. Dragqueens sind schon in einer Zeit, in der es sehr gefährlich für sie war, sich selbst darzustellen, an die Grenzen vorgedrungen. Heute tun sie es weiterhin und diesmal in einer Zeit, in der es zwar nicht mehr gefährlich für sie ist, dafür aber als passé bzw. lächerlich gilt. Ich habe große Bewunderung für Leute, die gegen den Zeitgeist schwimmen, mit Humor und verrücktem Stil.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen? Ich lerne einfach gerne Menschen kennen. Twitter ist super dafür…aber am Ende sind mir echte Beziehungen im wahren Leben oder in Nachtclubs….auch nicht wirklich das wahre Leben… doch viel lieber….

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen? Ich treffe Menschen im wahren Leben viel lieber, weil man die einfacher beim Lügen ertappen kann, spätestens nachdem jemand ein paar Cocktails intus hat. In der Welt des Online-Alter-Egos gibt es wenig Klarheit.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten? Die verschwendete Zeit. Ich könnte einen ganzen Tag lang zwischen Facebook, Twitter, online shoppen und emails verbringen.

Was stört Sie an Bloggern am meisten? Viele Mode-Blogger sind langweilig und narzisstisch. Aber am schlimmsten finde ich, wenn Blogger ganz auf Rechtschreibung und Grammatik verzichten.

Was stört Sie an sich selbst am meisten? In dieser selbstkreierten Hölle zu Leben. Dieses Business ist schnelllebig und hart. Wenn man mal nicht auf der richtigen Party gewesen ist, kann man die tollste Fotogelegenheit verpasst haben.

Ihr glücklichster Moment als Blogger? Ich weiss nicht, ob es mein glücklichster war, aber als ich von der Französischen Vogue zu einem der besten Blogs gekürt wurde und dabei der einzige New Yorker Blog war, hat mich das ziemlich glücklich gemacht.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger? Hmmm…letzten Sommer wurde ich von J&B Whiskey für ein großes Promo Event für den Manhattan Cocktail nach Madrid eingeladen. Dazu eingeladen wurden vier Menschen die als New Yorker „Ikonen“ gelten. Die ganze Reise erster Klasse und meine Fotos riesig groß aufgeblasen überall an der Wand. Das war ziemlich cool!

Über welches Talent würden Sie gern verfügen? Mich unsichtbar machen zu können und mich überall hin zu „beamen“.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden? Als der Bestbezahlte!

Ihre größte Extravaganz? Meinen sicheren Job verlassen zu haben, mein Haus verkauft zu haben und in die teuerste Stadt Amerikas gezogen zu sein und das alles mitten in der Wirtschaftskrise – um mich ganz meiner Photographie und meinem Blog zu widmen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Vorsichtig optimistisch und leicht sauer.

Ihr Motto? „Versuchen“ gibt’s nicht, entweder du machst es, oder du lässt es bleiben.

Bislang haben unseren Proust-Bloggerfragebogen Julia StelznerKatharina CharpianThomas KnüwerMarlene Sørensen und James CastleMary ScherpeJuliane Duft und Anna Katharina BenderRichard GutjahrAnna dello RussoPeter GlaserFrederik Frede und Jessica Weiß ausgefüllt

Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] ZEIT ONLINE (Blog) [...]

  2. 2.

    [...] haben unseren Proust-Bloggerfragebogen Katya Moorman, Julia Stelzner, Katharina Charpian, Thomas Knüwer, Marlene Sørensen und James Castle, Mary [...]

  3. 3.

    [...] ZEIT ONLINE (Blog) [...]

  4. 4.

    [...] Berlin based newspaper, Die Zeit, recently invited me to answer their Proust Questionaire for bloggers. I was a bit tongue-in-cheek [...]

  5. Kommentar zum Thema

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