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Erwin Sellering, die Zweite

 

Über Erwin Sellerings Aussage zu den Schwächen, aber eben auch Stärken der früheren DDR habe ich an dieser Stelle schon einmal einige Zahlen geliefert. Am Wochenende hat Sellering seine Aussagen noch einmal bekräft – und mittlerweile gibt es auch noch neue Zahlen, die dazu passen. Im Allbus 2008 konnten die ostdeutschen Befragten (wieder einmal) angeben, ob sie sich mit der früheren DDR und ihren Bürgern verbunden fühlen. Das Ergebnis – für Ostdeutschland insgesamt, aber auch aufgeschlüsselt nach Bundesland – zeigt die folgende Grafik:

Zwei Drittel der Bürger fühlen sich demnach auch weiterhin mit der früheren DDR verbunden – in Mecklenburg-Vorpommern wird dabei der höchste Wert überhaupt erreicht: Für rund 75 Prozent der Bürger gilt dies dort. Die neuerlichen Aussagen des wahlkämpfenden Sellering sind vor diesem Hintergrund (weiterhin) verständlich.

1 Kommentar


  1. „Rolle vorwärts“

    Der Landesvater meldete sich zur DDR-Geschichte wieder einmal zu Worte …

    Wieder einmal meldete sich der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern in Sachen „Vergangenheitsbewältigung“ zu Wort. Wieder einmal ging es um Zukunft und Bedeutung der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, was auch die Verbrechen von DDR-Staatssicherheit, die Verantwortung der SED und der Blockparteien sowie der DDR-Massenorganisationen für die zweite deutsche Diktatur auf deutschem Boden einschließt.

    Wieder einmal meldet sich damit jemand zu Wort, der nicht betroffen war und daher sehr naiv und vorschnell nach Sinn oder Sinnlosigkeit von „Birthler-Behörde“, „Vergeben“ und „Amnestie“ von DDR-Unrecht schwadronieren kann. Zweifellos ist der MP von MV nicht der Einzige.

    Politiker aus CDU oder natürlich Linkspartei äußerten sich schon ähnlich.
    Aber: Noch immer wollen Tausende Ihre Stasi-Akten lesen, noch immer ist ein Bruchteil des DDR-Unrechts aufgearbeitet, noch immer gibt es zig Tausende Schicksale von Opfern des DDR-Regimes, dessen Lebenswege nicht bekannt sind.

    Was für die die Geschichte des Kaiserreiches, des Nationalsozialismus gilt, gilt erst recht für die Jahrzehnte des DDR-Stalinismus: Die Aufarbeitung dieser Geschichte wird NIE abgeschlossen sein, sie wird stets präsent bleiben und auch Jahrhunderte nachwirken. Diese Jahre werden nicht vergessen, denn das hätte fatale Folgen, den wer seine „History“ nicht kennt, ist verdammt, diese zu wiederholen. Das sollte sogar höchsten Staatsbeamten geläufig sein !

    Aber für SPD-, CDU-, oder Linkspartei-Protagonisten gilt wohl die alte „Erfahrung“ (der Jahre 1945/48) des tapferen Schweriner Pfarrers, Aurel von Jüchen, von Nazis wie Kommunisten gleichermaßen verfolgt, noch immer „irgendwie“:

    „ … In der sowjetischen Besatzungszone werden die Sozialdemokratische Partei und die KPD unter dem Namen Sozialistische Einheitspartei vereinigt, ohne dass der einzelne Parteigenosse, die einzelne Orts-, Kreis- oder Landesgruppe gefragt worden wäre. Für die Misstrauischen und Besorgten werden die allberuhigendsten Versicherungen abgegeben. Der einzelne Sozialdemokrat, der vielleicht ein Leben lang für seine Partei gestritten hatte, wachte eines Morgens auf, um festzustellen, dass er ohne Zustimmung in eine kommunistische Partei eingegliedert wurde. Er könnte vielleicht seinen Austritt erklären.

    Aber lag nicht Wahrheit in dem Argument, dass der Nationalsozialismus niemals die Macht hätte an sich reißen können, wenn die Arbeiterschaft ihm einig und geschlossen widerstanden hätte ? Gaben die Kommunisten nicht immer selbstkritisch zu, dass ihre Taktik, alle ihre Gegner samt und sonders als `Faschisten`, die Angehörigen der Sozialdemokratie zum Unterschied von den braunen Faschisten als `Sozialfaschisten` gebrandmarkt zu haben, ein großer politischer Fehler war, der eine Einheitsfront gegen den anbrandenden Nationalsozialismus unmöglich machte ? Konnte der sozialdemokratische Herr Jedermann sich jetzt, nach der Hitler-Niederlage, dem Neuaufbau Deutschlands politisch versagen ?

    Auch in der CDU und LDP fallen die eigentlichen Entscheidungen in den obersten Führungsgremien der Partei. Aus großer Entfernung und ohne die Zusammenhänge zu verstehen, nimmt Herr Jedermann von Auseinandersetzungen in der Führung, Personalwechsel usw. Kenntnis. Die Entscheidungen seiner Partei verwundern ihn immer mehr. Es dauert geraume Zeit, bis Herr Jedermann jede Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung fahren lässt, und bis er erkennt, dass er selbst im ganzen Raume der Politik zum Objekt der Entscheidungen und Verfügungen anderer geworden ist …“.
    (Aurel von Jüchen, Mit dem Kommunismus leben ?, S.21-22)

    Kann man anno 2010 etwa schon „verfügen“, wann die DDR-Geschichte an Bedeutung verlieren soll oder kann ?! Wird wieder „administrativ“ von oben darüber entschieden ?! Der „Big Boss“ spricht – das Parteivolk darf danach „rennen“.

    Und wird es wohl auch !

    Dr.Marko Michels / Schwerin/Meckl.