Das Politik-Blog

Erstwähler-Feldzug im Internet: Wahlkampf auf studiVZ

Von 28. April 2009 um 15:58 Uhr

Der Wahlkampf läuft im Internet bereits auf Hochtouren – ob auf den einzelnen Kandidaten- oder Parteiseiten, überall wird auf die kommenden Wahlen hingewiesen: bunt, frech, chic, kommunikativ. Ein neuer Schwerpunkt liegt dieses Mal sicherlich auf der Nutzung der sozialen Netzwerke wie Facebook oder MySpace. Seit heute finden wir die im Bundestag vertretenen Parteien nun auch auf studiVZ, der Internetplattform für Studenten und Schulabgänger – Erstwähler eben. Laut Angaben der Betreiber tummeln sich in den Netzwerken studiVZ, schülerVZ und meinVZ über 10 Millionen Wahlberechtigte, davon 70 Prozent aller Erst- und Jungwähler.

Und hier gilt es genau hinzuschauen: Das Internet wird nicht als „bloßes” Kommunikationsmedium betrieben, über das billig und schnell Informationen übermittelt werden können. Das Internet ist Organisationsmedium. Parteien speisen ihre Themen und Botschaften in die sozialen Netzwerke ein. Hierdurch entsteht eine persönliche und direkte Wähleransprache. Und schon die klassischen amerikanischen Wahlstudien aus den 40er Jahren zeigen uns: Unentschlossene Wähler sind im persönlichen Gespräch am ehesten zu überzeugen. Neuere Erkenntnisse bestätigen dies. Wem es also gelingt, mit positivem Touch in den Alltag der Menschen vorzudringen, der ist schon fast am Ziel. Nun ersetzen das Internet bzw. soziale Netzwerke wie Facebook und MySpace nicht die politische Diskussion abends bei Bier oder Wein, aber sie ermöglichen die flächendeckende Organisation der direkten Wähleransprache. Dass diese Art der Kontaktpflege funktioniert, zeigen Untersuchungen zur Verweildauer im Internet und in sozialen Netzwerken. Weltweit steigt die Dauer des Aufenthalts in solchen Netzwerken weit überdurchschnittlich stark an:

Anstieg der Verweildauer im Internet und auf Facebook

Quelle: Fotostrecke zur Nielsen-Studie „Global Faces and Networked Places” auf SPIEGEL ONLINE

Die Nutzer sehen im sozialen Netzwerk die Kommentare und Antworten von Mitgliedern ihrer Gruppen, aus ihrer community, zu bestimmten Politikern. Und das animiert bzw. überzeugt. In der politischen Soziologie wird in diesem Zusammenhang der Begriff Sozialkapital verwandt, das bestenfalls auch in langfristiges soziales Vertrauen mündet. Wenn ich einen Facebook-Eintrag von Kajo Wasserhövel oder Angela Merkel mit „Daumen hoch – gefällt mir” kommentiere, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Freunde aus meinem Netzwerk, die vorher keine klare Meinung über diese Politiker hatten, sich meiner Meinung anschließen.

Aber: Irgendwann muss auch mal der Sprung von der online-Plattform ins reale Leben stattfinden. Die Wähler müssen die virtuell vermittelten Botschaften verinnerlichen und sich an sie erinnern, wenn sie in der Wahlkabine stehen. Denn bisher gilt immer noch: Nur dort kann gewählt werden.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Also mir fehlt persönlich noch der Beweis, dass die Wahlentscheidung aus dem Internet auch in die Wahlkabine getragen wird. Die Statistik, dass die Verweildauer der Benutzer bei Facebook überproportional hoch ist, ist ja noch lange kein Indiz dafür, dass während dieser Zeit auch politische Meinungen gebildet werden.
    Ihre These, dass Sympathien einfach übernommen werden, würde ich so nicht unterschreiben.

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    • 28. April 2009 um 21:04 Uhr
    • Michael
  2. 2.

    Der Wahlkampf wird im Netz entschieden werden, soviel steht fest. Frage ist nur: wer surft dort alles? Haben wir hier nicht auch wieder einen digital divide? Und wäre dies nicht undemokratisch?

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    • 28. April 2009 um 21:29 Uhr
    • claudia
  3. 3.

    “Wenn ich einen Facebook-Eintrag von Kajo Wasserhövel oder Angela Merkel mit „Daumen hoch – gefällt mir” kommentiere, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Freunde aus meinem Netzwerk, die vorher keine klare Meinung über diese Politiker hatten, sich meiner Meinung anschließen.”

    Wenn man bedenkt, dass der überproportionale Teil der Nutzer von Facebook etc. sehr junge Menschen sind, die sich – wie wir ja durchaus wissen – nicht unbedingt für Politik interessieren, muss doch bezweifelt werden, dass es diese/n ‘Ich’, die/der einen Beitrag von Wasserhövel oder Merkel liest und kommentiert, überhaupt in größerem Umfang gibt. Denn schon für das Lesen und Kommentieren wird, bedenkt man das Überangebot an Informationen, Aktivitäten und sonstigen Ablenkungen, ein relativ hohes Maß an Interesse vorausgesetzt.

    Nur weil jetzt alle twittern und auch Frau Künast und Herr Trittin twittern heißt das außerdem noch lange nicht, dass jetzt viele junge Menschen anfangen, sich die Nachrichten der beiden Politiker auf ihr Handy schicken zu lassen. Das gleiche Medium zu nutzen, impliziert ja nicht automatisch, dass man auch miteinander kommuniziert. Der Reinfall des You-Tube-Kanals des Vatikans ist da ein schönes Beispiel. Und nur weil Barack Obama seine Wahl zu großen Teilen im Internet gewonnen hat, bedeutet wiederum auch nicht, dass dieses Modell 1 zu 1 erfolgreich in andere Länder, wie z.B. nach Deutschland, übertragbar ist.

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    • 28. April 2009 um 22:24 Uhr
    • Annika Werner
    • 30. April 2009 um 09:17 Uhr
    • jp2506
  4. 5.

    Hallo,

    nachdem nur die Bundestagsparteien ein Edelprofil im StudiVZ
    erhalten haben, habe ich die Initiative
    ergriffen und ein eigenes Profil für die “Piratenpartei Deutschland” gegründet.

    Dieses wurde leider ohne Vorankündigung gelöscht!

    mehr auf
    http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=1&t=4976&start=15#p51722

    Grüße des StudiVZ-Piraten

    Antworten

  5. 6.

    [...] Blog.zeit und Mainpost.de (function () { if(typeof plistaError != ‘undefined’) { document.write(‘plista: [...]

    Antworten

    • 6. Mai 2009 um 10:38 Uhr
    • clmm8899
  6. 8.

    [...] stark frequentierten Online-Plattform studiVZ (mit diesem Thema beschäftigt sich auch der jüngste Beitrag von Andrea Römele). Sie präsentieren sich in multimedialen Botschaften und werben um die Nutzer, die sich als [...]

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  7. Kommentar zum Thema

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