Die Bundeskanzlerin bei Maybrit Illner – und warum ein bisschen Boris Becker gutgetan hätte!
Das Format hatten wir in ähnlicher Besetzung schon einmal: Erst kürzlich war Angela Merkel zu Gast bei Anne Will, gestern Abend dann beim ZDF. Auf die Frage: „Was haben Sie mit Deutschland vor“ hatte Frau Merkel eine gute Stunde Zeit, Antworten und Ausführungen zu geben. Auch hier hatten zwei Gäste im Publikum die Möglichkeit, ihre Fragen an die Kanzlerin zu stellen. So etwas schafft für den Zuschauer Nähe und Vertrauen. Wie gesagt, mittlerweile ein vertrautes Format!
Die Sendung gab inhaltlich wenig Neues über Frau Merkel her: Ihre Rechtfertigung zur Opel-Rettung trotz innerparteilicher Querelen, die Rolle der Politik in der Krise, keine Mehrwertsteuererhöhung, die (Nicht-)Querelen in der großen Koalition. Was sie wirklich mit Deutschland vorhat, hat der Zuschauer in den 60 Minuten nicht erfahren. Aber das lag u.a. auch an den wenig zielführenden und wenig bohrenden Fragen der Journalistin! (Siehe hierzu auch den Beitrag auf ZEIT online.)
Es erinnert an Boris Becker, der in einem Sportstudio-Auftritt 1995 irgendwann einmal wutentbrannt die Moderatorin anging mit der Frage: Warum fragen sie nicht die wirklich wichtigen Dinge? Warum ich z.B. beim Stande von 5:5 keinen Slice-Aufschlag gespielt habe? – So etwas, mit Verlaub – gilt auch für politische Sendungen. Besonders im Wahljahr!
Ich habe diese Sendung ähnlich wahrgenommen: Eine Moderatorin ohne Ziel, die sich auf genau ein Thema vorbereitet hatte und eine Kanzlerin mit den immer wiederkehrenden Antworten.
Man fragt sich, ob in Zeiten der „Krise ungeahnten Ausmaß“ Bildungs- und Umweltpolitik (um nur zwei Beispiele zu nennen) keine Rolle mehr in der Zukunft Deutschlands spielen? Denn dazu sollte und wollte Angela Merkel ja Auskunft geben. Stattdessen, 60 Minuten lang „Deutschland in der Krise“ und die ewige Metapher der Brückenbauerin Merkel.
Doch für die Langatmigkeit der Sendung war in der Tat nicht nur Merkel verantwortlich, sondern in erheblichem Maß auch Illner und die Konzeption der Sendung. So schafften es neben den beiden prototypischen Gästen ganze vier youtube-Clips in die Sendung. Allesamt von Zuschauern schätzungsweise Mitte zwanzig und natürlich zum Thema Wirtschaftspolitik. Vielfalt, Fehlanzeige!
Zum Ende der Sendung gelang es Merkel dann doch noch einen ganzen Lacher unterzubringen – „sie als Lokführerin bei Seehofer im Keller“. Das Publikum lacht. Vielleicht auch, weil es in den letzten 60 Minuten gleich zwei führerlose Züge gesehen hatte: die Kanzlerin und die Moderatorin.
Sicherlich wird diese Sendung nicht die letzte ihrer Art bis zum 27. September gewesen sein. Man kann nur hoffen, dass sich die politische Themenlandschaft wieder erweitert.
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Für mich gibt es im Augenblick nur einen Moderator, der das Zeug hat, zielgerichtet und klar zu fragen: Frank Plasberg mit seiner Sendung “hart aber fair”. Wobei ich mich hier auch des Eindrucks nicht erwehren kann , dass er nachlässt, seit seiner Platzierung in der ARD.
Ob Christiansen, Will oder Illner: Es gibt den innovativen, kritischen oder provokativen Moderator nicht.
Unvergessen, wie einer dieser Moderatorenriege, meines Wissens nach Beckmann, im Interview mit Lagerfeld zum Befragten wurde.
Nichtsdestotrotz: Die Kanzlerin hat meine volle Hochachtung: Ich wüsste nicht ob der aufgeblasene, lediglich von seinem Ego beherrschte Schröder die Krise so meistern könnte.
Frau Merkel hat diesem das Entscheidende voraus: Intelligenz.
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[...] sie ja nur nach Inhalten zu fragen bräuchten? Schon vor einem Vierteljahr hieß es im Zeit-Blog Wahlen nach Zahlen: Es erinnert an Boris Becker, der in einem Sportstudio-Auftritt 1995 irgendwann einmal [...]
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