‹ Alle Einträge

Der Wahl-O-Mat – Millionenfach gespielt

 

Stefan MarschallMit dem gestrigen Tag ist der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl rund zwei Millionen Mal genutzt worden. Somit wurde dieses Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung innerhalb seiner ersten Online-Tage schon öfter gespielt als die Version zur Europawahl 2009 in ihrer gesamten Laufzeit. Bis zum Montagabend hatte der Wahl-O-Mat bereits 1,6 Millionen Mal berechnet, wie nahe die zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien Usern in Bezug auf 38 Thesen aus dem Wahlkampf stehen. Zum Vergleich: Der Europa-Wahl-O-Mat wurde insgesamt circa 1,56 Millionen Mal gespielt.

Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits jetzt sagen, dass auch die bisherige Nutzungsspitze bei der Bundestagswahl 2005 von dieser Version deutlich getoppt werden wird. Damals konnte der Wahl-O-Mat 5,1 Millionen Nutzungen verzeichnen. Rechnet man die nun vorliegenden Zahlen auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen vorsichtig hoch, dann könnte das Tool bis zum Wahltag rund acht bis zehn Millionen Mal gespielt worden sein.

Die starke Nachfrage hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der Wahl-O-Mat – wie überhaupt die Bundestagswahl – ein prominentes Thema auch und insbesondere in den „alten“ Medien ist. Zahlreiche Wahl-O-Mat-Medienpartnerschaften sind auf den Weg gebracht worden, unter anderem mit der ARD, dem ZDF und RTL. Aus den Befragungen der Nutzer wissen wir, dass viele über die klassischen Massenmedien auf den Wahl-O-Mat aufmerksam gemacht worden sind.

Bedeuten die Zahlen, dass am Ende rund zehn Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung den Wahl-O-Mat genutzt haben werden? Nicht unbedingt. Es handelt sich um Nutzungen, nicht um Nutzer. Zwar wird bei jeder einzelnen Sitzung ein „session cookie“ gesetzt, sodass, wenn man das Tool mehrfach durchspielt, dies als nur eine Nutzung gewertet wird (notabene: auch für den Fall, dass mehrere Personen vor dem Computer sitzen und den Wahl-O-Mat nacheinander durchspielen). Verlässt man die Seite und ruft sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf, wird dies als eine zweite Nutzung registriert. So liegt die exakte Zahl der User im Dunkeln – aber sie wird definitiv im Millionenbereich liegen.

Von niederländischen Verhältnissen sind wir freilich noch weit entfernt: Der niederländische Wahl-O-Mat, der „Stemwijzer“, verzeichnete bei der Tweede-Kamer-Wahl 2006, den Wahlen zum nationalen Parlament, rund 4,7 Millionen Nutzungen bei einer Gesamtbevölkerung von 16,4 Millionen: Das sind rund 28 Prozent! Insofern ist für kommende Wahl-O-Mat-Einsätze durchaus noch Luft nach oben.

8 Kommentare

  1.   fdierks

    Ich fand den Wahl-O-Mat sehr informativ. Leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, sich die „mittlere Nutzermeinung“ zu den einzelnen Themen anzusehen. Das wäre sicher eine sehr erhellende Angelegenheit. Um einem „Herdentrieb-Effekt“ beim ausfüllen vorzubeugen, sollte man diese Statistik allerdings erst nach dem jeweiligen Wahltermin veröffentlichen.

    -Fritz

  2.   Stimmloser

    Kann man sich nicht für eine Partei entscheiden hier eine unparteiische Empfehlung: der Stimme enthalten durch einen leeren oder ungültigen Stimmzettel.
    Das ist Stimmenthaltung und wird auch von den Volksvertretern bei Abstimmungen im Bundestag praktiziert.
    Man setzt damit allerdings auch ein deutliches Signal: wenn eine hohe Wahlbeteiligung nachgewiesen wird aber der ungültige Anteil exorbitant hoch ist.
    Eben dadurch:
    – zur Wahl gehen
    – einen ungültigen oder leeren Stimmzettel abgeben.
    So ein Signal kann dann auch nicht mehr schön geredet werden.
    Es kommt dann auch noch eine Sache hinzu, die den Parteien sehr weh tut, wenn es nicht vorhanden ist:
    >GELD< *) dieses Geld (pro Stimme 0,70€) entzieht man den Parteien, indem man keine Stimme abgibt, bzw. sich seiner Stimme enthält.
    Das hilft dann auch dem Volk: es entlastet den Haushalt.
    Damit ist Mann/Frau dann im Wählerverzeichnis als "hat gewählt" geführt, ist seiner demokratischen Wahlverpflichtung nachgekommen aber Mann/Frau verweigert seine Stimme und das damit verbundene Geld.

    *) http://bundesrecht.juris.de/partg/__18.html

  3.   HGW

    Servus.
    Ich habe „wahl-o-mat“ von einer Arbeitskollegin empfohlen bekommen. Vorher kannte ich „Es“ nicht.
    Letzte Nacht hab ich „Es“ mal durchgespielt und war helleweg begeistert!!
    Für mich ergaben sich neue Ansichten, die ich für mich in meine Wahlentscheidung einfließen lassen werde.
    Es gibt ja einige (noch) Unentschlossene; denen hilft „w-o-m“ unter Umständen auch weiter.
    Sehr angenehm empfand ich die Möglichkeit, die jeweiligen Parteiziele und -programme quasi konzentriert und direkt vergleichen zu können.

    Viel zu wenig bekannt ist die Möglichkeit, die der Kommentator des Kommentars „12.September 10:44“ schrieb.

    Ein schönes WE mit der einen oder anderen An- u/o Einsicht wünscht HGW


  4. Lieber Wahlomat,

    was habe ich dir bloß getan? Was habe ich falsch gemacht?

    Bisher hielt ich mich für einen liberalen, toleranten, umweltschützenden, tierlieben, pazifistischen, hart arbeitenden, kultivierten, kinderlieben, fürsorglichen Menschen.

    Aber nun sagst du mir, dass meine Favoriten NPD, REP und LINKE sind. Ich bin erschüttert. Naja, zum Glück traue ich dir nicht so ganz über den Weg. Aber was ist mit den jungen Erstwählern und den Leuten die sich „nicht so auskennen“?

    Wer für Familie plädiert, für Menschenrechte, Mindestlohn und gegen Studiengebühren ist, muss rechts wählen oder ganz linksaussen?

    Lieber Wahlomat, du hast mein vertrauen enttäuscht. Bitte geh´ nach Hause. Ich glaube, du richtest mehr Schaden an, als du Gutes tust. Bei dir gewinnen nur die Populisten. Phrasen statt Konzepte ist deine Philosophie. Schade, bis heute hatte ich dich eigentlich ganz gerne…

    Leb Wohl!

  5.   ich

    Ich habe mit dem Wahl-O-Mat die Gleiche Erfahrung gemacht wie patrik777.
    Auch bei mir waren Rep und NPD an erster stelle, und ich kenne noch einige aus meinem Bekanntenkreis, die das gleiche Ergebnis erhielten.
    Das kann doch nicht sein….
    Wie kommt das zu Stande???

  6.   Stefan Marschall

    Zu diesen Punkten gibt es auf den FAQ des Wahl-O-Mat folgende Erklärung:

    Warum kann es vorkommen, dass bei mir Übereinstimmungen mit einer vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Partei angezeigt werden?
    Es werden nur die Parteien in die Berechnung des Ergebnisses aufgenommen, die Sie vorher ausgewählt haben. Übereinstimmungen hängen damit zusammen, dass die Mehrzahl der Thesen sachpolitische Themen zur Bundestagswahl anspricht. Bei diesen Thesen können extremistische Parteien Positionen vertreten, die mit denen anderer Parteien identisch sind. Bei einigen weiteren Thesen werden die Unterschiede zwischen diesen Parteien deutlich. Bitte schauen Sie sich entsprechend in der Darstellung auf der Ergebnisseite an, wie die als extremistisch eingestuften Parteien speziell bei diesen Thesen geantwortet haben. Welche Parteien als extremistisch eingestuft werden, können Sie auf den Seiten des Verfassungsschutzes nachlesen: http://www.verfassungsschutz.de. Einen informativen Überblick über alle zur Wahl zugelassenen Parteien finden Sie unter dem bpb-Angebot „Wer steht zur Wahl“, http://www.werstehtzurwahl.de.

  7.   Hans Deuter

    Habe den Wahl-o-mat auch gemacht und bei mir kamen REP, DVU und CDU an erster stelle.
    Habe die Themen geprüft und festgestellt das diese Parteien wirklich mit meinen eingegebenen Antworten übereinstimmen.

    Also werde ich auch die REP wählen, warum sollte ich das nicht tun?

  8.   Stefan Marschall

    … weil der Wahl-O-Mat auf der Grundlage von 38 Thesen keine Wahlempfehlung auspricht, aussprechen kann und darf, sondern dazu anregen soll, sich mit Parteien und ihren Positionen auseinanderzusetzen – wenn man rechtsextreme Parteien in die eigene Auswahl von acht aufnimmt, dann kann und muss man sich natürlich auch mit diesen und deren mitunter verstecktem Extremismus auseinandersetzen.