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Quo vadis, Saarland? Quo vadis, Grüne?

 

Der Tag der Entscheidung ist da – für das Saarland, aber auch für die Grünen. Fährt heute doch ein Dampfer gen Jamaika? Oder kommt es zu einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit in Saarbrücken? Beides scheint derzeit möglich, die Grünen – vor allem die grünen Saarländer – scheinen gespalten. Doch wie stehen eigentlich die Wählerinnen und Wähler zu dieser Frage? In einer groß angelegten Umfrage im Vorfeld der Bundestagswahl wurden rund 6.000 Deutsche befragt – unter anderem auch nach ihren Präferenzen, was Koalitionen betrifft. Zwischen -5 und +5 sollten diese Befragten verschiedene mögliche Koalitionsmodelle einstufen. Die mittleren Einstufungen bezogen auf die saarländischen Optionen – also Jamaika und Rot-rot-grün – zeigt die folgende Abbildung.

Bewertung einer Jamaika- und einer rot-rot-grünen Koalition insgesamt und bei Parteianhängern
koal

An verschiedenen Stellen sind die Ergebnisse dabei mehr als eindeutig: Anhänger von Union und FDP bevorzugen klar Jamaika vor Rot-rot-grün, umgekehrt sind es bei Anhängern der Linkspartei aus. Schon bei Anhängern der SPD allerdings sieht das Bild weniger eindeutig aus – und dies gilt erst recht bei Anhängern der Grünen: Sie sind – quasi ein Spiegelbild der saarländischen Grünen – unentschieden zwischen den beiden zur Wahl stehenden Alternativen.

Dies gilt allerdings nur im Durchschnitt – im Durchschnitt sind die Anhänger der Grünen unentschieden zwischen den beiden Optionen. Dies gilt nicht zwangsläufig auch für jeden einzelnen Anhänger der Grünen, wie die folgende Abbildung zeigt – und genau hier liegt der Sprengstoff für die Grünen:

Vergleichende Bewertung einer Jamaika- und einer rot-rot-grünen Koalition bei Anhängern der Grünen
verteilung

Auf der Ebene einzelner Anhänger der Grünen gibt es zwar auch rund 40 Prozent der Anhänger, die unentschieden zwischen den beiden Optionen sind. Über 30 Prozent aber haben eine Präferenz für Rot-rot-grün gegenüber Jamaika, immerhin auch über 25 Prozent haben eine Präferenz für Jamaika gegenüber Rot-rot-grün. Und nur eine dieser Gruppen wird ihre Präferenzen heute im Saarland erfüllt sehen, während die andere Gruppe in die Röhre schaut. Sprengstoff also für die Grünen, man darf gespannt sein, wie die Partei (und insbesondere die unterlegenen Anhänger innerhalb der Partei) damit umgehen werden.

10 Kommentare

  1.   Henning

    Das Ergebnis verwundert mich nicht wirklich. Beide Varianten sind auch für mich die unschönsten mit grüner Beteiligung – welche der beiden Unschönen schöner ist, muss wohl von Fall zu Fall entschieden werden.
    Genau das könnte auch etwas sein, das beide Seiten beruhigt: Wenn es keinen Automatismus zur einen oder anderen Variante gibt.

  2.   Frank Kluziak

    Damit sind Visionen bei den Grünen wohl endgültig zu Grabe getragen.
    Gemeinsam mit der SPD beschreiten Sie den Weg in die mutlose Bedeutungslosigkeit. Für mich sind beide Parteien nicht mehr wählbar.
    Schade darum – Gute Nacht Deutschland.

  3.   Mischa Dreesbach

    Tja, morgen werde ich meine Parteimitgliedschaft kündigen. Wieso die Kollegen der Grünen im Saarland, die mit 5,9% gewählt wurden, nicht die Opposition als Option sehen konnten, wenn sie nicht mit den Linken (was ich verstehen kann) koalieren wollen, ist mir ein Rätsel. Denn so sieht es jetzt auch im Bundesrat finster aus. Und alle Vorurteile von kritischen, vor allem jungen, Zeitgenossen gegenüber den Grünen scheinen sich zu bestätigen. Traurig, wie sich nach der SPD auch die Grünen ins Nirvana neoliberaler, feuchter Träume begeben, ein paar Heller wegen. Erbärmlich!

  4.   Henning

    @Mischa
    Im Bundesrat wird sich üblicherweise enthalten, wenn die Koalitionspartner sich nicht einig sind, was in der Regel faktisch einer Ablehnung bei der jeweiligen Abstimmung gleichkommt.

    Wieso sollte Opposition denn besser sein? Es geht doch in der Politik darum, zu gestalten.

  5.   Mischa Dreesbach

    @Henning

    Ist schon richtig, aber der Imageschaden ist größer, befürchte ich, als ein paar wenige grüne Sprengel innerhalb einer schwarz-gelben Koalition. Und Enthaltungen im Bundesrat finde ich auch nicht wirklich toll, ich bin nur tief enttäuscht, daß´sich jetzt noch mehr Menschen vom linken Flügel der Grünen von der Partei wegbewegen werden. Ich kann das nicht mehr unterstützen, aber das kann den Grünen auch egal sein. 😉

  6.   Henning

    @Mischa
    Ist es nicht positiv hervorzuheben, wenn man trotz des Risikos eines Imageschadens versucht, die eigenen Inhalte umzusetzen. Du stimmst doch selbst zu, dass es darum geht. Dennoch willst du austreten!?

    Was den Bundesrat angeht, wollte ich nur dein Argument entkräften.

    Übrigens, Rot-Rot-Grün in Hessen und Thüringen ist nicht an uns Grünen gescheitert.

  7.   Dirk

    Hier zeigt sich wieder mal die Unzulänglichkeit derartiger Umfragen. Auch ich, als Mitglied der Grünen habe Bauchschmerzen bei dem Gedanken an Schwarz-Gelb-Grün, wesentlich ist aber doch, WO es realisisiert wird.
    Denn es sollte ja wohl einzig darum gehen, ein Maximum des eigenen Programms zu realisieren. Im Bund, wie auch hier in NRW würde ich das definitiv ausschließen. Im Saarland mag das anders aussehen. Zumal sich immer wieder zeigt, wie sehr die PDL sich in populären Forderungen erschöft, ihre Politik also nur am eigenen Zugewinn orientiert, nicht aber den Notwendigkeiten. Ein egomanischer Selbstdarsteller dürfte da realitätsnaher progressiver Politik sehr hinderlich sein.

  8.   Joe

    Zunächst einmal: Glückwunsch für die mutige Entscheidung der Saarland Grünen! Zwar ist es sicher, daß sie mit der Entscheidung für ‚Jamaika‘ einige Wähler im extrem linken Spektrum verlieren werden – aber dafür werden sie mit Sicherheit auch viele Wähler gewinnen, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen.

    Die Grünen stehen m.E. für zwei Dinge ein: Ökologie und Liberalität. Beides Positionen, die weder ‚links‘ noch populistisch sind, beides auch Positionen, die zukunftweisend sind, und deren sich in diesem Umfang keine der anderen Parteien tatsächlich verpflichtet zu scheinen fühlt. (Was die ‚Liberalität‘ betrifft hege ich weiterhin gewisse Hoffnungen in Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, und darin, daß sie sich mit ihrer Linie durchsetzen wird – naja, und wenn nicht gibt es auch noch die Piratenpartei.)

    Desweiteren wird heute auch weitgehend vergessen, daß die heutigen Grünen ein Zusammenschluß der ursprünglichen Grünen mit dem ‚Bündnis 90‘ sind. Und vor diesem Hintergrund wäre es geradezu pervers, wenn eine Partei, in deren Historie der Widerstand gegen eine unmenschliche, sozialistische Diktatur einen Grundpfeiler darstellt, sich entschließt mit denen zusammenzuarbeiten, die diese Diktatur nicht nur verleugnen sondern sogar zu vergöttern scheinen.

    Alles in allem, ein sehr guter Tag für dieses Land.


  9. Zunächst einmal: Glückwunsch für die mutige Entscheidung der Saarland Grünen! Zwar ist es sicher, daß sie mit der Entscheidung für ‘Jamaika’ einige Wähler im extrem linken Spektrum verlieren werden – aber dafür werden sie mit Sicherheit auch viele Wähler gewinnen, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen.

  10.   anna

    Danke Hubert Ulrich, dass du die häßliche fratze der Gier gezeigt hast und deine Lügen Intrigen und dein Verrat am Wähler offenkundig ist.
    Wir werden niemals mehr wieder die dreckig schwarzen Grünen der Saar wählen…..niemals.

    Das gilt auch für den Rest der Spitze dieser Laienschauspieltruppe.

    Pfui Teufel