Althaus und Magna, Rösler und die PKV, Hoff und Opel – zwei Thesen zu Lobbyismus und Politikberatung
Mit dem Wechsel von Dieter Althaus zum Autozulieferer Magna beobachten wir wieder einmal den engen Zusammenhang zwischen Politik und Wirtschaft, nachdem erst kürzlich der Wechsel eines Vertreters der privaten Krankenkassen in das Gesundheitsministerium für Aufruhr gesorgt hatte. In solchen Zusammenhängen wird gerne von der „gekauften Republik“, von „Lobbykratie“ etc. geredet. Dies soll hier aus der Sicht der empirischen Sozialforschung in aller Kürze unter Berücksichtigung der neuen Forschungsergebnisse beleuchtet werden. Denn dass das Thema auch aus akademischer Sicht relevant ist, zeigen nicht zuletzt die Debatten, die derzeit in der Politischen Vierteljahresschrift (PVS) und der Zeitschrift für Politikberatung (ZPB) geführt werden.*
These 1: Veränderungen in der Staatlichkeit verlangen nach mehr Politikberatung und nach anderen Formen der Politikberatung. Lobbyismus ist eine davon.
Mit steigenden Problemen, mehr Themen und mehr Schnittstellenmanagement steigt auch der Bedarf an Expertenwissen in der Politik. Dieses Wissen stellt nicht nur die Wissenschaft bereit; auch Unternehmen, auch die Wirtschaft produzieren es und dieses Wissen muss seinen Weg in die Politik finden. Aber: Die Grenze zwischen Wissensvermittlung und Beeinflussung, also Lobbying, ist fließend. Es bedarf strenger Transparenz-Regelungen, wie sie schon verschiedentlich eingefordert wurden, um drohendem Missbrauch Einhalt zu gebieten. Immerhin geben laut einer Studie von LobbyControl 89,5% der Bundestagsabgeordneten an, einer Nebentätigkeit nachzugehen, für 33,6% bedeutet dies gar Einkünfte von über 1000 Euro monatlich bzw. 10.000 Euro jährlich. Zweifellos liegt in solchen außerpolitischen Engagements großes Potenzial für einen Austausch, von dem sowohl Politik als auch Wirtschaft profitieren. Jedoch hat die Studie von LobbyControl auch gezeigt, dass die Angaben der MdBs offensichtlich nur unzureichend überprüft werden – von echter Transparenz kann also keine Rede sein.
These 2: Das politische System muss Karrierewege aus der Politik heraus zulassen, denn auch die Wirtschaft braucht die Expertise der Politik.
Dass der Wissenstransfer von der Politik in die Wirtschaft stattfindet, ist zunächst ein gutes Zeichen. Sicher hat Magna gute Gründe dafür, sich die Dienste eines ehemals ranghohen Politikers wie Dieter Althaus zu sichern. Jedoch: Eine Karenzzeit, die „fliegende Wechsel“ verhindert und beispielsweise von LobbyControl auch schon gefordert wurde, ist unbedingt notwendig. Hier muss meiner Ansicht nach schärfer reguliert werden, um zu engen Verstrickungen zwischen altem Mandat und neuem Job vorzubeugen. Ein unrühmlicher Extremfall ist in diesem Zusammenhang die Berufung des ehemaligen hessischen Europaministers Volker Hoff zum „Vize-Präsidenten für Regierungsangelegenheiten“ des Autobauers Opel. Selbstbewusst traut er sich zu, trotz der neuen Funktion als Opel-Lobbyist parallel auch sein Landtagsmandat weiterführen zu können. In Abstimmungen, die Opel betreffen (das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten bekanntlich einige Finanzspritzen der hessischen Landesregierung erhalten), werde er sich eben enthalten. Solche Aussagen machen selbst den liberalen Koalitionspartner nervös.
* Siehe die in Kürze erscheinenden Diskussionsbeiträge von Christian Humborg in ZPB 1/2010 sowie von Svenja Falk, Andrea Römmele, Henrik Schober und Martin Thunert in PVS 1/2010.
Es ist sicherlich richtig, dass ein Austausch des Personals zwischen Akademie, Wirtschaft und Politik zu begrüßen ist und in der heutigen Konstellation kaum funktioniert. Strukturen und Regeln zu etablieren, die solche Mobilität fördern, wäre somit zur Überlegung angezeigt.
Gleichzeitig wäre es aber im Sinne effizienterer Gesellschaft wichtig, die Regeln so zu gestalten, dass politische Entscheidungen möglichst gering von Entgelten für die Entscheidungen beeinflusst werden. In manchen Ländern, wo die Quermobilität grösser ist als hier, hat man bspw Regeln, die verhindern, dass Politiker in Branchen wechseln, für die Sie vorher Verantwortung trugen oder abstimmen zu Themen, bei denen sie Interessenkonflikten ausgesetzt sein könnten. Ähnliches gilt auch für Beamte und Richter.
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herr althaus gehört meiner meinung nach ganz anderswo hin …. aber wer macht und einfluss hat, kann ruhig seinen schicksal ändern! es lebe der rechtstaat deutschland!
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@ 8
Ich denke auch dass gerade die völlig unterschiedlichen Einkommens- und Vergütungsstrukturen ein Problem darstellen. Das, was unser Bundeswirtschaftsminister an Gehalt bekommt, kriegt in der freien Wirtschaft gerade einmal der Mittelklassemanager eines großen Unternehmens. Der Arbeitsaufwand für beie dürfte so ungefähr derselbe sein, nur steht der Mittelklassemanager nicht ständig in Kritik und Öffentlichkeit und musste sich auch nicht 20 Jahre groß engagieren und durch Stadt- und Landtage hochkämpfen. Es ist doch völlig klar, dass dadurch viele gute Wirtschaftler von der Politik absehen. Auch wenn Gehalt nicht zwangsläufig ein Indikator für gute Arbeit ist, scheint der Weg vieler elitären doch hier schon vorgeprägt.
Allerdings muss man auch gerade aufpassen, dass nicht nach dem Abgang von hochrangigen Politikern einzelne Unternehmen gleich mittels Ex-Politikern den Durchgriff auf die Ministerien beziehen. Viele Mitarbeiter des alten Ministers arbeiten dort länger als dieser und können auf bestimmte Weise auch nützlich sein. Auch die internen Informationen von bestimmten Vorgängen können sehr nützlich für Unternehmen sein (weshalb wohl ein Herr Bundeskanzler sehr gut für ein russisches Staatsunternehmen arbeiten und informieren kann).
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So lange Parteispenden und Nebenjobs erlaubt sind, wird es Lobbyismus in der Politik geben.
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