Das Politik-Blog

Money makes the world go round, oder: Rüttgers und der gekaufte Zugang zur Macht

Von 22. Februar 2010 um 20:35 Uhr

Andrea„Unternehmermillionen kaufen politische Macht“ – so lautet der Titel einer 1953 vom SPD-Parteivorstand herausgegebenen Denkschrift. Schon immer hat das Thema des gekauften Zuganges die Parteienfinanzierung umgetrieben. In den 60er Jahren finanzierte sich die CDU/CSU noch zu etwa 30% aus Unternehmensspenden, ähnlich auch die FDP. Dieser Anteil ist aufgrund der umfassenden staatlichen Finanzierung, die mit dem Parteien(finanzierungs)gesetz seit 1967 gewährleistet wird, deutlich zurückgegangen – allerdings eben nicht vollständig. Somit ist auch das Gebaren der NRW-CDU nicht per se zu verurteilen, schließlich stützen sich alle im Bundestag vertretenen Parteien auf Zuwendungen von Unternehmen. Umgekehrt spenden einige Unternehmen auch an mehrere Parteien, beispielsweise kann in einer Bundestagsdrucksache nachgelesen werden, dass die Daimler AG im Jahr 2009 sowohl CDU als auch SPD 150.000 Euro zukommen ließ. Das Netz von Spendern und Empfängern ist also komplex und bildet damit einen Teil der politischen Praxis in Deutschland ab.

Halten wir also fest: Verwerflich ist nicht die Spende. Verwerflich ist die Gegenleistung, die von der CDU in NRW angeboten wurde, nämlich der Gesprächstermin in kleiner Runde. Diese Praxis hebelt demokratische Gleichheitsgrundsätze aus – auch in diesem Blog wurde bereits darauf hingewiesen, dass Spenden von juristischen Personen einen Beigeschmack haben. Gepaart mit der Möglichkeit, in einem Gespräch direkten oder indirekten Einfluss auf Regierungshandeln nehmen zu können, ist dieses System hochgradig bedenklich. Denn dass es ein Bedürfnis von Wirtschaftsvertretern gibt, mit Politikern in vertrauter Runde Gedanken auszutauschen, zeigt nicht zuletzt der boomende Zweig der Politikberatung, der sich „Public Affairs“ nennt und auf diese Art der Vermittlung, Übersetzung und Zusammenführung von wirtschaftlichen und politischen Akteuren spezialisiert ist. Die Branche selbst ist sich darüber im Klaren, welche Assoziationen Begriffe wie „Lobbying“ hervorrufen, und diskutiert immer wieder lebhaft Selbstverpflichtungen, um „aus dem Schatten“ zu treten. Wenn der Wirtschaft nun aber seitens der Politik direkte Einflussmöglichkeiten angeboten werden, die alles übertreffen, was Agenturen arrangieren könnten, führt dies die dringend nötigen Transparenzdiskussionen ad absurdum.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Unternehmermillionen kaufen politische Macht. Denkschrift, Frankfurt, 10. Mai 1953.

Lars Großkurth: Aus dem Schatten: Lobbyingregulierung als Wettbewerbstool. Zeitschrift für Politikberatung 1(1), 2008.

Leser-Kommentare
  1. 17.

    Gut formuliert, so ist es.

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    • 23. Februar 2010 um 18:43 Uhr
    • harry dirksen
  2. 18.

    Diese Kosten stellen abzugsfähige Betriebsausgaben dar und können im gegensatz zu Parteispenden von den Firmen von der Steuer abgesetzt werden.

    In meinen Augen betreibt die CDU-NRW hier Beihilfe zur Steuerhinterziehung, denn die angebotenen Preise übersteigen die angemessene Höhe von Messeständen um ein mehrfaches. Durch “Sponsoring” drückt man so einer Spende einfach ein anderes “Etikett” auf und schon ist sie steuerbegünstigt. Um die Höhe solcher Zahlungen noch irgendwie rechtfertigen zu können, hat man wohl Gespräche mit Rüttgers angeboten.

    Ich schätze Rüttgers bisher nicht als korrupt ein, doch er läßt sich (ob bewußt oder unbewußt, ist noch zu klären) für Steuertricksereien einspannen und trägt dafür politisch die Verantwortung. Mit diesem Vorwurf wird er leben müssen!

    Wie sich diese Fakten auf ihn und die CDU auswirken, wird am Wahlergebnis abzulesen sein. Da Steuerhinterziehung in unserer Gesellschaft scheinbar zur Tagesordnung gehört und nur die “Dummen” zahlen, kommt er vielleicht mit einem “blauen Auge” davon.

    Ich fürchte, Bundestagspräsident Lammert wird in Sachen Verstoß gegen das Parteiengesetz seine schützende Hand über die NRW-CDU halten und nach der Wahl ist dann alles wie bisher.

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    • 23. Februar 2010 um 19:19 Uhr
    • Werner
  3. 19.

    “die beste und sicherste Tarnung ist doch immer die blanke und nackte Wahrheit”- von Max Frisch

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    • 23. Februar 2010 um 19:27 Uhr
    • barbara03
  4. 20.

    Nach dem Parteispendenskandal von Altkanzler Kohl wurde dieser vom Volk abgewählt!…..Die” sauberen”
    Ministerpräsidenten wollten nicht die Nachfolge von Kohl antreten,sie hoben Anji auf den Tron!Die Wähler erwarten ein Machtwort unserer Kanzlerin!

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    • 23. Februar 2010 um 21:13 Uhr
    • herbert
  5. 21.

    Herr Rüttgers hat der Sache der leidigen Lobbymauscheleien mit seinem Angebot die Krone aufgesetzt – das Sahnehäubchen ist seine Bemerkung, er hätte von nichts gewußt. Wieweit wollen Wählende noch sinken, wenn sie von dem Kakao, durch den man sie zieht, auch noch trinken? -

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    • 23. Februar 2010 um 22:32 Uhr
    • Pünktchen
  6. 22.

    War denn in der Vergangenheit alles so rosig?

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    • 12. April 2010 um 20:48 Uhr
    • Andrea
  7. Kommentar zum Thema

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