Das rot-grüne Koalitionsabkommen in NRW: wirklich ein Angebot nur an die Linke?
Die Bildung der rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen hat in den letzten Tagen die Debatte entfacht, ob solche Bündnisse künftige Optionen für die Bundesebene darstellen. Die Diskussion darüber basiert auch auf der Beobachtung, dass Minderheitsregierungen im internationalen Vergleich durchaus erfolgreiche Modelle darstellen, die in ihrer Stabilität solchen Koalitionsregierungen, die sich auf eine Mehrheit im Parlament stützen können, in nichts nach stehen. Auch die Minderheitsregierungen, die bereits auf Ebene der deutschen Bundesländer wie etwa in Sachsen-Anhalt von 1994 bis 2002 bestanden, wurden nicht vorzeitig durch Koalitionen abgelöst, die über eine Mehrheit im entsprechenden Landtag verfügt hätten.
Minderheitsregierungen benötigen aber nichtsdestotrotz die Unterstützung von Abgeordneten der Opposition, so dass die inhaltlichen Vorschläge der Regierung von einer Mehrheit im Parlament verabschiedet werden können. Um dieses Ziel zu erlangen kann eine Minderheitsregierung sich entweder von Gesetzesinitiative zu Gesetzesinitiative wechselnde Partner im Parlament suchen, die das jeweilige Vorhaben unterstützen. Oder die entsprechende Minderheitsregierung konzentriert sich auf eine bestimmte Oppositionspartei und vereinbart eine fixe Unterstützung für die gesamte Legislaturperiode.
Die neu gewählte nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) scheint die erstgenannte Strategie vorzuziehen und nicht nur auf die Stimmen der Linken, sondern auch auf partielle Unterstützung von CDU und FDP im Landtag von NRW zu setzen. Ist diese Hoffnung von Frau Kraft begründet? Eine Möglichkeit, diese Frage zu beantworten, liegt in der Analyse der im Koalitionsabkommen von Rot-Grün festgelegten inhaltlichen Ziele, die in der kommenden Legislaturperiode umgesetzt werden sollen. Mit Hilfe inhaltsanalytischer Verfahren lassen sich die Positionen der Parteien in Nordrhein-Westfalen auf Grundlage der Wahlprogramme sowie der Landesregierung auf Basis des Koalitionsabkommens für die Politikbereiche Wirtschaft und Soziales einerseits sowie Gesellschaft andererseits bestimmen. Die folgende Abbildung zeigt die Positionen der nordrhein-westfälischen Parteien zur Wahl 2010 sowie der Landesregierungen 2005 und 2010 (die Balken um die ermittelten Positionen geben den statistischen Schwankungsbereich an).
Es wird zum einen deutlich, dass sich – wie erwartet – die in den Koalitionsabkommen von Schwarz-Gelb und Rot-Grün formulierten Politikziele deutlich unterscheiden: so umfasste das Koalitionsabkommen von CDU und FDP aus dem Jahr 2005 wirtschaftsliberalere und gesellschaftspolitisch konservativere Positionen als das Regierungsprogramm von SPD und Bündnisgrünen vom Juli 2010. Dieser von Rot-Grün beabsichtigte Politikwandel in Richtung einer stärker auf sozialen Ausgleich setzenden Wirtschaftspolitik sowie einer progressiveren Gesellschaftspolitik – sichtbar etwa an den schulpolitischen Vorhaben der Regierung Kraft/Löhrmann – sollte der Fraktion der Linken deutlich lieber sein als die vom Kabinett Rüttgers/Pinkwart betriebenen Politik.
Dennoch ist die Distanz zwischen der ermittelten Position des Wahlprogramms der Linken und dem rot-grünen Koalitionsabkommen nicht unbeträchtlich. Dies gilt insbesondere für wirtschafts- und sozialpolitische Fragen. Vielmehr kann die rot-grüne Regierung in NRW auf die Unterstützung der CDU im letztgenannten Politikbereich hoffen, da sich das Wahlprogramm der Christdemokraten kaum von der wirtschaftspolitischen Position des Koalitionsabkommens unterscheidet. In gesellschaftspolitischen Fragen könnte Rot-Grün auf die Unterstützung der FDP hoffen, da es hier deutliche Schnittmengen zwischen Liberalen und dem Programm der neuen Landesregierung gibt. Sollten sich also CDU und FDP von Inhalten und weniger von Parteipolitik in ihrem Verhalten im Landtag leiten lassen, dann kann die Regierung Kraft/Löhrmann in der Tat darauf hoffen, von Fall zu Fall Mehrheiten für Gesetzesvorlagen zustande zu bekommen. Dabei wäre nicht unbedingt die Linke die Fraktion, auf die Rot-Grün Rücksicht nehmen sollte, sondern vielmehr Christ- und Freidemokraten aufgrund der – sich nach Politikfeld unterscheidenden – vorhandenen inhaltlichen Schnittmengen. Von daher gibt es große Chancen, dass die rot-grüne Minderheitsregierung die komplette Legislaturperiode überdauert, wenn Frau Kraft geschickt agiert und alle Oppositionsfraktionen in den Prozess der Politikgestaltung mit einbezieht.

hm, dass die SPD als die Mitte Partei dargestellt wird, hat wiederum mir ein Schmunzeln entlockt.
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So schön habe ich unsere deutsche Einheitspartei noch nie anhand eines Schaubildes bewundern können. Ich finde sowieso, dass man abseits der Linkspartei nurnoch nach Lieblingsfarbe wählen sollte. Alles andere unterscheidet sich nur marginal.
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“4.
Die Mitte: die SPD.
Na bitte!”
Abgesehen davon, würde mich aber interessieren, wie die Worte auf den Achsen definiert sind. Was ist “Progressiv” oder “Links” in diesem Fall?
Aber(!) am aller auffälligsten ist, dass zwar die Grünen und die SPD schön kleine Schwankungsbreiten in der Zeichnung aufweisen also berechenbar sind, aber sich im Koalitionsvertrag nicht nur außerhalb der von ihnen gegenüber dem Wähler vertretenen Positionen bewegen sondern mit ihr nicht einmal eine Schnittmenge aufweisen. Was sie also nun verabredeten hat nichts damit zu tun, was sie versprachen zu tun, wie sie versprachen zu sein? Wie würde der Autor “Wahlbetrug” definieren? Oder wie meinte er die Zeichnung?
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Die Grafik ist wirklich drollig!
“FSDCGU/ FreisozialdemokratischchristlichgrüneUnion”
(Danke für diese, die politische Realität gut beschreibende Kreation!)
Wir leben in einer Zeit, in der diese Einheitspartei eine einheitlich radikal antidemokratische Politik betreibt, im Auftrag und Interesse ihrer Einflüsterer aus den Zentralen transnationaler Konzerne. Ja sogar die Verfassung immer wieder verändert, um sich weitere Ermächtigungen zu holen.
Die Linke in NRW muss daher nicht traurig sein, wenn diese Blockparteien auch weiterhin zusammenarbeiten werden.
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Schön finde ich, dass einmal nicht Herr Schlieben den Beitrag zu Düsseldorf verfasst hat. Was die Überlegungen selbst angeht, so finde ich dieses durchaus interessant und konsequent. Sie beruhen allerdings auf der Prämisse der “inhaltlichen Vernunft” der Beteiligten und blenden persönliche Faktoren wie “gekränkte Eitelkeit”, “Verarbeitung des Machtverlustes” oder prinzipelle Abneigungen und “Ablehnungen aus taktischen Gründen trotz inhaltlicher Zustimmung” aus. Diese (und andere) Punkte, ich möchte sie “menschliche Faktoren” nennen, sind in der praktischen Politik mindestens zu wichtig, wie gute inhaltliche Argumente.
CHILLY
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Einige “Errungenschaften”der jüngsten SPD-Politik:
- Zustimmung zur Erhöhung der MWSt um 3 % trotz Ablehnung im Wahlkampf
- Zeitarbeit bis zum Sanktnimmerleinstag verlängert durch Clement
- Lohndumping durch Hartz4 und Zeitarbeit
- Rente ab 68
- die 10 € Eintrittskarte beim Arzt
- hohe Zuzahlung für Medikamente und Zahnersatz
und weitere “Wohltaten” für die kleinen Leute.
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….nicht zu vergessen: Höchstsatz der EK-Steuer um 11% – in Worten elf Prozent – gekürzt und den Selbstbehalt der Altersheimbewohner von 139,-€ auf 89,-€ gekürzt! Die Leute sollen davon Kleidung, Hygiene-Artikel kaufen und ein soziales Leben im Alter führen können.
Das Parteiprogramm der SPD vor Schröder weist eine unglaubliche Kongruenz mit dem der Linken auf!
…hoffentlich merkt der Wähler das nicht irgendwann und ändert sein Wahlverhalten, anstatt wie bisher auf das Linken-Bashing zu parieren.
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sorry, ich mag die erregung verstehen, die manche über die rot/grüne ära heute noch äußern. es war manches nicht prima. aber man sollte doch schon bei den tatsachen bleiben.
die mehrzahl der punkte, die sie genannt haben, sind schlichtweg falsch bzw. klammern die ursachen des zustandekommens aus (rente ab 68, praxisgebühr etc.) ich mache mir aber nicht die mühe, diese korrekt darzustellen – wozu auch? mit fundamentalisten, die teilweise unsere verfassung ablehnen, sollte man nicht diskutieren.
was mich auch an den linken nervt, ist diese legendenbildung um lafontaine. da wird lafontaine als der vorletzte deutsche arbeiterführer hingestellt (der letzte war ja bekanntermassen rüttgers) – aber dass wesentliche entscheidungen, die sie in ihrer ‘abrechnung’ mit der spd genannt haben, schon 1998/99 gefällt wurden, als lafontaine noch minister und vorsitzender war – ohne seinen widerspruch, wird gerne übersehen.
würde man zusätzlich noch alle nach ihrer lesart unsozialen entscheidungen aufzählen, die die linken durch regierungsbeteiligungen in diversen bundesländern mitgefällt haben – könnte man den linken schlichtweg entgegnen – „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“ (nach dem deutschen Staatstheoretiker Dieter Nuhr).
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