‹ Alle Einträge

Kieler Signale – der bislang größte Erfolg der Piraten

 

In Kiel entern die Piraten nun zum dritten Mal erfolgreich ein Landesparlament – und es ist aus ihrer Sicht ihr bislang mit Abstand größter Erfolg. Berlin war eine Premiere, geprägt vom Reiz des Neuen. Die Erwartung einer klaren rot-grünen Mehrheit ließ den vermeintlichen „Luxus“ einer Piratenwahl zu. Ganz ähnlich die Situation im Saarland: In Erwartung einer angekündigten Großen Koalition (die selbst in diesen Zeiten noch eine sichere Mehrheit bekommt) konnten auch hier die Piraten deutlich profitieren. Auch an der Saar hätte man die Piratenwahl noch als Luxus, den sich einige Bürgerinnen und Bürger leisten wollten, abtun können.

In Schleswig-Holstein war die Situation gänzlich anders: Schwarz-Gelb in der Regierung, Rot-Grün als Alternative in der Opposition; dazu Umfragen, die einen knappen Ausgang erwarten ließen. Dass die Piraten trotz dieses offenkundigen Entscheidungsdrucks auf die Wählerinnen und Wähler und trotz der offenkundigen Möglichkeit eines Politikwechsels völlig problemlos im Kieler Landtag ankern konnten und damit zu einem Megapatt im Watt beitrugen, zeigt, wie stabil ihre Erfolgswelle ist. Und wie gut sie offenkundig einen derzeit weit verbreiteten Zeitgeist treffen.

Dass die Wahlbeteiligung trotz dieses Entscheidungsdrucks niedriger denn je war, ist ein zweites, sehr besorgniserregendes Signal aus Kiel. Und dass die Wahlbeteiligung ohne die Piraten noch niedriger gewesen wäre, verstärkt das Krisensignal noch weiter – denn nur sie konnten wieder einmal im Nichtwählerlager mobilisieren.

Das Signal aus Kiel ist ein ernstes: Die etablierten Parteien sind in schwierigem Fahrwasser unterwegs und selbst für sie sehr günstige Situationen – und die Wetterlage in Kiel war für die etablierten Kräfte günstig – ändern daran nichts.

54 Kommentare

  1.   Rainer Henkel

    Eine korrekte und fundierte Analyse. Seien Sie sicher, dass dies exakt so am Montag auch im Konrad-Adenauer-Haus und im Willy-Brandt-Haus diskutiert werden wird. Übrigens: nächsten Sonntag sind die Rahmenbedingungen bei der Wahl in NRW ganz ähnlich.

    Ich behaupte: das Ergebnis der Piraten auch.


  2. Errinert fatal an 1933…… Hoffentlich hab ich Unrecht………

  3.   suchenwi

    Ebenso wie der FDP wird den Piraten (inoffizieller Wahlkampfslogan: „Kiel holen“) der Schleswig-Holsteiner Erfolg auch in der letzten Woche des NRW-Wahlkampfs Rückenwind geben.

    Düsseldorf holen.

  4.   s3basti8n

    die piraten mit der nsdap vergleichen, ja gehts denn noch???


  5. Nur in dem Sinne, daß gefährliche, ignorante Idioten die Stabilität bedrohen, zeigt vom Infantilismus bei den Wählern.

  6.   yota berlin

    „Errinert fatal an 1933…… Hoffentlich hab ich Unrecht……“
    und zwar deswegen, weil auch die Nazis sich vehement für die Bürgerrechte eingesetzt haben, ebenso wie für Transparenz der politischen Organe und ausserdem auch für ein würdiges Leben jedes Bürgers (BGE) unabhängig von Religion und Rasse 🙂 sowie das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, und auch für eine zeitgemäße Geschlechter- und Familienpolitik, welche basiert auf dem Prinzip der freien Selbstbestimmung über Angelegenheiten des persönlichen Lebens etc. etc.

  7.   lindenbaum

    Die gefährlichen, ignoranten Idioten der FDP?


  8. Da haben sie aber einen ganzen fetten Eimer Farbe dabei gehabt zum Schwarzmalen…Ein Zusammenhang erschliesscht sich mir leider auch nicht wirklich, auch wenn die Bedingungen, nämlich die Demostration der Frustration des Volkes mit den bestehenden Umständen, schon gewisse Ähnlichkeiten zeigen. Daran kann ich allerdings nichts Verwerfliches finden.

  9.   stubborn

    Alles klar: der Zeitgeist sagt: Es stellt Erfolg sich ein, solange keine Kenntnis und zuweilen noch nicht einmal Interesse zum Programm wird. Alles wird so unübersichtlich; da freut sich einer, wenn eine „Partei“ mal das Stück „Die Ahnungslosen “ gibt. Immer noch besser als die Bescheidwisser der anderen Parteien denkt sich der Wähler und malt sein Kreuzchen. Vielleicht fühlt er sich ja – bis zum Herbst – als Protestwähler.

  10.   15thMD

    Naja, aber als die NSDAP angefangen hat wirklich mitzuwirken im politischen geschehen haben sie durchaus sehr deutlich gesagt, wo die Reise hingehen soll…
    Ich glaube, dass die Piraten nicht damit zu vergleichen sind.

    Außerdem werden wir mit den Piraten mit absoluter MEhrheit nicht Frankreich erobern, sondern pleite gehen. 😉