Das Politik-Blog

Grundsatzprogramm? Keine Ahnung!

Von 7. September 2012 um 12:49 Uhr

Von Lenz Jacobsen

Das jüngste Drama, oder besser: das jüngste Kammerspiel aus dem so oft absurden Innenleben der Piratenpartei dauerte 74 Minuten und spielte im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. Dort, zwischen Stuttgart und Bodensee, trafen sich jüngst eine Handvoll Piraten, darunter drei stimmberechtigte Mitglieder, um ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2013 zu bestimmen. Das Problem nur: So richtig geeignete Bewerber für das Amt hatten sie nicht. Da war Kurt Kreitschmann, 60 Jahre alt, seit 40 Jahren verheiratet, 4 Kinder. Und Erwin Phillipzig, der aus Berlin kommt und seit 1998 in Rottenburg wohnt. Politische Konzepte, klare Positionen oder auch nur Interesse an den Grundsätzen der eigenen Partei haben die beiden nicht, wie die anschließende Befragung durch ihre Mit-Piraten zeigte.

Was sie denn für Alleinerziehende tun wollen? Für die sollte es etwas anderes als Hartz IV geben, sagt Kreitschmann. Und Phillipzig ergänzt, sie müssten prinzipiell besser unterstützt werden. Absurd wird es, als er auf die Frage, was denn aus seiner Sicht die Kernthemen der Piraten seien, antwortet: "Ich habe mich bisher noch nicht sonderlich mit dem Programm beschäftigt."

Weiter geht es mit der Blamage: Was halten die beiden vom Bedingungslosen Grundeinkommen? "Ich halte dieses Prinzip für fragwürdig. Man sollte eher die Löhne der Arbeit angleichen", sagt Kreitschmann. "Schwierig zu sagen", erklärt Philippzig. Und wie steht es mit der Vorratsdatenspeicherung, einem der Themen, das die Piraten erst groß gemacht hat? "Dazu habe ich mich nicht genug informiert", sagt der eine, "Man muss nicht alles speichern", der andere. Zur Netzneutralität erklären sie: "Ich bin nicht viel am PC und bin eigentlich immer skeptisch bei Datenaustausch" und "Ich bin selten im Internet, überlege aber prinzipiell zweimal bevor ich einen Anhang öffne". Irgendwann reicht es einer Piratin namens Lisa, sie fragt die beiden: Welche Themen aus dem Grundsatzprogramm kannst du aufzählen? Und was antworten die Kandidaten, die sich immerhin als Piraten-Vertreter für das höchste deutsche Parlament bewerben, unisono? "Nichts."

Das kleine Baden-Württemberger Drama zeigt, wie sehr die Piratenpartei selbst von ihrem Aufstieg überfordert ist. Es scheint einfach nicht genug fähige Kandidaten für die vielen neuen Posten zu geben. Doch anstatt sich das einzugestehen und konsequenterweise auf einen Direktkandidaten zu verzichten, der ja sowieso keine realistische Chance hat, gewählt zu werden, ziehen die Piraten die Sache einfach durch: Am Ende der Sitzung wählen die drei akkreditierten Mitglieder mit zwei zu eins Stimmen Kurt Kreitschmann zu ihrem Bundestagskandidaten.

Bei der Piratenpartei ist das Protokoll der Sitzung übrigens mittlerweile in der Kategorie Popcorn abgespeichert. Darein gehören alle Seiten, die "für empfehlenswert heiter bis überschwänglich ausgelassen befunden wurden". Der Schriftführer ist von all dem nur noch genervt: "Wer auch immer das Protokoll auf Satire gestellt hat: NEIN ES IST WIRKLICH DAS OFFIZIELLE PROTOKOLL", twittert er, und: "Ich muss jetzt als Schriftführer rechtfertigen, warum Kandidaten doof und Wähler gewählt. Vielen Dank, das hebt meine allgemeine Laune."

Anmerkung: In einer früheren Version war der Schriftführer versehentlich als Versammlungsleiter bezeichnet worden. Das ist nun korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Nur eine Anmerkung: Schriftführer und Versammlungsleiter sind NICHT die selbe Person. Der Schriftführer hat getwittert … der VL … nunja auch, aber nicht das zitierte.

    Ansonsten: Die Blamage ist perfekt.

    • 7. September 2012 um 13:38 Uhr
    • Klischeepunk
  2. 2.

    Super, der Autor hat zwei Privinzpiraten (Zollernalb-Sigmaringen) ausgebuddelt anhand derer man „die ganze Inkompetenz der Piraten erkennen kann“.

    Oder aber er hat nur die schnelle Story gesucht und mit den zwei o.g. Herrschaften genau das gefunden was er für seinen Verriss der Piraten gebraucht hat.

    Gut recherchierter professioneller Journalismus sieht anders aus…

    • 7. September 2012 um 13:39 Uhr
    • deDude
  3. 3.

    Inziwschen gibt es auch externe Seiten, die die Absurditäten sammeln, etwa http://popcornpiraten.de/ .

    • 7. September 2012 um 13:42 Uhr
    • Jens
  4. 4.

    Soll mit diesem Artikel die einzig wirklich demokratische Partei runtergebuttert werden? Oder ist dies nur eine Randnotiz zum Schmunzeln?

    Wenn Sie über die CDU, Grünen, Linken und SPD auch solche Anekdoten finden, immer nur her damit!

    • 7. September 2012 um 13:46 Uhr
    • Sunrider
  5. 5.

    Ist doch eh egal. Wie sollte er beispielsweise seinen Wahlkampf im Vergleich zu den Volksparteien finanzieren? Aus eigener Tasche?

    Meine Hoffnung ist ja, dass er bis zur Wahl etwas mehr drauf hat.

  6. 6.

    Es ist schon traurig, wenn keine wirklich geeigneten Kandidaten für die Direktkandidatur zur Verfügung stehen. Aber leider kann man auf Direktkandidaten nicht verzichten, wenn man den gerechten Anteil aus dem Topf der Parteienfinanzierung haben will… und mit dem niedrigsten Mitgliedsbeitrag unter allen in Landtagen vertretenen Parteien sind die Piraten finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Für den Steuerzahler ist das übrigens kein Unterschied; die staatliche Parteienfinanzierung ist gedeckelt. Nein, was passiert, wenn eine kleine Partei keinen Direktkandidaten hat, ist etwas ganz anderes: Ein Teil des ihr eigentlich zustehenden Geldes wird auf die übrigen Parteien verteilt. Dadurch profitieren SPD und CDU finanziell, wenn die Piraten keinen Kandidaten haben…

    • 7. September 2012 um 13:52 Uhr
    • Manuela Langer
  7. 7.

    Naja, das „die ganze Inkompetenz der Piraten“ haben Sie gesagt, steht ja nichtmal im Artikel. Da geht es nur um „Das jüngste Drama, oder besser: das jüngste Kammerspiel“, und so kann man das wohl auch bezeichnen.

    • 7. September 2012 um 13:53 Uhr
    • zacc
  8. 8.

    Hey, fehlt da nicht die ähh f.d.p.?

  9. 9.

    Ich fand diesen Text ganz lustig. Immerhin schliese ich nicht von ein paar Piraten auf alle Piraten. Trotzdem einen zu wählen nenne ich nicht inkonsequent, sondern pragmatisch.

    Dieser Pirat hat erst durch sein volles Auflaufen gegen die Wand gelernt, dass ein wenig mehr gebraucht wird als nur guter Wille.

    Ich vermute er arbeitet jetzt an sich (wie die anderen auch), denn dies ist die implizite Folge des guten Willens.

    Die Piraten sollten dies als Zeitzeugnis speichern. Nicht als abschreckendes Beispiel, sondern als Beispiel unverfälschter Menschlichkeit.

  10. 10.

    Es gibt das Protokoll auch als Hörbuch: http://ubuntuone.com/5JowEMdWsI1pqcSjRvDkcN (MP3, alles legal, von mir selbst gelesen)

    • 7. September 2012 um 14:19 Uhr
    • Frank
  11. 11.

    Ich kenne Parteien seit rund 20 Jahren. In der CDU, in der FDP und auch bei der SPD habe ich schon Kandidaten kennen gelernt, die keinen vernünftigen Satz zustande gebracht haben. Also Entschuldigung, von drei Provinzkandidaten auf den Zustand einer Bundespartei zu schließen ist in meinem Augen weit hergeholt. Noch schlimmer: Warum die ZEIT hier drei unbescholtene Bürger durch den Kakao ziehen muss ist mir ein Rätsel. Das ist nicht mehr menschlich.

    • 7. September 2012 um 14:26 Uhr
    • FDP
  12. 12.

    Hallo Piraten,
    hallo Piratenwähler.

    Die gute Nachricht:
    Solange die gleichgeschalteten Medien der BRDDR meinen, dermaßen über die Piratenpartei herziehen zu müssen, solange ist alles im Lot! Solange ist alles Bestens :-)

    Die Anti-Piraten-Artikel bei SPIEGEL, ZEIT und Co. sind also selbst der beste Indikator dafür, ob es sich lohnt, seine STIMME DEN Piraten zu geben und nicht den erwiesenermaßen unfähigen Alt-Parteien, die uns den Euro, den Afghanistan-Krieg und seit 20 Jahren sinkende Netto-Reallöhne trotz zwischenzeitlich +30% von uns zusätzlich geleisteten BIP-Wachstum angetan haben (und vieles, vieles mehr).

    Allerdings gibt es natürlich Baustellen, an denen wir arbeiten müssen – im Expresstempo. Aber das ist für eine so junge Partei völlig normal. Das wichtigst für uns von der einzigen Opposition in Deutschland ist, dass wir strikt auf mehr, auf echte Demokratie drängen! Auch und gerade innerparteilich. So können wir Leute, die den Anforderungen nicht gewachsen sind, oder Leute, die offensichtlich als „Trojaner“ (etwa von der Wirtschaft, von der SPD, oder von der CIA …) eingeschleust wurden, auch schnell wieder entsorgen.

    Wir bleiben jetzt alle dabei und geben der Piratenpartei – trotz vereinzelten, technisch bedingten Rückschlägen – noch bis zu sieben Jahre Zeit, sich weiter zu entwickeln.

    Weiter Piraten wählen!

    • 7. September 2012 um 14:40 Uhr
    • 666@bund.us
  13. 13.

    Abgesehen davon, dass die Ehrlichen hier die Dummen sind und politikübliches Nebelsprech halt deutlich besser klingt als „Keine Ahnung“: die Piraten arbeiten immer ganz gut daran, sich selbst zu demontieren. Niemand hat je was anderes erwartet. Nun, dann gibt’s halt wieder GAR keine wählbare Partei bei der nächsten Wahl.

    BTW: Wie war das noch mal mit der verfassungskonformität des Wahlgesetztes, bitte? Wer hat das nochmal verbockt? Hm?
    Ja?
    Ach, das Parlament?!? Ich dachte, da würden nur fähige Leute sitzen…

    • 7. September 2012 um 14:41 Uhr
    • aeon
  14. 14.

    @FDP

    Diese drei unbescholtenen Bürger wollen (bzw. wollten) Bundestagsabgeordnete werden. Es besteht ein offensichtliches öffentliches Interesse, über die politischen An- bzw. Absichten der Kandidaten für den Bundestag zu berichten und zwar mit vollem Namen. Es waren schließlich die Kandidaten selbst, die in die Öffentlichkeit drängten.

    • 7. September 2012 um 14:45 Uhr
    • Bernd
  15. 15.

    Es ist natürlich nur verständlich, dass es nicht leicht fällt, sich in so kurzer Zeit auf solche Erfolge einzustellen.
    Dennoch könnte man vermuten, dass sich Personen die sich um eine Direktkandidatur bewerben zumindest mit dem Grundsatzprogramm der Piraten beschäftigt haben und da irgendein Thema aufzählen können. Das ist weniger als die Minimalanforderung, bei den Piraten genauso wie bei den anderen Parteien die in Landtagen vertreten sind.

    Und dass die Piraten als ganze hier „heruntergebuttert“ werden, ist für mich nicht ersichtlich. Lediglich wird gesagt, dass dieses „kleine Drama“ auf ein Problem hinzuweisen scheint.
    Und gegen diese sehr eingeschränkte Aussage spricht aus meiner Sicht nichts.

    • 7. September 2012 um 14:47 Uhr
    • Meinungsäußerung
  16. 16.

    Ehrlich gesagt ! Die Piraten kommen mir vor, wie der PC -Club meines Sohnes vor 10 Jahren! Vom PC und Internet wohl Ahnung , aber vom Leben nicht viel !

  17. 17.

    Ne, ne – Welpenschutz für die PIRATEN ist vorbei.

    Ich sage Ihnen was, so in der Art wie im obigen Artikel beschrieben haben wir früher den Klassensprecher gewählt – keiner wollte, aber einer musste es machen, also wurden zwei Leute aufgestellt und die wurden gefragt was sie für die Klasse machen wollen. Der eine sachte ‚Freibier‘ der andere ‚weniger Schulstunden‘ … 😉

    • 7. September 2012 um 15:01 Uhr
    • sinta
  18. 18.

    Die „wahre“ Demokratie also! Wenn die Realität daraus besteht mit allen Mitteln Entscheidungen und somit auch Risiken aus dem Weg zu gehen, kann ich persönlich gerne darauf verzichten.

    Letztendlich sind sogar Pressetermine der CDU aufschlussreicher und somit transparenter als jede in nichts führende Spaghetti Debatte der Piraten. Wirklich entscheidend sind offenbar nur die Shitstorms – das ist nicht was ich unter Demokratie verstehe.

    Es ist gerade dieser arrogante Anspruch auf das „wahre“, welches mich bei den Piraten zurückschrecken lässt. Das ganze riecht für mich eher nach einer Shit-Storm Diktatur.

  19. 19.

    „Ich sage Ihnen was, so in der Art wie im obigen Artikel beschrieben haben wir früher den Klassensprecher gewählt “

    Ja. Und wo ist jetzt das Problem? Ganz ehrlich, mir wäre jede beliebige Zufallsauswahl von BuTa-Kandidaten, die Samstags in der Einkaufsmeile rekrutiert wird, lieber, als die Versager von den Alt-Parteien, die uns Deutsche nur systematisch abwracken und verarmen.

    „Ne, ne – Welpenschutz für die PIRATEN ist vorbei.“

    Falsch! 7 Jahre haben sie! Wenn es in sieben Jahren immer noch ein Chaotenhaufen ist, werde ich sie auch nicht mehr wählen. Dasselbe gilt natürlich für den Fall, dass sie sich von den Alt-Parteien in einer Koalition kastrieren und korrumpieren lassen.

    „in nichts führende Spaghetti Debatte der Piraten.“

    Immerhin ist die Piratenpartei die einzige, in der es tatsächlich noch Debatten gibt! Bei Muttis CDU und Steinmeiers SPD wird nur von oben nach unten durchregiert – im Interesse der Banken, der „Europartner“ und der USA, ganz gewiss nicht im Interesse der Deutschen.

    • 7. September 2012 um 15:15 Uhr
    • 666@bund.us
  20. 20.

    Diese Partei ist einfach nur ein Witz. Ein kleiner, schlechter Witz, den sich bald niemand mehr traut zu erzählen.

    • 7. September 2012 um 16:00 Uhr
    • Panic
  21. 21.

    Das Problem der Piraten ist, das sie sich nicht zwischen Liberal und Links entscheiden können.

  22. 22.

    Schöne Parteiwerbung. Haben sie fein gemacht. Sich aber einzige Opposition zu nennen ist schon ein wenig schamlos gegenüber den LINKEN, oder ?

    • 7. September 2012 um 16:26 Uhr
    • Genius
  23. 23.

    Das Problem der Piraten ist eher ihre unbegrenze Paranioa gegenüber jedem der Geld für seine politische Aktivität erhält. Kurz gesagt, sie wollen in die Bundes- und Landespolitik, mißtrauen aber Berufspolitikern. Daß sich hier wenig brauchbare Freiwillige finden wundert mich nicht, denn die haben diese Gegensätze vorher erkannt.

    Und wenn man dann die Kommentare hier list kann man nur mit dem Kopf schütteln. Ich finde immernoch, daß man keine Partei wöhlen braucht, deren ausschließliches Ziel die Opposition ist. Das trifft Linke wie Piraten. Wozu benötigt man eine Parteil, die regelmäßig dagegen ruft, aber keinerlei Macht hat ihr dagegen auch durchzusetzen?
    Nebelkerzen aus der Ecke, man würde ja Regierungskoalitionen unterstützen, wenn diese das eigene Program übernehmen, helfen da auch keinem weiter.

    Auch der Welpenschutz, der hier sieben Jahre betragen soll ist leich fragwürdig. Wie lange gibt es die Piraten schon? Sicher nicht erst seit der berliner Landtagswahl. Die sieben Jahre sind schon fast rum, wenn man mal genauer hinsieht und nochimmer beschäftigt die Partei sich fast ausschließlich mit interner Organisation.
    Ich möchte auch behaupten, daß LiquidFeedback kein verbindliches Program ersetzt. Man kann nicht den anderen Parteien vorwerfen ihre Programe nicht umzusetzen, sich selbst aber die Tür offen halten sich jederzeit liquid umzuentscheiden.
    Was wähle ich denn nun wirklich wenn ich Piraten wähle? Heute vertreten sie vielleicht meine Meinung, nach dem nächsten Shitstorm morgen dann nicht mehr….

    Schade eigentlich, ich hatte große Hoffnungen in die Piraten gesetzt, aber diese Anekdote zeigt nur einmal mehr das eigentliche Grundproblem auf. Auch wenn es hier ein humoristischer Grenzfall ist.

    • 7. September 2012 um 16:26 Uhr
    • Taranis
  24. 24.

    Es wäre schön, wenn der Autor lediglich zwei Provinz-Lachnummern erwischt hätte und diese Wahl ein Einzelfall gewesen wäre. Leider ist dem nicht so. Aus eigener Erfahrung als Mitglied der Piratenpartei habe ich an Aufstellungsversammlungen miterleben müssen, dass die kompetenten Mitglieder der Piraten sich lieber im Hintergrund hielten, während Blindgänger sich zur Wahl stellten.
    Für den Stimmkreis 711 Marktoberdorf meldete Oliver Staude aus Ronsberg im Piratenwiki seinen Anspruch als Direktkandidat an. Auf mein Bestreben hin konnte ich kurzfristig eine kompetente Gegenkandidatin für die Aufstellungsversammlung gewinnen. Der „gesetzte Kandidat“ Oliver Staude rief mich erbost an und beschwerte sich mit cholerischem Gezeter darüber, dass ich eine Gegenkandidatin ermuntere. Von 5 anwesenden Wahlberechtigten stimmten 3 für diesen Kandidaten, der auch auf der Aufstellungsversammlung keine gute Figur abgab.
    Auf den Mailinglisten der Piraten, die für jeden Interessierten zugänglich sind, wurden noch schlimmere Vorfälle gepostet. Ich hoffe, der bayrische Landesvorstand macht von seinem Recht gebrauch unzumutbare, jedoch von der kaum anwesenden Basis gewählten, Kandidaten abzulehnen. Dieses ist meines Wissens zumindest in Bayern ohne Begründung möglich. Der Kreisverband oder der Bezirksverband, der den entsprechenden Stimmkreis voll umfasst, muss in dem Fall schnellstmöglich einen neuen Termin für deine erneute Aufstellungsversammlung anberaumen. Dann bleibt nur zu hoffen, dass mehr stimmberechtigte Mitglieder für ein Ergebnis sorgen, dass die Piratenpartei in einem besseren Licht erscheinen lässt.

    In einem anderen Licht betrachtet können diese Vorfälle eine Chance sein, sich von innen heraus nachhaltig von Blindgängern zu befreien um die Hoffnungen erfüllen zu können, die viele politikverdrossene Bürger in diese junge Partei gesetzt haben.

    • 7. September 2012 um 16:28 Uhr
    • harald vauk
  25. 25.

    Tja…. the higher they come the deeper they (hopefully) fall!

    Die Piraten sind unbeholfen, taugen nichts, dulden Nazis und andere demokratiefeindlichen Meinungen.

    Bald ist dieser Schluckauf der Bierlaune der Protestwähler, die nur mosern vorbei.

  26. 26.

    „Ich möchte auch behaupten, daß LiquidFeedback kein verbindliches Program ersetzt.“

    Richtig. Dieses System ist offensichtlich noch nicht einsatzfähig. Scheint aber von einigen PC-Freaks bei den Piraten verbissen verteidigt zu werden. Dabei gibt es prächtige Alternativen, die OFFLINE stattfinden: zB ganz normale „old-school“-Abstimmungen, die bundesweit – einmal monatlich etwa – bei Kreisversammlungen stattfinden könnten. So könnte man auch die dubiosen „Meinungsforschungsinstitute“ aushebeln …

    „Wie lange gibt es die Piraten schon? Sicher nicht erst seit der berliner Landtagswahl. Die sieben Jahre sind schon fast rum,“

    Ich bitte Sie! Die Zeit fängt erst an zu laufen, wenn die Piraten im BuTa sitzen! Und bedenken Sie dabei bitte, dass jetzt durchaus erstmal ein paar Unfähige und „Trojaner“ eingeschleust werden können. Das muss man aushalten – wenn man mittelfristig eine echte Opposition im BuTa haben will.

    „Nebelkerzen aus der Ecke, man würde ja Regierungskoalitionen unterstützen, wenn diese das eigene Program übernehmen, helfen da auch keinem weiter.“

    Es wäre ein Riesenerfolg für die Piraten, wenn sie eines Tages Minderheitsregierungen erzwingen könnten, die dann auf die Piratenopposition angewiesen sind …

    „Das Problem der Piraten ist eher ihre unbegrenze Paranioa gegenüber jedem der Geld für seine politische Aktivität erhält. “

    Richtig! Wer sich in der BRDDR zumutet, wirkliche Oppositionsarbeit gegen die Einheitsblockparteien (SPDCDUGRÜNEFDP)zu machen, der sollte mind. mit einem Existenzminimum rechnen dürfen. Vielleicht fehlt einfach noch das Geld – die Blockparteien werden bekanntlich von der Wirtschaft mit üppigen Spenden und Jobs gesegnet …

    Also, es bleibt dabei, wir müssen weiter die PIRATEN wählen! Wer nicht kämpft, hat schon verloren und wird weiter von SPDCDUGRÜNEFDP abgemolken.

    • 7. September 2012 um 16:55 Uhr
    • 666@bund.us
  27. 27.

    [quote]Die Piraten sind unbeholfen, taugen nichts, dulden Nazis und andere demokratiefeindlichen Meinungen.[/quote]

    Was beim letzten Bundesparteitag eindeutig widerlegt worden ist und ich diese Behauptung Ihrerseits als böswillige Unterstellung auffassen darf.

    Ansonsten erfreuen sie sich doch weiterhin das die verfassungstreuen Altparteien, die es nicht mal gebacken bekommen ein gültiges Wahlrecht zu formulieren, weiter im Parlament sitzen und sich für Ihre Belange stark machen und sich dabei stets korrekt an ihre Wahlversprechen und ihre (Wahl)programme halten und dabei immer grundgesetztreu agieren, so dass die Richter beim Bverfg quasi beschäftigungslos sind.

    Ich würde mir ja wünschen das die Zeit-Online Redaktion in die bayerische Provinz zu einem Ortsverband der CSU tingelt und uns davon berichtet wie dort das Kandidatenverfahren so verläuft. Alternativ kann auch bei der SPD in NRW, bei den Grünen in Ba-Wü oder der FDP in S-H vorbeigeschaut werden. Über diese Erfahrungsberichte würde ich auch gerne lesen und anschließend ein Fazit sehen wobei sich die Parteien so unterschieden in der Herangehensweise.

    • 7. September 2012 um 16:57 Uhr
    • Tatoth
  28. 28.

    „Sich aber einzige Opposition zu nennen ist schon ein wenig schamlos gegenüber den LINKEN, oder ?“

    Die Linke ist keine wirkliche Opposition.
    Die wollen auch die Nationalstaaten abschaffen und stattdessen die zentralregierten „Vereinigten Staaten von Europa“ errichten – bezahlen sollen den „Spass“ (wird „lustig“ wie die Sowjetunion!) natürlich die Deutschen.

    Außerdem stehen die Linken mit der Demokratie bekanntlich auf dem Kriegsfuss: Sozialisten hassen nun mal die (echte) Demokratie – ist so, war so und wird immer so bleiben. Nicht das Volk soll bei denen entscheiden, sondern der Partei-Apparatschick.

    • 7. September 2012 um 17:01 Uhr
    • 666@bund.us
  29. 29.

    Hmm, ich glaub‘ ich könnte ich auch für die Piraten kandidieren: Ich habe nämlich auch überhaupt keine Vorstellung davon, für was diese Partei eigentlich steht. Bestimmt sind die bösen Medien, wie Zeit-Online, schuld, dass man den Eindruck gewinnt, die Pairaten würden mehr über sich als über politsiche Ziele debatieren… 😉

    Ich möchte meine Stimme eigentlich einer Partei geben, der ich die Regierung zutraue, deren Ziele meine Zustimmung finden und und und … ich möchte nicht die Opposition wählen.

    • 7. September 2012 um 17:45 Uhr
    • Francesco
  30. 30.

    Um die Altparteien nicht zu wählen, braucht man nicht unbdingt die Piraten. Wir haben noch andere kleine Parteien, wie die „Freien Wähler“, die ÖDP oder meinetwegen kann man auch die LINKE wählen. Diese Parteien werden ohnehin nicht regieren, aber sie können hervorragend auf die GRÜNEN aufpassen und die beiden größeren wie CDU und SPD dazu bringen, endlich wieder für das Volk zu handeln und Thrmen aufzugreifen. Schlimmer aber als die Altparteien ist, dass es immer die gleichen Leute sind, die sind es ja, die den Mist versieben. Mit jeder Bundestagswahl müssten die rausfliegen und was anderes machen.
    Die Piraten haben das gleiche Problem wie viele junge Leute heute, die sind nicht mehr belastbar und kippen schneller um als meine Mutter mit 80. Seht euch die alten Knochen an wie Schäuble oder Brüderle, die halten auch 24 Stunden durch bei einer Sitzung. Echt- es ist nicht mehr normal. Ich bin auch stärker als mein Sohn, und der ist 30 Jahre jünger. Pommes Frites- Generation, sonst nix.

  31. 31.

    Kenn ich schon alles als ehemaliger Grüneer. Die Piraten sollen jetzt so lange weich gekocht und attackiert werden, bis sie dagen, jawoll, wer werden so wie alle anderen Parteien, wenn auch ein klein bisschen anders, Hauptsache wir werden nicht mehr als eine mögliche Alternative, als Hoffnungsträger mehr wahr genommen. Merke: Zum realen Kapitalismus, zur Herrschaft der wenigen reichen über die vielen im Volke, dazu darf es nicht einmal einen Ansatz von Alternative geben. Also schwärmen die bezahlten Schreiberlinge aus, um mit großem propagandistischen Aufwand jede mögliche Alternative niederzuschreiben. Aber vielleicht liegt es daran, dass die PIRATEN Partei sind und als solche nur Posten entern wollen, und eigentlich icht klarmachen zum grundsätzlichen ändern.

    • 7. September 2012 um 19:20 Uhr
    • Richard Pestemer
  32. 32.

    Wo ist das Problem?

    Es gibt auch Minderleistervereine mit Grundsatzprogramm, aber in diesen Fällen dient es maximal dem Leser als Orientierungshilfe bei der Frage was die betrffende Partei selbst nun wieder nicht eingehalten hat.

    MfG KM

  33. 33.

    „Das Problem der Piraten ist, das sie sich nicht zwischen Liberal und Links entscheiden können.“

    Lieber Vorurteilsfeind,
    ich verstehe sie nicht ganz. Ist „Liberal“ und „Links“ ein Gegensatzpaar?

    Eine kurze Frage:

    Wenn das Gegenteil von „schwarz“ „weiß“ ist, dann ist das Gegenteil von „blau“?

  34. 34.

    Dieses so anschaulich dargestellte „Drama“ oder „Kammerspiel“ aus dem Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen anläßlich der Aufstellung eines Direktkandidaten der Piratenpartei zur Bundestagswahl.2013 ist leider kein Einzelfall, und ebenso wenig ist es ein ausschließliches Problem der Piraten. Auch andere, seit vielen Jahrzehnten etablierte Parteien sehen bezüglich ihrer Kandidaten in Gemeinderäten, Kreis-, Land- und Bundestag leider nicht viel besser aus.
    Allerdings nutzen die etablierten Parteien den Vorteil, womit die Piraten als „junge Partei“ noch nicht aufwarten können, in ihren Reihen für derartige Positionen zumeist rhetorisch versierte und geschulte Kandidaten aufstellen zu können, die sich in vielen Fällen aus Kreisen der Juristen, Pädagogen und anderen rhetorisch und intellektuell gebildeten Personen zusammensetzen und die meist früher oder später zu Berufspolitikern „mutieren“.
    Ihr Wissen über bestimmte Sachverhalte und gar über umfangreiche Parteiprogramme ist mit Sicherheit in weiten Bereichen nicht umfangreicher als jenes der in ihrem Artikel erwähnten Herren Kreitschmann und Phillipzig. Jedoch verfügen Kandidaten der Etablierten über die Fähigkeit, ihre Unwissenheit absolut professionell zu kaschieren, indem sie mit vielen Worten absolut zu keiner Aussage kommen und so lange auf ihr Gegenüber „einquatschen“, bis dieser nur noch „Bahnhof, Koffer klauen“ versteht und am Ende des Redeschwalls „seines Kandidaten“ nur noch „glücklich guckt“ und dennoch nicht ein einziges Wort und den Sinn des Ganzen schon gar nicht verstanden hat.
    Es kommt also nur darauf an, wie man sich verkauft, wobei es völlig unerheblich ist, was man verkauft! – Das merkt man frühestens, wenn es für eine Reklamation ohnehin zu spät ist. Und dabei ist es gleichgültig, ob man sich z. B. einen neuen Labtop zugelegt hat oder ob man glaubt, seine Interessen in einer „Volksvertretung“ berücksichtigt zu wissen.

    • 3. Dezember 2013 um 14:19 Uhr
    • Günter
  35. Kommentar zum Thema

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