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Kohls Kurzzeit-Heimkehr

 

Da sitzt er also, der Altkanzler. Der Übervater. Der Ausgestoßene und doch Verehrte. Mit den Augen versucht Helmut Kohl zu lächeln, sich zu bedanken für den langen, warmen Applaus, den ihm die Bundestagsfraktion der Union spendet. Deutlichere Gesten fallen dem 82-jährigen seit seinem schweren Sturz vor einigen Jahren schwer, längst sitzt er im Rollstuhl, sind seine seltenen Reden nur noch undeutlich zu verstehen. Aber heute ist all das egal.

Heute ist Kohl in den Bundestag gekommen, um seiner Unionsfraktion den Glanz seiner historischen Größe zu spenden, für ein paar Minuten wenigstens. Am 1. Oktober vor 30 Jahren wurde Kohl Kanzler, und seine Partei feiert das in dieser Woche gleich mit einer Reihe von Veranstaltungen. Neben Fraktionschef Volker Kauder und Kanzlerin Angela Merkel, die ja mal sein “Mädchen” war, sitzt er nun, und die beiden applaudieren ihm stehend. Davor rangeln die Fotografen um das beste Bild, bis Kauder sie hinausscheucht. “Ihr sollt jetzt rausgehen!”, meckert er sie an.

Was dann passiert? Man erfährt es nachher von Teilnehmern, die sich durch die Bank “bewegt” zeigen von Kohls Auftritt. “Besonders für die Jungen war das ein Ereignis”, schwärmt Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). “Hier ist meine Heimat, die Fraktion der CDU und CSU, hier bin ich zu Hause”, erklärte der Altkanzler. Er wolle nicht viel sagen, so Kohl – und richtete dann doch deutliche Worte an seine ehemaligen Mitstreiter. “Wir werden den Frieden nur erhalten, wenn wir Bereitschaft zum Miteinander haben”, sagte er zur Europapolitik. Man müsse “einander ernst nehmen”. Und der Altkanzler lobte die Fraktion, die ehemalige wie die heutige: “Ohne uns hätte es dieses Deutschland nicht gegeben.”

Volker Kauder, der die Moderatoren-Rolle übernahm, malte das Verhältnis der Partei zu ihrem Altkanzler in rosigsten Tönen. “Der herzliche Applaus zeigt: Sie gehören ganz fest in unsere Mitte”, sagte er in Kohls Richtung. Diejenige, die ihn einst im Zuge des Spendenskandals aus dieser Mitte gestoßen hatte, Kanzlerin Merkel, schwieg dazu. Überhaupt ergriff Merkel bei Kohls Rückkehr nicht einmal das Wort. Das sei aber gar kein schlechtes Zeichen, beeilten sich CDUler nachher zu versichern, schließlich rede sie ja schon beim großen Festakt für den Altkanzler an diesem Donnerstag. Mehr Kohl als nötig will Merkel sich dann doch nicht antun.

Zehn, vielleicht fünfzehn Minuten redet Kohl, und danach schwirren zweischneidige Komplimente durch den Reichstag. Seine “geistige Frische” lobt die Staatsministerin Maria Böhmer, ein anderer seine “inhaltliche Klarheit”. Sie hatten anscheinend Schlimmeres befürchtet. Nur ein bisschen unverständlich sei er an manchen Stellen gewesen. “Irgendwas war mit Griechenland”, rätselt ein Teilnehmer, “aber was, hab ich nicht richtig mitbekommen”.

Nach kaum einer halben Stunde ist alles vorbei. Fraktionschef Kauder verlässt als einer der ersten den Saal, ein wenig später kommt Kohl herausgerollt. Eine Etage tiefer gibt es jetzt noch einen Empfang für ihn, “es gibt Herzhaftes”, heißt es. Seine Begleiter rollen ihn also in einen der großen Bundestagsaufzüge. Da kommt Angela Merkel herbei und quetscht sich als eine der letzten noch hinein in den Raum. So fahren sie gemeinsam hinab, der alte Kanzler und die nicht mehr ganz so neue Kanzlerin.

16 Kommentare

  1.   Karl Heinz

    Was ist denn ein Oktobober? :)

  2.   Karl Heinz

    Mensch ihr seid wirklich flott mit der Korrektur. Danke für den Artikel.
    Wünsche einen schönen und hoffentlich baldigen Feierabend.


  3. Kann man uns nicht mit Jubelpostillen auf den Bimbeskanzler verschonen? Dieser Mensch ist asozial im Sinne des Wortes

    für die Zensur:Wikipedia= Ein Individuum vollzieht seine persönlichen Handlungen ohne die geltenden gesellschaftlichen Normen ….

    Ein angebliches Ehrenwort zählt mehr als Recht und Gesetz da zahlt man halt 300 000 € aus der Portokasse und gut ist

  4.   blackholesun

    Und noch ein Fehler:

    Volker Kauder, der die Moderatoren-Rolle übernahm, malte ddas Verhältnis der Partei zu ihrem Altkanzler in rosigsten Tönen.

  5.   gestern

    gestern sagt:

    Kohl = Blähungen !

  6.   zelotti

    Helmut Kohl hat sich schon zum Amtszeiten immer so ob seiner Verdienste feiern lassen und erwartete das auch, das hatte immer etwas peinliches und unwürdiges für die Beteiligten. Helmut Kohls Narzissmus ist mir vollkommen egal. Und wenn er Merkel nicht mag, dann hätte er eben den Schäuble früher ranlassen müssen. Oder seinen Peter Hintze, den Kanzler der Herzen.

  7.   FX Stangel

    Ob Helmut Kohl auch seiner alten Fraktion die Leviten wegen der Euro-Rettung gelesen hat? Herr Kohl hat den Euro mitverhandelt und diese Verträge werden in letzter Zeit mit Füßen getreten. Der Altkanzler könnte doch mal zusammen mit Helmut Schmidt die aktuelle politische Lage zusammenfassen. Ich glaube Herr Kohl würde Merkels Kurs so nicht mittragen, sondern eher die Position von Hubert Aiwanger und Adenauer-Enkel Stephan Werhahn für ein starkes Deutschland und ein Europa der Menschen vertreten.


  8. Kohl feiern? Ist doch eher peinlich…


  9. @ FX Stangel:
    “Ich glaube, Herr Kohl würde Merkels Kurs so nicht mittragen.”

    Zur Kanzlerin hat sich Kohl bereits geäußert: “Die macht mir mein Deutschland kaputt.”

    Kommentar überflüssig.

  10.   Stephan Schmitt

    Wie kann man diesem Subjekt nur huldigen? Kaum ein anderer Volkszertreter hatten offensichtlicher das Recht mit Füssen getreten. Schade dass er nicht mehr leidet mit seiner Demenz.