Das Politik-Blog

Schwarz-Linke Opposition

Von 29. Januar 2013 um 10:56 Uhr

Normalerweise können sich die Anhänger von CDU und Linkspartei ungefähr so wenig leiden wie die Fans des Hamburger SV und des FC St. Pauli. Man bepöbelt sich im Wahlkampf – als "Bonzen" beziehungsweise "Staatsfeinde". Ansonsten geht man sich aus dem Weg.

Insofern ist das, was sich derzeit in Hamburg abspielt, schon bemerkenswert. Schwarze und Dunkelrote, in der Bürgerschaft zur Opposition verdammt, haben sich in ihrer Machtlosigkeit einander angenähert.

Letzten Mittwoch luden beide Parteien gemeinsam zu einer Pressekonferenz ein. Thema war die Großbaustelle Elbphilharmonie; Grüne und FDP waren auch als Gastgeber mit dabei. Am Freitag gelangte die Hamburger Opposition mit einem Boykott des Justizausschusses in die Schlagzeilen. Kollektiv protestierten sie so gegen eine Gefängnisreform des SPD-geführten Senats.

Linke und Christdemokraten als gemeinsame Ausschuss-Schwänzer und Boykotteure parlamentarischer Gremien? In Hessen oder NRW wäre das undenkbar!

In der Hamburger Linken ist man dagegen mächtig stolz auf diesen Schulterschluss. Hier gehe man eben "hanseatisch", also: "respektvoll" miteinander um, sagt die Fraktionschefin Dora Heyenn. Das habe sich die Linke erst mühsam "erkämpfen" müssen. Anfangs hätten sie die anderen Parteien, gerade die CDU, mit "persönlichen Angriffen" und "bösartigen Zwischenrufen" attackiert. Aber die CDU habe inzwischen eingesehen, dass die Linke "konstruktiv und sachorientiert" arbeite, sagt Heyenn. Und klingt dabei recht staatstragend.

Die CDU reagiert nicht ganz so fröhlich, wenn sie mit dem Thema konfrontiert wird. Es gebe "keine strukturelle oder gezielte bilaterale Zusammenarbeit", sagt der Fraktionschef Dietrich Wersich. Aber eben auch "keinen Ausschluss" wie in anderen Bundesländern, räumt er ein.

Und, was sind das so für Partner, die Linken? Kann man mit denen zuverlässig zusammenarbeiten? Schließlich hatte die CDU im letzten Hamburger Wahlkampf noch vor einer gefährlichen Chaostruppe gewarnt, wenn es um die ehemalige PDS ging.

Dem Fraktionschef Wersich ist diese Nachfrage etwas unangenehm. Beim ersten Anlauf ignoriert er sie einfach. Beim zweiten Mal fällt die Antwort knapp aus, unfreundlich ist sie aber nicht: Die Kooperation mit der Linken laufe "ordentlich", sagt der CDUler. Kein Grund zur Klage.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Kritik an offensichtlichem Fehlverhalten einer Roten oder Rotgrünen Regierung ist schwerer Frevel. Kritik an offensichtlichem Fehlverhalten einer Schwarzen oder Schwarzgelben Regierung ist Erste Bürgerpflicht und absolut nötig.
    Gewisse Tendenzbetriebe und der gesammte Öffentlich Rechtlich finanzierte Medienbetrieb sind seit langem im Dauerwahlkampf für die „Aufrechten Demokraten“ und haben die Wahrheit für sich gepachtet. Da hilft nur Zeitungen des Auslandes zu lesen – die sind wenigstens nicht so „parteitreu“ wie viele der hiesigen…

  2. 2.

    Nicht dass ich mir die Zustände der Weimarer Republik zurückwünschen würde aber eine Sozialisten, die man auch tatsächlich als Solche bezeichnen könnte wären (gerne bundesweit) ganz schön. Dazu hat wohl keiner mehr den „Arsch in der Hose“.

    • 29. Januar 2013 um 12:17 Uhr
    • FloH48
  3. 3.

    Wir lernen also das erstens, nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird (Bonzen, Staatsfeinde :-) ) und zweites, es wesentlich einfacher ist gemeinsam gegen etwas zu sein, als für etwas…

    • 29. Januar 2013 um 13:22 Uhr
    • Gerry10
  4. 4.

    Nun, dann sind wir auch nicht mehr lange von einer Koalition der MerkelCDU/CSU mit den LINKEN entfernt. Für den Machterhalt tut eine Frau Merkel alles und bildet – wenn es geht – auch eine Koalition mit den LINKEN. So fallen langsam alle Tabus – auch gut!

    • 29. Januar 2013 um 14:03 Uhr
    • kurikolla
  5. 5.

    @Sogehtesnicht: Ich kann Ihnen nicht folgen.
    Ich finde es sehr amüsant, dass sich zwei grundverfeindete Parteien wie Linke und CDU angesichts eines Investdesasters wie der Elbphilharmonie mit einem Male auf der selben Seite wiederfinden. Und dass Herrn Wersich das irgendwie unangenehm zu sein scheint ist einfach köstlich. Er zeigt auch, dass politische Polemik nicht nur den Underdogs vorbehalten ist, bzw. dass sie durchaus konstruktiv gemeint sein kann.
    Allesinallem: Schöner Artikel. Auch dass der Autor sich seine persönliche Wertung weitgehend verkniffen hat ist angenehm.

  6. 6.

    Wer weis, ob das nicht ein Versuch der CDU ist, von Berlin gesteuert. Sollte bei der nächsten BTW die FDP nicht über die 5 Prozent kommen, wäre es ja mit den Linken einen CDU-Versuch wert. Die Grünen haben der CDU bisher (noch) eine Absage erteilt.

    • 29. Januar 2013 um 14:06 Uhr
    • tanit
  7. 7.

    Ja, „Sogehtesnicht“ bringt es auf den Punkt. Dabei gibt es durchaus Schnittmengen, die aber vielen, insbesondere im „roten“ aber auch im „schwarzen“ Lager (warum nur?) peinlich sind, z.B. könnten die meisten „Linken“ den Forderungen der katholischen Soziallehre durchaus zustimmen, oder nicht?

    • 29. Januar 2013 um 14:09 Uhr
    • TvA
  8. 8.

    @TvA: Klar. Aber diese „Einigkeit“ wird doch im Artikel nicht negativ bewertet, oder überlese ich etwas?

  9. 9.

    Die SPD und die Grünen müssen nur standhaft eine Koalition auf Bundesebene mit der Merkel-CDU verweigern. Wetten, dass Frau Merkel es dann mit den LINKEN probiert? Der Dame geht es doch nur um sich selbst und um die eigene Macht! Warum hat nur die CDU es zugelassen, dass ALLE Schwergewichte dieser Partei entfernt wurden? Nun ruhen alle Hoffnungen auf McAllister. Der heult aber noch. Also warten wir, bis der ausgeweint hat. Zumindest so lange ist innerhalb der CDU Frau Merkel „alternativlos“.

    • 29. Januar 2013 um 14:29 Uhr
    • kurikolla
  10. 10.

    Und Wehe die CDU schließt vor drr nächsten Wahl nicht die LINKE als Koalitionspartner ausdrücklich aus! 😉

    • 29. Januar 2013 um 14:50 Uhr
    • peer
  11. 11.

    Warum thejmatisiert man nun wieder diese unseelige Partei?

    Der Tenor des Artikels ist doch: „Die Linken sind gar nicht so schlimm.“

    So werden Extremisten „hoffähig“ und „ausgehfein“ geschrieben.

    Man relativiert einfach die extreme Haltung, die diese Partei gegen unsere soziale Marktwirtschaft, trotz all der üblen Erfahrungen mit den „realen Umsetzungen“, noch heute vertritt.

    Warum also so ein Artikel?

    So arbeiten doch eigentlich vor allem die Rechten. Motto: Der nette Nazi von nebenan – der soll schlecht sein?

    Natürlich sind es nicht die Personen, es sind die Ideen, die von diesen Personen verkörpert und vertreten werden. Und da ist natürlich der Gesellschaftsentwurf der Die Linke freiheits- und wohlstandsfeindlich und letztendlich gegen die Menschen gerichtet. Man lese doch einfach das Erfurter Programm.

    Dass das einem CDU Mann unangenehm ist, kann man verstehen.
    Deshalb sollte man auch die Die Linke so behandeln wie die rechten Extremisten – keine öffentliche Plattform geben.

  12. 12.

    An „Tangens alpha“:na, na, so einfach ist das nicht! Oder sind CDUler für Sie besonders feine Herrschaften?

    • 29. Januar 2013 um 16:42 Uhr
    • kurikolla
  13. 13.

    An die ZEIT-Redaktion: Warum lassen Sie Ihren Artikel „Schwarz-Linke“ Opposition (in Hamburg) so langsam verschwinden? Hat Sie etwa der Mut verlassen?

    • 29. Januar 2013 um 16:47 Uhr
    • kurikolla
  14. 14.

    Dora Heyenn ist eine der vielen von der SPD entäuschten Wähler und in diesem Fall Abgeordneten, die zur Linkspartei wechselten. Sie war einige Jahre SPD-Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein, ihr verstorbener Ehemann SPD-Bundestagsabgeordneter.
    Sie in irgendeinen Zusammenhang mit SED oder PDS zu bringen ist unfair.
    Wenn in dieser Sache eine Koalition mit Herrn Wersich erfolgte, mag das für ihn peinlich sein, in der Sache nicht.
    Als Hamburger würde ich bei den nächsten Bürgerschaftswahlen eher Frau Heyenn wählen als Herrn Wersich.

  15. 15.

    An die ZEIT-Redaktion: Warum lassen Sie Ihren Artikel “Schwarz-Linke” Opposition (in Hamburg) so langsam verschwinden? Hat Sie etwa der Mut verlassen?

    • 29. Januar 2013 um 17:31 Uhr
    • kurikolla
  16. 16.

    An die ZEIT-Redaktion: Warum haben Sie Ihren Artikel “Schwarz-Linke” Opposition (in Hamburg) verschwinden lassen? Hat jemand mit großem politischem Einfluss interveniert?

    • 29. Januar 2013 um 22:45 Uhr
    • kurikolla
  17. 17.

    An die ZEIT-Redaktion: Was hat Sie veranlasst, Ihren Artikel Schwarz-linke Opposition (in Hamburg) verschwinden lassen? Hat die CSU interveniert?

    • 30. Januar 2013 um 06:33 Uhr
    • kurikolla
  18. 18.

    die knopfleiste würde sogar mit den affen im zoo eine koaltion eingehen hauptsache ich bin kanzlerin

  19. 19.

    Liebe „ZEIT“, was soll das???

    • 1. Februar 2013 um 07:45 Uhr
    • kurikolla
  20. 20.

    Keine Antwort?

    • 1. Februar 2013 um 13:03 Uhr
    • kurikolla
  21. 21.

    Keine Antwort ist auch eine Antwort!!!

    • 1. Februar 2013 um 13:27 Uhr
    • kurikolla
  22. 22.

    @ kurikolla:
    Entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort!
    Ich war mir nicht sicher, ob die Fragen ernst gemeint sind. Es ist doch bei uns immer so, dass die Texte nach einer Weile von der Homepage verschwinden. Mit fehlendem „Mut“ oder politischer „Intervention“, gar von der „CSU“, wie von Ihnen angenommen, hat das nichs zu tun. Im Blog finden Sie den Text ja nach wie vor…
    Beste Grüße aus Berlin
    M. Schlieben

  23. 23.

    An die ZEIT-Redaktion: „Aber verdächtig früh ist Ihr Artikel „Schwarz-linke Opposition in Hamburg“ schon verschwunden. Das können Sie auch an den wenigen Foristenzusendungen erkennen; obwohl das Thema von allgemeinem Interesse sein dürfte.“ Aber immerhin: Danke für die verspätete Antwort.

    • 1. Februar 2013 um 16:48 Uhr
    • kurikolla
  24. 24.

    Nun, lieber M. Schlieben, haben Sie offenbar den Spaltpilz bei „Rot-Grün“ entdeckt! Natürlich an anderer Stelle Ihrer ZEITung. Für wie doof halten Sie eigentlich den Wähler?

    • 4. Februar 2013 um 16:43 Uhr
    • kurikolla
  25. 25.

    Rot-Grün ist sich nicht so einig wie erwartet. Von M. Schlieben

    • 4. Februar 2013 um 17:40 Uhr
    • kurikolla
  26. 26.

    Der Online-Wahlkampf der SPD beginnt mit einem Fehlstart. Von M. Schlieben

    • 4. Februar 2013 um 18:16 Uhr
    • kurikolla
  27. Kommentar zum Thema

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