Das Politik-Blog

Peer lässt bloggen, das Netz spottet

Von 4. Februar 2013 um 16:44 Uhr

Ach Peer! Ne, so richtig gut gefällt uns Dein neues Blog leider nicht.

(Wir würden den Kanzlerkandidaten hier übrigens nicht duzen, wenn seine Unterstützer nicht konsequent auf seinen Nachnamen verzichteten.)

An sich ist die Idee ja nicht mal schlecht. Dass ein paar profilierte Schreiber sich im Wahlkampf engagieren. Dass dieses Team autonom vor sich hin arbeitet, abseits verkrusteter Parteistrukturen. Das macht es der chronisch nörgelnden SPD schwerer, sich einzumischen. Ja und auch gegen Blogs haben wir von Zeit ONLINE natürlich rein gar nichts.

Aber trotzdem: Irgendwie haut das neue PeerBlog nicht hin.

Es beginnt mit dem Ton. Der ist manchmal ziemlich plump: “Peer fordert zweites Duell – Merkel kneift”. Das könnte auch von der Pressestelle im Willy-Brandt-Haus kommen.

An anderen Stellen ist der Ton überaus großspurig. Kein geringerer als Barack Obama dient den Peer-Bloggern als Vorbild. Wie man gleich im ersten Absatz der Selbstdarstellung erfährt. Und, ja, auch die “arabischen Revolutionen” bezeichnen die Autoren lässig als ihre geistigen Paten. Kleiner geht es kaum.

Kein Wunder also, dass das Feedback auf das neue PeerBlog bislang recht negativ ausfällt. Die SPD selbst schweigt mehrheitlich, verlinkt jedenfalls nicht prominent auf das Blog, das ja seinerseits so stolz darauf ist, nicht von irgendwelchen Parteihanseln geführt zu werden. Der netzpolitische Sprecher der SPD, Lars Klingbeil, twitterte heute lediglich mit viel Dialektik: “Ich werde nicht über ein Blog twittern.”

Jenseits der SPD wird gelästert, was das Zeugs hält. Viele stört, dass über die Finanzierung des Projekts wenig bekannt ist. Laut Spiegel würden die Blogger “fürstlich” von diversen Unternehmern bezahlt, von einer “sechsstelligen Summe” ist die Rede. Nur, um welche Spender es sich handelt, das verrät die Transparenz-Partei SPD bisher nicht.

Ein bayerischer Spitzen-Pirat bezeichnet Steinbrück deshalb via Twitter als den wahren “Genossen der Bosse”. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Norz, schreibt, dass er das Blog „unter Transparenz + Parteienfinanzierungsaspekten problematisch“ finde.

Erst der Online-Berater, der nach wenigen Tagen und ein paar Enthüllungen über seine bisherigen Auftraggeber den Job bei Steinbrück wieder aufgab. Dann Steinbrücks Bekenntnis, nicht selbst seinen Twitter-Account zu befüllen, sondern einem Mitarbeiter die Postings zu diktieren. Online-mäßig, so muss man wohl resümieren, steht die SPD-Kampagne in diesem Wahlkampf bislang unter keinem guten Stern.

Update vom 5.2.2013: Steinbrück hat auf seiner Reise nach London inzwischen bestritten, “die Investoren” seines Bloggs zu kennen. Das allerdings widerspricht dem Rechercheergebnis von sz.de.

Mitarbeit: Juliane Leopold

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 25.

    Je länger ich darüber nachdenke, umso logischer erscheint mir, wer die edlen Spender der sechstelligen Beträge sind.
    Eine bekannte Firma im Massenmarkt kann das unmöglich geheim halten und das Imagerisiko wäre enorm. Es müssen entweder Privatpersonen sein oder verschwiegene Konsortialbanken, die kein Massenklientel bedienen. Und sie müssen von der spd oder steinbrück profitiert haben und “bedanken” sich jetzt. Ich kombiniere: Maschmeyer, vermögende Privatleute und Bankleute.

    • 4. Februar 2013 um 20:13 Uhr
    • Maschmeyer?
  2. 26.

    Das Problem bei Steinbrück ist seine Inkonkludenz.

    Einerseits Steuererhöhungen bis zum Erbrechen fordern, andererseits für die heutigen butterweichen Bankengesetze verantwortlich sein. Die Kritik am ihm ist KEIN Bashing, sondern das Ergebnis logischen Denkens!

    • 4. Februar 2013 um 21:04 Uhr
    • Ze Vaberto
  3. 27.

    Hallo ZEIT!
    Beginnt der deutsche “Qualitätsjournalismus” nun sich aktiv am Wahlkampf zu beteiligen? Da ist man vom Boulevard nicht weit weg.

    Erst die FDP ins Niedersachsen-Parlament schreiben und nun Herrn Steinbrück als Kanzler verhindern?

    Eigenartige Überparteilichkeit …

  4. 28.

    Wie würden Sie Ihren Neologismus “Inkonkludenz” denn übersetzen?

    In der Zwischenzeit würde ich aber so zuspitzen: Das Problem bei der spd (denn es geht in der Politik nicht bloß um Kandidaten) ist inzwischen wohl ihr inniges Verhältnis zu besonders zwielichtigen Kandidaten: Scharping – Schröder – Steinbrück. Kann man das noch steigern? Unvergessen ist auch die Bankenrettung, die der Kavallerist der Rede im Einvernehmen mit der heutigen Immer-noch-Kanzlerin vornahm. Der in dieser Hinsicht mir etwas zu unkritische Artikel oben kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß zwischen den Kandidaten der Bloßstellung und die Kanzlerin der sog. Eurorettung bzgl “Finanz(ierung der Banken)krise” kein Blatt Papier paßt.
    Bei soviel Zwielicht, und nicht erst hinsichtlich seiner Redner-Honorare, kann es dann kaum noch erstaunen, wenn dieser Dampfplauderer mit seinem Auftrag für dieses Blog zu seiner Popularisierung schon wieder gleich mehrfach daneben greift (um es nicht allzu drastisch zu sagen).
    Etwas mehr in die Tiefe geht übrigens dieser Artikel hier, finde ich. Gut, zugegeben: auch ein wenig mehr in die Breite.

  5. 29.

    Jeder hat mal Anlaufschwierigkeiten!
    Peer mach weiter so!
    Dann wird Dein PeerBlog auch ankommen.
    DonCicuta

    • 5. Februar 2013 um 12:17 Uhr
    • DonCicuta
  6. 30.

    Erst Wulf, dann Steinbrück und jetzt den alten Brüderle. Die Zeitungsschreiber sind so arm in ihrer Vorstellung, daß sie nur über Bagatellen berichten können. Warum es wirklich geht – Finanzierung der südlichen Staaten – können sie nicht nachvollziehen. Dazu gehört nicht nur Grips sondern sich in der Materie auskennen. Wir haben vier Jahre die deutsche Innenpolitik verschlafen. Die Hauptsache ist es, daß wir Umsatzsteigerungen hatten. Und ob die jetzt schrumpfen? Rechnen wir alle Leiharbeiter, Teilzeitarbeiter und Aufstocker zu den Arbeitslosen, so haben wir in Deutschland noch nie so viele unzufriedene Menschen gehabt, wie jetzt. Und die Unzufriedenheit ist auch begründet. Die jetzige Regierung hat für unser Land alles nicht bearbeitet und verschlafen.

    • 5. Februar 2013 um 14:54 Uhr
    • Schulte-Hostede
  7. 31.

    Der Kandidat der SPD bietet mit Abstand die lustigste Kandidatur, die es derzeit gibt. Durch ihn muss die Entfernung zwischen 2 Fettnäpfen bald neu definiert werden. Und die SPD hat es aufgegeben mit Sprüchen über die Ehrlichkeit mit Ecken und Kanten ihren Kandidaten zu verteidigen.

    Aussichtslos ist es, dass der sogenannte Kandidat wirklich mit einer Partei von 25 % den Kanzler später stellen kann. Da kann ja jede Partei kommen, die mal kess behauptet, einen Kanzlerkandidaten zu stellen. Und folglich müssten auch die Spitzenkandidat_innen der anderen Paarteien vom fernsehen eingeladen werden und nicht nur die beiden von CDU und SPD. Das geibetet die Fairness.

    Unpassend erscheint es gerade, dass da nur zwei Parteiführer eingeladen werden, die nach der Wahl mutmaßlich eine große Koaltion eingehen werden.

    • 5. Februar 2013 um 17:08 Uhr
    • Blanziflor
  8. 32.

    Immerhin ist inzwischen auch die Bundestagsverwaltung aufgewacht und prüft den Vorgang:

    http://www.focus.de/politik/deutschland/steinbrueck-kampagne-im-zwielicht-bundestagsverwaltung-ueberprueft-peerblog_aid_913544.html

    Peer lässt wirklich kein einziges Fettnäpfchen aus.

  9. Kommentar zum Thema

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