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Steuern und Gegensteuern: Uli Hoeneß als Wahlkampfrisiko

 

Eigentlich hat Uli Hoeneß Glück: Angela Merkel distanziert sich von ihm. Damit sind seine weiteren Karriereaussichten deutlich besser, als die all jener, denen die Bundeskanzlerin in letzter Zeit in kritischen Momenten ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Egal ob Christian Wulff, Annette Schavan oder Karl-Theodor zu Guttenberg – sie alle sind kurz nach der öffentlichen Vertrauensbekundung der Kanzlerin von ihren Ämtern zurückgetreten.

Nun hat die Bundeskanzlerin aller offenkundigen Fußballbegeisterung zum Trotz natürlich keinerlei Einfluss auf die Geschäfte des FC Bayern. Aber die Tatsache, dass sie sich in der Causa Hoeneß so schnell und eindeutig positioniert hat, lässt dennoch tief blicken – auf die Geschäfte ihrer Partei. Gerade erst wurde das Image der Kanzlerin als ruhige, moderierende, über den Dingen stehende Stimme der Vernunft durch den Vorstoß ihrer Arbeitsministerin in Sachen Frauenquote angekratzt. Hier konnte Angela Merkel nicht wie sonst üblich dem Konflikt in ihrer Partei Raum geben, sich dabei selbst zurückhalten und erst eine Entscheidung treffen, nachdem sich diese bereits abgezeichnet hatte. Sondern sie musste sich positionieren – in diesem Fall gegen Ursula von der Leyen.

Warum sie sich nun auch in der Debatte um Uli Hoeneß so schnell zu Wort gemeldet hat, kann unterschiedliche Gründe haben. Nicht auszuschließen ist jedenfalls, dass auch der nahende Bundestagswahlkampf eine Rolle spielt. Denn gerade dann, so zeigt eine Vielzahl von Forschungsergebnissen, ist die Personifizierung von politischen Fragestellungen ganz besonders wichtig. Das Thema Steuergerechtigkeit hat durch den Bayern-Präsidenten ein Gesicht bekommen, und so distanziert sich Angela Merkel nicht nur von der Person Hoeneß, sondern auch von der Haltung, für die er steht: Es geht um das berühmte „Wasser predigen und Wein trinken“.

Welche Auswirkungen es haben kann, wenn eine Person, die untrennbar mit einem Thema verbunden ist, öffentlichen und medialen Gegenwind bekommt, hat Angela Merkel auf dem Weg zu ihrer ersten Kanzlerschaft selbst schmerzhaft erlebt. Der von ihr mit der Reform des deutschen Steuerwesens beauftragte und als Finanzminister ins Schattenkabinett berufene Verfassungsrechtler Paul Kirchhof wurde im Wahlkampf insbesondere vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder immer wieder hart attackiert. Die so erzeugte Stimmung gegen „den Professor aus Heidelberg“ zahlte sich aus – um ein Haar hätte die CDU ihren Vorsprung noch verspielt.

Ob Uli Hoeneß das Potenzial hat, der Paul Kirchhof des diesjährigen Wahlkampfes zu werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar. Die Kanzlerin scheint sich jedenfalls der Gefahr bewusst zu sein.

Vielleicht hat sie bei ihrer Äußerung zu Uli Hoeneß auch den erwartbaren Nebeneffekt dankend in Kauf genommen, dass die Debatte um Steuermentalitäten das für sie unbequeme Thema Frauenquote medial überlagern würde – eben auch, weil sie sich selbst dazu zu Wort gemeldet und der Angelegenheit dadurch eine besondere politische Note verliehen hat. Als Wahlkämpferin wird sie schließlich seit jeher gerne unterschätzt.

8 Kommentare

  1.   woody

    Welch ein Land, in dem der vorsätzlichen Vorteilsnahme Überführte unbehelligt in der Millionairs Loge hocken und Champions-League schauen darf. Welch ein Schlag ins Gesicht von Arbeitnehmern, denen ungefragt Monat für Monat der Steuerbetrag vom Lohnzettel unerbittlich einbehalten wird. Welch großer Schmerz! Welch eklatanter Verrat!

    Reden wir über Haltung. Makellos offenbar nur noch im TV-Talk. Der Metzgersohn, der schwerst arbeitende! Ha! Grandiose Haltung! Immer fair. Stets gerecht. Mit Klarsicht. Mit Klarwort, aber ja!

    In Japan, lieber Uli Hoeneß, in Japan gäbe es in dieser Situation nur einen gehbaren Weg für den Mann. Nur eine mögliche Variante – so ihm Haltung überhaupt etwas wert ist, ja, er überhaupt noch ein Wertmuster besitzt: Selbsttötung.

    Die Variante nämlich, nur noch haltloser Dreck zu sein, wertentleerter Morastkübel in einer Präsidentenloge, sie wäre undenkbar für den Mann. Und auch durch rein gar nichts mehr rein zu waschen. Aber, wie gasagt, wir sprechen ja nur von Haltung (und sind nun mal in Bayern). Oyasumi nasai.

  2.   Michael

    Hallo zusammen,
    Na ja man kann sagen, es trifft keinen falschen.Schön das jemand auf die Nase fällt der sonst so eine große Klappe hat. Natürlich hat er Erfolge. Was mir aber ziemlich aufstößt, ist das eigentlich sich nur die „normalen“ Bundesbürger der BRD darüber aufregen dürfen. Denn diese haben die Ohrfeige bekommen. Die Medien die immer die Hetzkampagnen starten – weshalb wurde im Januar nichts Veröffentlicht? Sonst sickert doch immer etwas durch und alle Stürzen sich drauf! Wer hat dort die Hand drüber gehalten? Oder hatten hier die Medien einmal Angst? Unsere Politiker die Aufschreien – puh, leise leise sollten sie sein. „Abgeordnetenbezüge, Kostenpauschale, Büroausstattung, Reisekosten, Sachleistungskonto, Mitarbeiterpauschale, Übergangsgeld, Versorgung“, dies sind nur die Oberbegriffe. Wenn man sich aber diese mal zu Gemüte führt was der Steuerzahler alles bezahlen muss …! Wenn es dann noch um die Transparenz der Gelder oder den Nebenjobs der Regierungsmitglieder geht – dann regen sie sich auf. Natürlich wollte man die Selbstanzeigen diskret behandeln und das keine Namen bekannt werden – warum wohl?? Die Politiker nehmen sich das Geld der Steuerzahler mit Privilegien, Gesetze u.s.w und reden sich noch eine weiße Weste ein und alles zum Wohle des Bürgers. Mal sehen wann die ersten Politiker Öffentlich auf einer Steuer-CD auftauchen.

  3.   Harald Wiese

    Wenn der Herr Hoeneß so ein gstandenes Mannsbild ist, wie er selbst sich gerne sieht, warum kann er dann nicht einer der ersten in dieser Republik sein, der sich hinstellt und sagt: „ich habe echt Mist gebaut, das kann ich nicht leugnen. Jetzt werde ich alle Konsequenzen wie ein Mann tragen.“ Stattdessen schießt er noch zurück, spielt die beleidigte bayrische Leberwurst, glaubt sich am Ende noch im Recht und möchte weiter der Gutmensch vom FC Bayern sein. Das geht eben nicht und deshalb wird er gegangen werden…

  4.   P. Klebba

    Mußten das fast 4 Seiten sein ,habe selten so einen Quatsch gelesen.Das ist Niveau aus dem Hause Burda, für mich hat sich meine Meinung über Herrn Hoeneß nicht geändert.Im Gegenteil, wer so mit Geld spielen kann sollte sich über die normale Beurteilung der Gesellschaft raushalten.Wenn man die Selbstbedienung der oberen Schicht beklagt so wird die Diskussion als Neiddebatte abgetan. Die angeblichen „Vorbilder “ und „Vordenker“ dieser Republik sind einfach ärgerlich .Prof. Sinn und Experten haben eine mögliche Krise nicht vorausgesehen wrden aber in den Medien gefeiert. Die Politiker hängen am Gängelband der Wirtschaft und der Banken. Dafür haben sie ziemlich freie Hand .Da werden 13 und 15 jährige Kinder in die Gehaltsliste aufgenommen ,Familienmitglieder fürstlich vom bayrischen Staat bezahlt.Diese christlichen Menschen sollten sich das Logo des Kirchentages hinter ihre Ohren schreiben. Hoenes wird nicht ins Gefängnis einziehen ,IKEA und andere Konzerne werden Steuern mit legalen Tricks vermeiden dank unserer politischen „Eliten „.

  5.   Burkhard

    Ich bin ganz bestimmt kein Freund von Uli Hoeneß und damit meine ich immer seine psychologische Kriegsführung wenn es darum geht Titel für den FC Bayern München zu holen.

    Aber!!!
    Wenn er sagt,er sei kein schlechter Mensch,das glaube ich ihm.

    Deswegen sollte er aber trotzdem keine Sonderbehandlung vor dem Gesetz bekommen.

    Seinen Posten Beim FC Bayern würde er soweiso verlieren, wenn er eine Haftstrafe bekäme.

  6.   whaleryda

    Ich finde, als erstes sollte man mal darüber nachdenken, was eigentlich bei den Bambis los ist. Ein Typ von der Mafia kriegt einen für Integration und ein Steuerbetrüger einen für Wirtschaft? Alles klar!

  7.   Radu Giurgiu

    Wenn ich den Kommentar von dem Herrn der sich“ Woody“ nennt und aus dem Versteck seiner Anonymität voll auf Uli Hoeneß schießt lese, muss ich mich schon fragen, wie frustriert, unglücklich, neidisch und haßerfüllt jemand sein muss, um einen Mitmenschen öffentlich als „haltloser Dreck“ und „wertentleerter Morastkübel“ zu titulieren.

    Es mag sein, daß Uli Hoeneß einen großen Fehler begangen hat(Fehler, der im Übrigen keinem- schon aus technischen Gründen-unterlaufen kann, der „ungefragt“ also unfreiwillig jeden Monat seine Steuern abgezogen bekommt). Es mag auch sein, daß jetzt im Nachhinein, seine Moralapostol Rolle unglaubwürdig erscheint.Wer hat aber deswegen das (moralische) Recht seine harte und erfolgreiche Arbeit (Ha ????!!!!) bis Dato in Frage zu stellen?
    Und welcher(selbsternannter Got?) maßt sich an, seine „Selbsttötung“ als einzige Ehrenrettende Maßnahme zu suggerieren?

    Ich kenne weder den Herrn Hoeneß noch den Herrn der sich“ Woody“ nennt.
    Aber rein nach Gefühl kann ich eins mit Sicherheit sagen: Auf einer dunklen, einsamen Strasse, Mitte in der Nacht, möchte ich lieber zehn mal den „Betrüger“ Hoeneß treffen eher ich ein Mal dem ehrenwerten Herrn“ Woody“ begegne.
    Und dafür stehe ich( zumindest) mit meinen(richtigen) Initialen.

    R.G.
    Wallis, Schweiz

  8.   Wer nicht fragt bleibt dumm

    Wer kann mir sagen wie hoch die Prämie für einen FC Bayern Präsidenten ist, der seinen Club zum Champions – League Finale führt und der Verein dann dort als Gewinner hervorgeht? Sowohl der materielle Gewinn als auch der immaterielle Gewinn in Form von Reputation, Image, Anerkennung der Leistung etc.

    Soweit ich informiert bin, sind doch Arbeitsverträge mit Spielern auch immer mit erfolgsabhängigen, materiellen Komponenten versehen. Bei bestimmter Zielerreichung, werden doch dann Tantiemen ausgeschüttet – sofern man zum Erreichungszeitpunkt ein nicht ruhendes Arbeitsverhältnis hat, oder ? Das gleiche gilt analog für die damit einhergehenden immateriellen Gewinne – hat man offiziell keine aktive Rolle, kann man sich den Ruhm nur schwerlich auf die Schultern setzen lassen.

    Kann das ein Grund sein, warum man eine Entscheidung getroffen hat, dass Hoeneß weiterhin offizielle FC-Bayern Präsident ist, nicht selber zurücktritt, nicht sein Amt ruhen lässt etc. ?

    Also am Ende des Tages die nicht besiegte Spielsucht wieder zu Tage tritt. Haben die Entscheidungsträger die hierfür verantwortlich sind (Aufsichtsrat des FC Bayern mit honorig besetzten Führungspersönlichkeiten aus der Deutschen Wirtschaft von Adidas, Deutsche Telekom, Hubert Burda Media, UniCredit Group, ehem. bay. Ministerpräsident a.D. bis zu VW) , evtl. Angst einem süchtigen Spieler, der sich mitten in einem seiner anspruchvollsten Spiele seines Lebens befindet, den nah greifbaren Gewinn (Champions-League Sieger) vor der Nase wegzunehmen und damit quasi kurz vor dem Schachmatt für alle Gegner mit der Hand alle Figuren vom Spielbrett zu fegen und den Spieler damit zur Weissglut zu bringen? Wie würden sie mit solch einem Spieler in ihrem eigenem Unternehmen umgehen? Wie sind sie bis dato mit solchen Fällen in ihren eigenen Reihen umgegangen?

    Wirklich schade, dass man hier die Chance nicht ergriffen hat um der breiten Bevölkerung zu zeigen, dass Moral, ethisches Verhalten, ehrenhaftes Unternehmertum tatsächlich vor der Befriedigung eigener, selbstherrlicher Triebe , politischem Agitieren etc. steht und sich nicht nur auf vergangene, heldenhafte Spenden, Tätigkeiten etc. beruft. Hoeneß selbst nicht und auch die anderen Entscheider nicht, stattdessen beruft man sich auf die Verschwiegenheitspflicht. Selbst Leute wie Seehofer, finden hier noch Argumentationsketten die einen Rücktritt oder das Ruhen des Amtes obsolet machen.

    Schade, dass Hoeneß offenbar nicht versteht, dass er zumindest mal in der nächsten Spielrunde (Champions-League Finale) – allein aus politischen Gründen – aussetzen muss. Sich selbst mal zurückzunehmen, sich selber nicht so wichtig nehmen ist leider keine ausgeprägte Stärke von ihm. In der Vergangenheit nicht, auch nicht in der Zukunft – schade.

    Dem kleinen Mann zeigt das nur immer wieder: Die richtigen Kontakte, das richtige Netzwerk sind mittlerweile mehr als die halbe Miete.