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Tokio-Motor-Show: Alles im grünen Bereich

 

Alles wieder im grünen Bereich – hier bei der Tokio Motor Show. Vorn am Stand stehen wieder die Rennwagen und Showcars und hinten findet man die neueste Umwelttechnik. Beides lebt in Tokio gut nebeneinander. Aber zum Thema Kraftstoffersparnis oder alternativen Fahrzeugkonzepten gibt es nichts weltbewegendes zu berichten. Man hat sie und zeigt sie, aber das ist normal geworden. Die Industrie macht ihre Hausaufgaben und berichtet darüber. Es ist eben alles wieder im grünen Bereich, sowohl im Hinblick auf die Umweltthemen als auch im Hinblick auf den Umgang mit ihnen.

Während man auf der IAA vor ein paar Wochen noch den Eindruck gewinnen konnte, jetzt müsse und wolle die Automobilindustrie sich allein aufmachen, um das Weltklima zu retten, gewinnt man nun den Eindruck, die Aufgabe ist verstanden. Sie wurde noch einmal mit Nachdruck an die Ingenieure weitergereicht und wird nun professionell abgearbeitet. Aerodynamik, Leichtbau, intelligenter Einsatz von Energie, neue Getriebe, neue Antriebe, neue Treibstoffe – das alles wird uns weiterbringen. Warten wir es ab – es wird nicht allzu lange dauern.

Bis dahin versuchen die Hersteller schon einmal, uns den Kleinwagen näherzubringen. Bei den Japanern muss uns das nicht wundern. Für die ist ihr Tokio auch immer eine Gelegenheit zu zeigen, welche verspielten Vorstellungen sie von der Mobilität in der Zukunft haben. Sie sind Weltmeister im Studien bauen und legen dabei besonderen Wert auf die Extreme – besonders große stehen besonders kleinen gegenüber, wobei die Kleinen deutlich in der Überzahl sind.

Viele mögen über die Studien der Minimobile lächeln, manchen sind sie sogar ein herzhaftes Lachen wert. Aber vorsichtig: So manche scheinbar chancenlose Studie hat den Sprung zu Markterfolg geschafft. Vor Jahren schon sah man in Japan – erst auf der Messe, dann auf der Straße – aus unserer Sicht hässliche Kleinwagen im Kastenformat mit dem Luftwiderstandsbeiwert eines Kühlschranks, aber viel Platz hinter der kurzen Motorhaube und unter dem hohen Dach. Heute kommen die ersten schon nach Europa – siehe Daihatsu Materia.

Doch abseits der Ästhetik-Diskussion – es gibt ihn unzweifelhaft, den Trend zum Kleinwagen. Nur gewinnt man den Eindruck, dieses Mal soll nicht der geringere Einstiegspreis das überzeugendste Argument liefern. Von pfiffig bis Premium reicht heute der Anspruch. Bei BMW sorgen die Minis und die 1er-Baureihe für kleine Lifestyle-Produkte, bei Audi hört man vom A1 und sieht jetzt in Tokio die Studie Metro Project Quattro, bei Volkswagen folgt auf die Studie „up!“, die wir seit der IAA kennen, nun auch der „space up!“, und so wird’s weitergehen.

Es lebe der Kleinwagen! Man muss nur noch einen anderen Begriff dafür finden, der nicht ganz so anrüchig an die Zeiten erinnert, als wir alle noch froh waren, uns wenigstens einen Kleinen leisten zu können. Wenn das Marketing hier der Technik zur Seite steht und damit den HighTech- und Premium-Kleinwagen salonfähig werden lässt, dann haben die Hersteller auch weniger Sorge, den Flottenverbrauch ihrer Marken in Grenzen zu halten. Wie gesagt: Es ist alles im grünen Bereich.

Dieser Kommentar stammt von meinem Kollegen Peter Schwerdtmann bei autoreporter.net