{"id":215,"date":"2008-01-15T17:34:48","date_gmt":"2008-01-15T15:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/autopapst\/?p=215"},"modified":"2008-01-15T17:34:48","modified_gmt":"2008-01-15T15:34:48","slug":"im-westen-immer-noch-nichts-neues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/autopapst\/2008\/01\/15\/im-westen-immer-noch-nichts-neues\/","title":{"rendered":"Im Westen immer noch nichts Neues"},"content":{"rendered":"<h2 id=\"detailueberschrift\"><\/h2>\n<p>Die Amerikaner haben ein gro\u00dfes Ziel. Bis 2020 soll der Durchschnittsverbrauch der amerikanischen Personenwagen und Lighttrucks von 9,7 Litern auf 100 km auf 6,7 Liter pro 100 Kilometer gedr\u00fcckt werden. Das ist genau der Wert, den Autos aus deutscher Produktion heute schon erreichen. Die Amerikaner haben also noch einen langen Weg vor sich. Doch auch dieses Jahr darf man sich getrost wieder fragen: Hat irgendjemand in den USA eine Idee, welchen Weg man beschreiten will? Die Antwort auf diese Frage findet man nicht auf der 101. North American International Auto-Show (NAIAS) in diesen Tagen in Detroit, Michigan.<\/p>\n<p>Immer noch beherrschen Pickups das Bild auf den amerikanischen St\u00e4nden. Die \u201eGro\u00dfen Drei\u201c General Motors (GM), Ford und nun auch wieder Chysler als Solist haben anscheinend kein anderes Ziel, als den Markt f\u00fcr die gro\u00dfen Achtzylinder mit offener Ladefl\u00e4che zu verteidigen. Obwohl der Markt Schw\u00e4cheerscheinungen bei der Absatzentwicklung zeigt, sehen die US-Hersteller zu, wie Japaner nach Lust und Laune an diesem Markt knabbern.<\/p>\n<p>Sie ertragen das zwar nicht tatenlos, aber ihnen f\u00e4llt wenig mehr als, also noch gr\u00f6\u00dfer und noch st\u00e4rker zu bauen. Immer noch honorieren schlie\u00dflich amerikanische Autok\u00e4ufer diesen American way of Driving &#8211; trotz der gestiegenen Benzinpreise. F\u00fcr die wenigen Fahrer dieser Fahrzeugklasse, die schon dazugelernt haben und die sich das etwas kosten lassen wollen, setzt man nun zus\u00e4tzlich zum den gro\u00dfen Benzinermotor einen Elektromotor und freut sich, wenn dieser Hybrid dann so wenig verbraucht wie ein Diesel. So entstehen dann Monster wie der Dodge Ram als Hybridfahrzeug mit einem Hemi-Achtzylinder. Hauptsache, der Dieselmotor bleibt der amerikanischen Fahrzeugindustrie erspart.<\/p>\n<p>Die deutsche Automobilindustrie hinterl\u00e4sst hier in den USA fast einen geordneten Eindruck. Als g\u00e4be es jetzt auch in Deutschland ein allm\u00e4chtiges Industrieministerium vergleichbar dem Miti in Japan. In den USA predigen sie hier alle den Diesel, Audi gleich mit zw\u00f6lf Zylindern im Sportwagen R8, BMW mit BluePerformance und Mercedes-Benz mit Bluetec. Auch Volkswagen l\u00e4sst keinen Zweifel daran aufkommen, dass man sich mit dem Diesel auch in den USA auf dem rechten Weg wei\u00df. Der Clean Diesel, der der weltweit sch\u00e4rften Abgasvorschrift aus den USA (Bin 5) gerecht wird, soll es bringen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sehen die Deutschen offenbar bei den amerikanischen Autok\u00e4ufern doch eine wachsende Bereitschaft zum Umlernen. Sie freuen sich darauf, dass die Amerikaner sich in Zukunft auch bei den Sport Utility Vehicles (SUV), anderen Ligttrucks, Vans und Limousinen f\u00fcr die kompakteren Modelle entscheiden &#8211; wegen des knapper werdenden Geldes, des teurer werden Sprits und vielleicht auch einer wachsenden Vernunft.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist das Bild, das Detroit abgibt, nicht nur Schwarz-wei\u00df. Sogar bei GM beginnt der Wandel. So finden sich auf den Messest\u00e4nden ganz ansehnliche Kompaktlimousinen, deren Preise deutsche K\u00e4ufer neidisch werde lassen k\u00f6nnten. Und auch Ford kommt nicht daran vorbei, auf die Kreditkrise und die steigenden Kraftstoffpreise zu reagieren.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es seit gestern ein gutes Beispiel. Das erfolgreichste Fahrzeugkonzept stellt in den USA mit mehr als 50 Prozent aller Verk\u00e4ufe immer noch der Pickup. Der Markt schrumpfte 2007 um etwas mehr als drei Prozent. Der Absatz des meistverkauften Pickups sank sogar um mehr als 13 Prozent. Und dennoch ist der Ford F 150 immer noch das meist verkaufte Auto seiner Klasse.<\/p>\n<p>Experten sind sich einig: Umsatz und Ergebnis des Autoriesen Ford h\u00e4ngen vom Erfolg des F 150-Nachfolgers ab. Der sieht noch ein wenig gewaltiger und noch ein wenig geleckter aus als sein Vorg\u00e4nger. Sonst hat sich wenig ge\u00e4ndert, mit einer Ausnahme: Mit ein paar aerodynamischen Feinarbeiten hat man den Verbrauch so weit gesenkt, dass man nicht \u00fcber Mehrverbrauch sprechen muss. Er f\u00e4hrt jetzt eine Meile mehr mit eine Gallone (3,7 Liter) Benzin, was auch nicht mehr als ein winziger Trippelschritt hin auf das Ziel 2020 bedeutet.<\/p>\n<p>Aber man glaubt es kaum: Ab dem Jahr 2010 soll es den F 150 auch mit Dieselmotor geben. Das wird auf die meisten F 150-Fahrer wohl wie ein Kulturschock wirken. Ihre Ikone folgt dem Zug der Zeit? Ford ist stolz darauf, gerade beim F150 stets auf seine Kunden zu h\u00f6ren. Da k\u00f6nnen Diesel-Freunde nur hoffen, dass sie dieses Mal richtig verstanden haben.<\/p>\n<p>Der F 150 D k\u00f6nnte erheblich dazu beitragen, in den Dieselmotor den USA durchzusetzen. Wie rechneten k\u00fcrzlich Experten vor? F\u00fchren alle US-Fahrzeuge mit Diesel, m\u00fcsste kein Erd\u00f6l mehr importiert werden. Dann m\u00fcssten die Amerikaner den Benzinmarkt in Rotterdam nicht mehr zu hohen Preisen leerkaufen. Doch uns Europ\u00e4ern w\u00fcrde das beim Diesel-Preis vermutlich nur wenig helfen. Dann kaufen sie eben den Dieselmarkt leer.\n<\/p>\n<p class=\"anreisser\">Dieser Kommentar stammt von meinem Kollegen Peter Schwerdtmann, www.autoreporter.net<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Amerikaner haben ein gro\u00dfes Ziel. Bis 2020 soll der Durchschnittsverbrauch der amerikanischen Personenwagen und Lighttrucks von 9,7 Litern auf 100 km auf 6,7 Liter pro 100 Kilometer gedr\u00fcckt werden. Das ist genau der Wert, den Autos aus deutscher Produktion heute schon erreichen. Die Amerikaner haben also noch einen langen Weg vor sich. 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