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Ruppig, das können auch andere

 

Der Berliner gilt ja als ruppig. Nun war ich im Urlaub auf Rügen. Und da hatte ich ein sehr beruhigendes Erlebnis, denn ich sah, dass man auch andernorts sehr, sehr ruppig sein kann. Folgenden Dialog bekam ich in der „Janny’s Eis“-Filiale zu Göhren auf Rügen mit:

Sehr alte Frau, Eis essend, zur Eisverkäuferin:

„Ihr Eis schmeckt köstlich“.
[keine Reaktion der Eisverkäuferin]

Sehr alte Frau, Eis essend, zur Eisverkäuferin:
„Ihr Eis schmeckt sehr gut!“
Eisverkäuferin:
„Da hab ich keine Aktien drin, ich verkauf das nur“.

Sehr alte Frau, Eis essend, zur Eisverkäuferin:
„Ihr Eis ist das beste in ganz Göhren!“
Eisverkäuferin:
„Gibt’s denn hier überhaupt noch andere Eisdielen?“

Alte Frau verzweifelt ab.

Würde sagen, das war die ganz harte, klassische Mitropa-Schule.

6 Kommentare

  1.   Dorf

    In Anbetracht des Lohnes/Gehalts, dass die Eisverkaeufering wahrscheinlich bekommt, und ich nehme an, dass sie auch ueber das Geld hinaus wenig Anerkennung von Ihrem Chef bekommt, kann ich ihr kaum uebel nehmen, dass sie sich nicht mit dem Laden identifiziert. Wie der Chef zu Angestellten, so die Angestellen zu den Kunden.

  2.   portif

    Früher war es aber auch wirklich so: Der Verkäufer ist König. Das kann sich ein in der Marktwirtschaft aufgewachsener Mensch kaum vorstellen. Bis in die 90er wurde unser damaliger Konsum noch von einem Marktleiter regiert, der die devote Kundschaft regelmässig zur Schnecke machte, wenn sie ohne Einkaufswagen in seinen Markt einritt oder Pfandflaschen abgeben wollten, die sie dort nicht erworben hatte. Nachdem sich mal irgendwer nachhaltig darüber beschwert hatte, wurde er auch irgendwann von seinem Posten abberufen. Und die Verkäuferin im Tante- Emma- Laden um die Ecke ermahnte mich als Jungen immer dazu, freundlich zu grüßen, auch wenn sie selbst ein alter Besen war, und nutzte meine Unsicherheit dann aus, um mich beim Rückgeld zu bescheissen. Aber ohne solche Erfahrungen wäre das Leben auch ein bisschen langweilig, nicht wahr?

  3.   MacNehl

    Auch wenn die Eisverkäuferin möglicherweise von ihrem Arbeitgeber kurz gehalten wird und sie sich zu den „working poor“ rechnet (was „working poor“ in anderen Ländern heißen kann, davon weiß man in der Janny’s-Filiale in Göhren vermutlich wenig – auch deshalb hält sich mein Mitleid für die ruppige Verkäuferin in Grenzen), könnte sie doch wenigstens angemessen freundlich auf einen freundlichen Zuspruch reagieren. Aber nein, da kommt die Hackfresse: “Da hab ich keine Aktien drin, ich verkauf das nur”. Ja, es ist noch ein langer Weg bei Janny’s in Göhren auf Rügen…

  4.   martz

    Schade, dass es immer wieder Probleme mit uns Fischköppen gibt!

    Ich komme aus Stralsund und muss sagen, dass ich die Reaktion nicht weiter unfreundlich finde. Gut sie hätte einfach „Danke“ sagen können und schon wär die EXTREMst alte Frau zufrieden weggegangen… aber so ist das nunmal im Norden.
    Ich hingegen fühle mich immer bedrängt, sobald ich in andere Gefilde vorstoße. In Berlin zb. fühle ich mich immer wie bei einem Stasiverhör, wenn ich eine Pizza bestelle. Sicherlich ist Kundenkontakt wichtig… aber bitte, liebe Nichtfischköpfe, haltet einfach nur den Sabbel, wenn ich was kaufen will.

  5.   Fritze Bolle

    Dann sollte der Stralsunder einmal ein Eis in Greetsiel kaufen 🙂

  6.   enzo

    klingt nach ferienjob einer berliner studentin……

 

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