{"id":163,"date":"2006-05-20T09:29:13","date_gmt":"2006-05-20T07:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=163"},"modified":"2006-05-20T09:29:13","modified_gmt":"2006-05-20T07:29:13","slug":"kammermusiksaal-du-kannst-mich-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=163","title":{"rendered":"Kammermusiksaal &#8211; du kannst mich mal"},"content":{"rendered":"<p>Gestern also mit der Liebsten im Kammermusiksaal der Philharmonie gewesen, den gro\u00dfen russischen Pianisten Alexander Malter bei einem Klavierkonzert h\u00f6ren. Das Programm klang nicht besonders originell, aber verlockend: Nebst anderen St\u00fccken w\u00fcrde es J.S. Bachs Pr\u00e4ludium und Fuge b-Moll BWV 867, zwei Schubert Impromptus, sowie das unmenschlich schwere Pr\u00e4ludium d-Moll op. 28 Nr. 24 von Chopin zu h\u00f6ren geben.<\/p>\n<p>Nun wird ja gebetsm\u00fchlenartig die grandiose Akustik der Konzerts\u00e4le in der Philharmonie beschworen. Da muss ich mich jetzt mal hinstellen und sagen: Das stimmt einfach nicht. Der Kammermusiksaal verhindert meiner Meinung nach den Kunstgenuss, und das aus mehreren Gr\u00fcnden: Zum einen helfen selbst die zahlreichen Deckendiffusoren nicht dar\u00fcber hinweg, dass der Kammermusiksaal, wenn er nicht bis auf den allerletzten Platz ausgebucht ist, spitz und sehr obertonreich klingt und au\u00dferdem einen f\u00fcr Kammermusik deutlich zu langen Nachhall hat. Wenn ein Kammermusikensemble mit Streichern dabei ist, mag es gehen &#8211; ein Klavier-Solo-Konzert dort zu h\u00f6ren ist sicherlich nicht der Hit.<\/p>\n<p>Ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem ist aber die generelle Versuchsanordnung. Man schaue sich <a href=\"http:\/\/www.rundfunkchor-berlin.de\/content\/e56\/e73\/e804\/e560\/e574\/PhilKSaal_low_ger.gif\">hier<\/a> mal die B\u00fchne an, dann erkennt man das Problem schnell: Die hexagonale B\u00fchne liegt gewisserma\u00dfen als Talkessel da und ist mit aufsteigenden Sitzr\u00e4ngen umbaut. Wir haben also keine klassische, erh\u00f6hte B\u00fchne mit l\u00e4ngs gestrecktem Zuschauerraum, sondern einen Raum, in dem jeder einen guten Blick auf die B\u00fchne hat. F\u00fcr den Zuschauer ist das zun\u00e4chst mal angenehm; selbst auf den billigsten Pl\u00e4tzen hat man eine gute Sicht. Nun aber das Problem: Der Saal ist derma\u00dfen hellh\u00f6rig, dass man an buchst\u00e4blich jedem Sitzplatz jedes noch so leise Husten, R\u00e4uspern, Bonbonpapierauswickeln, Schnaufen, \u00c4chzen, und Schnarchen seiner lieben Mitmenschen h\u00f6rt. Teuflischerweise spitzt sich dieses Ph\u00e4nomen zu, je n\u00e4her man an die B\u00fchne heranr\u00fcckt. Mit der Folge, dass der arme Pianist vermutlich am meisten von diesem akustischen Unrat mitbekommt. Der H\u00f6rsaalartige Aufbau des Ganzen sorgt daf\u00fcr, dass B\u00fchne und Zuschauerr\u00e4nge akustisch v\u00f6llig gleichberechtigt sind. Man h\u00f6rt alles \u00fcberall. Bei dem dauererk\u00e4lteten Berliner Publikum ist das ein echtes Problem.<\/p>\n<p>Gestern war es wirklich so, dass das allgemeine Gehuste, Ger\u00e4uspere und Programmheftumgebl\u00e4ttere die Performance empfindlich st\u00f6rte. Der Pianist war und blieb die Ruhe selbst und spielte ein Konzert erster G\u00fcte. Alexander Malter ist ein begnadeter Pianist, mit einem warmen, tupfigen Anschlag, es gelangen w\u00e4hrend der Schubert-Impromptus magische Momente, in denen v\u00f6llige Versunkenheit und organisches Miterleben der Musik m\u00f6glich war &#8211; bis der bellender Husten eines mir auf der anderen Saalseite gegen\u00fcbersitzenden Mannes alles kaputt machte. Nachgerade trotzig ignorierte Malter das Problem und blickte mehrmals gen Himmel, als k\u00e4me von dort Hilfe, es kam aber keine.<\/p>\n<p>Was mich auch interessieren w\u00fcrde &#8211; ich wei\u00df ja nicht, ob Musiker hier mitlesen &#8211; st\u00f6rt es als Vortragender nicht ungemein, wenn man einem von allen Seiten auf die Finger kuckt? Bei Rock\/Pop\/Jazz stelle ich mir so eine Atmosph\u00e4re sch\u00f6n vor, aber in der klassischen Musik k\u00f6nnte ich mir vorstellen, dass der klassische &#8222;Frontalunterricht&#8220; f\u00fcr Musiker &#8211; und letztlich auch Zuh\u00f6rer &#8211; Vorteile hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern also mit der Liebsten im Kammermusiksaal der Philharmonie gewesen, den gro\u00dfen russischen Pianisten Alexander Malter bei einem Klavierkonzert h\u00f6ren. Das Programm klang nicht besonders originell, aber verlockend: Nebst anderen St\u00fccken w\u00fcrde es J.S. 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