{"id":210,"date":"2006-10-30T11:44:07","date_gmt":"2006-10-30T09:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=210"},"modified":"2006-10-30T11:44:07","modified_gmt":"2006-10-30T09:44:07","slug":"tursteher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=210","title":{"rendered":"Rein oder nicht rein"},"content":{"rendered":"<p>Berlin ist gl\u00fccklicherweise nicht f\u00fcr eine besonders strenge T\u00fcrpolitik bekannt. Die Handvoll VIP-T\u00fcrsteher, die die Wichtigkeit und Coolness des Clubs, vor dem sie stehen, gleich mal auf sich selbst \u00fcbertr\u00e4gt, l\u00e4sst sich in der Hauptstadt problemlos umgehen. In anderen St\u00e4dten soll das ja viel schlimmer zugehen. Ich jedenfalls habe keine Lust, mir von diesen Diktatoren des Nachtlebens vorschreiben zu lassen, wann f\u00fcr mich der Abend beginnt oder ob \u00fcberhaupt.<br \/>\nAm vergangenen Wochenende gerieten mein S\u00fc\u00dfer und ich ganz unverhofft doch in eine T\u00fcrsteher-Situation und lernten eine ganz neue Abart kennen: Den Erzieher. Was hat der vor einem Club zu suchen, werden Sie sich jetzt zurecht fragen. Fragten wir uns auch.<br \/>\nWir wollten das \u201eSolar\u201c ausprobieren, eine Bar-Restaurant-Kombi in den obersten beiden Stockwerken eines Hochhauses am Anhalter Bahnhof. Panoramascheiben und \u201eeine spektakul\u00e4re Aussicht\u201c schw\u00e4rmt ein von mir gesch\u00e4tztes Berliner Stadtmagazin. W\u00e4hrend wir uns dem Hochhaus durch einen dunklen Innenhof n\u00e4herten, staunten wir \u00fcber den gl\u00e4sernen Fahrstuhl, der rot angeleuchtet au\u00dfen die Fassade hinaufsaust \u2013 und erschraken \u00fcber die vielen Menschen, die drinnen vor dem Fahrstuhl Schlange standen. Wollen wir da wirklich rein?, beratschlagten wir, w\u00e4hrend wir durch die offene T\u00fcr treten wollten, aus der uns gerade ein Schwung Leute entgegengekommen war. Pl\u00f6tzlich blaffte uns jemand im Milit\u00e4rton von der Seite an: \u201eGuten Abend hei\u00dft das erstmal!\u201c Wir erstarrten, schauten und orteten den T\u00fcrsteher, den wir vorher gar nicht wahrgenommen hatten, als denjenigen, der uns da aufs Unh\u00f6flichste, nun ja, begr\u00fc\u00dft hatte. Der Mann war offenbar der Meinung, den G\u00e4sten Lektionen erteilen zu m\u00fcssen. \u201eMan gr\u00fc\u00dft, wenn einem die T\u00fcr aufgehalten wird\u201c, belehrte uns der wichtige Wicht noch. Dann schloss er die T\u00fcr vor unserer Nase.<br \/>\nDie tolle Aussicht, wenn auch eine etwas andere, genossen wir dann statt dessen aus den Fenstern einer wunderbaren Bar direkt am Kotti, die m\u00f6glicherweise angesagt ist, aber trotzdem ganz ohne T\u00fcrsteher auskommt. Sonst m\u00fcsste ich da wohl ebenfalls einen gro\u00dfen Bogen drum machen.<\/p>\n<p><em>Die tolle Bar am Kotti, deren Namen ich gerade vergessen habe (oder tr\u00e4gt sie gar keinen?) befindet sich im Ostausl\u00e4ufer des h\u00e4sslichen Betongebirges, das sich von der Adalbertstra\u00dfe bis in die Skalitzer Stra\u00dfe hinein erstreckt. Man darf sich vom wenig einladenden Treppenhaus nicht abschrecken lassen, sondern sollte mutig ins erste Stockwerk steigen und sich dort von seinen Ohren leiten lassen. Die Bar ist klein und kuschelig und blickt direkt aufs quirlige Kotti.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin ist gl\u00fccklicherweise nicht f\u00fcr eine besonders strenge T\u00fcrpolitik bekannt. Die Handvoll VIP-T\u00fcrsteher, die die Wichtigkeit und Coolness des Clubs, vor dem sie stehen, gleich mal auf sich selbst \u00fcbertr\u00e4gt, l\u00e4sst sich in der Hauptstadt problemlos umgehen. In anderen St\u00e4dten soll das ja viel schlimmer zugehen. 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