{"id":37,"date":"2005-11-19T12:21:19","date_gmt":"2005-11-19T10:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=37"},"modified":"2005-11-19T12:21:19","modified_gmt":"2005-11-19T10:21:19","slug":"37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=37","title":{"rendered":"Neue Bewirtschaftung &#8211; Wirtschaft auf Abwegen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt in Berlin Stra\u00dfen, Kreuzungen, H\u00e4user, an denen die Seuche klebt. Was man dort auch unternimmt, es geht schief. Wohnt man in der N\u00e4he so eines unguten Orts, dann m\u00f6chte man schon gelegentlich verzweifeln. Nehmen wir im ereignislosen Berlin-Friedenau doch einfach mal die Saarstra\u00dfe Ecke Dickhardtstra\u00dfe. An dieser Ecke versucht ein strubbeliges Fr\u00fchrentnerpaar nach dem anderen aufs Hartn\u00e4ckigste, eine Gastwirtschaft zu etablieren. Und es l\u00e4uft immer ganz genau gleich ab.<\/p>\n<p>Erst werden von innen die Fensterscheiben mit Zeitungen ausgeklebt. Drinnen wird eifrig renoviert. Menschen im Gr\u00fcndertaumel sitzen da und wei\u00dfen W\u00e4nde, schrauben an Zapfanlagen, ein Mann von der Firma Merkur kommt vorbei und h\u00e4ngt Spielautomaten auf. Brauereigest\u00fchl wird in die Schankstube geladen. Drau\u00dfen ein A4-Zettel: \u201eHier er\u00f6ffnet am 1. Januar Harry\u2019s Pilsstube\u201c. Dieser Zettel h\u00e4ngt bis Mitte Januar da, dann wird er abgerissen. Zu guter Letzt wird ein blaugelbes beleuchtetes Emblem \u201eHarry\u2019s Pilsstube\u201c drau\u00dfen aufgeh\u00e4ngt. Es wurde von der Brauerei \u201eEngelhard Charlottenburger Pilsener\u201c gesponsort.<\/p>\n<p>Dann geht es los. Jeden Samstag und jeden Sonntag watschele ich an jener Stra\u00dfenecke vorbei. Hinter dem Tresen steht mit unsicherem Gesicht ein Fr\u00fchrentnerehepaar. Am Tresen sitzen zwei bis drei Freunde des Ehepaars. \u201eKommt doch die ersten Tage mal \u00f6fter vorbei, damit es nicht so leer aussieht\u201c, wird das Ehepaar zu seinen Freunden gesagt haben. Eine Woche sp\u00e4ter sitzen die Freunde nicht mehr da. Das Ehepaar wird angespannt. Das Bier wird unten in den F\u00e4ssern schal. Ein Teufelskreis. Die Brauerei f\u00e4ngt an zu mucken. Das Biersoll muss abgenommen werden.<\/p>\n<p>Erste Verzweiflungstaten werden begangen. Rechtschreibfehlerplakate werden mit Farbtintenstrahldruckern gedruckt und ins Fenster geh\u00e4ngt: \u201eSonntags Fr\u00fchst\u00fccksbuffett von 6-11 Uhr. Fr\u00fchst\u00fcck und Kaffee satt f\u00fcr 6 \u20ac\u201c. Es n\u00fctzt nichts. Denn Sonntags schiebe ich an Harrys Pilsstube vorbei und niemand sitzt drin. Unter einer kleinen Vitrine biegen sich Salami- und K\u00e4sescheiben verzweifelt nach oben, als w\u00fcrden sie die Schultern zucken und sagen \u201eIch kann doch auch nichts daf\u00fcr\u201c.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Verzweiflungstat: Anschaffung eines sehr teuren Dartspielautomaten. Bekleben der Eingangst\u00fcr mit einem mitgelieferten bunten Plakat: \u201eNeu! L\u00d6WEN-TURNIER-DART\u201c. Niemand will Dart spielen. Nicht mal in Friedenau. Die Gesichter des P\u00e4rchens werden verbittert.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Verzweiflungstat: Sonderaktionen. Eisbeinessen, G\u00e4nsekeulenessen, Martinsgansessen. Niemand kommt. Wenn einer kommt, dann nur zum Zigaretten ziehen oder Geld wechseln. Oder fragen, ob man ein Plakat aufh\u00e4ngen d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Verzweiflungstat: Anschaffung eines Gro\u00dfbildfernsehers und Premiere-Decoders. Aufstellen einer Tafel vor der Gastst\u00e4tte: \u201eAlle Bundesligaspiele, bei gem\u00fctlichem Bier\u201c. Niemand will alleine in einer leeren Kneipe Bundesliga kucken. Es n\u00fctzt nichts. Es ist traurig. Sie machen alles falsch.<\/p>\n<p>Sie halten drei Monate durch. Drei harte Monate. Dann ein letztes Aufb\u00e4umen, n\u00e4mlich L\u00fcgen: Schr\u00e4g werden Aufkleber auf die Scheiben gepappt. \u201eNEUE BEWIRTSCHAFTUNG!\u201c<\/p>\n<p>Hilft auch nichts.<br \/>\nNach Harry\u2019s Pilsstube kommt die \u201eFlorya-Bar\u201c kommt das \u201eFr\u00fchst\u00fcckscaf\u00e9 Geheimtip\u201c kommt das \u201eWarsteiner Treff\u201c. Sie werden es nie verstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt in Berlin Stra\u00dfen, Kreuzungen, H\u00e4user, an denen die Seuche klebt. Was man dort auch unternimmt, es geht schief. Wohnt man in der N\u00e4he so eines unguten Orts, dann m\u00f6chte man schon gelegentlich verzweifeln. Nehmen wir im ereignislosen Berlin-Friedenau doch einfach mal die Saarstra\u00dfe Ecke Dickhardtstra\u00dfe. 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