{"id":59,"date":"2005-12-06T10:23:32","date_gmt":"2005-12-06T08:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=59"},"modified":"2005-12-06T10:23:32","modified_gmt":"2005-12-06T08:23:32","slug":"warum-ich-in-tokyo-keinen-wurst-maxe-aufmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/berlinjournal\/?p=59","title":{"rendered":"Warum ich in Bangkok keinen Wurst-Maxe aufmache"},"content":{"rendered":"<p>Es muss gebrochen werden, und zwar eine Lanze. Eine Lanze f\u00fcr mutige ausl\u00e4ndische Gastronomen. Ich finde es ehrlich bewundernswert, dass Menschen, die au\u00dfer der Frage &#8222;Mit Swibel?&#8220; oder \u201eSchaff od\u00e4 Sesam Sose?\u201c oder &#8222;M\u00f6hte Si Bahmati Lei ohd\u00e4 nohm\u00e1a Lei?&#8220; keinen einzigen Satz Deutsch k\u00f6nnen, ausgerechnet einen ESSENLIEFERSERVICE aufmachen.<\/p>\n<p>Gerne stehe ich bei meinem Stammthail\u00e4nder in der Sch\u00f6neberger Rheinstra\u00dfe, dessen Saucen ausschlie\u00dflich aus Kokosmilch, Glutamat, Pepperoncini, Kerosin, gentechnisch ver\u00e4ndertem Zitronengras und Chilikonzentrat bestehen, und schaue ihm einfach bissl beim Kochen zu. Der Koch l\u00e4sst parallel vier Woks durch die Luft wirbeln, gie\u00dft hier Kerosin nach, streut dort Glutamat rein, im n\u00e4chsten Wok pupst siedendes \u00d6l und in der Friteuse d\u00e4mmert Krabbenbrot wellenschlagend der Knusprigkeit entgegen. Das dampft und duftet und macht Gem\u00fctlichkeit, sodass ich eigentlich immer gleich Cola bestellen m\u00f6chte, um das frische Krabbenbrot hineinzutunken, denn wie herrlich muss das knistern!! [Ein Fetisch, mit dem ich wohl weltweit alleine da stehe.]<\/p>\n<p> Gleichzeitig telefoniert der Koch und nimmt Bestellungen entgegen. Er versteht grunds\u00e4tzlich kein Wort, kritzelt vage Vermutungen auf seinen Notizblock und kocht ansonsten um sein Leben. Irgendwann geht die T\u00fcr auf, der Fahrer kommt rein, ein drahtiger, 80 cm gro\u00dfer Thail\u00e4nder mit zerfleddertem Stadtplan unterm Arm, er empf\u00e4ngt vom Koch eine Runde vokalreiches Kauderwelsch und eine dampfende Styroporschachtel mit eingesargten Speisen. W\u00e4hrenddessen pappt drau\u00dfen eine blau bem\u00fctzte Politesse Kn\u00f6llchen an den Liefer-PKW. Tapfer schleppt der Lieferfahrer das Essen aus dem Laden und f\u00e4delt sich mit seinem kleinen Fiat Ford-CorsaPolo in den Berliner Feierabendverkehr ein.<\/p>\n<p>Eine kleine liebe Frau steht da auch noch, die macht den ganzen Tag nur benutzte Woks sauber und kocht Reis bzw. &#8222;Lei&#8220;. Wie schaffen die das? Gewerbeanmeldung, Gesundheitspass, Umsatzsteuererkl\u00e4rung, u.v.m., daran scheitert doch schon ein Ortsans\u00e4ssiger!!<\/p>\n<p>Also, andersrum, ich w\u00fcrde nicht unbedingt in Bangkok einen Wurst-Maxe aufmachen. Aber ich bin ja auch Weichei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss gebrochen werden, und zwar eine Lanze. Eine Lanze f\u00fcr mutige ausl\u00e4ndische Gastronomen. 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