{"id":1028,"date":"2010-05-31T17:18:21","date_gmt":"2010-05-31T15:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/?p=1028"},"modified":"2010-05-31T17:41:34","modified_gmt":"2010-05-31T15:41:34","slug":"ernstfall-kohler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2010\/05\/31\/ernstfall-kohler_1028","title":{"rendered":"Ernstfall K\u00f6hler"},"content":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, in die heutige, also veraltete Ausgabe des <em>Spiegel<\/em> zu schauen. &#8222;Horst L\u00fcbke&#8220; ist auf Seite 24 ein Artikel \u00fcber den ehemaligen Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler \u00fcberschrieben.<\/p>\n<p>Darin unterstellen ihm die beiden <em>Spiegel<\/em>-Autoren dreierlei:<\/p>\n<p>K\u00f6hler k\u00f6nne &#8222;nicht unfallfrei reden.&#8220;<\/p>\n<p>Er sei \u00e4hnlich\u00a0blamabel wie Heinrich L\u00fcbke (&#8222;Meine Damen und Herren, liebe Neger&#8220;).<\/p>\n<p>Er rechtfertige &#8222;Wirtschaftskriege&#8220;.<\/p>\n<p>Da fragt man sich schon, ob es Kollegen gibt, die wom\u00f6glich nicht unfallfrei denken k\u00f6nnen. Was Horst K\u00f6hler in dem inkriminierten Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt hat,\u00a0ist nichts anderes als eine Lagebeschreibung. Die Bundeswehr wird selbstverst\u00e4ndlich eingesetzt, um Handelswege zu sichern. Im Falle der Atalanta-Einsatzes am Horn von Afrika ist dies ausdr\u00fcckliches Missionsziel.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/113\/1611337.pdf\">Bundestags-Mandat\u00a0<\/a>hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u00a0&#8222;Zum\u00a0 anderen\u00a0 soll\u00a0 die\u00a0 Operation\u00a0 den \u00a0zivilen\u00a0 Schiffsverkehr\u00a0 auf\u00a0 den\u00a0 dortigen\u00a0 Handelswegen\u00a0 sichern,\u00a0 Geiselnahmen und\u00a0 L\u00f6segelderpressungen unterbinden und das V\u00f6lkerrecht durchsetzen.&#8220;<\/p>\n<p>Im Fall des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan geht es ebenfalls unmittelbar um Stabilit\u00e4t durch die F\u00f6rderung von Kommerz. &#8222;Wandel durch Handel&#8220; ist eine immer wieder geh\u00f6rte Formel im Gespr\u00e4ch mit Isaf-Kommandeuren am Hindukusch.<\/p>\n<p>Das aktuelle &#8222;Wei\u00dfbuch&#8220; des Bundesverteidigungsministeriums, also so etwas wie die deutsche nationale Sicherheitsstrategie, definiert in <a href=\"http:\/\/www.bmvg.de\/portal\/a\/bmvg\/kcxml\/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4k3NjGwBMmB2CZu5vqRcMGglFR9X4_83FR9b_0A_YLciHJHR0VFALIHiCE!\/delta\/base64xml\/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfRF8zNDA5?yw_contentURL=%2FC1256F1200608B1B%2FW26UHDLZ275INFODE%2Fcontent.jsp\">Kapitel 2<\/a> eine Aufgabe von Bundeswehrein\u00e4tzen darin, &#8222;den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu f\u00f6rdern und dabei die Kluft zwischen armen und reichen Weltregionen \u00fcberwinden zu helfen.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Strategie ist keineswegs skandal\u00f6s, sondern richtig.\u00a0<\/p>\n<p>Die Geschichte, insbesondere die europ\u00e4ische, lehrt, dass es kaum eine verl\u00e4sslichere Friedensgrundlage gibt als funktionierenden Kommerz. Wer Handel betreibt, den einen gemeinsame Interessen. Und nur wer etwas\u00a0besitzt, hat etwas zu verlieren. Es gibt keine handfestere Form von Diplomatie als Warenaustausch.<\/p>\n<p>Was uns Deutschen allerdings bewusst sein sollte, ist, dass wir mit unserem Engagement in Afghanistan vor allem chinesischen Wirtschaftsinteressen zuarbeiten. Robert Kaplan bringt es in der aktuellen Ausgabe von <em>Foreign Affairs<\/em> auf den Punkt: &#8222;Peking hofft, Stra\u00dfen und Energie-Pipelines durch Afghanistan und Pakistan bauen zu k\u00f6nnen, um sein knospendes Reich an die H\u00e4fen des Indischen Ozeans anschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Stabilisierung Afghanistans st\u00e4rkt zun\u00e4chst einmal die \u00f6stliche Hemisphere, nicht die westliche.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber zu reden, w\u00e4re eine lohnende Debatte gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, in die heutige, also veraltete Ausgabe des Spiegel zu schauen. &#8222;Horst L\u00fcbke&#8220; ist auf Seite 24 ein Artikel \u00fcber den ehemaligen Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler \u00fcberschrieben. 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