{"id":115,"date":"2008-09-19T14:44:51","date_gmt":"2008-09-19T13:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/09\/19\/dachschaden_115"},"modified":"2008-09-19T14:44:51","modified_gmt":"2008-09-19T13:44:51","slug":"dachschaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/09\/19\/dachschaden_115","title":{"rendered":"Dachschaden"},"content":{"rendered":"<p>Die einzige Angst der Gallier ist bekanntlich, dass ihnen der Himmel auf den Kopf f\u00e4llt. Genau das ist jetzt passiert. Im Plenarsaal des Stra\u00dfburger Europarlaments brach ein Teil der Deckenkonstruktion ein, die Tr\u00fcmmer prasselten herab auf die Sitze der Abgeordneten.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicher Weise geschah das Ganze w\u00e4hrend der Sommerpause, niemand kam zu Schaden.<\/p>\n<p>Niemand? Naja, fast niemand. Denn das Malheur lenkt die Aufmerksamkeit manches Untertanen mit einem Schlag auf den gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen Dachschaden, der hinter Stra\u00dfburg steckt &#8211; und f\u00fcr den heute allen voran Frankreichs Staatspr\u00e4sident Nicolas Sarkozy die Verantwortung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Das Stra\u00dfburger Plenargeb\u00e4ude n\u00e4mlich bildet einen vollkommen \u00fcberfl\u00fcssigen Zweitsitz f\u00fcr das Europ\u00e4ische Parlament. Alle drei Wochen brechen die 785 Abgeordneten aus Br\u00fcssel samt Mitarbeitern f\u00fcr eine Sitzungswoche ins Elsa\u00df auf. Angeblich wird auf diese Weise die deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>F\u00f6rdern tun sich die Abgeordneten freilich in erster Linie selbst &#8211; mit bis zu 12 000 Euro Sitzungspauschalen. Den Steuerzahler kostet diese Art der V\u00f6lkerverbindung pro Jahr insgesamt gesch\u00e4tzt 200 Millionen Euro. Immer mehr grenzpendelnde Europaparlamentarier kostet sie mittlerweile allerdings auch den letzten Nerv.<\/p>\n<p>Regelrecht erfreut zeigen sich deshalb viele von ihnen dieser Tage \u00fcber das geknickte Geb\u00e4lk in Stra\u00dfburg. Denn es beschert ihnen bis auf Weiteres einen Zwangsverbleib im Br\u00fcsseler Heim. &#8222;Gro\u00dfe Erleichterung&#8220;, registriert der deutsche SPD-Abgeordnete Jo Leinen (bisher nicht bekannt f\u00fcr Frankreich-feindliche T\u00f6ne) im Plenarrund. Jetzt, hofft er, jetzt wenn nicht jetzt, sei die Gelegenheit f\u00fcr Nicolas Sarkozy, \u00fcber die Zukunft von Stra\u00dfburg nachzudenken. Zusammen mit anderen Kollegen schreibt er entprechende Briefe nach Paris.<\/p>\n<p>Der deutsche liberale EP-Abgeordnete Wolf Klinz schl\u00e4gt Sarkozy in einem Schreiben vor, &#8222;in den R\u00e4umen des Europ\u00e4ischen Parlaments eine <em>Diplomatenschule der Europ\u00e4ischen Union<\/em> einzurichten, in der der diplomatische Nachwuchs aller Mitgliedstaaten etwa sechs Monate seiner gesamten Ausbildungszeit zubringt, um sich speziell mit Fragen der EU zu besch\u00e4ftigen. Die angehenden Diplomaten der EU-Mitgliedstaaten w\u00fcrden lernen, in Fragen der EU zunehmend mit einer Stimme zu sprechen. Die pers\u00f6nlichen Beziehungen, die sich w\u00e4hrend der gemeinsamen Ausbildungszeit in Stra\u00dfburg ganz nat\u00fcrlich entwickeln, w\u00e4ren eine ausgezeichnete Basis f\u00fcr die vertrauensvolle Zusammenarbeit der europ\u00e4ischen Diplomaten im Laufe ihrer Karriere.&#8220;<\/p>\n<p>Ach ja, sch\u00f6n w\u00e4r&#8217;s, in Paris lie\u00dfe man sich von solchen Ideen beeindrucken. Aber wie war das noch mit diesem gallischen Dorf? Irgendwie hat es immer geschafft, sich auch die st\u00e4rkste Legion vom Leib zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einzige Angst der Gallier ist bekanntlich, dass ihnen der Himmel auf den Kopf f\u00e4llt. Genau das ist jetzt passiert. Im Plenarsaal des Stra\u00dfburger Europarlaments brach ein Teil der Deckenkonstruktion ein, die Tr\u00fcmmer prasselten herab auf die Sitze der Abgeordneten. Gl\u00fccklicher Weise geschah das Ganze w\u00e4hrend der Sommerpause, niemand kam zu Schaden. Niemand? 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