{"id":38,"date":"2008-03-12T14:49:31","date_gmt":"2008-03-12T13:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/03\/12\/egal-wo-einseinszwo_38"},"modified":"2008-03-12T14:49:31","modified_gmt":"2008-03-12T13:49:31","slug":"egal-wo-einseinszwo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/03\/12\/egal-wo-einseinszwo_38","title":{"rendered":"Egal wo &#8211; einseinszwo"},"content":{"rendered":"<p>Die Notrufnummer 112 funktioniert mittlerweile europaweit. Das verk\u00fcndete k\u00fcrzlich nicht ohne Stolz die EU-Kommission. Diese beruhigende Nachricht kann ich jedenfalls f\u00fcr Belgien pers\u00f6nlich best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Neulich, gegen zwei Uhr nachts, auf dem Heimweg von einem dringenden dienstlichen Termin, \u00f6ffnete sich in einer schlecht beleuchteten Stra\u00dfe mitten im EU-Viertel pl\u00f6tzlich die T\u00fcr eines B\u00fcrogeb\u00e4udes. Ein Betrunkener taumelte heraus, stolperte \u00fcber die Bordsteinkante, fiel mir direkt vors Fahrrad, den Kopf voran auf den Asphalt, und r\u00fchrte sich nicht mehr.<br \/>\nNachdem ich 1. die Atmung \u00fcberpr\u00fcft und 2. die stabile Seitenlage hergestellt hatte, dachte ich nat\u00fcrlich 3. sofort an die neuen Regeln der EU-Kommission. Also 112, den nunmehr europaweiten Notruf, gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u201eBonsoir?&#8220;<br \/>\nSiehe da, er funktionierte.<\/p>\n<p>Allerdings h\u00e4lt Europa ja viel auf seine nationalen Eigenheiten. Warum also nicht auch im Bereich den vereinheitlichen Notrufwesens?<\/p>\n<p>Nachdem ich dem durchaus aufmerksamen jungen Mann in der Notrufzentrale Situation, Stra\u00dfenname und Hausnummer mitgeteilt hatte, fragte der mich in sehr selbstverst\u00e4ndlichem Ton nach der Postleitzahl.<br \/>\nIch sagte neinnein, es handele sich nicht um eine Warensendung.<br \/>\nEr sagte, jaja, gewiss, aber er brauche die trotzdem. Das mache es f\u00fcr die Krankenwagenbesatzung leichter, den Ort zu finden.<br \/>\nIch sagte, ich k\u00f6nne gerade leider nirgendwo eine Postleitzahl entdecken. Ob es der Krankenwagenfahrer nicht vielleicht in Erw\u00e4gung ziehen wolle, sich auch ohne diesselbe auf den Weg zu wagen?<\/p>\n<p>Durch die mittlerweile erhitzte Diskussion erwachte nun der Gest\u00fcrzte und erhob sich wacklig vom Asphalt. Ihm gehe es gut, sagte er, indem er sich das Blut von der Wange wischte, er brauche keinen Krankenwagen. Ich sagte, naja, vielleicht besser doch, aber er klopfte mir auf die Schulter und sagte, nein danke wirklich nicht, er gehe dann mal sein Auto suchen.<\/p>\n<p>Ich sagte, das sei nicht gut. Er sagte doch und ich sei ein nice guy und Pfoten weg jetzt! und taumelte seines Weges. Ich dachte kurzzeitig an den europ\u00e4ischen Haftbefehl, wobei der freilich mit der Situation rein gar nichts zu tun hatte.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten lang wartete ich noch auf den Krankenwagen. Dann rief ich die europaweite Notrufnummer noch einmal an und sagte, die Sache habe sich erledigt.<\/p>\n<p>Fazit: Wenn die EU-Kommission demn\u00e4chst eine europaweite Postleitzahlenansagenummer einrichtet, regen wir uns bitte mal nicht auf \u00fcber die vermeintliche Br\u00fcsseler Regelungswut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Notrufnummer 112 funktioniert mittlerweile europaweit. Das verk\u00fcndete k\u00fcrzlich nicht ohne Stolz die EU-Kommission. Diese beruhigende Nachricht kann ich jedenfalls f\u00fcr Belgien pers\u00f6nlich best\u00e4tigen. 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