{"id":57,"date":"2008-04-24T09:39:16","date_gmt":"2008-04-24T08:39:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/04\/24\/brussels-oil-unlimited_57"},"modified":"2008-04-24T09:39:16","modified_gmt":"2008-04-24T08:39:16","slug":"brussels-oil-unlimited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/2008\/04\/24\/brussels-oil-unlimited_57","title":{"rendered":"Brussels Oil Unlimited"},"content":{"rendered":"<p>Wie lautete noch eines der Hauptargumente der Europ\u00e4er gegen den Irakkrieg? Amerika gehe es in Wahrheit nur um die Bodensch\u00e4tze des Landes? Heute, f\u00fcnf Jahre nach der Invasion, geht es auch den Europ\u00e4ern um \u00d6l aus Gas aus Saddams Ex-Reich.<\/p>\n<p>\u201eDie Verhandlungen laufen sehr gut\u201c, sagte EU-Kommissionspr\u00e4sident Jos\u00e9 Manuel Barroso k\u00fcrzlich nach einem Gesch\u00e4ftsbesuch des irakischen Ministerpr\u00e4sidenten in Br\u00fcssel. Die Europ\u00e4ische Union hofft, mit dem Irak schon bald ein Abkommen \u00fcber Gaslieferungen abzuschlie\u00dfen, um ihre Nabucco-Pipeline zu bef\u00fcllen. Mit der R\u00f6hre wollen die Europ\u00e4er bis 2012 oder 2013 einen Bypass um Russland legen. Sie soll \u00fcber 3300 Kilometer vom Kaspischen Meer \u00fcber die T\u00fcrkei nach \u00d6sterreich verlaufen und w\u00e4re, wenn man so m\u00f6chte, die stahlgewordene Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung Europas vom Staatsmonopolkapitalimus (kurz: Gazprom) des Kreml.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Russen und Chinesen den Irak l\u00e4ngst als Zapfstelle betrachten, waren europ\u00e4ische Firmen bislang z\u00f6gerlich, die menschlichen und finanzielle Gefahren auf sich zu nehmen, welche \u00d6lerkundungen im B\u00fcrgerkriegsfeuer mit sich bringen.<\/p>\n<p>Doch nun sorgen die steigenden \u00d6l- und Gaspreise auch bei Europas Multis f\u00fcr eine gewagtere Risikoeinsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Firmen aus Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Norwegen dr\u00e4ngen ins Zweistromland, berichtet ein Insider in einer Br\u00fcsseler Zentrale. \u201eAlle Gro\u00dfen haben den Irak auf der Karte. Wenn Sie es Ihren Lesern deutlich machen wollen, sagen Sie ruhig: Es herrscht ein ziemlicher Konkurrenzdruck.\u201c<\/p>\n<p>Der deutsche Energiexperte Frank Umbach glaubt, die Europ\u00e4er h\u00e4tten erkannt, dass sie im Wettlauf um die irakischen Reserven nicht dieselben Fehler machen d\u00fcrfen, die ihnen anderswo bereits unterlaufen sind: &#8222;Sie m\u00fcssen jetzt ihre Pfl\u00f6cke einschlagen, sonst k\u00f6nnten sie zu sp\u00e4t kommen, wie in Zentralasien.&#8220;<\/p>\n<p>Turkmenistan etwa hat k\u00fcrzlich einen Vertrag mit Gazprom \u00fcber \u00d6llieferungen geschlossen &#8211; damit wird es f\u00fcr die Europ\u00e4er auf absehbare Zeit schwierig, als Zweitempf\u00e4nger einzutreten. Immerhin sagte die turkmenische Regierung vergangene Woche zu, j\u00e4hrlich 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas an die EU zu liefern &#8211; sollte die Nabucco-Trasse irgendwann stehen. Viel ist das nicht. Die EU rechnet aufgrund des Verbrauchsanstiegs damit, dass sie im Jahr 2020 620 Milliarden Kubmeter brauchen wird, 500 Milliarden davon aus dem Ausland. Nabucco h\u00e4tte eine j\u00e4hrliche Kapazit\u00e4t von 31 Milliarden Kubikmetern. Doch die EU-Kommission hofft, damit immerhin den Wettbewerb auf dem Gasmarkt befeuern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Irak sieht die EU freilich auch die Chance, mit einem Energieabkommen zugleich Entwicklungsarbeit zu leisten. Die haben Russen und Chinesen dort sicher weniger im Sinn. Der Irak, sagte Kommissionschef Barroso, k\u00f6nne auf die Solidarit\u00e4t der EU z\u00e4hlen, um ein \u201efriedliches, demokratisches Land\u201c aufzubauen. Der Premier aus Bagdad zeigte sich entz\u00fcckt. Schon im Mai will er seinen \u00d6lminister nach Br\u00fcssel schicken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lautete noch eines der Hauptargumente der Europ\u00e4er gegen den Irakkrieg? Amerika gehe es in Wahrheit nur um die Bodensch\u00e4tze des Landes? Heute, f\u00fcnf Jahre nach der Invasion, geht es auch den Europ\u00e4ern um \u00d6l aus Gas aus Saddams Ex-Reich. \u201eDie Verhandlungen laufen sehr gut\u201c, sagte EU-Kommissionspr\u00e4sident Jos\u00e9 Manuel Barroso k\u00fcrzlich nach einem Gesch\u00e4ftsbesuch des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":66,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[621],"tags":[],"class_list":["post-57","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standort-europa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/66"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/bittner-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}