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Romneys schiefe China-Argumentation

 

Die zweite Wahlkampfdebatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney gestern Abend in Hempstead stand im Zeichen der Außenpolitik. Und anders als noch vor zwei Wochen in Denver war die Volksrepublik China ein großes Thema. Aus gutem Grund: Die Vereinigten Staaten haben seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 bis 2011 mehr als 2,7 Millionen Jobs an die Chinesen verloren.

Obama nutzte die Chance, auf drei Handelsvereinbarungen aus seiner Amtszeit hinzuweisen, die dafür sorgen sollen, dass einige Tausend Jobs in den USA bleiben. Der Präsident versprach, er werde weitere solche Vereinbarungen auf den Weg bringen.

Romney holte hingegen die große Keule heraus. Er versprach, dass er an seinem ersten Tag als Präsident den Chinesen ganz offen vorhalten werde, die Währung zu manipulieren. Peking schummele seit Jahren. Romney klagte außerdem, Chinas Unternehmen klauten ihren amerikanischen Konkurrenten Produkte und geistiges Eigentum. Das dürfe sich die USA nicht länger gefallen lassen.

Noch deutlicher wurde der Herausforderer bei der Antwort auf eine Zuschauerfrage. Ein Zuschauer wollte wissen, wie denn ein amerikanisches Unternehmen wie Apple dazu gebracht werden könne, seine iPhones und iPads in den Vereinigten Staaten produzieren zu lassen. Romney antwortete, sein Land könne mit jedem anderen Land dieser Welt mithalten, sofern das andere Land sich an die gleichen Regeln halte. Er sprach von gefälschten Apple-Produkten in gefälschten Apple-Geschäften in China.

Was Romney behauptet, ist jedoch falsch. Der Yuan ist längst nicht mehr so unterbewertet, wie behauptet. Und an angeblich gefälschten Apple-Produkten hat auch kein Chinese Interesse. Verkauft wurden echte Apple-Produkte in Geschäften, die den Apple-Stores verdächtig ähnlich aussahen. Diese Läden sind aber längst geschlossen.

Obama hingegen hat Recht: Bestimmte Jobs werden nicht in die USA zurückkehren. Das gilt erst recht für die Arbeitsplätze der Fabrikarbeiter, die bei Foxconn für Apple die eleganten Smartphones und Flachrechner für Monatslöhne von 100 bis 200 Dollar zusammenlöten. Romney kann noch so sehr darauf bestehen, China habe fair zu spielen und seine Währung aufzuwerten: Diese Jobs werden nicht in die USA zurückkommen.

Obamas Antwortet lautet: nicht Billigjobs, sondern hochqualifizierte Jobs schaffen. Das geht nur, wenn in Bildung, Forschung und Entwicklung investiert wird. Das ist übrigens eine Strategie, die auch die chinesische Regierung anpeilt. Auch sie will weg von diesen Billigjobs, die Romney in seinen Äußerungen so anpreist.

19 Kommentare

  1.   DoppelPKaneah

    Korrekt. Apple wird in der Produktion ebenso chinesisch bleiben wie die deutschen Autozulieferer es nach und nach werden. West: nicht konkurrenzfaehig beim Thema Loehne. Ganz einfach. Romney doof.

    Wie war das noch Herr Jobs (RIP):

    ….Not long ago, Apple boasted that its products were made in America. Today, few are. Almost all of the 70 million iPhones, 30 million iPads and 59 million other products Apple sold last year were manufactured overseas.

    Why can’t that work come home? Mr. Obama asked.

    Mr. Jobs’s reply was unambiguous. “Those jobs aren’t coming back,” he said, according to another dinner guest…..

    http://www.nytimes.com/2012/01/22/business/apple-america-and-a-squeezed-middle-class.html?pagewanted=all&_r=0


  2. Also wenn ich mir ansehe was bei Foxconn so los ist wäre ich mal nicht so vorlaut mit Aussagen dazu welche Arbeitsplätze in Zukunft wo sein werden. Und bevor hier wieder so platt von hochqualifizierte Jobs gesprochen wird sollte man sich vielleicht auch mal die absurde Situation dazu in Deutschland ansehen bevor die Besserwisserei in Amerika/China wieder losgeht. Es lohnt sich.

  3.   Flari

    Re @ Fragend

    Die Frage ist doch, was Sie als Fake, Plagiat, Kopie, Fäschung, etc. ansehen.
    Vor 10 Jahren wurde der Welt-Markt mit iPod-ähnlichen Produkten geflutet, etwas später folgten Nokia-ähnliche Handys..
    Aber kann man etwas als Fake bezeichnen, dass lediglich optische Ähnlichkeiten zu einem bekannten, aber technisch ganz anderem Produkt aufweisst?

    Selbstverständlich wurde damit gerade im letzten Jahrzehnt vielfach Betrug begangen.
    Aber das ist tatsächlich um Welten zurückgegangen.
    Insbesondere, weil die Menschen inzwischen in diesem Bereich einfach zu aufgeklärt sind.
    Wer also heute einen Apple-Blender kauft, ist sich in 99,xx% aller Fälle im klaren daüber, was er erwirbt.
    Im Zweifelsfall reicht ein kurzer Blick auf das Betriebssystem.

    Wenn Ihre Studenten vielfach mit einem Blender rumgelaufen sind, wollten die eben blenden.


  4. Romney wäre als Präsident wäre für China kein Problem – er schwingt nur vergleichsweise aggressive Reden. Das taten übrigens schon viele Präsidentschaftsbewerber; Reagan kündigte sogar an, er werde wieder diplomatische Beziehungen zu Taiwan aufnehmen, und Clinton startete auch nicht mit Aussagen, die vermuten ließen, er werde später im Kongress für Chinas WTO- bzw. GATT-Beitritt werben.

    Dass bestimmte Jobs in den USA (oder in anderen OECD-Staaten) keine Zukunft haben, stimmt vermutlich. Daraus sollte man aber keine zu weitgehenden Schlüsse ziehen. Ralph Gomory argumentierte vor über zwei Jahren zu Recht: We need successful industries and we need to innovate within them to keep them thriving.

    Also zusätzlich zu dem, was bleblablubb unter #6 anmerkt: eine vernünftige Gesellschaft muss auch Jobs für Nicht-Ingenieure oder Cleverles anbieten. Das hilft zum einen der Gesellschaft selbst (wohin sonst mit den „Unterqualifizierten“), und zum anderen funktioniert angewandte Forschung nur da, wo es auch Anwender gibt.

    Kurz gesagt: eine Überbetonung der internationalen Arbeitsteilung nützt uns wenig. (Und mir scheint, Obama hat das, im Gegensatz zu Romney, verstanden.)

  5.   Fragend

    Das war nicht wirklich mein Punkt. Sicherlich wissen viele auch Bescheid. Einige wissen es aber nicht besser und die „falschen“ Handys, Pads etc. werden ja auch immer besser. Vielfach handelt es sich ja auch um Produkte von Firmen, die den Lizenzanforderungen nicht genügt haben.
    Nun mein Punkt war lediglich, dass es sicherlich Millionenverluste für Apple sind und dass falsche Appleläden eben nicht geschlossen wurden. Eine ganze Passage des Artikels beruht meiner Meinung nach auf bewusst zugedrückten Augen. Zahlen dazu kann man natürlich nicht finden. Mir ging es um die unglaubliche Behauptung, für Apple interessiere ich mich eigentlich nicht.

  6.   Matthias Breitinger

    Entscheidender als die Debatte um Fakes oder Nicht-Fakes erscheint mir: Ehrlicherweise müsste Romney seinen Wählern auch erzählen, dass die Apple-Produkte teurer werden, wenn man will, dass diese künftig in den USA produziert werden und nicht mehr bei Foxconn in China. Höhere Preise wollen die Kunden aber eben auch nicht zahlen.

    Deshalb ist Romneys Gerede unehrlich. Er verschweigt die andere Seite der Medaille.

  7.   Zhaxi Malei

    „Verkauft wurden echte Apple-Produkte in Geschäften, die den Apple-Stores verdächtig ähnlich aussahen. Diese Läden sind aber längst geschlossen.“
    Mit jedem geschlossenem Store werde neue eröffnet! Ich sehe es in meiner Stadt.


  8. „Ich bestreite in meinem Eintrag ja auch nicht, dass es diese gefälschten Applte-Produkte gar nicht gibt.“
    Ah ja -doppelte Verneinung – also bestreiten Sie doch, dass es gefälschte Apple-Produkte gibt.
    Und selbst wenn es welche gäbe, stoßen sie auf kein Käuferinteresse?
    Die bastelt dann wohl einer zum Spaß und für die Tonne?

  9.   Jens

    Letztendlich scheint Konsens zu sein, dass Produkte mit relativ niedrigem Lohnkostenanteil in der Wertschöpfungskette und relativ hohen Transportkosten am ehesten wieder nach Amerika und Europa zurückgehen werden. (siehe Debatte im Economist: http://www.economist.com/debate/debates/overview/239). Das müssen aber nicht zwangsweise hochqualitative Jobs sein, auch wenn Industieproduktion in den USA deutlich stärker technikgestützt sein wird als in Fernost.
    Generell ein sehr guter Trend aus Sicht der Umwelt, mehr lokale Produktion erspart uns viele Transportwege. Bei der Währungsdiskussion gebe ich Ihnen gerne Recht, das Thema scheint durch. Allerdings darf sich eine Regierung, die ihre Währung in der Vergangenheit derart offensiv als markantilistische Waffe nutzte, nicht über Populismus ihrer alten „Opfer“ wundern. Oder?

 

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