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Chinas Spielzeugindustrie, Episode VII

 

Chinas Spielwarenindustrie hat schwierige Jahre hinter sich. Zwar werden weiter rund 75 Prozent des weltweit verkauften Spielzeugs in der Volksrepublik hergestellt, doch Kinder sind heutzutage sehr viel weniger interessiert an Baukästen, Puppenstuben oder Barbies als noch vor zehn Jahren. Lieber vergnügen sie sich mit Konsolen und Spiele-Apps auf den Smartphones ihrer Eltern – und das dürfte sich in naher Zukunft nicht mehr ändern.

Im Moment aber geht es der chinesischen Spielwarenindustrie so blendend wie schon lange nicht mehr. Der Grund: Am 18. Dezember läuft in den Kinos weltweit der siebte Film der Star-Wars-Reihe an: „Das Erwachen der Macht“ (hier der in Asien veröffentlichte Trailer). Er soll der umsatzstärkste Film aller Zeiten werden. Und damit das klappt, rührt der Disney-Konzern, dem inzwischen die Markenrechte an der Weltraum-Saga gehören, kräftig die Werbetrommel. Auch in den Spielzeugläden sollen die Kassen klingeln, und zwar mit Star-Wars-Merchandise. Das meiste davon kommt aus China.

Nach Angaben des privaten Marktforschungsinstituts IHS darf die Spielwarenindustrie allein bis zum Jahresende mit einem Umsatz von drei Milliarden Dollar durch Star-Wars-Artikel rechnen. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits am 4. September, den vom Disney-Konzern ausgerufenen „Force Friday“. Auf der ganzen Welt präsentierte Disney Hunderte seiner neuesten Star-Wars-Artikel, darunter Laserschwerte, eine Miniausgabe des neuen Droiden „BB-8“, Sturmtruppenkostüme, ja sogar R2- und Yoda-Mäntel für Hunde.

Auch Lego sowie der US-amerikanische Spielzeughersteller Hasbro, die beide ebenfalls Spielzeug aus der Star-Wars-Reihe anbieten, präsentierten ihre neuesten Waren passend zum Film. Vor allem in den USA bildeten sich vor Spielzeuggeschäften und Kaufhäusern schon am frühen Morgen lange Schlangen. Und in China läuft die Produktion der Spielzeugfabriken auf Hochtouren. Zulieferer etwa von Hasbro müssen seit Monaten Sonderschichten einlegen. Das Unternehmen teilte mit, dass der Bestand bis Weihnachten trotzdem nicht reichen werde.

Der Star-Wars-Hype zeigt sich selbst bei der Auslastung der Containerschifffahrt. In den Jahren vor 2009 hatte China kräftig in seine Containerschifffahrt investiert und Supertanker mit Kapazitäten für über 20.000 Containereinheiten bauen lassen. Die Chinesen, aber auch andere große Reedereien, setzten auf einen anhaltend florierenden Welthandel.

Dann kam die Weltwirtschaftskrise und seither hat die Branche nicht zur alten Stärke zurückgefunden. Stagnierte zunächst vor allem der Handel zwischen China und den USA, sind in den vergangenen Jahren die Frachten zwischen China und Europa deutlich zurückgegangen. Seit vergangenem Jahr wächst auch die chinesische Wirtschaft nicht mehr ganz so schnell und Chinas Exporte gehen zurück. Auf den Weltmeeren tummeln sich nun zu viele Schiffe für zu wenig Ladung. Zumindest vorübergehend bringt der Star-Wars-Filmstart ihnen nun frische Fracht.

Allein in den USA werden die Spielzeugimporte 2015 um rund elf Prozent höher ausfallen als im Vorjahr und auch in Europa blüht pünktlich zur Vorweihnachtszeit das Geschäft. Was die Reedereien besonders freut: Laserschwerter, einige der aufwändigen Star-Wars-Kostüme nehmen in den Containern mehr Platz ein als Merchandise-Produkte etwa des ebenfalls von Disney produzierten Films Frozen. Dieser hatte im zurückliegenden Jahr für den meisten Umsatz in den Spielzeugläden gesorgt.

Auch im kommenden Jahr rechnen die chinesischen Spielzeugproduzenten mit einer guten Auslastung ihrer Fabriken. Star Wars Episode 8 ist ja bereits fürs erste Halbjahr 2017 vorgesehen.

 

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