{"id":1080,"date":"2013-04-26T15:48:25","date_gmt":"2013-04-26T13:48:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/china\/?p=1080"},"modified":"2013-05-07T12:45:15","modified_gmt":"2013-05-07T10:45:15","slug":"chinas-luxusbranche-vor-harten-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2013\/04\/26\/chinas-luxusbranche-vor-harten-zeiten\/","title":{"rendered":"Chinas Luxusbranche vor harten Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>Die Antikorruptionskampagne der chinesischen F\u00fchrung scheint noch nicht bei allen Funktion\u00e4ren angekommen zu sein. Nur so ist zu erkl\u00e4ren, <a href=\"http:\/\/www.shanghaidaily.com\/nsp\/National\/2013\/04\/22\/Official+sacked+over+lavish+banquet\/?utm_source=Sinocism+Newsletter&amp;utm_campaign=95d2f68383-Sinocism04_23_13&amp;utm_medium=email\">dass der Parteisekret\u00e4r eines Industriegebiets in der ostchinesischen Stadt Taizhou vergangenes Wochenende wagte<\/a>, in einem Luxusrestaurant ein \u00fcppiges Bankett abzuhalten, wie sie bis vor Kurzem noch im ganzen Land \u00fcblich waren. Zu essen gab es Haifischflossensuppe, Hummer und Abalone. Dazu wurden Edelzigaretten und \u00fcberteuerter Maotai-Schnaps gereicht.<\/p>\n<p>Doch der Parteisekret\u00e4r wurde verpfiffen. Whistleblower fotografierten das Gelage mit ihren Smartphones und stellten die Fotos sofort ins Internet. Binnen kurzer Zeit versammelte sich vor dem Lokal eine w\u00fctende Menschenmenge. Der Parteisekret\u00e4r musste knieend um Erbarmen bitten, bevor man ihn gehen lie\u00df. Inzwischen ist er entlassen.<!--more--><\/p>\n<p>Korrupte Beamte und Parteisekret\u00e4re zu \u00fcberf\u00fchren, ist f\u00fcr Internetaktivisten zum wahren Volkssport geworden, seit Chinas neues Staatsoberhaupt Xi Jinping h\u00f6chstpers\u00f6nlich der ausufernden Korruption den Kampf angesagt hat. Ein verrutschter Hemds\u00e4rmel, der die Rolex am Arm des Polizeikommissars zum Vorschein bringt, reicht: Schon ist er abgelichtet, und das Foto steht im Netz.<\/p>\n<p>Das hat nun Folgen f\u00fcr die Luxusindustrie.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aus dem Umfeld des Swatch-Konzerns ist zu h\u00f6ren, dass der Umsatz der Luxusmarke Omega in China im ersten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund acht Prozent gesunken sei. Auch bei Rado gebe es Verkaufseinbr\u00fcche. Das Unternehmen will die Zahlen offiziell nicht best\u00e4tigen. Verkaufszahlen nach L\u00e4ndern und Marken w\u00fcrden nicht\u00a0&#8222;kommuniziert&#8220;, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Dem Swatch-Konzern geh\u00f6ren 19 Uhrenmarken, darunter die Premiummarken Breguet, Rado und Omega, aber auch Marken im mittleren Segment wie Tissot und Longines. Noch im vergangenen Jahr war der Gewinn des gr\u00f6\u00dften Uhrenherstellers der Welt um 26 Prozent auf den Rekordwert von 1,3 Milliarden Euro gewachsen. Knapp ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftete das Schweizer Unternehmen in China.<\/p>\n<p>Doch nun berichten Uhrenh\u00e4ndler im ganzen Land von Verkaufseinbr\u00fcchen im oberen Preissegment. Stets wird als Grund\u00a0die Antikorruptionskampagne des neuen chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping genannt. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte er Beamte und Parteisekret\u00e4re zu mehr Bescheidenheit verdonnert. &#8222;Extravaganz, Luxus und Pomp haben in China nichts mehr verloren.&#8220;<\/p>\n<p>Die gesamte Luxusindustrie ist von dieser Kampagne betroffen. Regierungsangeh\u00f6rige sind bereits seit vergangenem Sommer angehalten, keine Luxusprodukte mehr zu kaufen. Untersagt sind ihnen zudem ausladende Bankette und die Unterkunft in teuren Hotels. Der Maotai-Konsum ist drastisch zur\u00fcckgegangen. Auch mit Luxuskarossen soll es f\u00fcr Staatsbedienstete schon bald vorbei sein.<\/p>\n<p>Doch kaum eine Branche trifft es so hart wie die der Uhren. Sie waren in den vergangenen Jahren in China beliebte Bestechungsgeschenke. Kunden kauften sie in den Gesch\u00e4ften oft nicht einzeln, sondern gleich in hoher St\u00fcckzahl. Zugleich wusste jeder, dass sich ein Beamter mit seinem \u00fcblichen Gehalt Uhren im Wert von 50.000 Euro und aufw\u00e4rts nicht leisten kann. Dennoch liefen viele Staatsbedienstete mit einem solchen Prunkst\u00fcck am Arm herum.<\/p>\n<p>Dieser Praxis will Chinas neues Staatsoberhaupt nun ein Ende setzen. Und Xi meine es Ernst, zeigt sich Rupert Hoogewerf \u00fcberzeugt. Er ist Verfasser des allj\u00e4hrlichen Hurun Report, einer Auflistung der reichsten Chinesen. Er geht davon aus, dass der Markt f\u00fcr Bestechungsgeschenke am Ende ist und empfiehlt der Branche, auf eine v\u00f6llig neue Produktpalette zu setzen.<\/p>\n<p>Wie aus dem Umkreis des Swatch-Konzerns zu h\u00f6ren ist, passiert genau das auch schon. So bietet der Schweizer Uhrenriese H\u00e4ndlern an, teure Rado-Uhren einzutauschen gegen neue Modelle, die sehr viel g\u00fcnstiger sind. Zudem will Swatch in China verst\u00e4rkt auf Tissot und Longines setzen, Marken aus seinem mittleren Preissegment. Dieser Markt boome in der Volksrepublik auch weiterhin, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Selbst die chinesischen Uhrenh\u00e4ndler reagieren auf die ver\u00e4nderten Marktbedingungen. So hat ein H\u00e4ndler in der Innenstadt von Suzhou bereits s\u00e4mtliche Rolex-Schilder aus dem Schaufenster entfernt. Das sei nicht mehr die Marke, f\u00fcr die er mit seinem Gesch\u00e4ft stehen wolle, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Antikorruptionskampagne der chinesischen F\u00fchrung scheint noch nicht bei allen Funktion\u00e4ren angekommen zu sein. Nur so ist zu erkl\u00e4ren, dass der Parteisekret\u00e4r eines Industriegebiets in der ostchinesischen Stadt Taizhou vergangenes Wochenende wagte, in einem Luxusrestaurant ein \u00fcppiges Bankett abzuhalten, wie sie bis vor Kurzem noch im ganzen Land \u00fcblich waren. 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