{"id":1937,"date":"2014-02-25T05:48:23","date_gmt":"2014-02-25T04:48:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/china\/?p=1937"},"modified":"2014-02-25T11:50:51","modified_gmt":"2014-02-25T10:50:51","slug":"leben-im-pekinger-smog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/02\/25\/leben-im-pekinger-smog\/","title":{"rendered":"Selbst Hunde tragen Atemmasken"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_1939\" aria-describedby=\"caption-attachment-1939\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/02\/25\/leben-im-pekinger-smog\/beijingsmog\/\" rel=\"attachment wp-att-1939\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1939\" alt=\"Hochh\u00e4user sind in Peking derzeit nur in Facetten zu erkennen. FOTO: FELIX LEE\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/BeijingSmog.jpg\" width=\"410\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/BeijingSmog.jpg 410w, https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/BeijingSmog-300x244.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1939\" class=\"wp-caption-text\">Hochh\u00e4user sind in Peking derzeit als Schemen zu erkennen. FOTO: Felix Lee<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Peking verblasst im Smog. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, kann ich die Fassaden der gerade einmal 100 Meter entfernten Hochh\u00e4user kaum mehr erkennen. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wissen\/umwelt\/2014-02\/smog-china-feinstaub\">Seit einer Woche h\u00e4ngen dicke, ru\u00dfige Nebelschwaden in der Luft<\/a>. Die Luftmessungen der US-Botschaft hier vor Ort ergaben Werte von \u00fcber 500 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feinstaub\">Die Weltgesundheitsorganisation h\u00e4lt alles \u00fcber 30 Mikrogramm f\u00fcr gesundheitsgef\u00e4hrdend.<\/a><\/p>\n<p><!--more-->Fenster und Balkont\u00fcr habe ich seit f\u00fcnf Tagen nicht mehr ge\u00f6ffnet. Die nach Kohle und Schwefel riechende Luft dringt trotzdem durch die\u00a0 Fensterritzen in die Wohnung und l\u00e4sst zwischendurch das L\u00e4mpchen meines <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!109022\/\">Luftreinigers<\/a> rot aufleuchten. Rot signalisiert laut Gebrauchsanleitung eine &#8222;stark verschmutzte Umgebungsluft&#8220;. Inzwischen habe ich versucht, die Fensterrahmen mit Klebeband\u00a0 zu versiegeln.<\/p>\n<p>Eigentlich hatten wir einen recht milden Winter. Das hei\u00dft: Es wird weniger geheizt, weniger Kohle verfeuert, weniger Feinstaub liegt in der Luft, der sich mit den Abgasen der Autos und Fabriken zu Smog vermischt. Doch zurzeit herrscht \u00fcber Chinas gesamten Nordosten eine\u00a0 Inversionswetterlage. Die Meteorologen im chinesischen Staatsfernsehen erkl\u00e4ren: Auf dem Boden sei es relativ kalt, oben in gut 50 bis 100 Meter H\u00f6he sorge aber eine warme Schicht daf\u00fcr, dass die Luft nicht weichen kann. So werde der Feinstaub auf den Boden gedr\u00fcckt. 15 Prozent des gesamten chinesischen Staatsgebietes sollen derzeit von der Smogdecke betroffen sein. Hier leben 400 Millionen Menschen. Die Feinstaubwolke weht sogar bis in die s\u00fcdkoreanische Hauptstadt Seoul, rund tausend Kilometer von Peking entfernt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_1948\" aria-describedby=\"caption-attachment-1948\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/02\/25\/leben-im-pekinger-smog\/foto\/\" rel=\"attachment wp-att-1948\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1948\" alt=\"Blick vom Balkon des Autors. FOTO: Lee\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/Foto-1024x768.jpg\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/Foto-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/Foto-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/china\/files\/2014\/02\/Foto.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1948\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Balkon des Autors. FOTO: Felix Lee<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ich habe mir vor einiger Zeit Regeln auferlegt. Bei Feinstaubwerten unter 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gehe ich bedenkenlos au\u00dfer Haus. Ab 200 Mikrogramm trage ich drau\u00dfen eine Atemschutzmaske. Ab 300 Mikrogramm vermeide ich jeglichen Aufenthalt im Freien. Ab 400 Mikrogramm schalte ich die Luftreiniger in der Wohnung auf volle Pulle \u2013 auch wenn der L\u00e4rm kaum zu ertragen ist. Nach diesen Richtlinien d\u00fcrfte ich eigentlich seit f\u00fcnf Tagen keinen Fu\u00df mehr vor die T\u00fcr setzen, denn die Belastung liegt seit Tagen konstant bei mehr als 400 Mikrogramm. Das geht nat\u00fcrlich auch nicht. Also h\u00fclle ich mich mit Atemschutzmaske, Kapuze und Schal so sehr ein, dass nur noch die Augen zu sehen sind. Obwohl selbst das meine Atemwege nicht vor den Kleinstpartikeln sch\u00fctzt, denke ich: besser als gar nichts vor Nase und Mund.<\/p>\n<p>Auch meine Mitmenschen wagen sich nur noch verh\u00fcllt vor die T\u00fcr. Am dritten Tag des dichten Smogs rief die Pekinger Umweltbeh\u00f6rde Alarmstufe orange aus, die zweith\u00f6chste Gefahrenstufe. Seitdem ist die Zahl der Passanten auf den ansonsten sehr belebten Pekinger Stra\u00dfen zur\u00fcckgegangen. Spielende Kinder auf den Schulh\u00f6fen sind nicht mehr zu sehen. \u00c4ltere Menschen, die normalerweise morgens auf Pl\u00e4tzen und in H\u00f6fen Fr\u00fchgymnastik und Tai-Chi machen, gehen nicht mehr ins Freie. Auf dem Kurznachrichtendienst Weibo sind Bilder zu sehen, auf denen selbst Hunde Atemmasken tragen.<\/p>\n<p>Ein Fahrverbot gibt es allerdings nicht. Das gilt erst ab Alarmstufe Rot \u2013 die die Beh\u00f6rden noch nie ausgerufen haben. Im Gegenteil: Der Verkehr ist dichter denn je. Eine verr\u00fcckte Situation: Um weniger der schlechten Luft ausgesetzt zu sein, setzen sich die Pekinger in ihre Autos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peking verblasst im Smog. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, kann ich die Fassaden der gerade einmal 100 Meter entfernten Hochh\u00e4user kaum mehr erkennen. Seit einer Woche h\u00e4ngen dicke, ru\u00dfige Nebelschwaden in der Luft. Die Luftmessungen der US-Botschaft hier vor Ort ergaben Werte von \u00fcber 500 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter. 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