{"id":2019,"date":"2014-03-18T12:45:32","date_gmt":"2014-03-18T11:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/china\/?p=2019"},"modified":"2014-03-18T13:08:39","modified_gmt":"2014-03-18T12:08:39","slug":"alibaba-erobert-die-wall-street","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/03\/18\/alibaba-erobert-die-wall-street\/","title":{"rendered":"Alibaba erobert die Wall Street"},"content":{"rendered":"<p>Kundige Anleger warten auf diesen Moment seit Monaten: Chinas gr\u00f6\u00dftes Internet-Unternehmen <a href=\"http:\/\/german.alibaba.com\">Alibaba<\/a> hat angek\u00fcndigt, einen <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/alibaba-und-weibo-chinesische-web-giganten-streben-an-die-us-boerse\/9620554.html\">B\u00f6rsengang vorzubereiten<\/a>. Noch in diesem Jahr k\u00f6nnte das Unternehmen die ersten Aktien ausgeben.<\/p>\n<p>Analysten sch\u00e4tzen den Wert des Unternehmens auf 120 bis 180 Milliarden Dollar. Als Facebook im Mai 2012 sein Aktiendeb\u00fct feierte, nahm das Unternehmen mehr als 15 Milliarden Dollar ein. Alibaba k\u00f6nnte um ein Vielfaches dar\u00fcber liegen. Es w\u00e4re nicht nur der bislang gr\u00f6\u00dfte B\u00f6rsengang eines chinesischen Unternehmens, sondern das eines Internet-Unternehmens \u00fcberhaupt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Englischlehrer Jack Ma hatte das Unternehmen 1999 gegr\u00fcndet. In seiner Heimatstadt Hangzhou war ihm aufgefallen, dass chinesische Firmen zwar imstande waren, so ziemlich jeden Konsumartikel herzustellen. Nur die Au\u00dfenwelt nahm davon keine Notiz &#8211; Marketing gab es nicht. Mit Alibaba schuf er eine Plattform, die chinesische Zulieferer mit ausl\u00e4ndischen Kunden zusammenbringt. Das war der Beginn.<\/p>\n<p>Mit seinem Marktplatz Taobao machte Alibaba wenig sp\u00e4ter Ebay Konkurrenz, woraufhin sich der US-Konzern aus China zur\u00fcck zog. <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2013\/08\/30\/chinas-internethandel-bricht-alle-rekorde\/\">Mit rund 760 Millionen Produkten von sieben Millionen K\u00e4ufern allein auf Taobao ist Alibaba zu Chinas gr\u00f6\u00dftem Onlinekaufhaus aufgestiegen.<\/a> Nicht hinzugerechnet sind die weiteren 70.000 H\u00e4ndler und Millionen von Verbrauchern, die sich auf Tmall tummeln, einer zweiten Plattform, die sich auf bestimmte Marken spezialisiert hat. Allein im vergangenen Jahr hat Alibaba Handelswaren im Wert von umgerechnet 173 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist mehr als Amazon und Ebay zusammen.<\/p>\n<p>Anders als Amazon verkauft Alibaba keine eigenen Produkte auf seinen Marktpl\u00e4tzen, sondern vermittelt lediglich zwischen Verk\u00e4ufern und K\u00e4ufern. Und im Unterschied zu Ebay muss der Anbieter auf Taobao auch keine Geb\u00fchren zahlen. Mit Taobao verdient Alibaba allein durch Werbung und zus\u00e4tzliche Dienstleistungen, die die angebotene Ware aus der schieren Masse hervorhebt. Trotzdem ist Alibaba ist viel profitabler als die amerikanische Konkurrenz. W\u00e4hrend Amazon etwa im dritten Quartal 2013 einen Verlust von umgerechnet rund 29 Millionen Euro machte, stieg der Nettogewinn bei Alibaba im gleichen Zeitraum um satte 44,5 Prozent auf 569 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Was Alibaba bei seinem anstehenden B\u00f6rsengang zus\u00e4tzlich attraktiv macht: Auch mit seinem eigenen Bezahldienst Alipay expandiert der Konzern derzeit kr\u00e4ftig. \u00c4hnlich wie Paypal dient auch Alipay zun\u00e4chst einmal dazu, den K\u00e4ufern beim Online-Handel Schutz zu bieten, falls Verk\u00e4ufer nicht liefern. Doch innerhalb kurzer Zeit hat sich Alipay auch zu Chinas gr\u00f6\u00dftem Verm\u00f6gensverwalter entwickelt. Erst im vergangenem Jahr hat Alipay mit Yu&#8217;E einen Geldmarktfonds aufgelegt. Binnen acht Monaten hat er sich nach Angaben des <a href=\"http:\/\/europe.wsj.com\/home-page?_nocache=1327424392752&amp;user=welcome&amp;mg=id-wsj\">Wall Street Journals<\/a> zum gr\u00f6\u00dften der Welt gemausert.<\/p>\n<p>Chinas streng reguliertes Finanzsystem, in dem bislang nur Staatsbanken den Markt beherrschten, will die chinesische F\u00fchrung nun aufweichen. Erst vergangene Woche hat sie angek\u00fcndigt, in einem ersten Pilotprojekt f\u00fcnf Privatbanken zuzulassen, unter ihnen soll auch Alibaba eine Lizenz erhalten. Da der Konzern bereits \u00fcber Unmengen an Informationen \u00fcber kleine chinesischen Unternehmen und ihre Verbraucher verf\u00fcgt, halten Analysten Alibaba f\u00fcr am besten aufgestellt. Jack Mas einstige Internetklitsche k\u00f6nnte sich schon bald zu einem der m\u00e4chtigsten Finanzmarktakteure entwickeln.<\/p>\n<p>International aufgestellte Gro\u00dfbanken haben das Potenzial erkannt und wollen zumindest an dem B\u00f6rsengang schon einmal kr\u00e4ftig mitverdienen. Neben der Credit Suisse und Goldman Sachs ist auch die Deutsche Bank am B\u00f6rsengang beteiligt. <a href=\"http:\/\/www.dw.de\/alibaba-und-weibo-wollen-in-westlichen-internet-plattformen-r\u00e4ubern\/a-17500082\">Ihnen winken Geb\u00fchreneinnahmen in H\u00f6he von bis zu 260 Millionen Dollar.<\/a><\/p>\n<p>Doch ob es sich dann noch wirklich um ein chinesisches Unternehmen handelt? Mit der Ank\u00fcndigung der B\u00f6rsennotierung erfolgte am Wochenende zugleich der zweite Paukenschlag: Der Konzern k\u00fcndigte an, dass es Alibaba nicht an chinesische B\u00f6rsen zieht, auch nicht nach Hongkong, sondern an die Wall Street. Offiziell \u00e4u\u00dferte sich die Alibaba-Sprecherin nicht \u00fcber die Gr\u00fcnde. Doch hinter vorgehaltener Hand hei\u00dft es unverbl\u00fcmt: Anders als in der kommunistisch regierten Volksrepublik sei man in den USA weniger der Beh\u00f6rdenwillk\u00fcr ausgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kundige Anleger warten auf diesen Moment seit Monaten: Chinas gr\u00f6\u00dftes Internet-Unternehmen Alibaba hat angek\u00fcndigt, einen B\u00f6rsengang vorzubereiten. Noch in diesem Jahr k\u00f6nnte das Unternehmen die ersten Aktien ausgeben. Analysten sch\u00e4tzen den Wert des Unternehmens auf 120 bis 180 Milliarden Dollar. 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