{"id":2193,"date":"2014-05-13T13:57:55","date_gmt":"2014-05-13T11:57:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/china\/?p=2193"},"modified":"2014-05-13T15:44:26","modified_gmt":"2014-05-13T13:44:26","slug":"ein-schwer-zu-brechendes-monopol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/05\/13\/ein-schwer-zu-brechendes-monopol\/","title":{"rendered":"Ein schwer zu brechendes Monopol"},"content":{"rendered":"<p>Die Abh\u00e4ngigkeit des Westens von China ist in manchen Bereichen nur schwierig zu reduzieren. Gut sichtbar wird dies am Beispiel der Seltenen Erden: China hatte 2011 angek\u00fcndigt, die Ausfuhr der Rohstoffe deutlich zu drosseln. Die Volksrepublik, die zu dem Zeitpunkt mehr als 95 Prozent der weltweiten Nachfrage nach den begehrten Hochtechnologiemetallen bediente, machte einen gr\u00f6\u00dferen Eigenbedarf f\u00fcr seine heimische Industrie geltend. Die Preise schossen in die H\u00f6he. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2011-02\/china-seltene-Erden\">Die Europ\u00e4ische Union, Japan und die USA legten daraufhin Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein<\/a>. Sie sahen darin einen Versto\u00df gegen die vereinbarten Welthandelsregeln.<\/p>\n<p>Zugleich offenbarte der Streit das Quasimonopol der Chinesen \u00fcber die Seltenen Erden und wie abh\u00e4ngig sich der Rest der Welt von der Volksrepublik inzwischen gemacht hat. USA, Japan, die EU und andere Staaten versprachen, den Abbau der f\u00fcr die Herstellung der meisten Hightech-Produkte ben\u00f6tigten Metalle nicht weiter allein China zu \u00fcberlassen, sondern schnell wieder auf den eigenen Abbau zu setzen. Doch viel\u00a0ist seitdem noch nicht geschehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei den Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe chemischer Elemente. Sie werden f\u00fcr so ziemlich alle Produkte ben\u00f6tigt, die mit moderner Elektronik zu tun haben. In Smartphones stecken diese Metalle, ebenso wie in Flachbildschirmen, Computerplatinen, Mikrochips, aber auch in Windkraftanlagen und modernen Waffen. Entgegen ihrer Bezeichnung sind diese Metalle nicht wirklich selten, sondern in vielen L\u00e4ndern durchaus vorhanden. Doch die Gewinnung gilt als arbeitsintensiv und hinterl\u00e4sst giftigen M\u00fcll. Die meisten Industriel\u00e4nder hatten ihre Abbaust\u00e4tten daher geschlossen, nachdem China im Laufe der neunziger Jahre seine Produktion massiv ausweitete und dem Rest der Welt seine Seltenen Erden preiswert zur Verf\u00fcgung stellte. Das erkl\u00e4rt Chinas Weltmarktanteil von rund 95 Prozent \u2013 bis eben Peking vor drei Jahren die Ausfuhr einschr\u00e4nkte.<\/p>\n<p>Zwar hat das WTO-Schiedsgericht den Industriestaaten nun recht gegeben. Es befand im M\u00e4rz, dass Chinas Exportbeschr\u00e4nkungen gegen die vereinbarten Welthandelsregeln versto\u00dfen. Doch die Auswirkungen d\u00fcrften gering sein. <a href=\"http:\/\/www.merics.org\/aktuelles\/seltene-erden-spezial.html\">Das vor Kurzem in Berlin gegr\u00fcndete Mercator Institut f\u00fcr China-Studien (Merics) vermutet, dass bis zur wirklichen Umsetzung der Entscheidung noch viel Zeit vergehen d\u00fcrfte \u2013 wenn \u00fcberhaupt.<\/a> Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass sich China Urteile der WTO widersetzt und Konsequenzen ausbleiben.<\/p>\n<p>Zugleich ist aber auch die von den Industriel\u00e4ndern versprochene Diversifizierung ausgeblieben. Das US-Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.molycorp.com\">Molycorp<\/a> hat zwar den Betrieb einer alten Abbaust\u00e4tte im kalifornischen Mountain Pass wieder aufgenommen. Malaysia bereitet seit einem Jahr Erze auf, die es aus Australien bezieht. Und Geologen haben in den vergangenen Jahren weltweit mehrere Hundert neue Vorkommen ausfindig gemacht. <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/presse\/2630\/chinas-monopolstellung-bei-seltenen-erden-schwindet\">Das Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung (ZEW) geht davon aus, dass zumindest bei einem Teil dieser Metalle, den h\u00e4ufiger vorkommenden sogenannten Leichten Seltenen Erden, die F\u00f6rdermenge in den n\u00e4chsten drei Jahren au\u00dferhalb Chinas deutlich ausgeweitet wird.<\/a> Zudem wird weltweit immer mehr recycelt.<\/p>\n<p>Doch der Elan beim Aufbau neuer St\u00e4tten au\u00dferhalb Chinas hat schon wieder deutlich nachgelassen. Wegen der anhaltend schw\u00e4chelnden Weltwirtschaft und der zuletzt sinkenden Nachfrage nach den Metallen auch in China haben die Preise wieder fast das Niveau von vor 2011 erreicht. Das nimmt jedoch den Druck, neue Abbaust\u00e4tten in Betrieb zu nehmen, die auch die schweren seltenen Erdelemente gewinnen. Bei diesen Metallen geht das ZEW davon aus, dass China bis mindestens Ende des Jahrzehnts seine Monopolstellung behaupten kann. Aktuell stammt auch weiter rund\u00a090 Prozent der Weltproduktion aller Seltenen Erden aus China.<\/p>\n<p>Insbesondere der Aufbau von Minen mit einem hohen Anteil der Schweren Seltenen Erden sollte daher schleunig forciert werden. Nach bisheriger Erfahrung dauert der Aufbau solcher St\u00e4tten zwischen zehn und f\u00fcnfzehn Jahre. Das ist zu lang. Nicht zuletzt die Energiewende in Deutschland, aber auch das Bem\u00fchen anderer L\u00e4nder, verst\u00e4rkt auf Elektromobilit\u00e4t und anderen neuen Umwelttechnologien zu setzen, d\u00fcrften die Nachfrage nach Metallen der Seltenen Erden schon sehr bald anheizen. Diese Vorhaben k\u00f6nnten noch teurer werden, sollte China auch \u00fcber 2020 hinaus die Preispolitik bestimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abh\u00e4ngigkeit des Westens von China ist in manchen Bereichen nur schwierig zu reduzieren. Gut sichtbar wird dies am Beispiel der Seltenen Erden: China hatte 2011 angek\u00fcndigt, die Ausfuhr der Rohstoffe deutlich zu drosseln. 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