{"id":2202,"date":"2014-05-16T11:17:54","date_gmt":"2014-05-16T09:17:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/china\/?p=2202"},"modified":"2014-05-16T17:19:46","modified_gmt":"2014-05-16T15:19:46","slug":"chinas-korruptionsbekaempfung-trifft-nun-auch-auslaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/china\/2014\/05\/16\/chinas-korruptionsbekaempfung-trifft-nun-auch-auslaender\/","title":{"rendered":"Chinas Korruptionsbek\u00e4mpfung trifft nun auch Ausl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Das chinesische Wirtschaftsrecht hat viele L\u00fccken, die Regelwerke sind selten vollst\u00e4ndig. Schlupfl\u00f6cher gibt es in dem Schwellenland viele. Auch an Kontrolle fehlt es h\u00e4ufig \u2013 zumal die chinesischen Beh\u00f6rden selbst oft wenig Interesse zeigten, Wirtschaftsdelikte von Ausl\u00e4ndern allzu hartn\u00e4ckig zu verfolgen. Das schafft nur zus\u00e4tzlichen \u00c4rger, lautet eine weitl\u00e4ufige Haltung unter chinesischen Beamten. Die meisten ausl\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftsleute in China w\u00e4hnten sich also bislang auf der sicheren Seite.<\/p>\n<p>Und wenn sich ein ausl\u00e4ndischer Gesch\u00e4ftsmann doch mal etwas zuschulden kommen lie\u00df, dann l\u00f6sten viele das Problem, indem sie dem zust\u00e4ndigen Beamten einfach ein B\u00fcndel 100-Yuan-Scheine oder eine Flasche Schnaps in die Hand dr\u00fcckten. So handhabte es lange Zeit ja auch die chinesische Konkurrenz. Schmieren war in China lange Zeit allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Doch seit Xi Jinping vor etwas mehr als einem Jahr das Amt des Staatsoberhaupts \u00fcbernommen und die Korruptionsbek\u00e4mpfung zur Chefsache erkl\u00e4rt hat, weht ein anderer Wind. <!--more--><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2014-05\/china-journalisten-demuetigung-tiananmen\" target=\"_blank\">In den eigenen Reihen r\u00e4umt Xi bereits m\u00e4chtig auf.<\/a> Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem in den chinesischen Staatsmedien nicht \u00fcber eine weitere Entlarvung eines korrupten Parteisekret\u00e4rs oder Spitzenbeamten berichtet wird. Nun trifft es erstmals in seiner Amtszeit auch ein ausl\u00e4ndisches Unternehmen.<\/p>\n<p>Wie die Polizei der s\u00fcdchinesischen Stadt Changsha Mitte der Woche mitteilte, <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/bestechungsskandal-ex-china-chef-von-glaxo-smithkline-angeklagt\/9890050.html\" target=\"_blank\">soll dem ehemaligen China-Chef des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) und zwei seiner chinesischen Mitarbeiter der Prozess gemacht werden<\/a>. Dem Briten Mark Reilly wird vorgeworfen, Tausende von \u00c4rzten und Krankenh\u00e4usern mit umgerechnet mehreren Hundert Millionen Dollar \u00fcber viele Jahre hinweg geschmiert zu haben. Die \u00c4rzte sollten auf diese Weise bevorzugt Glaxo-Produkte in ihren Praxen und Kliniken verwenden.<\/p>\n<p>Als die Sache im vergangenen Sommer aufflog, war lediglich von Korruptionsvorw\u00fcrfen gegen chinesische Manager die Rede. Nun trifft es auch den Briten. Doch nicht nur die Anklage gegen Reilly an sich \u00fcberrascht, sondern auch die Sch\u00e4rfe der Anklagepunkte. Wie den beiden chinesischen Managern droht auch ihm eine lebenslange Haft.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung von GSK in Gro\u00dfbritannien versprach eine enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Ermittlungsbeh\u00f6rden. Sie hatte gleich nach Bekanntwerden Reilly vom Posten genommen. Der Brite war zun\u00e4chst aus China gefl\u00fcchtet, kehrte aber nach mehrmaligen Aufforderungen wieder nach Peking zur\u00fcck. Er darf seitdem nicht mehr das Land verlassen.<\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in\u00a0Changsha machten bislang keine Angaben, inwiefern sie auch gegen GSK selbst vorgehen. <a href=\"http:\/\/www.chinadaily.com.cn\/business\/2014-05\/14\/content_17507375.htm\" target=\"_blank\">Die chinesischen Staatsmedien berichten<\/a> jedoch von gef\u00e4lschten Konten des Unternehmens und einem &#8222;breit angelegtem System der Korruption in China&#8220;. GSK-Mitarbeiter sollen gezielt dazu gedr\u00e4ngt worden sein, \u00c4rzte zu schmieren. Fast eine halbe Milliarde Dollar hat GSK seit 2007 angeblich f\u00fcr Bestechung ausgegeben. Das d\u00fcrfte sich laut der Medienberichte ausgezahlt haben. Auf diese Weise soll Reilly der Firma &#8222;illegale Ums\u00e4tze&#8220; von mehreren Hundert Millionen Dollar beschert haben. Sollte GSK f\u00fcr schuldig befunden werden, droht dem Unternehmen das Aus seines China-Gesch\u00e4fts. Die Volksrepublik ist der derzeit am schnellsten wachsende Markt f\u00fcr Pharmaprodukte.<\/p>\n<p>GSK ist nicht das erste ausl\u00e4ndische Unternehmen, gegen das chinesische Beh\u00f6rden wegen Korruption vorgehen. 2009 verurteilte ein Gericht vier Manager des Bergbaukonzerns Rio Tinto zu Haftstrafen zwischen sieben und 14 Jahren. Doch das hatten viele Beobachter als extremen Einzelfall gewertet. Die Bestechung von \u00c4rzten ist in der Pharmabranche in China hingegen weit verbreitet. <a href=\"http:\/\/news.xinhuanet.com\/english\/china\/2014-05\/16\/c_133338475.htm\" target=\"_blank\">Es ist insofern auszugehen, dass auch andere Unternehmen demn\u00e4chst belangt werden.<\/a><\/p>\n<p>Diese weit verbreitete Praxis wirft nat\u00fcrlich ein generell schlechtes Licht auf Chinas Gesundheitssystem. Seit die Volksrepublik vor 30 Jahren den Einheitslohn aufgegeben und die Gesundheitsversorgung auch der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung dereguliert hat, behandeln viele \u00c4rzte nur dann, wenn auch sie ein dickes Geldb\u00fcndel in die Hand gedr\u00fcckt bekommen.<\/p>\n<p>Daher ist zu hoffen, dass die chinesische F\u00fchrung nicht nur an den Symptomen herumdoktert, sondern das grunds\u00e4tzliche Probleme anpackt: Dazu geh\u00f6rt nicht zuletzt eine gleiche Krankenversorgung f\u00fcr alle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das chinesische Wirtschaftsrecht hat viele L\u00fccken, die Regelwerke sind selten vollst\u00e4ndig. Schlupfl\u00f6cher gibt es in dem Schwellenland viele. Auch an Kontrolle fehlt es h\u00e4ufig \u2013 zumal die chinesischen Beh\u00f6rden selbst oft wenig Interesse zeigten, Wirtschaftsdelikte von Ausl\u00e4ndern allzu hartn\u00e4ckig zu verfolgen. 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