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Studie: Radfahren steigert Wohlbefinden

 

Welchen Einfluss hat das tägliche Verkehrsmittel auf die Gesundheit von Berufstätigen? Mit dieser Frage hat sich Juliane Kemen in ihrer Masterarbeit beschäftigt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat unter anderem festgestellt: Wer das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit fährt, ist weniger krank und steigert sein Wohlbefinden.

Rund 2.400 Berufstätige haben im vergangenen Jahr Kemens Online-Fragebogen ausgefüllt. Die Gruppe der Radfahrer war mit 595 Ganzjahresradlern und 242 Sommerradlern relativ hoch.

Die Ergebnisse zeigen: Wer sich regelmäßig bewegt, ist weniger krank. Fußgänger und Radfahrer waren in ihrer Studie mit rund drei Fehltagen am seltensten krank. Wer Auto fährt, den ÖPNV nutzt oder sonstige Verkehrsmittel mixt, fehlt laut Kemens Untersuchung im Schnitt zwei Tage häufiger. Das betrifft auch die Sommerradler. Saisonales Radfahren bringt anscheinend wenig. Wer mit wenigen Krankheitstagen durchs Jahr kommen will, muss auch im Winter in die Pedale treten.

Für Arbeitgeber ist das ein interessanter Aspekt, denn er ist durchaus wirtschaftlich relevant. Bereits 2009 hatte ein niederländisches Forschungsinstitut herausgefunden, dass Arbeitgeber in den Niederlanden rund 27 Millionen Euro im Jahr einsparen könnten, wenn sie das Radfahren zur Arbeit mehr unterstützten.

Die Ergebnisse sind an sich bekannt. Dennoch engagieren sich in Deutschland gemeinhin relativ wenige Unternehmen fürs Radfahren. Traditionell unterstützen sie, wenn überhaupt, ihre Mitarbeiter eher mit Zuschüssen für ein ÖPNV-Ticket oder mit Angeboten für Betriebssport. Langfristig können Studien wie die der Mobilitätsforscherin Kemen aber ein Umdenken herbeiführen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt täglich 30 Minuten lang moderaten Sport. Für viele Berufstätige sei es jedoch schwierig, diese sportliche Einheit in ihren Alltag zu integrieren, sagt Kemen. Gerade deshalb ergebe es Sinn, diesen Part bereits mit moderatem Radfahren zur Arbeit abzudecken.

Autofahrer müssen die Vorteile eigentlich im Wortsinn er-fahren. Denn Kemen hat auch festgestellt: Die Radfahrer sind nicht nur gesünder, sie fühlen sich auch wohler. In ihrer Studie fragte die Forscherin auch nach dem Wohlbefinden, dem so gennanten WEll-Being-Score gefragt, den die WHO genau definiert hat. Sie erfasst das Wohlbefinden der zurückliegenden 14 Tage. Das Ergebnis in der Studie: Radfahrer fühlen sich von allen Verkehrsteilnehmern am wohlsten.

Kemen bringt es auf den Punkt: Die Erkenntnisse dieser Studie zeigen, dass Kommunen und Unternehmen die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter verbessern können, indem sie die Nutzung aktiver Verkehrsmittel für den Arbeitsweg fördern.

Juliane Kemen stellt ihre Arbeit am kommenden Dienstag (15.12.) in Troisdorf im Rahmen eines Mobilitäts- und Gesundheitstags in der Stadthalle gemeinsam mit der Mobilitätsberatungsfirma EcoLibro vor.

11 Kommentare

  1.   kleinelch

    Apropos Gesundheit: Bin grad nach Haus gekommen. Wenn’s kalt wird, kriegt man als Radler, besonders auf der Fahrbahn, gratis Chemie-Nachhilfe.
    Man weiß dann, warum die krebserregenden „polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe“ „aromatisch“ heißen.

    Bei der zunehmenden Streifenführung: Kennt jemand Luftschutzmasken, durch die man gut Luft kriegt?

 

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