{"id":2361,"date":"2013-04-15T11:10:24","date_gmt":"2013-04-15T09:10:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/?p=2361"},"modified":"2013-04-15T12:20:31","modified_gmt":"2013-04-15T10:20:31","slug":"radfahren-in-osnabruck-wo-geht-es-lang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2013\/04\/15\/radfahren-in-osnabruck-wo-geht-es-lang\/","title":{"rendered":"Radfahren in Osnabr\u00fcck: Wo geht es lang?"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_2360\" aria-describedby=\"caption-attachment-2360\" style=\"width: 639px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2360\" alt=\"Parken am Osnabr\u00fccker-Bahnhof. Der eigentliche Fahrradstellplatz hinter den Autos ist bereits voll belegt. \u00a9 Reidl\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_2119.jpg\" width=\"639\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_2119.jpg 639w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_2119-540x360.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2360\" class=\"wp-caption-text\">Parken am Osnabr\u00fccker Bahnhof. Der offizielle Fahrradstellplatz hinter den Autos ist bereits belegt. \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Radinfrastruktur muss selbsterkl\u00e4rend sein. In Osnabr\u00fcck ist das nur teilweise der Fall. Dabei ist die Stadt in Niedersachsen durchaus ein positives Beispiel. Die Verkehrsplaner bauen viel f\u00fcr Radfahrer. Aber dort ist es wie in den meisten deutschen St\u00e4dten: Die Radinfrastruktur steckt noch in den Anf\u00e4ngen. Als ernstzunehmendes Verkehrsmittel kommt das Fahrrad auch in Osnabr\u00fcck noch nicht zum Zuge.<!--more--><\/p>\n<p>Im aktuellen <a href=\"http:\/\/www.adfc.de\/fahrradklima-test\/ergebnisse\/adfc-fahrradklimatest-2012---die-ergebnisse\" target=\"_blank\">ADFC-Fahrradklima-Test<\/a> schaffte es die Stadt in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner auf Platz 11. &#8222;Ein super Ergebnis&#8220;, findet Ulla Bauer vom Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung. &#8222;Osnabr\u00fcck hat gute Noten bekommen f\u00fcr die Infrastruktur und die Radwegweisung. Ziemlich schlecht abgeschnitten haben wir allerdings bei der Baustellenf\u00fchrung und dem Winterdienst.&#8220;<\/p>\n<p>Dennoch ist Bauer mit dem Ergebnis zufrieden. &#8222;Nach dem nationalen Radverkehrsplan geh\u00f6ren wir zu den Aufsteigern&#8220;, sagt sie. Der NRVP definiert den Begriff so:<\/p>\n<blockquote><p><em>Bei den &#8222;Aufsteigern&#8220; ist bereits eine gewisse Dynamik in der Radverkehrsf\u00f6rderung vorhanden. Dies \u00e4u\u00dfert sich u. a. in teilweise ambitionierten Zielwerten, F\u00f6rderstrategien und umfangreichen Ma\u00dfnahmen der Kommunen. Der Radverkehrsanteil liegt hier bereits zwischen rund 10 Prozent und rund 25 Prozent. In den entsprechenden St\u00e4dten und Gemeinden ist mindestens eine Basisinfrastruktur vorhanden, die meist aber noch L\u00fccken im Gesamtnetz aufweist. Auch sind vielfach bereits feste organisatorische Strukturen (Arbeitsgruppe Radverkehr, Radverkehrsbeauftragte etc.) geschaffen worden.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Bauers Zufriedenheit teilt Daniel Doerk nicht. Der Fahrradblogger berichtet unter <em><a href=\"http:\/\/itstartedwithafight.de\/\" target=\"_blank\">It started with a fight<\/a> <\/em>regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbers Radfahren in der Friedensstadt. Die Probleme, die andere Radfahrer in dem Klimatest beanstandet haben, sp\u00fcrt er t\u00e4glich. Im Winter \u00e4rgern ihn Schneehaufen auf dem Radweg. Ihm fehlen Abstellpl\u00e4tze f\u00fcr sein Rad, die Hauptadern durch die Stadt findet er f\u00fcr Radfahrer ungeeignet, und Radwege enden abrupt.<\/p>\n<p>Zwar gibt es sogar eine Fahrradstra\u00dfe, aber statt einer separierten Stra\u00dfe sind ihm Strecken lieber, die ihn sicher und z\u00fcgig auf klar erkennbaren Fahrradspuren ins Zentrum f\u00fchren. Deshalb sieht Doerk nicht den 11. Platz Osnabr\u00fccks beim ADFC-Fahrradklima-Test, sondern die Note 3,74 , die daneben steht. Das ist gerade mal ein ausreichend.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn man konsequent auf die Stra\u00dfe ausweicht, kommt man gut voran&#8220;, hatte Doerk erkl\u00e4rt. Mit diesem Wissen starte ich am Bahnhof. Der Berufsverkehr ist l\u00e4ngst vorbei, Stra\u00dfen und Radwege sind leer. Ungest\u00f6rt rolle ich auf Schutzstreifen, Busspuren und Radwegen. Zwischendurch fehlt immer mal ein St\u00fcck erkennbarer Radweg, was dank des fehlenden Verkehrs aber wenig st\u00f6rt. \u00dcber die mehrspurige Stra\u00dfe\u00a0Natruper-Tor-Wall erreiche ich den Ri\u00dfm\u00fcllerplatz. Die Kreuzung haben mir Bauer und Doerk empfohlen, sie ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Verkehrsknotenpunkt der Stadt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2363\" aria-describedby=\"caption-attachment-2363\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-2363 \" alt=\"Ri\u00dfm\u00fcllerplatz in Osnabr\u00fcck: Gute M\u00f6glichkeiten f\u00fcr linksabbiegende Radfahrer auf der rechten Fahrbahn. Wer aus der Gegenrichtung kommt, muss absteigen oder geradeaus fahren.\u00a9 Reidl\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_21351.jpg\" width=\"540\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_21351.jpg 639w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2013\/04\/IMG_21351-540x318.jpg 540w\" sizes=\"(max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2363\" class=\"wp-caption-text\">Ri\u00dfm\u00fcllerplatz in Osnabr\u00fcck: Gute M\u00f6glichkeiten f\u00fcr links abbiegende Radfahrer auf der rechten Fahrbahn. Wer aus der Gegenrichtung kommt, muss geradeaus fahren oder absteigen und \u00fcber die Fu\u00dfg\u00e4ngerampel schieben. \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe verl\u00e4uft f\u00fcr Autofahrer zwei- beziehungsweise dreispurig in beide Richtungen. F\u00fcr Radfahrer gibt es in einer Fahrtrichtung einen Schutzstreifen, der in Kreuzungsn\u00e4he rot markiert ist, sowie\u00a0einen weiteren roten Schutzstreifen f\u00fcr Linksabbieger in der Mitte der Fahrbahn zwischen Busspur und Autospur. Wer sich nicht traut oder es nicht schafft, zwei Autospuren im Berufsverkehr zu queren, kann indirekt abbiegen: also einfach geradeaus bis zur n\u00e4chsten Ampel fahren und dort auf einer kleinen Aufstellfl\u00e4che anhalten. Die M\u00f6glichkeiten sind gut \u2013 jedenfalls auf dieser Seite.<\/p>\n<p>Wer jedoch aus der Gegenrichtung kommt oder gar von links, hat Pech. Radfahrer aus der Gegenrichtung k\u00f6nnen nur geradeaus fahren oder m\u00fcssen zum Linksabbiegen absteigen und die Fu\u00dfg\u00e4ngerampel benutzen. Wer von links kommt, muss von der rechten Busspur, die sich Busse und Radfahrer teilen, zwei Autospuren f\u00fcr Rechtsabbieger \u00fcberqueren, um den Radstreifen zu erreichen. Das h\u00f6rt sich nicht nur kompliziert an, sondern erfordert bei viel Verkehr auch Selbstvertrauen; au\u00dferdem muss sich der Radfahrer einordnen, bevor er die Spuren sehen kann. Wer sicher queren will, muss sich auskennen \u2013 sonst hat er keine Chance.<\/p>\n<p>Im Alltag funktioniere das Angebot, sagt Ulla Bauer. Bei einer Stichprobe \u00fcber zwei Stunden sei beobachtet worden, dass 130 Radfahrer den Wechsel nach Vorschrift fahren und 24 \u00fcber die Fu\u00dfg\u00e4ngerampel fahren. Jetzt kann man sich streiten, ob 24 Radfahrer viel oder wenig sind. Es sind zumindest gut 15 Prozent der 154 gez\u00e4hlten Radfahrer.<\/p>\n<p>Aber tats\u00e4chlich hat Osnabr\u00fcck schon einiges getan f\u00fcr seine Velo-Nutzer. Es gibt Aufstellfl\u00e4chen an Kreuzungen und Stra\u00dfen mit guter Radverkehrsf\u00fchrung, viele Einbahnstra\u00dfen sind freigegeben. Dennoch zeigt sich ein g\u00e4ngiges Problem: Teilweise sehr gute Infrastruktur endet unvermittelt. Das ist eine Standardsituation in vielen St\u00e4dten: Velos werden von Verkehrsplanern nicht als gleichwertiges Verkehrsmittel in ihrer Planung bedacht. Aber erst, wenn Alltagsradler wie Doerk in der Stadt sicher, z\u00fcgig und unkompliziert vorankommen, wird f\u00fcr Pendler und auch f\u00fcr kurze Wege das Rad eine ernstzunehmende Alternative. Um das zu erreichen, m\u00fcssen Planer umdenken und die St\u00e4dte mehr Geld investieren.<\/p>\n<p>Dass der Prozess im Gang ist, zeigt das Gespr\u00e4ch mit Ulla Bauer. Sie benennt eine Vielzahl von bekannten Problemen in Osnabr\u00fcck: So m\u00fcsse unter anderem die Verkehrsf\u00fchrung an Knotenpunkten besser werden, damit sich die Reisezeit f\u00fcr Radler verk\u00fcrze. Die Stadt brauche mehr und bessere Parkm\u00f6glichkeiten. Und wenn der Komfort f\u00fcr Radfahrer erh\u00f6ht werden soll, m\u00fcssten Verbindungsstrecken vom Stadtteil zu Stadtteil entstehen \u2013 etwa indem alte Wirtschaftswege radfahrertauglich umgebaut werden.<\/p>\n<p>&#8222;Der Sanierungsbedarf ist hoch im Radverkehr&#8220;, sagt Bauer. Ebenso der Aufkl\u00e4rungsbedarf. Den Anfang macht in Osnabr\u00fcck nun eine Marketingkampagne, die nach den Osterferien an Schulen gestartet hat. Das kostet Geld. Osnabr\u00fcck investiert in diesem Jahr 500.000 Euro unter anderem f\u00fcr Radwege oder Parkb\u00fcgel sowie zus\u00e4tzlich 100.000 Euro f\u00fcr die Marketingkampagne. Das sind insgesamt pro Einwohner 3,75 Euro. Mehr als viele andere St\u00e4dte ausgeben. Aber reicht das?<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/edoc.difu.de\/edoc.php?id=SR21T6V3\" target=\"_blank\">Nationale Radverkehrsplan (NRVP)<\/a> empfiehlt Aufsteiger-St\u00e4dten deutlich h\u00f6here Investitionen. Experten nennen 13 bis 18 Euro pro Einwohner f\u00fcr Infrastruktur und weitere Ma\u00dfnahmen. F\u00fcr Osnabr\u00fcck w\u00e4ren das 2 bis 3 Millionen Euro. Ist das machbar? Mit Sicherheit eher, wenn die Mittel im Verkehrsetat entsprechend dem angestrebten <em>Modal Split<\/em> aufgeteilt werden, als es aktuell der Fall ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Radinfrastruktur muss selbsterkl\u00e4rend sein. In Osnabr\u00fcck ist das nur teilweise der Fall. Dabei ist die Stadt in Niedersachsen durchaus ein positives Beispiel. Die Verkehrsplaner bauen viel f\u00fcr Radfahrer. Aber dort ist es wie in den meisten deutschen St\u00e4dten: Die Radinfrastruktur steckt noch in den Anf\u00e4ngen. 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