{"id":4004,"date":"2014-02-20T10:23:17","date_gmt":"2014-02-20T09:23:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/?p=4004"},"modified":"2014-07-22T12:25:33","modified_gmt":"2014-07-22T10:25:33","slug":"mit-dem-flitzbike-durch-den-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2014\/02\/20\/mit-dem-flitzbike-durch-den-winter\/","title":{"rendered":"Mit dem Flitzbike durch den Winter"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_4009\" aria-describedby=\"caption-attachment-4009\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-4009 \" alt=\"\u00a9 Reidl\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/1024x768_bestfit_15.jpg\" width=\"540\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/1024x768_bestfit_15.jpg 639w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/1024x768_bestfit_15-540x360.jpg 540w\" sizes=\"(max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4009\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Meine erste Begegnung mit dem Pedelec-Bike P18 von Flitzbike verlief etwas bissig. Der Lenker des schnellen Pedelecs irritierte mich auf den ersten Metern, er ist extrem breit. Aber bevor ich \u00fcber den Sinn und Zweck nachdenken konnte, rupfte etwas kr\u00e4ftig an meinem Bein. Meine Jeans hing fest, zwischen Riemen und Zahnkranz. Nach einer halben Umdrehung gab der Riemen die Hose wieder frei \u2013 allerdings mit feinen Bissspuren. Ein paar Ausfahrten sp\u00e4ter schnappte er noch einmal zu. Von da an krempelte ich mein Hosenbein immer hoch. Von nun an haben wir uns gut verstanden, das P18 und ich. Jedenfalls meistens.<!--more--><\/p>\n<p>Im Dezember stand das P18 vor meinem Schuppen, ein schnelles Flitzbike zum Langzeittest. Das hei\u00dft: zwei, drei Monate fahre ich es \u2013 bei jedem Wetter.<\/p>\n<p>Nach meinen ersten Kilometern auf dem P18 zeigte sich: Der breite Lenker macht Sinn. Er verleiht dem Rad die n\u00f6tige Stabilit\u00e4t. Mir gef\u00e4llt die Geometrie des P18. Ich sitze gut auf dem Rad. Zudem ist es flink und auch bei hohen Geschwindigkeiten souver\u00e4n und laufruhig.<\/p>\n<p>Der GoSwissDrive-Motor im Hinterrad ist sehr pr\u00e4sent. Er reagiert bereits bei leichtem Pedaldruck und beschleunigt sehr dynamisch. Das Fahren macht Spa\u00df \u2013 vor allem im Stadtverkehr. 30 bis 35 Stundenkilometer sind mit dem P18 schnell erreicht und leicht zu halten. Im <em>Stop and Go-<\/em>Verkehr der Gro\u00dfstadt hat man h\u00e4ufig einen leichten Vorsprung beziehungsweise kann gut mithalten. Um \u00fcber 40 Stundenkilometer zu fahren, muss ich ordentlich in die Pedale treten und komme ins Schwitzen. Aber um im Verkehr gut mit zu flie\u00dfen, reichen die 35 km\/h durchaus aus.<\/p>\n<p>Das P18 ist ein Pendlerfahrzeug. F\u00fcr kurze Touren ist es fast etwas zu schade. F\u00fcr meine \u00fcbliche Fahrt nach Hamburg brauche ich mit meinem Reiserad etwa 50 Minuten. Mit dem Pedelec sind es gerade noch 30 Minuten.<\/p>\n<p><strong>Extrem leiser Motor<\/strong><\/p>\n<p>Das Sch\u00f6ne an diesem Rad ist, man h\u00f6rt es nicht. Es produziert nur die Windger\u00e4usche, die jedes Fahrrad macht. Der Hinterradmotor ist extrem leise. Nach Hamburg fahre ich fast ausschlie\u00dflich \u00fcber Land. Manchmal \u00fcberholt mich f\u00fcnf Minuten lang kein Auto. Wenn ich morgens durch die Apfelplantagen radle und die Sonne langsam aufgeht, potenziert ein leiser Motor mein Fahrvergn\u00fcgen immens.<\/p>\n<p>Allerdings ist dieser Vorteil auch etwas t\u00fcckisch. Bei manchen Pedelecs ist der Eindruck st\u00e4ndig pr\u00e4sent: Man f\u00e4hrt elektrisch. Das ist beim P18 nicht der Fall. Es f\u00e4hrt sich wie ein Fahrrad \u2013 nur eben sehr schnell.<\/p>\n<p>Wie schnell, vergisst man leicht. Wer regelm\u00e4\u00dfig mit einem muskelbetriebenen Rad unterwegs ist, wei\u00df auch ohne Blick auf den Tacho, mit welcher Geschwindigkeit er sich bei einem bestimmten Krafteinsatz und bestimmter Trittfrequenz fortbewegt. Das Unterbewusstsein hat alles gespeichert. Wenn ich auf dem Flitzbike in meinen \u00fcblichen Fahrmodus bin, fahre ich etwa 10 bis 15 Stundenkilometer schneller als auf meinem normalen Fahrrad. Man muss anfangs gerade auf Alltagsstrecken aufmerksamer unterwegs sein, um sich in Kurven oder beim Bremsen nicht zu versch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4007\" aria-describedby=\"caption-attachment-4007\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-4007 \" alt=\"Wartungsarm ist der Riemen, aber das Hosenbein sollte man hochkrempeln \u00a9 Reidl\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_085146.jpg\" width=\"540\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_085146.jpg 640w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_085146-148x84.jpg 148w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_085146-540x303.jpg 540w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4007\" class=\"wp-caption-text\">Wartungsarm ist der Riemen, aber das Hosenbein sollte man hochkrempeln \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es sind Kleinigkeit, die mich bislang an dem Pedelec st\u00f6ren. Etwa die kurzen Schutzbleche. Sie sind unpraktisch. Bei Regen wird die Jacke schmutzig, das passt nicht zu einem Pendlerfahrzeug. Zudem d\u00fcrfen bei einem 5.700 Euro teuren Rad die Z\u00fcge gerne aufger\u00e4umt werden oder im Rad verlegt sein.<\/p>\n<p>Skeptisch macht mich au\u00dferdem der Akku, der ein paar Mal ausgefallen ist. Einmal hat sich seine Steuerelektronik beim Fahren aufgeh\u00e4ngt. Die Mechaniker von Flitzbike rieten zu einem Reset des Akkus. 30 Sekunden den Ein\/Aus-Schalter am Akku dr\u00fccken und der Energiespeicher vergisst alles, was ihn st\u00f6rt. Das hat geklappt.<\/p>\n<p><strong>Der Akku mag es lieber warm<\/strong><\/p>\n<p>Bei Minustemperaturen ging dann allerdings nichts mehr. 500 Meter vor dem Ziel ist der Akku ausgefallen \u2013 nach 34 Kilometern bei minus f\u00fcnf Grad. Kurz zuvor hatte er noch eine Restlaufzeit von rund 115 Kilometern angegeben. Erst nach dem Aufw\u00e4rmen auf Zimmertemperatur funktionierte er wieder.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein Steckerproblem, das unsere Zulieferer mittlerweile behoben haben\u201c, sagt Pasquale Mennig, Leiter von Marketing und Vertrieb bei Flitzbike. Die Litzen am Displaystecker w\u00fcrden sich bei K\u00e4lte zusammenziehen und den Kontakt unterbrechen. Ein anderes Flitzbike mit ausgetauschten Steckern sei laut Mennig zurzeit bei minus 20 Grad im norwegischen Oslo unterwegs und habe keine Probleme.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4008\" aria-describedby=\"caption-attachment-4008\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-4008 \" alt=\"Dieser Stecker hat laut Mennig den Motorausfall verursacht \u00a9 Reidl\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_083220.jpg\" width=\"540\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_083220.jpg 640w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_083220-148x84.jpg 148w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2014\/02\/20140216_083220-540x303.jpg 540w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4008\" class=\"wp-caption-text\">Dieser Stecker hat laut Mennig den Motorausfall verursacht \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Das sich die Akkuzeiten im Winter verringern, ist Pedelec-Fahrern durchaus bekannt. Bei Minustemperaturen verringert sich die Laufzeit von Lithium-Ionen-Akkus. Das trifft auch auf Kameras zu. Einige Anbieter wie Bosch verkaufen f\u00fcr ihre Stromspeicher deshalb Neoprenh\u00fcllen. Alle Hersteller raten dazu, Akkus im Winter bei Zimmertemperatur zu lagern, zu laden und erst unmittelbar vor Fahrtbeginn anzubringen. Das ist nicht immer m\u00f6glich, wenn man unterwegs ist. Dennoch brauchen Pendler auch im Winter Akkus mit verl\u00e4sslichen Reichweiten. Hier haben die Hersteller noch einige H\u00fcrden zu nehmen.<\/p>\n<p>Was mir bei Flitzbike fehlt, ist ein bisschen die eigene Handschrift. Der Hersteller ist eine Radmanufaktur vom Bodensee, die ihre R\u00e4der mit feinen Komponenten ausstattet: Gates-Riemenantrieb, Pinion-Getriebe, Supernova-Scheinwerfer. Sehr sch\u00f6ne R\u00e4der, solide, hochwertig, je nach Modell mit kleinen Extravaganzen wie Holzfelgen und Holzschutzblechen. Hinter Flitzbike steht ein Produzent von Solaranlagen, der sich ein zweites Standbein aufbauen will. Es ist ein anderes Modell als bei anderen Fahrrad- oder Komponentenherstellern, wo oft ein innovativer Kopf oder ein passionierter Radfahrer eine besondere Idee hat: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/auto\/2012-03\/fahrrad-bremse-lauhoff\" target=\"_blank\">Jakob Lauhoff ist von seinen Bremsen \u00fcberzeugt,<\/a> der Bambusbike-Bauer<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2013\/04\/01\/bau-dir-dein-bambus-bike\/\" target=\"_blank\"> Ozon<\/a> von seinem exotischen Werkstoff.<\/p>\n<p>Was mir bei Flitzbike noch fehlt ist ein H\u00e4ndlernetz. Gerade sechs H\u00e4ndler arbeiten in Deutschland mit Flitzbike zusammen. Das ist bei allem, was \u00fcber einen Platten hinausgeht, ein echter Nachteil. Zurzeit muss der Kunde im Servicefall sein Rad in einen Karton packen und zur Reparatur an den Bodensee schicken. Service sieht anders aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine erste Begegnung mit dem Pedelec-Bike P18 von Flitzbike verlief etwas bissig. Der Lenker des schnellen Pedelecs irritierte mich auf den ersten Metern, er ist extrem breit. Aber bevor ich \u00fcber den Sinn und Zweck nachdenken konnte, rupfte etwas kr\u00e4ftig an meinem Bein. Meine Jeans hing fest, zwischen Riemen und Zahnkranz. 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