{"id":7186,"date":"2015-11-04T15:57:25","date_gmt":"2015-11-04T14:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/?p=7186"},"modified":"2015-11-04T15:57:39","modified_gmt":"2015-11-04T14:57:39","slug":"zukunft-stadt-autofrei-suedkorea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2015\/11\/04\/zukunft-stadt-autofrei-suedkorea\/","title":{"rendered":"Einen Monat autofrei in Korea"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"embed\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"The streets of Suwon clip - 6 min\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/82613530?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write; encrypted-media\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Viele waren skeptisch und protestierten vor dem Festival vehement gegen die autofreie Zeit in ihrem Quartier. In dem zweisprachigen Buch zeigen Konrad Otto-Zimmermann und Yeonhee Park auch diese Konflikte auf. In erster Linie geht es allerdings um die verschiedenen Etappen des Festivals.<\/p>\n<p>Dabei ist der Autor Konrad Otto-Zimmermann in einer Doppelrolle unterwegs. Er war zugleich Ideengeber und Initiator des Festivals als Vertreter von ICLEI, dem Internationalen Rat f\u00fcr Kommunale Umweltinitiativen. Seit Jahrzehnten wirbt der Umweltplaner f\u00fcr die autofreie, \u00f6komobile Stadt.<\/p>\n<p>Otto-Zimmermann war immer der Meinung, dass man eine derartige Stadt erleben muss, am besten eine Zeit lang in ihr probewohnen. Doch eine solche Stadt muss man erst mal haben. Der Umbau eines Stadtteils ist eine Mammutaufgabe, die viele B\u00fcrgermeister abschreckt. Schlie\u00dflich werden gewachsene Verkehrswege gekappt.<\/p>\n<p>Doch Suwons B\u00fcrgermeister Tae-young Yeom war von der Idee \u00fcberzeugt und setzte sie um. Trotzdem mussten die 4.300 betroffenen Einwohner weiterhin zur Arbeit und zur Schule fahren, sie mussten ihre Lebensmittel einkaufen und ihren Alltag meistern.<\/p>\n<p>Zimmermann und Yeom war klar: Das Projekt wird nur ein Erfolg, wenn die Bewohner beteiligt werden und das EcoMobility World Festival unterst\u00fctzen. Deshalb wurden sie von Anbeginn eng in die Planung einbezogen. Schlie\u00dflich sollten sie nicht nur die neuen Mobilit\u00e4tsangebote nutzen, sondern auch einzelne Stra\u00dfenz\u00fcge in ihrem Viertel umgestalten. Daf\u00fcr hatten sie ein Jahr Zeit.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7191\" aria-describedby=\"caption-attachment-7191\" style=\"width: 556px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7191\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/1379880_261787693945780_769045439_n.jpg\" alt=\"\u00a9 EcoMobility World Festival\" width=\"556\" height=\"573\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7191\" class=\"wp-caption-text\">Beispiel f\u00fcr Umbau in Suwon \u00a9 EcoMobility World Festival<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Hunderte von Menschen engagierten sich in verschiedenen Gremien. Die Initiatoren befragten die Haushalte nach ihren Mobilit\u00e4tsmustern und Bed\u00fcrfnissen, und die Bewohner brachten Ideen zur Quartiersverbesserung ein. Zur Vorbereitung gab es autofreie Tage, Stra\u00dfenspielplatz-Veranstaltungen und Radfahrkurse f\u00fcr Anf\u00e4nger, denn viele konnten gar nicht Rad fahren. Au\u00dferdem wurden zur Stadtversch\u00f6nerung so genannte Pocket-Parks angelegt, kleine brachliegende Fl\u00e4chen in der Stadt, die begr\u00fcnt und gestaltet werden.<\/p>\n<p>Die Idee fand aber nicht nur Anklang. Gesch\u00e4ftsleute protestierten gegen das Festival. Das Festivalteam sprach mit den Ladeninhabern, um ihre Bedenken zu verstehen und L\u00f6sungen zu finden \u2013 dabei ging es zum Beispiel um die Frage, wie die Waren zu den Einzelhandelsgesch\u00e4ften gelangen. Am Ende wurden die Waren w\u00e4hrend des Festivals auf\u00a0einen Parkplatz geliefert und von dort mit dem st\u00e4dtischen Elektro-Shuttlefahrzeug zu den L\u00e4den transportiert.<\/p>\n<p>Ein Restaurant, das auf Lieferdienste spezialisiert war, wehrte sich lange Zeit vehement gegen das Projekt. Im Gespr\u00e4ch vor Ort entstand dann die Idee, auf den frei werdenden Parkpl\u00e4tzen vor dem Restaurant Tische und St\u00fchle f\u00fcr Besucher aufzustellen. Die Idee wurde umgesetzt, im Nachhinein waren die Betreiber sehr zufrieden.<\/p>\n<p><b>Transport mit dem Shuttleservice<\/b><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des autofreien Monats parkten die Bewohner ihre 1.500 privaten Pkw kostenfrei au\u00dferhalb des Viertels auf vier Brachfl\u00e4chen. Von dort fuhr alle 15 Minuten ein Bus-Shuttleservice ins Viertel. In Notf\u00e4llen oder bei dringendem Bedarf brachte ein 24-Stunden-Service Bewohner mit Elektrofahrzeugen zu den Parkpl\u00e4tzen. Au\u00dferdem wurden 400 Fahrzeuge an die Haushalte verteilt: Fahrr\u00e4der, E-Bikes, Elektroroller und Kinderanh\u00e4nger. Statt mit dem Auto drehten\u00a0die Polizisten mit elektrischen Stehmobilen im Quartier ihre Runden.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7189\" aria-describedby=\"caption-attachment-7189\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7189 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/601175_269264103198139_160562806_n-620x412.jpg\" alt=\"\u00a9 EcoMobility World Festival\" width=\"620\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/601175_269264103198139_160562806_n-620x412.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/601175_269264103198139_160562806_n.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7189\" class=\"wp-caption-text\">Haenggung-dong w\u00e4hrend des autofreien Monats \u00a9 EcoMobility World Festival<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Den meisten Bewohnern gefiel das neue Leben im Quartier. Die Kinder fuhren mit dem Fahrrad zur Schule, und einige der Erwachsenen nutzten zum ersten Mal in ihrem Leben den Bus. Das Leben verlagerte sich zunehmend auf die Stra\u00dfe. Die Kinder spielten dort, die Erwachsenen stellten Tische vors Haus und kl\u00f6nten dort mit Freunden und Nachbarn. Viele bedauerten es, als nach ein paar Wochen das Festival zu Ende ging.<\/p>\n<p>Das EcoMobility World Festival von Konrad Otto-Zimmermann ist eine kluge Idee. Den Wechsel vom Auto aufs Rad oder in den Bus werten viele Menschen als R\u00fcckschritt, als Verzicht. Sie k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, dass das Gegenteil der Fall ist \u2013 dass der Umstieg das Leben bereichern kann. In Suwon ist w\u00e4hrend des Festivals die Lebensqualit\u00e4t im autofreien Stadtteil gestiegen: sowohl die des Einzelnen als auch die der ganzen Gemeinschaft. Das geht aus den vielen Kommentaren im Buch deutlich hervor. Es spiegelt diese Erfahrung mit seinen vielen Vorher-Nachher-Fotos gut wieder.<\/p>\n<p>Ansonsten ist diese Erfahrung aber schwer zu vermitteln. Es ist bedeutend leichter, sie buchst\u00e4blich selbst zu er<i>fahren.\u00a0<\/i>Deshalb war es schlau, einen Kongress in das Festival einzubetten. So konnten nicht nur die Bewohner Suwons, sondern auch Besucher aus vielen anderen L\u00e4ndern einen Eindruck gewinnen, wie es sich in der Stadt der Zukunft lebt.<\/p>\n<p>In Berlin wurde 2014 die Ausrichtung des EcoMobility World Festivals abgelehnt. Jetzt ging gerade das zweite Festival im s\u00fcdafrikanischen Johannesburg im Stadtteil Standton zu Ende. Erste Eindr\u00fccke dazu gibt es <a href=\"http:\/\/www.ecomobilityfestival.org\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7192\" aria-describedby=\"caption-attachment-7192\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7192 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/1379383_255562104568339_1396714738_n-620x412.jpg\" alt=\"\u00a9 EcoMobility World Festival\" width=\"620\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/1379383_255562104568339_1396714738_n-620x412.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/1379383_255562104568339_1396714738_n.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7192\" class=\"wp-caption-text\">An den Einfahrten ins Quartier gab es permanente Kontrollposten, die Autofahrer davon abhielten, ins Viertel zu fahren. \u00a9 EcoMobility World Festival<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><em>Das Buch <\/em>Neighborhood in Motion (Stadtquartier in Bewegung)<em> ist im Jovis Verlag erschienen. Die Texte liegen in Deutsch und Englisch vor.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. Sie k\u00f6nnen sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.Bitte aktivieren Sie JavaScript damit Sie diesen Inhalt anzeigen k\u00f6nnen. Externer Inhalt Datenschutzerkl\u00e4rung Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. 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