{"id":7242,"date":"2015-11-14T02:45:23","date_gmt":"2015-11-14T01:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/?p=7242"},"modified":"2015-11-14T02:45:23","modified_gmt":"2015-11-14T01:45:23","slug":"fahrradstellplatz-infrastruktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2015\/11\/14\/fahrradstellplatz-infrastruktur\/","title":{"rendered":"Kein Platz f\u00fcr Fahrr\u00e4der"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7246\" aria-describedby=\"caption-attachment-7246\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7246 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5288-620x414.jpg\" alt=\"Fahrradstellplatz gesucht\" width=\"620\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5288-620x414.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5288.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7246\" class=\"wp-caption-text\">Fahrr\u00e4der am Bahnhof in Berlin \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Das Bild kennt man aus jeder Stadt: Abgestellte Fahrr\u00e4der tummeln sich auf Gehwegen, in Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, vor S- und U-Bahnh\u00f6fen. Das Problem ist hausgemacht: Es gibt zu wenig Abstellanlagen f\u00fcr Radfahrer. Aber d\u00fcrfen Radfahrer bei Platzmangel auf freie Auto- oder Motorradparkpl\u00e4tze ausweichen? Welche Alternativen haben Radfahrer?<!--more--><\/p>\n<p>Fahrr\u00e4der sind gem\u00e4\u00df der Stra\u00dfenverkehrsordnung Fahrzeuge. Sie d\u00fcrfen auf der Fahrbahn fahren. Abstellen darf man sie auf dem Gehweg, solange Fu\u00dfg\u00e4nger nicht behindert werden \u2013 und auch l\u00e4ngs am Fahrbahnrand.<\/p>\n<p>Dort stellen Radfahrer ihr Gef\u00e4hrt allerdings ungern ab. Schlie\u00dflich ist es auf dem Gehweg relativ sicher vor m\u00f6glichen Kollisionen. Au\u00dferdem ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass Autofahrer auf Parkplatzsuche ein Fahrrad einfach wegtragen, wenn es ihnen im Weg steht.<\/p>\n<p>Eine Alternative w\u00e4re ein kostenpflichtiger Autoparkplatz. Theoretisch ist es m\u00f6glich, sein Rad dort abzustellen. &#8222;Die meisten Parkpl\u00e4tze sind nicht f\u00fcr spezielle Fahrzeuge gekennzeichnet&#8220;, sagt Roland Huhn, der Rechtsexperte des ADFC. &#8222;Dort d\u00fcrfen alle Fahrzeuge parken \u2013 auch Fahrr\u00e4der. Sie brauchen dann aber auch ein Parkticket.&#8220;<\/p>\n<p>Alltagstauglich findet Huhn eine solche L\u00f6sung jedoch nicht. Schlie\u00dflich muss der Parkschein dann irgendwo am Rad befestigt werden. Noch st\u00e4rker gegen das Parken auf Autoparkpl\u00e4tzen spricht allerdings Paragraf 12, Absatz 6 der Stra\u00dfenverkehrsordnung, den der Rechtsexperte anf\u00fchrt. Diese Regelung schreibt vor: &#8222;Es ist platzsparend zu parken\u2026&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Paragraf zwingt, genau betrachtet, die Radfahrer grunds\u00e4tzlich auf den Gehweg. Denn er besagt laut Huhn, dass es Radfahrern verboten ist, einen Pkw-Stellplatz zu besetzen, wenn in der N\u00e4he ein Fahrradstellplatz vorhanden ist. Und die existieren \u00fcberall in Form des Gehwegs. Zwar gebe es die Einschr\u00e4nkung, dass Fu\u00dfg\u00e4nger nicht durch abgestellte R\u00e4der behindert werden sollen, sagt Huhn. Aber in dem Punkt ist die Rechtsprechung vage. Im Alltag macht es letztlich die Masse: Viele abgestellte Fahrr\u00e4der st\u00f6ren Fu\u00dfg\u00e4nger \u2013 sei es auf dem Gehweg oder in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone.<\/p>\n<p><b>Kein Parkverbot f\u00fcr Radfahrer<\/b><\/p>\n<p>Einschr\u00e4nken d\u00fcrfen Kommunen das Parkrecht der Fahrr\u00e4der aber nicht. &#8222;Das Abstellen von Fahrr\u00e4dern auf Gehwegen wird von dem in Paragraf 12 Absatz 4 StVO enthaltenen grunds\u00e4tzlichen Verbot des Haltens und Parkens auf Gehwegen nicht erfasst&#8220;, erl\u00e4utert M\u00fcnchens Radverkehrsbeauftragte Elisabeth Zorn. Dazu existiert ein wegweisendes Urteil\u00a0des <a href=\"http:\/\/www.verwaltungsgericht-braunschweig.niedersachsen.de\/portal\/live.php?navigation_id=25370&amp;article_id=86839&amp;_psmand=124\" target=\"_blank\">Braunschweiger Verwaltungsgerichts<\/a>.<\/p>\n<p>In dem Verfahren ging es um die Parksituation auf dem Bahnhofsvorplatz in Braunschweig. Dort war eine Zone zum Abstellen von Fahrr\u00e4dern markiert, aber der Platz reichte nicht aus. Viele Radfahrer stellten ihr Rad au\u00dferhalb der Markierung ab. Diesen Bereich erkl\u00e4rte die Stadt Braunschweig daraufhin zur Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und stellte Parkverbotsschilder f\u00fcr Fahrr\u00e4der auf. Im n\u00e4chsten Schritt lie\u00df sie im M\u00e4rz 2002 rund 140 Fahrr\u00e4der entfernen, die auf dem Bahnhofsvorplatz au\u00dferhalb der Abstellanlage geparkt waren.<\/p>\n<p>Das war nicht rechtens, entschied das Verwaltungsgericht. In seiner Urteilsbegr\u00fcndung erkl\u00e4rte das Gericht, das Abstellen von Fahrr\u00e4dern auf Gehwegen oder Fu\u00dfg\u00e4ngerfl\u00e4chen sei zul\u00e4ssig, solange sie Fu\u00dfg\u00e4nger nicht behindern. Zudem gingen von abgestellten Fahrr\u00e4dern in der Regel keine Gefahren f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger aus.<\/p>\n<p>&#8222;Daher besteht in Deutschland \u2013 anders als in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 keine M\u00f6glichkeit, das Abstellen von Fahrr\u00e4dern auf Gehwegen durch Markierungen, Beschilderungen oder Erlaubnisvorgaben zu reglementieren&#8220;, sagt Elisabeth Zorn.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7245\" aria-describedby=\"caption-attachment-7245\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7245\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5309.jpg\" alt=\"\u00a9 Reidl\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5309.jpg 640w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/IMG_5309-620x414.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7245\" class=\"wp-caption-text\">Motorradparkplatz am Berliner Hauptbahnhof: Regelm\u00e4\u00dfig frei, aber Radfahrer d\u00fcrfen hier nicht parken. \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><b>Parken vor der eigenen Haust\u00fcr<\/b><\/p>\n<p>Das Urteil l\u00f6st jedoch das eigentliche Problem nicht. Die vielen wild parkenden R\u00e4der vor der eigenen Haust\u00fcr nerven ihre Besitzer, Hauseigent\u00fcmer und Fu\u00dfg\u00e4nger gleicherma\u00dfen. Es mangelt an einer praktikablen Alternative, insbesondere in den Gro\u00dfst\u00e4dten. Die Hinterh\u00f6fe sind voll, die Kellertreppen zu steil. Oder es gibt erst gar keinen Keller.<\/p>\n<p>Rein theoretisch ist es m\u00f6glich, einen Autoparkplatz in einen Fahrradstellplatz umzuwandeln. &#8222;Die Landesbauordnungen legen fest, wie viele &#8217;notwendige Stellpl\u00e4tze&#8216; \u2013 also Pkw-Stellpl\u00e4tze \u2013 ein Haus oder eine Wohnung haben muss&#8220;, sagt ADFC-Rechtsexperte Huhn. Diese Stellpl\u00e4tze d\u00fcrften nicht zweckentfremdet werden. Habe man allerdings mehr Stellpl\u00e4tze als vorgeschrieben, k\u00f6nne man diese selbstverst\u00e4ndlich umwidmen.<\/p>\n<p>Das klingt einfach, ist aber je nach Stadt ein langwieriger Prozess.<\/p>\n<p>Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin hat es f\u00fcr seine fr\u00fchere Gesch\u00e4ftsstelle in der Kochstra\u00dfe in Berlin-Kreuzberg umgesetzt. Der Bedarf war da. 2005 beantragte der VCD die erste Abstellanlage f\u00fcr Fahrr\u00e4der auf zwei Parkpl\u00e4tzen. Danach h\u00f6rte der Club monatelang nichts von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde. Nachfragen brachten wenig. Am Telefon wurde die VCD-Gesch\u00e4ftsstelle vertr\u00f6stet, weitergeleitet, aufgefordert, E-Mails zu schreiben, und weiterverwiesen. Im Sommer 2006 standen pl\u00f6tzlich acht Fahrradb\u00fcgel auf zwei Parkpl\u00e4tzen vor dem Haus.<\/p>\n<p>Die B\u00fcgel vor der Gesch\u00e4ftsstelle waren schnell \u00fcberf\u00fcllt, denn sie wurden flei\u00dfig von den Besuchern des nahegelegenen Jobcenters genutzt. Wieder standen Fahrr\u00e4der auf der Stra\u00dfe und im Durchgang zum Haus. Nun beschwerte sich die Hausverwaltung beim VCD \u00fcber die vielen wild parkenden Fahrr\u00e4der.<\/p>\n<p>2010 stellte der Verkehrsclub darum einen weiteren Antrag, um die Anzahl der B\u00fcgel aufzustocken. Die Zusage kam z\u00fcgig. Dann hie\u00df es wieder: warten. Wieder fragten die VCD-Mitarbeiter nach, wieder bekamen sie keine Antwort. Und mussten dieses Mal noch l\u00e4nger warten \u2013 drei Jahre. Erst 2013 wurden die neuen B\u00fcgel montiert.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr ist der VCD in die Rudi-Dutschke-Stra\u00dfe umgezogen. Vor dem neuen Haus gibt es keine Fahrradstellpl\u00e4tze auf der Stra\u00dfe. Eigentlich m\u00fcssen die VCDler die Prozedur von Neuem starten.<\/p>\n<p><b>Fahrradh\u00e4uschen selber kaufen<\/b><\/p>\n<p>Die Hansestadt Hamburg versucht das Parkproblem auf andere Weise zu l\u00f6sen. Sie bietet Privatleuten an, Fahrradh\u00e4uschen f\u00fcr zw\u00f6lf R\u00e4der aufzustellen. Der Haken: Die Nutzer m\u00fcssen die Abstellanlage selbst bezahlen. Au\u00dferdem sollen die H\u00e4uschen, sofern m\u00f6glich, &#8222;vorrangig auf Privatgrund errichtet werden. Nur wenn dies nicht m\u00f6glich ist, k\u00f6nnen die H\u00e4uschen auch auf \u00f6ffentlichem Grund aufgestellt werden&#8220;, hei\u00dft es auf der <a href=\"http:\/\/www.hamburg.de\/radverkehr\/2940772\/fahrradhaeuschen\/\" target=\"_blank\">Website<\/a> der Hansestadt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7247\" aria-describedby=\"caption-attachment-7247\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7247 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/Fahrradhaus-Hamburg-620x394.jpg\" alt=\"Fahrrradh\u00e4uschen in Hamburg \u00a9 Reidl\" width=\"620\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/Fahrradhaus-Hamburg-620x394.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/11\/Fahrradhaus-Hamburg.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7247\" class=\"wp-caption-text\">Fahrradh\u00e4uschen in Hamburg \u00a9 Reidl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Je nach Ausstattung kosten die Abstellanlagen zwischen 7.000 und 10.000 Euro. Immerhin gibt es einen Zuschuss, den man beim Bezirksamt beantragen muss. Der liegt bei 50 Prozent, maximal jedoch bei rund 3.000 Euro. Den Rest teilen sich dann die Nutzer.<\/p>\n<p>Fahrradparken wird als Thema in den St\u00e4dten immer wichtiger. Der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr soll laut Bundesregierung weiter steigen. Aber wohin mit den Massen an R\u00e4dern? Ist es wirklich Aufgabe der Radfahrer, selbst f\u00fcr gute Parkpl\u00e4tze zu sorgen? Es ist an der Zeit, dass mehr Autoparkpl\u00e4tze f\u00fcr Fahrr\u00e4der umgewidmet werden. Nicht nach dem Gie\u00dfkannen-Prinzip, wie es bislang der Fall ist, sondern entsprechend ihrem Anteil am Gesamtverkehr. Der Bedarf daf\u00fcr ist da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bild kennt man aus jeder Stadt: Abgestellte Fahrr\u00e4der tummeln sich auf Gehwegen, in Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, vor S- und U-Bahnh\u00f6fen. Das Problem ist hausgemacht: Es gibt zu wenig Abstellanlagen f\u00fcr Radfahrer. 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