{"id":7458,"date":"2015-12-23T07:46:55","date_gmt":"2015-12-23T06:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/?p=7458"},"modified":"2015-12-21T15:39:36","modified_gmt":"2015-12-21T14:39:36","slug":"fahrradrennen-paris-brest-paris-brevet-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/2015\/12\/23\/fahrradrennen-paris-brest-paris-brevet-film\/","title":{"rendered":"Dagegen ist der Ironman ein Kindergeburtstag"},"content":{"rendered":"<p>https:\/\/vimeo.com\/147332718<\/p>\n<p>1.230 Kilometer mit dem Rad in weniger als 90 Stunden: das sind die Bedingungen f\u00fcr das \u00e4lteste Radrennen der Welt, Paris-Brest-Paris. Unter den Langstreckenfahrern ist dieses alle vier Jahre stattfindende Brevet\u00a0\u2013 so nennen Fachleute ein Langstreckenrennen, bei dem eine vorgegebene Strecke innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu fahren ist \u2013 legend\u00e4r. Wer starten will, muss die Teilnahme an vier Rennen mit 200, 300, 400 und 600 Kilometern L\u00e4nge nachweisen. Beim Rennen im August 2015 war Curly Pictures aus Hamburg dabei. Die Produzenten haben einen Film gedreht, der ein bisschen s\u00fcchtig macht und beim Zuschauen den Drang erzeugt, sich anzumelden, aufs Rad zu steigen und mitzufahren.<!--more--><\/p>\n<p>Wenn 1.230 Kilometer vor einem liegen, hat man als Fahrer keine Eile. Im Gegenteil. Man ist konzentriert, organisiert, man funktioniert wie ein Uhrwerk. Wer seine Kr\u00e4fte nicht einteilt, ist ansonsten schnell drau\u00dfen.<\/p>\n<p>So bleibt viel Zeit f\u00fcr Gespr\u00e4che beim Pedalieren. Noch mehr Zeit hat jeder Fahrer mit sich allein. Curly Pictures greift in <em><a href=\"http:\/\/curlypictures.com\/brevet\/de\/home-default\/\" target=\"_blank\">Brevet<\/a> <\/em>dieses Element auf: in der Darstellung der Landschaft, der Menschen am Wegesrand und der Fahrerinnen und Fahrer.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7461\" aria-describedby=\"caption-attachment-7461\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7461 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-14-620x349.jpg\" alt=\"Claus Czycholl \u00a9 Curly Pictures\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-14-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-14.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7461\" class=\"wp-caption-text\">Claus Czycholl \u00a9 Curly Pictures<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der Zuschauer begleitet drei Protagonisten bei diesem Rennen: Claus Czycholl ist 72 Jahre alt und lebt in Hamburg. Im Arbeitsleben war er als Streetworker auf St. Pauli unterwegs und sp\u00e4ter Schulsozialarbeiter. Damals hat er mit Ausdauersport begonnen, als Ausgleich. Erst lief er Marathon, dann fuhr er Rennrad.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7454\" aria-describedby=\"caption-attachment-7454\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7454 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-12-620x349.jpg\" alt=\"\u00a9 Curly Pictures\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-12-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-12.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7454\" class=\"wp-caption-text\">Ganz links: Michael Kopmann \u00a9 Curly Pictures<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Michael Kopmann, 36, ist Ingenieur f\u00fcr Reaktorphysik und Ironman-Teilnehmer. Er wird sp\u00e4ter im Ziel \u00fcber das Brevet sagen: &#8222;Ein Ironman ist im Vergleich zu der Veranstaltung hier ein Kindergeburtstag.&#8220;<\/p>\n<p>Die dritte ist Sina Witte. Sie ist ebenfalls Ingenieurin und 38 Jahre alt. Sie lebt in Paris, f\u00fcr sie ist das Brevet quasi ein Heimspiel. Ihr Freund ist ebenfalls dabei. Allerdings geht er die Tour bedeutend sportlicher an: Nach maximal 55 Stunden will er ins Ziel kommen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7455\" aria-describedby=\"caption-attachment-7455\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7455 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-16-620x349.jpg\" alt=\"\u00a9 Curly Pictures\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-16-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-16.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7455\" class=\"wp-caption-text\">Zweite von links: Sina Witte \u00a9 Curly Pictures<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die erste Etappe f\u00fchrt durch die gelben Stoppelfelder der Normandie. Bereits hier zeigt sich der besondere Geist dieses Brevets: Die Menschen entlang des Weges seien der Motivator, sagt Czycholl. Das sei schon beim ersten Brevet 1891 so gewesen und ist heute immer noch so. Tats\u00e4chlich feuern sie auf der ganzen Strecke die Fahrer an. Sie applaudieren ihnen, und Freiwillige versorgen die Rennfahrer mit Essen, Trinken und Schlafpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Einige der Helfer sind ehemalige Teilnehmer. &#8222;Caf\u00e9 Cr\u00e8me&#8220;, ruft ein Mann den Fahrern zu. Er ist die Strecke einmal gefahren, jetzt verteilt er mit seiner Familie kostenlos Cr\u00eapes und Kaffee auf der Stra\u00dfe. Sie stecken den Fahrern Zettel mit ihrer Adresse und der Bitte zu, ihnen eine Postkarte aus ihrer Heimat zu schicken. Mehrere Stellw\u00e4nde an der Hauswand sind bereits mit Postkarten bedeckt.<\/p>\n<p>Die erste Nacht fahren die meisten Radfahrer durch. Einige g\u00f6nnen sich einen Kurzschlaf von zwei bis zehn Minuten an einem der Kontrollpunkte. Wenn sie dort ihren Stempel erhalten haben, essen sie etwas und legen kurz den Kopf auf den Tisch. Dann geht es zur\u00fcck in den Sattel.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7456\" aria-describedby=\"caption-attachment-7456\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7456 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-22-620x349.jpg\" alt=\"\u00a9 Curly Pictures\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-22-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-22.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7456\" class=\"wp-caption-text\">Kurze Pause \u00a9 Curly Pictures<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>In der zweiten Nacht wird die Unterst\u00fctzung immer wichtiger. Fahrer, die ohne Schlaf durchzukommen versuchen, erreichen ihre Grenzen. &#8222;Ich bin fast im Stra\u00dfengraben gelandet&#8220;, sagt Kopmann am n\u00e4chsten Morgen zu seinen Mitfahrern. Andere fahren Schlangenlinien, bis sie endlich am Kontrollpunkt schlafen k\u00f6nnen. Manche legen sich eine Stunde auf die Liegen in den Turnhallen, manche f\u00fcnf. Andere wickeln sich in ihre Rettungsweste ein und schlafen direkt am Stra\u00dfenrand.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7453\" aria-describedby=\"caption-attachment-7453\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7453 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-13-620x349.jpg\" alt=\"\u00a9 Curly Pictures\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-13-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/fahrrad\/files\/2015\/12\/Brevet-Still-13.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7453\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Curly Pictures<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es gibt viele unterschiedliche Wege, Paris-Brest-Paris zu fahren. Seinen Weg muss jeder f\u00fcr sich allein finden, und er kann in jedem Jahr anders sein. Das illustriert der Film sehr deutlich. Er zeigt auch die Menschen, die aufgeben; die, die anderen helfen, einander unterst\u00fctzen und voneinander profitieren. Paris-Brest-Paris ist ein besonderes Erlebnis. Ob man als Team oder Einzelfahrer unterwegs ist, macht keinen Unterschied. Gl\u00fccklich ist, wer Teil dieses Brevets sein durfte.<\/p>\n<p><em>Der Film erscheint im Januar auf DVD oder als VOD. Premiere ist am 16.01.2016 in Hamburg im Abaton-Kino. Wer die Gelegenheit hat, sollte ihn sich ansehen. Es lohnt sich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/vimeo.com\/147332718 1.230 Kilometer mit dem Rad in weniger als 90 Stunden: das sind die Bedingungen f\u00fcr das \u00e4lteste Radrennen der Welt, Paris-Brest-Paris. Unter den Langstreckenfahrern ist dieses alle vier Jahre stattfindende Brevet\u00a0\u2013 so nennen Fachleute ein Langstreckenrennen, bei dem eine vorgegebene Strecke innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu fahren ist \u2013 legend\u00e4r. 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