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Der Körper als Schauplatz sozialer Ungerechtigkeit

 
Rotulo © Renata Marques

Das Festival Move Berlim präsentiert neuen brasilianischen Tanz.

Die eingeladenen Choreographen und Tänzer kommen aus den unterschiedlichsten Regionen Brasiliens. Zehn Tage zeigen sie am HAU neue Produktionen – und machen den Körper wahlweise zum Schauplatz sozialer Ungerechtigkeit oder zur Projektionsfläche für Schönheitsideale.

Die Kuratoren Wagner Carvalho und Björn Dirk Schlüter haben sich für  harte Themen entschieden. Die Stücke handeln von Armut und Bürgerkrieg, Sexualität und Behinderung. Nicht um der Sensation willen, sondern weil diese Direktheit den brasilianischen Tanz auszeichnet, erklären die Kuratoren. Aber darüber lässt sich bestimmt noch einmal bei einer der Podiumsdiskussionen streiten, die nach den Auftritten stattfinden. Ansonsten bleiben diverse Workshops und Performances, die andere Facetten der zeitgenössischen Tanzszene betrachten. Hier das Programm.

Erst einmal eröffnet der Choreograf Marcelo Evelin das Festival mit seinem Stück Mataduro (Schlachthof). Es basiert auf dem Roman Krieg im Sertao (1902) von Euclides da Cunha über den blutigen Kampf zwischen der herrschenden Klasse und ehemals versklavten Schwarzen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Tänzer verkörpern das gewaltsame Kräftemessen zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Nackt.

Einen weniger rabiaten Einstieg bietet am Wochenende die Doppelperformance von Paula Carneira Dias und Charlene Sadd: In Para o Herói: Experimentos sem Nenhum Caráter – Corpo sobre Papel (Für den Helden: Experimente ohne jeglichen Charakter – Körper auf Papier) absorbiert die Performerin die Charaktere des Textes, über den ihr Körper gleitet. Dabei handelt es sich um den Roman Macunaíma (1928) mit dem Mário de Andrade gegen die Kolonialära anschrieb.

Und in der Performance Rotulo – As Impressoes do Corpo ( Etikett – die Eindrücke des Körpers) setzt sich Sadd mit dem Körper als Ware auf dem Markt des sozialen Zusammenlebens auseinander, dem Wert des Erscheinungsbildes sowie den Mechanismen der Vermarktung. Dabei stehen die ästhetischen Anforderungen an den weiblichen Körper im Vordergrund.

18 Uhr | 09. & 10. April 2011 | HAU 3 | Tempelhofer Ufer 10 | Berlin Kreuzberg

1 Kommentar


  1. […] Freiwillig das Alexa betreten? Ausnahmsweise lohnt es sich. Denn die Kompanie Gira Dança macht die Passanten zu Protagonisten ihrer Choreografie. Das Stück A Cura beschäftigt sich mit der Rolle des Einzelnen in einer voreingenommen, hektischen, egoistischen und konsumgeilen Gesellschaft. Es fragt, wie sich die vom Menschen gemachten Probleme heilen lassen. Die Kompanie hat A Cura in gerade mal vier Monaten entwickelt, Recherche und Dialoge inklusive. Es gehört, genau wie die heutige Intervention, zum Programm des Festivals move Berlim. […]

 

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