{"id":7579,"date":"2011-05-17T18:00:19","date_gmt":"2011-05-17T16:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/filter\/?p=7579"},"modified":"2011-05-18T17:15:03","modified_gmt":"2011-05-18T15:15:03","slug":"meredyth-sparks-stripped-bare-veneklasen-werner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/2011\/05\/17\/meredyth-sparks-stripped-bare-veneklasen-werner\/","title":{"rendered":"Eine K\u00fcnstlerin auf Streifzug"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7583\" aria-describedby=\"caption-attachment-7583\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7583   \" title=\"Meredyth Sparks, &quot;Stripped Bare&quot; bei VeneKlasen Werner (Installationsansicht) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner, Berlin\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7583\" class=\"wp-caption-text\">Meredyth Sparks, &quot;Striped Bare&quot; bei VeneKlasen Werner (Installationsansicht) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner, Berlin<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Textilkunst einmal anders: Die &#8222;Extractions&#8220; von Meredyth Sparks domestizieren die Moderne.<\/strong><\/p>\n<p>Die New Yorker K\u00fcnstlerin Meredyth Sparks war bisher bekannt f\u00fcr k\u00fchle, geometrische Collagen. Ihre neue Ausstellung <em><a href=\"http:\/\/www.vwberlin.com\/exhibitions\/Meredyth%20Sparks%20\/dates\" target=\"_blank\">Striped Bare<\/a><\/em><a href=\"http:\/\/www.vwberlin.com\/exhibitions\/Meredyth%20Sparks%20\/dates\" target=\"_blank\"> bei VeneKlasen Werner<\/a> beinhaltet pl\u00f6tzlich Textilkunst und viele gro\u00dfformatige Bilder von Heizk\u00f6rpern. Hat sich Sparks auf einmal der &#8222;Frauenkunst&#8220; gewidmet? Warum sie Textilien als Werkstoff f\u00fcr ihre eigenwilligen Werke entdeckt  hat \u2013 und vor allem, welche Rolle der Frau in den Arbeiten zukommt,\u00a0 erz\u00e4hlte Sparks dem <em>Filter<\/em> im Interview.<!--more--><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7587\" aria-describedby=\"caption-attachment-7587\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7587   \" title=\"Sparks2\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks2.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks2.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparks2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7587\" class=\"wp-caption-text\">Meredyth Sparks, &quot;Striped Bare&quot; bei VeneKlasen Werner (Installationsansicht) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner, Berlin<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Frau Sparks, was hat es mit den Heizk\u00f6rpern auf sich?<\/p>\n<p><strong>Meredyth Sparks<\/strong>: Der Heizk\u00f6rper ist ein wiederkehrendes Motiv f\u00fcr mich. Ich habe beispielsweise eine Tonarbeit gemacht zu einem rumorenden Heizk\u00f6rper. Oft taucht er auch im Hintergrund meiner bildbasierten Arbeiten auf. F\u00fcr mich ist der Heizk\u00f6rper ein industrielles und h\u00e4usliches Objekt zugleich. Er geh\u00f6rt in jeden modernen Haushalt, trotzdem versuchen die Leute ihn zu dekorieren oder zu kaschieren. Er funktioniert wie ein Organ, pumpt Wasser durch sein Inneres, st\u00f6\u00dft Dampf aus. In David Lynchs <em>Eraserhead<\/em> lebt eine Frau im Heizk\u00f6rper und f\u00fcr Lynch ist er wie ein Geschlechtsorgan, weil die Frau durch die Heizung mit dem Protagonisten kommuniziert. Es gibt nicht so viele Informationen \u00fcber Heizungen, aber die finde ich interessant.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Und warum arbeiten Sie pl\u00f6tzlich mit Textil, einem sehr weiblich konnotierten Werkstoff.<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Ich hinterfrage genau diesen Bezug. Denn ich habe \u00fcberlegt, warum es auch mir weiblich erschien, damit zu arbeiten.\u00a0Die N\u00e4herei neben meinem Atelier in Brooklyn verkleinerte sich vor ein paar Jahren und ich durfte mir Stoffproben aussuchen. Als ich die jetzt wieder herausgeholt habe, schaute ich mir die Formen genauer an. Dann besch\u00e4ftigte ich mich mit Kasimir Malewitsch, aber vor allem mit den Frauen im Suprematismus, wie Ljubow Popowa und ihren Textildesigns. Diese Recherche ist in der Arbeit enthalten. Ich n\u00e4he in einer nicht-dekorativen, utilitaristischen Weise, es ist nur Mittel zum Zweck.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Dennoch wirken die aufwendigen Stoffe und die pastellenen T\u00f6ne ziemlich &#8222;dekorativ&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Ja, die verschiedenen Textilien sind schick. Aber die Konzentration liegt weniger auf dem Material, als vielmehr auf der Idee, dass ich das gleiche Bild nehme und nur den Stoff darum austausche. Wie auch in meinem vorausgehenden Werkkomplex will ich den Betrachter \u00fcberfrachten und ihm den Fokus verwehren. Mich interessiert dieser psychologische Raum, wenn es nichts gibt, woran sich der Betrachter festhalten kann. Diese Arbeiten hier haben f\u00fcr mich eine surreale Qualit\u00e4t in der Art, wie sich der Raum verh\u00e4lt. Statt eines Objektes und eines Interieurs stehen sich verschiedene Muster gegen\u00fcber \u2013 wegen der Streifen der Heizk\u00f6rper.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7591\" aria-describedby=\"caption-attachment-7591\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7591\" title=\"MEREDYTH SPARKS EXTRACTION (PAINTED BLUE WALL \/ RADIATOR), 2011 (ALTERED) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/SparksDetail.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/SparksDetail.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/SparksDetail-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7591\" class=\"wp-caption-text\">Meredyth Sparks, Extraction (Painted Blue Wall \/ Radiotor), 2011 (Detail) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Apropos Heizk\u00f6rper, f\u00fcr Ihre letzten Arbeiten montierten sie noch Ikonen der siebziger Jahre zu k\u00fchlen, geometrischen Collagen. Was bringt sie von Portr\u00e4tfotografien zu Interieurs, vom Relief zum Bild und von Vinyl, Glitzer und Aluminium zum Stoff?<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Das ist nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung. Bei meinen vorherigen Arbeiten ging ich von sehr vertrauten Bildern aus, zu denen der Betrachter vielleicht sogar einen emotionalen Bezug hat. Die habe ich dann formal ausgelotet, ihnen den Konstruktivismus gegen\u00fcbergestellt.\u00a0Aber nach wie vor sind meine Arbeiten Collagen, in denen zwei Ideologien aufeinander treffen. Au\u00dferdem deuten die Muster der Textilien eine Unendlichkeit an, w\u00e4hrend die den Digitalprints zugrunde liegenden Fotografien immer beschnitten sind. Ich kombiniere auch diese beiden Aspekte, aber verkn\u00fcpfe sie nur lose. Sie versuchen zueinander zu finden, aber die Spannung zieht sie auseinander, Rahmen und Wand kommen als zus\u00e4tzliche Informationen hinter dem Gem\u00e4lde zum Vorschein.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Also sind es f\u00fcr Sie Gem\u00e4lde?<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Das fotografische Quellmaterial wurde mit Photoshop bearbeitet. Auch wenn es in Photoshop geschieht, ist es f\u00fcr mich malen \u2013 vielleicht in Referenz zum Minimalismus.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Dennoch arbeiten Sie nicht einfach mit einer Leinwand, sondern setzen die Bilder aus bedruckten Leinwand-Fragmenten zusammen.<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Das passiert ganz spielerisch in meinem Atelier. Ich starte mit einer Idee und probiere alle sich daraus ergebenden M\u00f6glichkeiten aus. Jede Arbeit hat f\u00fcr mich daher eine andere Logik, wurde anders gemacht. Hier zum Beispiel hatte ich das Bild, aber wollte das Motiv weiterf\u00fchren. Also musste ich eine Partie hinzuf\u00fcgen. Und darauf kommt es mir an: das N\u00e4hen, den Farb\u00fcbergang vom Photo zur gemalten Fl\u00e4che.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7586\" aria-describedby=\"caption-attachment-7586\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7586   \" title=\"Sparksss\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparksss.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparksss.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/filter\/files\/2011\/05\/Sparksss-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7586\" class=\"wp-caption-text\">Meredyth Sparks, &quot;Striped Bare&quot; bei VeneKlasen Werner (Installationsansicht) \u00a9 Courtesy VeneKlasen Werner, Berlin<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLIN<\/strong>E: Nicolas Bourriaud schreibt \u00fcber Ihre Arbeit, dass die spezifische Geste im Ausschneiden besteht, sei es des Materials, der verwendeten Fotovorlage oder des Ausstellungsraumes. Aber was liegt den schwarz-wei\u00dfen Arbeiten zugrunde, die sie nur aus bedruckten Leinw\u00e4nden zusammengesetzt haben? Woraus schneiden Sie hier aus?<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Hier kommt das Feuer der Triangle Shirtwaist Factory ins Spiel. Denn bei diesen Arbeiten handelt es sich um Textbilder, die wiederum auf Scans eines Buches \u00fcber besagte Brandkatastrophe basieren. Daher das Piktogramm.\u00a0Ich habe den Text der Seiten gel\u00f6scht und mich auf das Design des Buches konzentriert. Eigentlich habe ich ihn nicht wirklich gel\u00f6scht, sondern in Photoshop \u00fcberstempelt mit einem wei\u00dfen Bereich auf der jeweiligen Seite. Im Grunde ist also alles noch vorhanden. Die Pixel in den dunklen Fl\u00e4chen r\u00fchren daher, dass ich keinen schwarzen Bereich hatte, aus dem der Stempel h\u00e4tte sch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Ich habe die Idee des Palimpsests aufgegriffen und die Seiten als Notizzettel f\u00fcr etwas Anderes genutzt. Die ganze Information aus dem Buch ist in den Werken enthalten. Und dieses Prinzip habe ich wiederum auf die Textilbilder angewandt. Die N\u00e4hte der Textbilder und der Textilbilder sind identisch.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Demnach funktionieren die Textarbeiten wiederum wie Bild-Notizen, auf denen die Textilarbeiten basieren.\u00a0Ein Grund mehr noch einmal auf das Feuer in der Textilfabrik zur\u00fcckzukommen. Wie spielt das Ungl\u00fcck in die Ausstellung <em>Striped Bare?<\/em><\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute den politischen Bezug \u00fcberhaupt sehen k\u00f6nnen. Der funktioniert eher implizit: Aber diesen M\u00e4rz j\u00e4hrte sich das verheerende Brandungl\u00fcck in der Triangle Shirtwaist Factory im Jahr 1911. Das Feuer war damals eine gro\u00dfe Sensation. Das Geb\u00e4ude befand sich am Washington Square Park. An besagtem Samstagnachmittag spazierten die Leute umher, als pl\u00f6tzlich diese im Geb\u00e4ude eingeschlossenen N\u00e4herinnen aus den Fenstern sprangen, weil die Leitern der Feuerwehr die oberen Etagen nicht erreichten. Das war ein einschneidender Moment. Der Vorfall sch\u00e4rfte das Bewusstsein f\u00fcr Arbeitnehmerrechte aber vor allem die Situation von Frauen. Die hatten gerade begonnen, den Arbeitsmarkt zu betreten und f\u00fchrten ein \u00f6ffentliches Leben.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>:  Demnach setzt sich Ihr Werkkomplex also nicht nur formal mit den Zehner Jahren auseinander.<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Genau. Damals hatte nicht nur Modernismus begonnen, auch wenn die Leute noch nicht wussten, was daraus entwickeln w\u00fcrde. Vielmehr fallen die Zehner auch mit dem Erscheinen der modernen Frau zusammen. Die Eisskulptur im Vorderraum ist \u00fcbrigens der Dada-Poetin und Bildhauerin Baroness Elsa von Freytag-Loringhove gewidmet.<\/p>\n<p><strong>ZEIT ONLIN<\/strong>E: Eine letzte Frage, inwiefern spielt der Ausstellungstitel <em>Striped Bare<\/em> auf Duchamps sogenanntes <em>Gro\u00dfes Glas<\/em> an?<\/p>\n<p><strong>Sparks<\/strong>: Der Titel bezieht sich zwar auf die Arbeit <em>The Bride Stripped Bare by Her Bachelors, Even<\/em>. (1915-1923) Aber eigentlich hat er mehr mit dem Entbl\u00f6\u00dfen als mit Duchamp zu tun. Schlie\u00dflich mache ich die Materialit\u00e4t der Arbeiten sichtbar, lege den Rahmen der Leinwand frei und die Wand der Galerie. Hinzu kommt das gestreifte Textil.<\/p>\n<p><strong>noch bis zum 18. Juni 2011<\/strong> | <a href=\"http:\/\/www.vwberlin.com\/\" target=\"_blank\">VeneKlasen Werner<\/a> | Rudi-Dutschke-Stra\u00dfe 26 | Berlin Mitte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Textilkunst einmal anders: Die &#8222;Extractions&#8220; von Meredyth Sparks domestizieren die Moderne. Die New Yorker K\u00fcnstlerin Meredyth Sparks war bisher bekannt f\u00fcr k\u00fchle, geometrische Collagen. Ihre neue Ausstellung Striped Bare bei VeneKlasen Werner beinhaltet pl\u00f6tzlich Textilkunst und viele gro\u00dfformatige Bilder von Heizk\u00f6rpern. Hat sich Sparks auf einmal der &#8222;Frauenkunst&#8220; gewidmet? 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