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Gute und schlechte Nachrichten aus Peking

 

Nach mehr als neunmonatiger Untersuchungshaft ist die chinesische Mitarbeiterin der ZEIT Zhang Miao am Donnerstagnachmittag freigekommen. Zhang war am 2. Oktober 2014 in der Nähe von Peking auf dem Weg zu einer Dichterlesung, bei der die Occupy Central Proteste in Hong Kong unterstützt werden sollten, verhaftet worden. Die Behörden warfen ihr Erregung öffentlichen Ärgernisses vor.

Die deutsche Regierung, DIE ZEIT, Bürgerrechtsgruppen und viele internationale Medien setzten sich intensiv für die Freilassung Zhang Miaos ein. Der Einzige, der in diesen neun Monaten Kontakt zu ihr aufnehmen konnte, war ihr Anwalt Zhou Shifeng. Zhang Miao verbrachte den Großteil der neun Monate im Untersuchungsgefängnis von Tongzhou bei Peking, eine Zeitlang wurde sie jedoch auch in einem sogenanntem schwarzen Gefängnis festgehalten, einem rechtsfreiem Raum. Die Behörden erklärten Miao jetzt für unschuldig, eine Gerichtsverhandlung fand nicht statt. Ich war überglücklich, Miaos Stimme gestern zum ersten Mal nach neun Monaten zu hören, sie befand sich gerade auf dem Weg zum Abendessen mit ihrer Familie und ihren Freunden. Miao war sehr froh, es geht ihr gut.  DIE ZEIT freut sich sehr über ihre Freilassung.

Doch leider ereilten uns schon am folgenden Tag sehr schlechte Nachrichten. Anwalt Zhou Shifeng ist verschwunden. Zeugen beobachteten, wie drei starke Männer in Zivil ihn frühmorgens aus seinem Hotelzimmer abführten, seinen Kopf hatten sie mit Kleidung bedeckt, damit er nichts sehen konnte. Schon vorher war Zhou gewarnt worden, man könne sich an ihm rächen, die Behörden seien unzufrieden damit gewesen, dass er nicht ausreichend kooperiert habe. Wir sind in großer Sorge um Zhou Shifeng.

4 Kommentare

  1. Avatar  Dr. Arlete von Kries

    Ich gratuliere für die Freilassung von Miaos und appeliere auf weiter Bemühungen für den Rechtanwalt!!!
    Ich bin sicher die Regierung in China wird alles tun um dem Fall zu klären und den Anwalt wird gesund frei gelassen werden!
    Der weise Mensch ist nicht nach Rache suchtig!


  2. Zitat : “ Die deutsche Regierung, DIE ZEIT, Bürgerrechtsgruppen und viele internationale Medien setzten sich intensiv für die Freilassung Zhang Miaos ein. “
    Übrigens : Wo war der Aufschrei über die getöteten russischen Journalisten in der Ostukraine ? Na klar , waren nur die bösen Russen . ( Sarkasmus aus )
    Dazu :
    1. Die ukrainische Rada bringt gerade ein Gesetz auf den Weg, das die Rücknahme der Presseakkreditierung annähernd aller russischen Medien beinhaltet.
    2. Die ukrainische Geheimpolizei – die SBU – hat jetzt eine Befehl herausgegeben 80 Personen, inklusive einige der besten Journalisten, die aus dem Kriegsgebiet berichten, festzunehmen.
    und dieses aus anderen Ländern :
    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2015/01/wer-ist-der-nummer-1-killer-von.html
    Sind die vielen Journalisten und Kollegen nicht auch mal eine Schlagzeile wert ?
    Z.B. aus Palestina , aus Syrien , aus Russland und anderen Ländern .
    Da sollte sich ZON auch mal aufregen oder passen diese Journalisten nicht ins Konzept ?


  3. Zumindest schonmal teilweise eine gute Nachricht mit einem leider traurigen Beigeschmack.
    Chinas Regierung gehört wohl zu den grausamsten und verabscheuungswürdigste Regierungen dieser Welt.
    Es ist wirklich traurig mit anzusehen, wie eine 1000 Jahre alte Kultur (und noch älter) seit 79 Jahren aktiv vernichtet wird…zusammen mit einem großen Teil seiner Bevölkerung.
    Die Menschen dort hingegen sind sehr gastfreundlich und zuvorkommend.
    Allerdings gibt es natürlich wie überall auch dort schwarze Schafe, die mit eiferndem Nationalismus der Partei folgen und denen dann so Aussagen „rausrutschen“ wie: „Was wir Deutschen denn für Probleme mit Hitler hätten. Der hätte doch viel geleistet für Deutschland“

    In gewisser Weise ist diese Aussage allerdings symptomatisch für den allgemeinen Blick der Bevölkerung auf die chinesische Regierung. „Aufschwung, Autobahnen und Züge haben sie uns gegeben. Alles super.“

    Deutschen im allgemeinen fällt eine solche Sichtweise eher schwer…natürlich bis auf den üblichen Bodensatz an Appologeten, die sogar China, Nord Korea, Saudi Arabien…ach ne, die sind ja irgendwie mit den USA verbandelt…dann aber den Iran als freiheitliche aber ständig schlecht geredete Länder darstellen zu versuchen.
    Wir Deutschen haben einmal erlebt, dass viele in der Bevölkerung lieber weggeschaut haben.

    Den Chinesen muss man allerdings zu Gute halten (zu einem gewissen Maß), dass sie maßloser Propaganda ausgesetzt sind und vom Internet so gut wie abgeschnitten sind. Die große Feuerwand leistet ganze Arbeit.


  4. Weiss man schon, wer den Anwalt bedroht und entführt hat?
    Ich habe gehört, in China gibt es so eine Art Geheimpolizei – mit dem Unterschied zu anderen Diktaturen, dass sie gar nicht geheim ist. Stimmt das?

 

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